KW 38/2025 · Parlament · Mittwoch, 17.09.2025
Sportmilliarde auf vier Jahre gestreckt: Der Sport braucht echtes Geld statt Überschriften
Du hörst überall von der Sportmilliarde. Am 17. September 2025 hat der Bundestag in seiner 24. Sitzung den Haushalt 2025 für den Einzelplan 04 beraten und beschlossen, und der Sport war Teil dieser Debatte. Für uns haben Jörn König, Lars Schieske und Thomas Korell gesprochen. Ihre Bilanz: Die Ankündigungen sind groß, das Geld pro Jahr ist klein.1
Das Wichtigste in Kürze zur Sportmilliarde
- Der Bundestag hat am 17.09.2025 den Einzelplan 04 (Bundeskanzler und Bundeskanzleramt) in namentlicher Abstimmung angenommen.
- Jörn König forderte einen Goldenen Plan von 40 Milliarden Euro für die Sportstätten und langfristig 1 Milliarde Euro jährlich für den Spitzensport.
- Lars Schieske verlangte mehr Mittel für Sportvereine, THW, Feuerwehren und Hilfsdienste statt für ideologische Fördertöpfe.
- Thomas Korell rechnete vor, dass die Sportmilliarde über vier Jahre verteilt nur rund 250 Millionen Euro pro Jahr bedeutet.
- Koalition und Bundesregierung verteidigten die Sportmilliarde und kündigten 100 Millionen Euro mehr pro Jahr für den Spitzensport ab 2026 an.
Was ist passiert
Unter Tagesordnungspunkt I.12 rief das Präsidium den Einzelplan 04 und den Einzelplan 22 auf. Grundlage waren die Beschlussempfehlung des Haushaltsausschusses zum Haushaltsgesetz 2025 und deren Ergänzung.2, 3 Für die Aussprache waren 210 Minuten angesetzt. Neben Kultur, Medien und Kanzleramt ging es um Sport und Ehrenamt.1
Haushaltsrechtlich standen die Sporttitel 2025 noch im Einzelplan 06, Kapitel 0601. Der Haushaltsausschuss strich dort den Ansatz für die Sportagentur von 200.000 Euro auf null, kürzte das Zentrum Safe Sport von 734.000 auf 534.000 Euro und erhöhte die Projektförderung für IAT und FES um 1 Million Euro.3
Über den Einzelplan 04 wurde namentlich abgestimmt. Endgültiges Ergebnis: 595 abgegebene Stimmen, 322 Ja, 273 Nein. Mit Ja stimmten Abgeordnete von CDU/CSU und SPD, mit Nein Abgeordnete von AfD, Grünen und Linken. Der Einzelplan 22 wurde einstimmig angenommen (Plenarprotokoll 21/24, S. 2512 C).1
Die Drucksachen
- Drucksache 21/1061 – Beschlussempfehlung zum Entwurf eines Gesetzes über die Feststellung des Bundeshaushaltsplans für das Haushaltsjahr 2025 (Haushaltsgesetz 2025) – Haushaltsausschuss (8. Ausschuss)2
- Drucksache 21/1064 – Ergänzung zu den Beschlussempfehlungen zum Haushaltsgesetz 2025, darunter Einzelplan 04 Geschäftsbereich des Bundeskanzlers und des Bundeskanzleramtes – Haushaltsausschuss (8. Ausschuss)3
Was unsere Redner gesagt haben
Jörn König sprach vom Niedergang des deutschen Spitzensports: 1992 Platz drei bei Olympia, heute Platz zehn, bei der Leichtathletik-WM 2023 keine einzige Medaille. Er nannte einen Sanierungsstau von 40 Milliarden Euro bei den Sportstätten und eine fünffache Weltmeisterin, die 8.000 Euro Eigenmittel aufbringen muss, um für Deutschland zu starten. Den Spitzensportetat im Regierungsentwurf bezifferte er auf etwa 330 Millionen Euro, rund 0,06 Prozent des Gesamthaushalts.1, 4
Die AfD-Fraktion hatte in den Haushaltsberatungen mit zwölf Anträgen gefordert, den Sporthaushalt 2025 auf über 400 Millionen Euro zu erhöhen. König nannte vier Punkte: Goldener Plan mit 4 Milliarden Euro jährlich über zehn Jahre, 1 Milliarde Euro jährlich für den Spitzensport, Entflechtung der Mischfinanzierung und Politiker raus aus dem organisierten Sport. Sein Schluss: „Lasst die Fachleute ran. Lasst die Politiker draußen. Und dann klappt es auch wieder mit dem Sport.“ (Plenarprotokoll 21/24, S. 2487 B)1
Auf eine Kurzintervention von Dirk Wiese (SPD) antwortete König, der AK Sport gratuliere Sportlern regelmäßig mit persönlichen Karten. Er dankte Gerald Asamoah und lobte Dennis Schröder als Beispiel für sozialen Aufstieg durch Sport. Zum FC Bundestag verwies er auf das gewonnene Verfahren gegen den Ausschluss der AfD-Abgeordneten.1 Den Hintergrund haben wir hier aufgeschrieben: FC Bundestag: Gericht kippt den Ausschluss der AfD-Abgeordneten.5
Lars Schieske hielt seine erste Rede im Bundestag. Er verwies auf das THW mit rund 1.200 Gebäuden, von denen fast ein Drittel sanierungsbedürftig ist, und auf Freiwillige Feuerwehren, die noch mit DDR-Technik fahren. Beim Sport steige der Ansatz nur leicht, während Hallen marode und Plätze kaum bespielbar seien. Er forderte, Mittel aus Migration und Demokratieförderung in THW, Feuerwehren, Hilfsdienste und Sportvereine umzuschichten: „Ehrenamt und Sport sind keine Nebensache. Sie sind das Rückgrat unserer Gesellschaft.“ (Plenarprotokoll 21/24, S. 2492 A)1, 6
Thomas Korell begrüßte jede tatsächlich umgesetzte Sanierung. Die Sportmilliarde werde aber über vier Jahre verteilt, real rund 250 Millionen Euro pro Jahr, abrufbar erst ab 2026 und finanziert aus einem Sondervermögen, also aus Schulden. Er legte sechs Forderungen vor, von ehrlichen Zahlen bis zum jährlichen Wirkungsbericht an den Bundestag. Sein Urteil: „Eine über vier Jahre gestreckte Sportmilliarde aus neuen Schulden ist keine Lösung, sondern eine Überschrift.“ (Plenarprotokoll 21/24, S. 2495 D)1, 7
So haben die anderen Fraktionen argumentiert
SPD: Wiebke Esdar nannte die Sportmilliarde einen Baustein des 500-Milliarden-Sondervermögens für Infrastruktur, um Kommunen bei Turnhallen und Schwimmbädern zu helfen, und als Wertschätzung für das Ehrenamt. Frauke Heiligenstadt verwies ebenfalls auf die Sportmilliarde für kommunale Sportstätten.1
CDU/CSU: Christian Haase erklärte, Sport und Ehrenamt seien 2025 haushalterisch noch nicht im Einzelplan 04 eingebettet, das geschehe mit dem Regierungsentwurf 2026. Er hob 1 Million Euro zusätzlich für das FES und die Unterstützung der Nordischen Ski-WM 2028 in Oberstdorf hervor.1
Grüne: Ophelia Nick widersprach der Regierung: Es gebe keinen Beschluss über 1 Milliarde Euro, vorgesehen seien lediglich bis zu 333 Millionen Euro bis 2028. Sie forderte eine solide Finanzierung des Zentrums Safe Sport. Die Linke hatte in dieser Debatte keinen eigenen Sportredner.1
Bundesregierung: Staatsministerin Christiane Schenderlein sagte, die Sportmilliarde komme, die Mittel für den Spitzensport würden ab 2026 um 100 Millionen Euro jährlich aufgestockt, und Ziel sei die Bewerbung um Olympische und Paralympische Sommerspiele. Mit dem Steueränderungsgesetz 2025 sollen Ehrenamts- und Übungsleiterpauschale steigen.1
Warum das wichtig ist
Für Deinen Verein zählt nicht die Überschrift, sondern der Bescheid. Wenn eine Milliarde auf vier Jahre verteilt wird und erst ab 2026 fließt, bleibt die marode Halle in Deinem Ort vorerst marode. Schon bei der Summe gehen Regierung und Opposition auseinander: eine Milliarde oder bis zu 333 Millionen Euro bis 2028.
Ehrenamtliche Trainer, Übungsleiter und Vorstände tragen den Sport. Ohne sanierte Hallen, Plätze und Bäder fehlen ihnen die Orte. Athleten, die Eigenmittel aufbringen müssen, um für Deutschland zu starten, zeigen, wo Förderung heute nicht ankommt. Wer Medaillen will, muss Breite und Spitze gleichzeitig finanzieren.
Was wir fordern
- Goldener Plan Sportstätten: 40 Milliarden Euro über zehn Jahre, also 4 Milliarden Euro jährlich für die Sanierung.1 Wie wir das begründen, steht in unserem Antrag zur Sanierung der Sportstätten.8
- Ehrliche Zahlen: 1 Milliarde Euro pro Jahr für Sportstätten, nicht auf vier Jahre verteilt, und im regulären Haushalt statt im Sondervermögen.
- Spitzensport: langfristig 1 Milliarde Euro jährlich für Athleten, Trainer und Stützpunkte.
- Transparente Verteilung: veröffentlichte Kriterien nach Bedarf, Zustand, Nutzungsintensität und Baureife.
- Vereine einbeziehen: Vereinseigene Sportstätten müssen förderfähig sein, wenn sie der Allgemeinheit dienen.
- Wenig Bürokratie: einheitliche Anträge, Pauschalen für typische Sanierungen, schnelle Bewilligungen.
- Wirkung messen: jährlicher Bericht an den Bundestag, was saniert wurde und wie viele Wasserstunden für den Schwimmunterricht neu entstanden sind.
Fazit
Die Sportmilliarde ist ein Anfang, aber kein Plan. Rund 250 Millionen Euro pro Jahr lösen keinen Sanierungsstau, und neue Schulden ersetzen keine klaren Prioritäten im Haushalt. Förderung braucht Kontrolle, Kriterien und messbare Ergebnisse.
Wir bleiben dran. Schau Dir an, in welchem Zustand die Halle, der Platz und das Bad in Deinem Ort sind, und frag Deine Kommune, wann das Geld ankommt. Sport ist keine Nebensache. Sport ist Grundlage.
Quellen
- Deutscher Bundestag: Plenarprotokoll 21/24, Stenografischer Bericht der 24. Sitzung, 17.09.2025. https://dserver.bundestag.de/btp/21/21024.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
- Deutscher Bundestag: Drucksache 21/1061, Beschlussempfehlung des Haushaltsausschusses (8. Ausschuss) zu dem Entwurf eines Gesetzes über die Feststellung des Bundeshaushaltsplans für das Haushaltsjahr 2025 (Haushaltsgesetz 2025), 12.09.2025. https://dserver.bundestag.de/btd/21/010/2101061.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩
- Deutscher Bundestag: Drucksache 21/1064, Ergänzung zu den Beschlussempfehlungen des Haushaltsausschusses (8. Ausschuss) zu dem Entwurf eines Gesetzes über die Feststellung des Bundeshaushaltsplans für das Haushaltsjahr 2025 (Haushaltsgesetz 2025), 12.09.2025. https://dserver.bundestag.de/btd/21/010/2101064.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩ ↩
- Deutscher Bundestag, Mediathek: Rede von Jörn König (AfD), 24. Sitzung, 17.09.2025. https://www.bundestag.de/mediathek/video?videoid=7635768 (abgerufen am 13.10.2026) ↩
- sportfrei.de: FC Bundestag: Gericht kippt den Ausschluss der AfD-Abgeordneten, 11.03.2025. https://sportfrei.de/ak-aktuell/fc-bundestag-urteil-ausschluss-afd-abgeordnete/ (abgerufen am 13.10.2026) ↩
- Deutscher Bundestag, Mediathek: Rede von Lars Schieske (AfD), 24. Sitzung, 17.09.2025. https://www.bundestag.de/mediathek/video?videoid=7635773 (abgerufen am 13.10.2026) ↩
- Deutscher Bundestag, Mediathek: Rede von Thomas Korell (AfD), 24. Sitzung, 17.09.2025. https://www.bundestag.de/mediathek/video?videoid=7635777 (abgerufen am 13.10.2026) ↩
- sportfrei.de: Antrag Sanierung Sportstätten: 40 Milliarden Euro statt Flickwerk, 07.10.2025. https://sportfrei.de/ak-aktuell/antrag-sanierung-sportstaetten-40-milliarden/ (abgerufen am 13.10.2026) ↩