KW 45/2018 · AK-Aktuell · Freitag, 09.11.2018
Kurz gesagt: Am 8. November 2018 debattierte der Bundestag einen Antrag zum E-Sport, eingebracht von den Grünen.1, 2 Joana Cotar sprach für die AfD-Fraktion: Gemeinnützigkeit für E-Sport-Vereine ja, ideologische Vorgaben für Spieler nein.2, 3 Der Antrag wurde 2021 abgelehnt, die Gemeinnützigkeit kam erst 2025.4, 5
E-Sport im Plenum: Vereine statt Vorschriften
Spät am Abend des 8. November 2018 ging es im Bundestag um eine Frage, die viele junge Leute betrifft: Gehört E-Sport in den Verein? Wir als Arbeitskreis Sport und Ehrenamt blicken zurück auf die Rede, die die Fraktion am Tag danach als Video veröffentlichte.3 Du erfährst, was beantragt wurde, was wir dazu gesagt haben und wie es ausging.
Faktenlage
Grundlage der Debatte war der Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN „Die Entwicklung des eSports fördern und gestalten“ auf Drucksache 19/5545.1 Er stand als Tagesordnungspunkt 14 auf der Tagesordnung der 61. Sitzung. Es sprachen Monika Lazar (Grüne), Johannes Steiniger (CDU/CSU), Joana Cotar (AfD), Detlev Pilger (SPD), Britta Katharina Dassler (FDP) und Dr. Petra Sitte (Linke).2
Joana Cotar nannte in ihrer Rede die Größenordnung: über 320 Millionen Zuschauer weltweit, für 2021 über 550 Millionen erwartet, ein Gesamtumsatz von rund 1,4 Milliarden Euro binnen zwei Jahren. In über 60 Ländern sei E-Sport von etablierten Verbänden des organisierten Sports anerkannt. Vereine wie der FC Schalke 04 oder der VfL Wolfsburg hätten eigene E-Sport-Teams.2
Was wir forderten
- Die Förderung des E-Sports als Förderung der Allgemeinheit im Sinne von § 52 Absatz 2 der Abgabenordnung anerkennen.2
- E-Sport in Vereinen rechtssicher ermöglichen, damit junge Spieler Training, Ordnung und Betreuung bekommen.2
- Das Versprechen aus dem Koalitionsvertrag einlösen, E-Sport als eigene Sportart mit Vereins- und Verbandsrecht anzuerkennen.2
- Jugendschutz ernst nehmen: Altersfreigaben auch bei Veranstaltungen nicht aufweichen.2
Im Plenarprotokoll heißt es dazu wörtlich: „Beim Thema eSport sollte die Gemeinnützigkeit und nicht das Profitdenken im Vordergrund stehen; denn eSport ist vor allem auch Jugendarbeit.“ (S. 6997) Und zum Koalitionsvertrag: „Es ist Zeit, das Versprechen einzulösen.“ (S. 6998)2
Unsere Einordnung
Cotar kritisierte Teile des Antrags als realitätsfern. Vorschläge wie „automatische Verlangsamungen bei langer Spieldauer“ nannte sie absurd. Auch die Einlassungen zu Geschlechtergerechtigkeit, Sexismus und Hate Speech lehnte sie ab. Getrennte Wettbewerbe für Frauen und Männer hielt sie für den besseren Weg, mehr Frauen zum Gaming zu bringen.2 Die AfD-Fraktion stimmte der Überweisung in die Ausschüsse zu.2
Unsere Haltung ist einfach: Der Staat soll Vereinen Rechtssicherheit geben. Er soll Spielern nicht vorschreiben, wie lange und mit welcher Gesinnung sie spielen.
Was daraus wurde
Der Antrag ging an den Sportausschuss und fünf weitere Ausschüsse. Erst im Juni 2021 legte der Sportausschuss seine Beschlussempfehlung 19/30924 vor: Ablehnung mit den Stimmen von CDU/CSU, SPD und AfD gegen die Grünen, bei Enthaltung von FDP und Linke.6 Die AfD-Fraktion begründete ihr Nein damit, dass es beim sogenannten E-Sport überwiegend um eGaming gehe, die Regeln von den Spieleherstellern bestimmt würden und Gemeinnützigkeit für eine millionenschwere Industriebranche nicht nachvollziehbar sei.6 Der Bundestag folgte der Empfehlung am 24. Juni 2021.4
Die Gemeinnützigkeit kam auf anderem Weg: Mit dem Steueränderungsgesetz 2025 gelten Schach und E-Sport im Gemeinnützigkeitsrecht als Sport.7, 5 Die Position der AfD-Fraktion hat sich seit 2018 geschärft: Sportsimulationen im Verein ja, Gemeinnützigkeit für Gewaltspiele nein.
Weitere Rückblicke zum E-Sport auf sportfrei.de: E-Sport ist Sport: Anerkennung statt Konkurrenz zum Rasen8; E-Sport fördern: betreuter Rahmen statt Vorurteile gegen Gamer9; E-Sport als Chance: Junge Leute über den Bildschirm in den Verein holen10; E-Sport und Politik: Wettkämpfe ohne Ausschluss ganzer Nationen11.
Fazit
Die Rede von 2018 setzte auf Verein und Jugendarbeit statt auf Vorschriften. Diese Linie gilt weiter. Wer E-Sport im Verein will, braucht klare Regeln für den Jugendschutz und keine ideologischen Auflagen.
Häufige Fragen
Worum ging es in der Debatte am 8. November 2018?
Um den Antrag 19/5545 der Grünen zur Förderung des E-Sports. Er wurde an die Ausschüsse überwiesen.1, 2
Wie stimmte die AfD-Fraktion 2021 ab?
Sie lehnte den Antrag im Sportausschuss gemeinsam mit CDU/CSU und SPD ab.6
Ist E-Sport heute gemeinnützig?
Ja, im Gemeinnützigkeitsrecht seit dem Steueränderungsgesetz 2025.7
Quellen
- Deutscher Bundestag: Drucksache 19/5545, Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN „Die Entwicklung des eSports fördern und gestalten“, 07.11.2018. PDF (abgerufen am 08.10.2026) ↩ ↩ ↩
- Deutscher Bundestag: Plenarprotokoll 19/61, 61. Sitzung am 8. November 2018, Tagesordnungspunkt 14, Rede Joana Cotar (AfD), S. 6997–6998. PDF (abgerufen am 08.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
- AfD-Bundestagsfraktion: Joana Cotar: Ihre grünen Ideologien werden sich im eSport nicht durchsetzen!, Videobeitrag vom 09.11.2018. Link (abgerufen am 08.10.2026) ↩ ↩
- Deutscher Bundestag: Plenarprotokoll 19/236, 236. Sitzung am 24. Juni 2021, Abstimmung über die Beschlussempfehlung 19/30924, S. 30595. PDF (abgerufen am 08.10.2026) ↩ ↩
- Bundesgesetzblatt Teil I 2025 Nr. 363: Steueränderungsgesetz 2025 vom 22. Dezember 2025, verkündet am 23.12.2025. Link (abgerufen am 08.10.2026) ↩ ↩
- Deutscher Bundestag: Drucksache 19/30924, Beschlussempfehlung und Bericht des Sportausschusses zum Antrag 19/5545 „Die Entwicklung des eSports fördern und gestalten“, 22.06.2021. PDF (abgerufen am 08.10.2026) ↩ ↩ ↩
- Deutscher Bundestag: Drucksache 21/3104, Beschlussempfehlung und Bericht des Finanzausschusses zum Entwurf eines Steueränderungsgesetzes 2025, 03.12.2025. PDF (abgerufen am 08.10.2026) ↩ ↩
- sportfrei.de: E-Sport ist Sport: Anerkennung statt Konkurrenz zum Rasen, 06.03.2018. Link (abgerufen am 08.10.2026) ↩
- sportfrei.de: E-Sport fördern: betreuter Rahmen statt Vorurteile gegen Gamer, 26.09.2019. Link (abgerufen am 08.10.2026) ↩
- sportfrei.de: E-Sport als Chance: Junge Leute über den Bildschirm in den Verein holen, 09.09.2022. Link (abgerufen am 08.10.2026) ↩
- sportfrei.de: E-Sport und Politik: Wettkämpfe ohne Ausschluss ganzer Nationen, 05.09.2023. Link (abgerufen am 08.10.2026) ↩


