KW 49/2025 · Parlament · Donnerstag, 04.12.2025
Olympia-Bewerbung: Ja zu den Spielen – aber erst das Fundament sanieren
Du willst Olympische Spiele in Deutschland? Wir auch. In seiner 47. Sitzung am 4. Dezember 2025 hat der Bundestag über die Olympia-Bewerbung für Sommerspiele und zugleich über unseren Antrag für Winterspiele 2038 in München beraten.1 Für unseren Arbeitskreis sprachen Jörn König, Lars Schieske und Thomas Korell. Ihre Linie: Olympia ja, aber mit ehrlicher Kostenplanung und mit sanierten Hallen, Bädern und Stützpunkten.
Das Wichtigste zur Olympia-Bewerbung in Kürze
- Beraten wurden der Antrag von CDU/CSU, SPD und Grünen zur vollen Unterstützung einer deutschen Bewerbung um Sommerspiele sowie die Beschlussempfehlung zu unserem Antrag für Winterspiele 2038.2, 3
- Jörn König kündigte an, dass wir den Antrag für Sommerspiele trotz Bedenken unterstützen, und warb zugleich für Winterspiele in München als schnellere Chance.1
- Lars Schieske forderte, zuerst Olympiastützpunkte, Trainerstellen und Sportstätten zu sanieren, statt nur Begeisterung zu verkaufen.1
- Thomas Korell verlangte ein Konzept ohne ausufernde Kosten, ohne Prestigebauten und mit kurzen Genehmigungsverfahren.1
- Ergebnis: Der Antrag auf Drucksache 21/3029 ging an die Ausschüsse, unser Antrag wurde gemäß Beschlussempfehlung gegen die Stimmen der AfD abgelehnt.1, 4
Was ist passiert
Am Donnerstag, 4. Dezember 2025, rief der Bundestag Tagesordnungspunkt 9 und Zusatzpunkt 2 gemeinsam auf. Für die Aussprache waren 60 Minuten vereinbart.1 Vorgelegt waren der Antrag von CDU/CSU, SPD und Grünen auf Drucksache 21/3029 und die Beschlussempfehlung des Sportausschusses auf Drucksache 21/3026 zu unserem Antrag auf Drucksache 21/2041.2, 3, 4
Den Antrag auf Drucksache 21/3029 überwies das Plenum ohne weitere Vorschläge an den Ausschuss für Sport und Ehrenamt (federführend) sowie an die Ausschüsse für Wirtschaft und Energie, Verkehr, Umwelt, Tourismus, Wohnen und an den Haushaltsausschuss.1
Über Zusatzpunkt 2 wurde abgestimmt. Für die Beschlussempfehlung, unseren Antrag abzulehnen, stimmten CDU/CSU, SPD, Grüne und Linke. Dagegen stimmte die AfD-Fraktion, Enthaltungen gab es keine. Damit ist die Beschlussempfehlung angenommen.1 Schon im Ausschuss am 15. Oktober 2025 hatten dieselben Fraktionen die Ablehnung empfohlen.4
Die Drucksachen
- Drucksache 21/3029 – Olympische und Paralympische Sommerspiele – Volle Unterstützung einer deutschen Bewerbung – Antrag der Fraktionen CDU/CSU, SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN.2
- Drucksache 21/2041 – Deutsche Bewerbung für die Ausrichtung der Olympischen Winterspiele 2038 auf den Weg bringen – Antrag der Fraktion der AfD.3
- Drucksache 21/3026 – Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Sport und Ehrenamt zu Drucksache 21/2041 – Ausschuss für Sport und Ehrenamt.4
Was unsere Redner gesagt haben
Jörn König erinnerte daran, dass wir seit unserem Einzug 2017 Olympische Spiele für Deutschland fordern und entsprechende Anträge stets abgelehnt wurden. Er nannte es ein Armutszeugnis, dass die zwölfjährige Amtszeit des deutschen IOC-Präsidenten Thomas Bach ohne Spiele in Deutschland verstrichen ist. Mit Blick auf Bahn, Brücken und innere Sicherheit riet er: „Wir sollten erst mal kleinere Brötchen backen, und das sind Olympische Winterspiele.“ (Plenarprotokoll 21/47, S. 5437 C) Winterspiele kosteten nach seinen Angaben rund 100 Millionen Euro statt etwa 12 Milliarden Euro für Sommerspiele. Den Antrag für Sommerspiele unterstützen wir trotzdem, weil Deutschland sich dauerhaft bewerben muss.1, 5
Lars Schieske stellte die Realität an den Stützpunkten gegen die Begeisterung im Antrag. Am Olympiastützpunkt Cottbus stammen Anlagen teils noch aus DDR-Zeiten. Über die Athleten sagte er: „Sie holen ihre Medaillen nicht wegen der Rahmenbedingungen, sondern trotz der Rahmenbedingungen.“ (Plenarprotokoll 21/47, S. 5446 A)1
Schieske verwies auf geschätzte 10 bis 15 Milliarden Euro Kosten, einen Sanierungsstau von 40 Milliarden Euro und Trainer mit Verträgen nur bis Weihnachten. Deutschland zahle für Olympiagold 20 000 Euro, Italien rund 150 000 Euro. Er erinnerte an unser Konzept: 12 Millionen Euro für Olympiastützpunkte, mehr feste Trainerstellen und ein zehnjähriges Sanierungsprogramm mit 4 Milliarden Euro jährlich.1, 6
Thomas Korell wertete das Münchner Votum als starkes Signal der Bürger. Olympia könne Investitionen anstoßen, die längst nötig seien, aber ohne ausufernde Kosten, jahrelange Verzögerungen und bürokratische Monsterprojekte. Bestehende Anlagen müssten genutzt, Genehmigungen verkürzt und Verantwortung klar geregelt werden. Sein Schluss: „Deutschland kann Olympia. Die Menschen wollen Olympia.“ (Plenarprotokoll 21/47, S. 5450 D)1, 7
So haben die anderen Fraktionen argumentiert
CDU/CSU: Stephan Mayer verwies auf sieben gescheiterte Bewerbungen und das Münchner Votum von zwei Dritteln. Jens Lehmann warb mit Olympischen Dörfern als späterem Wohnraum, Florian Müller mit Spielen der Vernunft auf Basis bestehender Infrastruktur.1
SPD: Bettina Lugk forderte, am DOSB-Zeitplan festzuhalten und ehrlich über Chancen und Risiken zu reden. Mahmut Özdemir und Aydan Özoğuz betonten Verlässlichkeit bei Finanzen, Sportstätten und Sicherheit sowie den Wert von Großveranstaltungen.1
Grüne: Tina Winklmann und Dr. Ophelia Nick sehen die Bewerbung als Schub für Breitensport und barrierefreie Sportstätten und stellten Vielfalt und Klimaschutz in den Mittelpunkt.1
Die Linke: Christian Görke nannte 31 Milliarden Euro Sanierungsstau, drohende Bäderschließungen und den Zustand des Schulsports und verlangte zuerst eine Sportreform. Katalin Gennburg fragte, wer Olympia bezahlen solle, wenn Berlin schon die EM 2029 nicht stemme.1
Bundesregierung: Staatsministerin Dr. Christiane Schenderlein berichtete vom Eintritt in den Continuous Dialogue mit dem IOC und nannte über 700 Millionen Euro aus der Sportmilliarde, 250 Millionen Euro für Bäder und 150 Millionen Euro zusätzlich für den Leistungssport.1
Warum das wichtig ist
Die Debatte hat eines gezeigt: Über das Ziel herrscht weitgehend Einigkeit, über das Fundament nicht. Ein Antrag, der nur „angemessene“ Mittel verspricht, ersetzt keinen Finanzplan.2 Wer Olympia will, muss erst die Hallen, Bäder und Stützpunkte in Ordnung bringen, in denen die Olympioniken von morgen heute trainieren.
Für Vereine und Ehrenamt heißt das: Ohne sanierte Sportstätten bleibt jede Bewerbung Kulisse. Für Athleten und Trainer heißt das: Wer mit befristeten Verträgen und schwacher Prämie arbeitet, sucht sich andere Länder. Für Bürger heißt das: Akzeptanz entsteht nur mit ehrlichen Zahlen, nicht mit Werbeslogans.
Warum wir Winterspiele in München als schnellere Chance sehen, haben wir bereits im Oktober 2025 begründet: Antrag Olympia 2038: Winterspiele in München sind die bessere Chance.8
Was wir fordern
- Fundament zuerst: Ein zehnjähriges Sanierungsprogramm mit 4 Milliarden Euro jährlich für Hallen, Bäder und Vereinsanlagen.1
- Stützpunkte sichern: 12 Millionen Euro für die Sanierung der Olympiastützpunkte und mehr feste Trainerstellen mit langen Verträgen.1
- Prämien anheben: Olympiagold muss mehr wert sein als 20 000 Euro – Maßstab sind Frankreich und Italien.1
- Kostenplan statt Floskel: Ein verbindlicher Finanzrahmen mit Obergrenze und jährlicher Offenlegung für die Bewerbung.2
- Bestand nutzen: Vorhandene Sportstätten modernisieren, Neubauten nur mit belegtem Dauernutzen, Genehmigungen verkürzen.1
- Winterspiele mitdenken: München als Kandidat für Winterspiele parallel vorbereiten, wie in Drucksache 21/2041 beantragt.3
Fazit
Wir unterstützen eine deutsche Olympia-Bewerbung, denn Spitzensport motiviert den Breitensport. Aber wir sagen auch klar: Ohne Infrastruktur kein Sport und ohne Sport keine Medaillen. Die Koalition muss jetzt Geld, Zeitplan und Verantwortung festschreiben.
Inzwischen hat der DOSB München zum deutschen Bewerber gewählt, die Stadt, auf die wir früh gesetzt haben: München wird deutscher Olympia-Bewerber: richtige Wahl, teurer Umweg.9 Bleib dran, frag bei Deinem Abgeordneten nach dem Sanierungsplan für Deine Halle und fordere messbare Ergebnisse. Sport frei!
Quellen
- Deutscher Bundestag: Plenarprotokoll 21/47, Stenografischer Bericht der 47. Sitzung, 04.12.2025. https://dserver.bundestag.de/btp/21/21047.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
- Deutscher Bundestag: Drucksache 21/3029, Antrag der Fraktionen CDU/CSU, SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN „Olympische und Paralympische Sommerspiele – Volle Unterstützung einer deutschen Bewerbung“, 02.12.2025. https://dserver.bundestag.de/btd/21/030/2103029.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
- Deutscher Bundestag: Drucksache 21/2041, Antrag der Fraktion der AfD „Deutsche Bewerbung für die Ausrichtung der Olympischen Winterspiele 2038 auf den Weg bringen“, 07.10.2025. https://dserver.bundestag.de/btd/21/020/2102041.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩
- Deutscher Bundestag: Drucksache 21/3026, Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Sport und Ehrenamt zu dem Antrag „Deutsche Bewerbung für die Ausrichtung der Olympischen Winterspiele 2038 auf den Weg bringen“, 02.12.2025. https://dserver.bundestag.de/btd/21/030/2103026.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩
- Deutscher Bundestag, Mediathek: Rede von Jörn König (AfD), 47. Sitzung, 04.12.2025. https://www.bundestag.de/mediathek/video?videoid=7645853 (abgerufen am 13.10.2026) ↩
- Deutscher Bundestag, Mediathek: Rede von Lars Schieske (AfD), 47. Sitzung, 04.12.2025. https://www.bundestag.de/mediathek/video?videoid=7645861 (abgerufen am 13.10.2026) ↩
- Deutscher Bundestag, Mediathek: Rede von Thomas Korell (AfD), 47. Sitzung, 04.12.2025. https://www.bundestag.de/mediathek/video?videoid=7645867 (abgerufen am 13.10.2026) ↩
- sportfrei.de: Antrag Olympia 2038: Winterspiele in München sind die bessere Chance, 09.10.2025. https://sportfrei.de/ak-aktuell/antrag-olympische-winterspiele-2038-muenchen/ (abgerufen am 13.10.2026) ↩
- sportfrei.de: München wird deutscher Olympia-Bewerber: richtige Wahl, teurer Umweg, 29.09.2026. https://sportfrei.de/ak-aktuell/muenchen-olympia-bewerber-dosb-entscheidung/ (abgerufen am 13.10.2026) ↩