31. Sitzung Sportausschuss am 07.10.2026: Olympia-Rückhalt ja, Blankoscheck nein

31. Sitzung des Ausschusses für Sport und Ehrenamt, 07.10.2026 (Quelle: Deutscher Bundestag)

KW 41/2026 · Ausschuss · Mittwoch, 07.10.2026

Kurz gesagt: Am 7. Oktober 2026 haben DOSB, Behindertensportverband, die Stadt München und Sport-Staatsminister Ronald Rauhe im Sportausschuss ihren Plan für die Olympia-Bewerbung vorgestellt.1, 2 Alle wollen Zusammenarbeit auf Augenhöhe, über Kosten und Finanzierung sagt die schriftliche Stellungnahme des DOSB nichts. Wir stehen hinter einer deutschen Bewerbung, aber nicht hinter einem Blankoscheck.

Olympia-Bewerbung im Sportausschuss: viel Einigkeit, wenig Zahlen

Knapp zwei Wochen nach der Entscheidung für München hat sich der Ausschuss für Sport und Ehrenamt in seiner 31. Sitzung öffentlich mit dem weiteren Weg der Bewerbung befasst. Wenn Du wissen willst, wer jetzt was entscheidet, wann das IOC wählt und wo wir als Arbeitskreis Sport und Ehrenamt der AfD-Bundestagsfraktion die offenen Punkte sehen, findest Du hier den Überblick. Die Ankündigung der Sitzung mit allen Tagesordnungspunkten haben wir vorab veröffentlicht.3

Worum es ging

Tagesordnungspunkt 1 war ein Bericht zu den Planungskonzepten für die Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland, als Selbstbefassung SB 21(5)39. Die Sitzung fand im Paul-Löbe-Haus statt und war öffentlich.1 Danach folgten die Nachberichte zur Schwimm-EM in Paris und zur Leichtathletik-EM in Birmingham sowie die gutachtliche Stellungnahme zum Haushaltsgesetz 2027. Die EM-Bilanz behandeln wir in einem eigenen Beitrag.

Ausgangspunkt ist die außerordentliche Mitgliederversammlung des DOSB am 26. September 2026 in Baden-Baden. Dort setzte sich München im ersten Wahlgang mit 91 zu 50 Stimmen gegen KölnRheinRuhr durch, das entspricht 65,54 Prozent. München soll sich für die Spiele 2036, 2040 oder 2044 bewerben.4 Unsere Einordnung dieser Wahl findest Du im Beitrag „München wird deutscher Olympia-Bewerber: richtige Wahl, teurer Umweg“.5

Wer geladen war

  • Deutscher Olympischer Sportbund: Otto Fricke, Vorstandsvorsitzender, und Stephan Brause, Ressortleiter Olympiabewerbung
  • Deutscher Behindertensportverband: Idriss Gonschinska, Vorstandsvorsitzender
  • Landeshauptstadt München: Oberbürgermeister Dominik Krause
  • Für die Bundesregierung: das Bundeskanzleramt mit Staatsminister für Sport und Ehrenamt Ronald Rauhe6, 2

Was die Gäste vorgetragen haben

Der Zeitplan des IOC: Fricke erläuterte, dass das IOC nach einer Prüfung durch die Future Host Commission im Frühjahr 2027 eine Handvoll weit fortgeschrittener Bewerber in den sogenannten „Strategic Dialogue“ einlädt. 2028 soll mit einem oder mehreren Bewerbern der „Targeted Dialogue“ beginnen, 2029 entscheidet die IOC-Session über die Spiele 2036.2 Wer 2027 nicht eingeladen wird, bleibt laut DOSB für 2040 und später im Gespräch.4

Die Rolle des DOSB: Nach der Olympischen Charta ist der DOSB für das IOC der maßgebliche Partner und soll alle Bewerbungsaktivitäten verantworten und koordinieren. Fricke stellte zugleich klar: „Ausdrücklich heißt das nicht: Wir bestimmen.“ Ohne Bund, Land und Stadt könne der Sport die Bewerbung nicht stemmen. Für den Bund stehe dabei auch der Bundestag als Haushaltsgesetzgeber.2 Der DOSB hat außerdem die Gründung einer „DOSB International GmbH“ beschlossen, die Deutschland im Weltsport besser positionieren soll.4

Paralympics von Anfang an: Gonschinska forderte, dass die paralympische Sicht von Beginn an verbindlicher Teil aller Planungen ist. Barrierefreiheit, Mobilität und Teilhabe dürften nicht erst am Ende ergänzt werden. Entscheidend sei, was nach der Bewerbung für Sport-Deutschland bleibt.2

München plant schon: Oberbürgermeister Krause betonte, es handle sich um eine deutsche Bewerbung. Die Stadt baue bereits die Struktur für die Bewerbung auf und beginne mit der Planung für ein Olympisches Dorf, für Sportstätten und den Nahverkehr. Man könne nicht bis 2029 warten.2

Die Bundesregierung: Staatsminister Rauhe nannte die Entscheidung für München einen ersten Meilenstein. Für Bundesregierung und Kanzler sagte er: „Wir stehen fest hinter dem DOSB und der Münchner Bewerbung.“ Die Mitglieder des Sportausschusses forderte er auf, als Botschafter für die Bewerbung zu werben, im Parlament und in den Wahlkreisen.2 Wer Rauhe ist und was wir von ihm erwarten, haben wir zu seinem Amtsantritt beschrieben.7

Unsere Fragen und Beiträge

Für die AfD-Fraktion sitzen Jörn König, Thomas Korell und Lars Schieske im Ausschuss. Die Parlamentsnachrichten geben die Fragen der Abgeordneten aus der Aussprache nicht wieder. Die vollständige Sitzung mit allen Wortbeiträgen kannst Du im Video oben und in der Mediathek des Bundestages ansehen.8 Unser Schwerpunkt bleibt derselbe wie bei der DOSB-Entscheidung: Was kostet die Bewerbung, wer zahlt, und was kommt bei den Vereinen an?

Beschlüsse und Ergebnisse

Zu Tagesordnungspunkt 1 gab es keinen Beschluss. Es handelte sich um einen Bericht im Rahmen einer Selbstbefassung des Ausschusses.1 Die Bewerbung selbst liegt beim DOSB, der Stadt, Land und Bund nach eigenen Angaben bereits zu ersten Gesprächen eingeladen hat.4

Unsere Einordnung

Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland sind eine große Chance für den Sport, für den Nachwuchs und für das Ansehen unseres Landes. Deshalb stehen wir hinter einer deutschen Bewerbung. Was uns fehlt, ist die zweite Hälfte der Wahrheit. Die schriftliche Stellungnahme des DOSB beschreibt Zeitplan, Zuständigkeiten und eine neue GmbH, nennt aber keine Summe und keinen Finanzierungsplan.4 Gleichzeitig erinnert der DOSB selbst daran, dass der Bundestag als Haushaltsgesetzgeber mit am Tisch sitzt.2 Genau das nehmen wir ernst: Wer vom Parlament Rückhalt erwartet, muss dem Parlament früh offenlegen, was die Bewerbung den Steuerzahler kostet.

Der Staatsminister wünscht sich Abgeordnete als Botschafter. Wir sind gern Botschafter für Leistung, für starke Vereine und für sanierte Sportstätten. Wir sind keine Botschafter für Kosten, die erst nach dem Zuschlag auf den Tisch kommen. Ein Olympisches Dorf und neue Nahverkehrsstrecken in München dürfen nicht dazu führen, dass Vereine anderswo weiter auf ihre Turnhalle warten.

Was wir fordern

  • Einen offenen Kosten- und Finanzierungsplan für Bewerbung und Ausrichtung, aufgeteilt auf Bund, Freistaat Bayern und Stadt München, bevor das IOC 2027 einlädt.
  • Regelmäßige Berichte der Bundesregierung an den Sportausschuss zu Kosten, Zeitplan und Verträgen mit dem IOC.
  • Ein klares Erbe für den Breitensport: Jede Sportstätte der Bewerbung braucht ein Nutzungskonzept für Vereine und Schulen.
  • Ein Leistungsziel: Die Bewerbung muss mit einem Plan für den Spitzensport verbunden sein, damit wir bei Heimspielen vorn im Medaillenspiegel stehen.

Fazit

Die Einigkeit im Ausschuss ist ein gutes Signal. Doch Einigkeit allein gewinnt keine Bewerbung und bezahlt keine Spiele. Wir unterstützen München, wenn Kosten, Nutzen für die Vereine und sportliche Ziele offen auf dem Tisch liegen. Rückhalt ja, Blankoscheck nein.

Häufige Fragen

Wann entscheidet das IOC über die Spiele 2036?
Nach dem vorgestellten Zeitplan entscheidet die IOC-Session 2029. Vorher lädt das IOC im Frühjahr 2027 ausgewählte Bewerber in den „Strategic Dialogue“ ein, 2028 folgt der „Targeted Dialogue“.2

Für welche Spiele bewirbt sich München?
Für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044.4

Wer führt die Bewerbung?
Gegenüber dem IOC der DOSB. Er will die Bewerbung gemeinsam mit Bund, Land und Stadt aufstellen.2

Hat der Ausschuss etwas beschlossen?
Nein. Zum Thema Olympia gab es einen Bericht ohne Abstimmung.1

Quellen

  1. Deutscher Bundestag, Ausschuss für Sport und Ehrenamt: Tagesordnung der 31. Sitzung am 7. Oktober 2026, 14:30 Uhr, Mitteilung vom 01.10.2026. PDF (abgerufen am 08.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩
  2. Deutscher Bundestag, heute im bundestag 794/2026: Olympiabewerbung: Zusammenarbeit auf Augenhöhe gefordert, 07.10.2026. Link (abgerufen am 08.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
  3. sportfrei.de: Termin am 07.10.2026: 31. Sitzung Sportausschuss zu Olympia-Bewerbung, EM-Bilanz und Haushalt 2027, 05.10.2026. Link (abgerufen am 08.10.2026) ↩
  4. Deutscher Olympischer Sportbund: Stellungnahme zur Sitzung des Ausschusses für Sport und Ehrenamt am 07.10.2026, Bewerbung um die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Spiele in Deutschland, Ausschussdrucksache 21(5)161. PDF (abgerufen am 08.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
  5. sportfrei.de: München wird deutscher Olympia-Bewerber: richtige Wahl, teurer Umweg, 29.09.2026. Link (abgerufen am 08.10.2026) ↩
  6. Deutscher Bundestag, Ausschuss für Sport und Ehrenamt: Sachverständigenliste zur Sitzung des Ausschusses für Sport und Ehrenamt am 7. Oktober 2026. PDF (abgerufen am 08.10.2026) ↩
  7. sportfrei.de: Ronald Rauhe ist neuer Staatsminister für Sport und Ehrenamt, 24.09.2026. Link (abgerufen am 08.10.2026) ↩
  8. Deutscher Bundestag, Mediathek: 31. Sitzung des Ausschusses für Sport und Ehrenamt, 07.10.2026, Video-ID 7665189. Video (abgerufen am 08.10.2026) ↩

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