Plenum am 10.07.2026: Sportfördergesetz beschlossen – Athleten und Trainer an den Tisch

Lars Schieske, AfD
Thomas Korell, AfD
Jörn König, AfD

KW 28/2026 · Parlament · Freitag, 10.07.2026

Sportfördergesetz beschlossen: Athleten und Trainer gehören in den Stiftungsrat

Der Bundestag hat am 10. Juli 2026 in seiner 90. Sitzung das Sportfördergesetz in zweiter und dritter Beratung verabschiedet.1 Erstmals steht die Spitzensportförderung des Bundes damit auf einer gesetzlichen Grundlage. Für uns sprachen Lars Schieske, Thomas Korell und Jörn König. Hier liest Du, was beschlossen wurde, wer wie abgestimmt hat und wo das Gesetz nachgebessert werden muss.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Bundestag hat das Sportfördergesetz in der Fassung des Sportausschusses angenommen; es errichtet die Spitzensport-Agentur als öffentlich-rechtliche Stiftung.2, 3
  • In der namentlichen Schlussabstimmung stimmten laut endgültigem Ergebnis 519 Abgeordnete mit Ja und 43 mit Nein, Enthaltungen gab es keine.1
  • Die AfD-Fraktion hat zugestimmt, weil eine gesetzliche Grundlage überfällig ist, und zugleich Nachbesserungen bei der Besetzung des Stiftungsrats verlangt.
  • Unsere Redner forderten zwei stimmberechtigte Athletenvertreter und einen Trainer im Stiftungsrat statt Sitzen für Zuwendungsempfänger wie den DOSB.
  • Zwei Anträge der Grünen und ein Antrag der Linken zur Sportförderung wurden auf Empfehlung des Sportausschusses abgelehnt.

Was ist passiert

Aufgerufen waren die Zusatzpunkte 24 bis 27. Kern war der Gesetzentwurf der Bundesregierung. Der Ausschuss für Sport und Ehrenamt empfahl, ihn in geänderter Fassung anzunehmen. Den Änderungsantrag der Koalition lehnte die AfD-Fraktion dort ab, dem Gesetz stimmte sie zu.3 Der Haushaltsausschuss hielt es bei Enthaltung der AfD-Fraktion für mit der Haushaltslage vereinbar.4

Die Aussprache war auf 30 Minuten angesetzt. In zweiter Beratung stimmten CDU/CSU, AfD, SPD und Grüne zu, die Linke dagegen. CDU/CSU und SPD verlangten für die dritte Beratung eine namentliche Schlussabstimmung. Das endgültige Ergebnis: 562 abgegebene Stimmen, 519 Ja, 43 Nein.1

Danach folgten drei einfache Abstimmungen. Die Beschlussempfehlungen, die Anträge der Grünen zur Spitzensportförderung und zum Mutterschutz abzulehnen, wurden mit den Stimmen von CDU/CSU, AfD und SPD angenommen; die Grünen stimmten dagegen, die Linke enthielt sich.5, 6, 7, 8 Beim Antrag der Linken stimmten CDU/CSU, AfD und SPD für die Ablehnungsempfehlung, die Linke dagegen, die Grünen enthielten sich.9, 10

Die Drucksachen zum Sportfördergesetz

  • Drucksache 21/5921 – Gesetzentwurf: Entwurf eines Gesetzes zur Regelung der Förderung des Spitzensports und weiterer Maßnahmen gesamtstaatlicher Bedeutung im Sport sowie zur Errichtung der Spitzensport-Agentur (Sportfördergesetz – SpoFöG) – Bundesregierung2
  • Drucksache 21/7006 – Beschlussempfehlung und Bericht zum Sportfördergesetz – Ausschuss für Sport und Ehrenamt3
  • Drucksache 21/7007 – Bericht gemäß § 96 der Geschäftsordnung zum Sportfördergesetz – Haushaltsausschuss4
  • Drucksache 21/4292 – Antrag: Spitzensportförderung transparent, wirksam und zukunftsfest gestalten – Fraktion Bündnis 90/Die Grünen5
  • Drucksache 21/7013 – Beschlussempfehlung und Bericht zum Antrag 21/4292 – Ausschuss für Sport und Ehrenamt6
  • Drucksache 21/6009 – Antrag: Mutterschutz von Athletinnen wirksam absichern – Schutzlücken für selbstständige Spitzensportlerinnen schließen – Fraktion Bündnis 90/Die Grünen7
  • Drucksache 21/7014 – Beschlussempfehlung und Bericht zum Antrag 21/6009 – Ausschuss für Sport und Ehrenamt8
  • Drucksache 21/5568 – Antrag: Für eine nachhaltige und durchdachte Reform der Sportförderung – Fraktion Die Linke9
  • Drucksache 21/7012 – Beschlussempfehlung und Bericht zum Antrag 21/5568 – Ausschuss für Sport und Ehrenamt10

Was unsere Redner gesagt haben

Lars Schieske kritisierte, dass das Gesetz nach über zehn Jahren Arbeit kurz vor der Sommerpause binnen weniger Tage auf die Tagesordnung, wieder herunter und erneut hinauf kam. Im Zentrum seiner Rede standen die Trainer: „ohne Trainer kein Spitzensport, ohne Trainer keine Medaillen, ohne Trainer keine internationale Spitze“ (Plenarprotokoll 21/90, S. 11217 C).1 Deutsche Spitzentrainer wanderten ins Ausland ab, weil dort Bezahlung, Vertragslaufzeiten und Planungssicherheit besser seien.11

Schieske vermisste einen echten Trainertarif, verlässliche Verträge über den olympischen Zyklus hinaus und einen stimmberechtigten Sitz der Trainer im Stiftungsrat. Die Formel „angemessene Vergütung“ reiche nicht. Sein Urteil: Das Gesetz sei ein Anfang, mehr nicht.

Thomas Korell zeigte auf, wie die Agentur von oben gesteuert wird: zehn Mitglieder im Stiftungsrat, dazu Vorstand, Sportfachbeirat und Bundesaufsicht, fünf Sitze für den Bund samt Vorsitz. Den vier DOSB-Sitzen hielt er einen Interessenkonflikt entgegen: „Wer Zuwendungen erhält, sollte nicht im Aufsichtsgremium des Zuwendungsgebers sitzen.“ (Plenarprotokoll 21/90, S. 11221 A)1 Er forderte zwei stimmberechtigte, von den Athleten selbst benannte Sitze und einen stimmberechtigten Sitz für die Trainer. Trotz der Kritik stimmte die AfD-Fraktion zu, weil der Sport jetzt Planungssicherheit braucht.12

Jörn König begrüßte das Gesetz ausdrücklich, nannte es aber viel zu spät und nur einen Anfang. Die Struktur aus Stiftungsrat, Vorstand und Beirat sei arbeitsfähig, institutionelle Zuwendungsempfänger wie der DOSB gehörten aber nicht in den Stiftungsrat. Statt der DOSB-Vertreter sollen zwei Athletenvertreter, idealerweise ein Olympia- und ein Paralympics-Athlet, plus ein Trainer einziehen; im Sportfachbeirat soll die Zahl der Trainer- und Athletenvertreter verdreifacht werden.13 Diese Linie hatten wir bereits vor der Abstimmung dargelegt: Sportfördergesetz: Strukturreform ja, aber Athleten und Trainer ins Zentrum.14

Scharf kritisierte König das Verfahren: Neun Sachverständige hätten in der Anhörung wertvolle Hinweise gegeben, am Gesetz habe sich im Kern nichts geändert. „Diese Anhörung war zwar nicht kostenlos, aber leider fast umsonst.“ (Plenarprotokoll 21/90, S. 11222 D)1

So haben die anderen Fraktionen argumentiert

CDU/CSU: Stephan Mayer sprach von einem historischen Tag und einem Paradigmenwechsel. Ziel sei, im Medaillenspiegel wieder unter die ersten fünf bei Sommerspielen und unter die ersten drei bei Winterspielen zu kommen. Die Koalition habe die Autonomie des Sports, eine angemessene Trainervergütung, einen Athletensitz und den Safe Sport Code als Fördervoraussetzung verankert. Jens Lehmann verwies auf das Missverhältnis zwischen Mitteleinsatz und Medaillen und begrüßte den Sitz der Agentur in Leipzig.1

SPD: Bettina Lugk betonte den Athletensitz im Stiftungsrat, verbindliche Regeln guter Verbandsführung und den Safe Sport Code als Fördervoraussetzung. Die Evaluierung nach sechs und zehn Jahren werde ihre Fraktion überwachen.

Bündnis 90/Die Grünen: Tina Winklmann trug das Gesetz mit, kündigte aber weitere Änderungen an. Die eigenen Anträge, darunter der zum Mutterschutz von Spitzensportlerinnen, fanden keine Mehrheit. Unsere Position zu Müttern im Spitzensport findest Du hier: Antrag Mütter im Spitzensport: Kind und Karriere dürfen sich nicht ausschließen.15

Die Linke: Jorrit Bosch lehnte ab. Er kritisierte die fehlende unabhängige Athletenvertretung, den unbestimmten Begriff „angemessene Vergütung“ und vor allem, dass Sportförderung keine Pflichtaufgabe, sondern eine Kannbestimmung bleibe.

Warum das wichtig ist

Das Sportfördergesetz entscheidet, wer künftig über die Spitzensportförderung des Bundes bestimmt. Sitzen dort vor allem Ministerien und Verbandsvertreter, entscheiden wieder die Gleichen wie bisher. Athleten und Trainer bringen die Leistung, also gehören sie mit Stimme an den Tisch.

Für Vereine und Ehrenamt ist das keine ferne Frage. Jeder Spitzensportler beginnt im Verein, mit einem Trainer, mit Eltern, die fahren. Wandern gute Trainer ab, fehlt der Nachwuchs. Erfolg an der Spitze motiviert Kinder, in die Hallen und auf die Plätze zu gehen.

Was wir fordern

  • Athleten in den Stiftungsrat: Zwei stimmberechtigte Athletenvertreter, ein Olympia- und ein Paralympics-Athlet, von den Athleten selbst benannt.
  • Trainer mit Stimme: Ein stimmberechtigter Trainersitz im Stiftungsrat.
  • Keine Zuwendungsempfänger in der Aufsicht: Der DOSB als Empfänger von Fördermitteln gehört nicht in das Gremium, das über diese Mittel wacht.
  • Sportfachbeirat stärken: Die Zahl der Trainer- und Athletenvertreter verdreifachen.
  • Trainer halten: Ein echter Trainertarif und Verträge, die über den olympischen Zyklus hinausreichen.
  • Anhörung ernst nehmen: Die Hinweise der Sachverständigen in die erste Novelle einarbeiten.

Fazit

Das Sportfördergesetz ist beschlossen. Das ist richtig und überfällig, deshalb haben wir zugestimmt. Aber eine Agentur gewinnt keine Medaille. Die Struktur steht, die Besetzung stimmt noch nicht.

Wir bleiben dran: Athleten und Trainer an den Tisch, Zuwendungsempfänger raus aus der Aufsicht, Förderung nach Leistung. Wenn Du in Deinem Verein trainierst oder Trainer bist, sag uns, was bei Dir ankommt. Sport frei!

Quellen

  1. Deutscher Bundestag: Plenarprotokoll 21/90, Stenografischer Bericht der 90. Sitzung, 10.07.2026. https://dserver.bundestag.de/btp/21/21090.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
  2. Deutscher Bundestag: Drucksache 21/5921, Gesetzentwurf der Bundesregierung, Entwurf eines Gesetzes zur Regelung der Förderung des Spitzensports und weiterer Maßnahmen gesamtstaatlicher Bedeutung im Sport sowie zur Errichtung der Spitzensport-Agentur (Sportfördergesetz – SpoFöG), 13.05.2026. https://dserver.bundestag.de/btd/21/059/2105921.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩
  3. Deutscher Bundestag: Drucksache 21/7006, Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Sport und Ehrenamt zum Sportfördergesetz, 08.07.2026. https://dserver.bundestag.de/btd/21/070/2107006.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩ ↩
  4. Deutscher Bundestag: Drucksache 21/7007, Bericht des Haushaltsausschusses gemäß § 96 der Geschäftsordnung zum Sportfördergesetz, 08.07.2026. https://dserver.bundestag.de/btd/21/070/2107007.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩
  5. Deutscher Bundestag: Drucksache 21/4292, Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen: Spitzensportförderung transparent, wirksam und zukunftsfest gestalten, 24.02.2026. https://dserver.bundestag.de/btd/21/042/2104292.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩
  6. Deutscher Bundestag: Drucksache 21/7013, Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Sport und Ehrenamt zu dem Antrag Spitzensportförderung transparent, wirksam und zukunftsfest gestalten, 08.07.2026. https://dserver.bundestag.de/btd/21/070/2107013.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩
  7. Deutscher Bundestag: Drucksache 21/6009, Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen: Mutterschutz von Athletinnen wirksam absichern – Schutzlücken für selbstständige Spitzensportlerinnen schließen, 19.05.2026. https://dserver.bundestag.de/btd/21/060/2106009.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩
  8. Deutscher Bundestag: Drucksache 21/7014, Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Sport und Ehrenamt zu dem Antrag Mutterschutz von Athletinnen wirksam absichern, 08.07.2026. https://dserver.bundestag.de/btd/21/070/2107014.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩
  9. Deutscher Bundestag: Drucksache 21/5568, Antrag der Fraktion Die Linke: Für eine nachhaltige und durchdachte Reform der Sportförderung, 23.04.2026. https://dserver.bundestag.de/btd/21/055/2105568.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩
  10. Deutscher Bundestag: Drucksache 21/7012, Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Sport und Ehrenamt zu dem Antrag Für eine nachhaltige und durchdachte Reform der Sportförderung, 08.07.2026. https://dserver.bundestag.de/btd/21/070/2107012.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩
  11. Deutscher Bundestag, Mediathek: Rede von Lars Schieske (AfD), 90. Sitzung, 10.07.2026. https://www.bundestag.de/mediathek/video?videoid=7655846 (abgerufen am 13.10.2026) ↩
  12. Deutscher Bundestag, Mediathek: Rede von Thomas Korell (AfD), 90. Sitzung, 10.07.2026. https://www.bundestag.de/mediathek/video?videoid=7655850 (abgerufen am 13.10.2026) ↩
  13. Deutscher Bundestag, Mediathek: Rede von Jörn König (AfD), 90. Sitzung, 10.07.2026. https://www.bundestag.de/mediathek/video?videoid=7655852 (abgerufen am 13.10.2026) ↩
  14. sportfrei.de: Sportfördergesetz: Strukturreform ja, aber Athleten und Trainer ins Zentrum, 03.07.2026. https://sportfrei.de/ak-aktuell/sportfoerdergesetz-athleten-trainer-stiftungsrat/ (abgerufen am 13.10.2026) ↩
  15. sportfrei.de: Antrag Mütter im Spitzensport: Kind und Karriere dürfen sich nicht ausschließen, 09.10.2025. https://sportfrei.de/ak-aktuell/antrag-muetter-schwangere-athletinnen-spitzensport/ (abgerufen am 13.10.2026) ↩

Teile es mit