KW 37/2026 · Parlament · Mittwoch, 09.09.2026
Sporthaushalt 2027: 60 Cent je 1.000 Euro sind kein Rekord
Der Sporthaushalt 2027 stand am 9. September 2026 in der 92. Sitzung des Bundestages auf dem Prüfstand. In der ersten Beratung des Bundeshaushalts ging es um den Einzelplan 04, den Etat von Bundeskanzler und Bundeskanzleramt, in dem die Sportförderung des Bundes liegt. Für unseren Arbeitskreis sprachen Jörn König und Lars Schieske.1 Hier liest Du, was beraten wurde, wer was gesagt hat und was wir jetzt fordern.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Bundestag hat den Regierungsentwurf zum Haushaltsgesetz 2027 in erster Lesung beraten, am 9. September 2026 den Einzelplan 04 mit Sport und Ehrenamt.1, 2
- Jörn König rechnete vor: Die rund 362 Millionen Euro für den Spitzensport entsprechen 60 Cent je 1.000 Euro des Haushalts.
- Lars Schieske kritisierte, dass das Amt des Sportstaatsministers fünf Wochen unbesetzt war, mitten in der Endphase der Olympiabewerbung.
- Beide kündigten Änderungsanträge an, vor allem für eine bessere Athletenfinanzierung.
- Der Entwurf ging am 11. September 2026 ohne Widerspruch an den Haushaltsausschuss.3
Was ist passiert
Die Bundesregierung hat den Entwurf des Haushaltsgesetzes 2027 am 14. August 2026 als Drucksache 21/7300 eingebracht.2 Weil eine Pflichtanlage nach Paragraf 28 Bundeshaushaltsordnung gefehlt hatte, reichte sie diese mit Drucksache 21/7650 nach.4 Parallel lag der Finanzplan des Bundes 2026 bis 2030 als Drucksache 21/7301 vor.5
Die erste Beratung lief als Tagesordnungspunkt 3 über mehrere Sitzungstage. Am Mittwoch, 9. September 2026, eröffnete Präsidentin Julia Klöckner die Aussprache zum Einzelplan 04. Für die gesamte Tagesdebatte waren acht Stunden Redezeit vereinbart. Ronald Rauhe hielt dabei als neuer Staatsminister für Sport und Ehrenamt seine erste Rede, kurz nach seiner Vereidigung.1
Am Ende der ersten Lesung, in der 94. Sitzung am 11. September 2026, wurden Haushaltsgesetz und Finanzplan interfraktionell an den Haushaltsausschuss überwiesen. Es gab keinen Widerspruch.3
Die Drucksachen
- Drucksache 21/7300 – Entwurf eines Gesetzes über die Feststellung des Bundeshaushaltsplans für das Haushaltsjahr 2027 (Haushaltsgesetz 2027 – HG 2027) – Bundesregierung2
- Drucksache 21/7650 – Unterrichtung zum Haushaltsgesetz 2027, Anlage gemäß § 28 Absatz 3 der Bundeshaushaltsordnung – Bundesregierung4
- Drucksache 21/7301 – Unterrichtung: Finanzplan des Bundes 2026 bis 2030 – Bundesregierung5
Was unsere Redner gesagt haben
Jörn König stellte klar, dass Sport und Spitzensport seit Jahrzehnten vernachlässigt werden. Für den Spitzensport seien 362 Millionen Euro vorgesehen, für den Beauftragten für Kultur und Medien dagegen 2,1 Milliarden Euro, also das Sechsfache. Sein Fazit zum Stellenwert des Sports: „362 Millionen Euro entsprechen jämmerlichen 60 Cent je 1 000 Euro des Haushalts.“ (Plenarprotokoll 21/92, S. 11400 A)1, 6
König rechnete weiter vor: Der Sport bekommt 10 Millionen Euro mehr, nicht einmal 3 Prozent, während der Kernhaushalt um 6 Prozent steigt. Gleichzeitig fließen 6 Millionen Euro in neue Strukturen, die Spitzensport-Agentur und das Zentrum für Safe Sport. Er verwies auf Studien, nach denen 1 Euro für den Sport 4 Euro bei Gesundheitsausgaben spart. Unsere Fraktion werde Änderungsanträge einbringen, vor allem für die Athletenfinanzierung, weil viele Athleten beim Übergang von Schule zu Ausbildung und Beruf verloren gehen.1
Lars Schieske nahm die Personalpolitik des Kanzlers ins Visier: „fünf Wochen: So lange war das Amt des Sportstaatsministers unbesetzt in diesem Land“ (Plenarprotokoll 21/92, S. 11410 B), und das mitten in der Endphase der Olympiabewerbung. Er erinnerte daran, dass der Präsident des Landessportbundes Berlin das öffentlich skandalös genannt hatte. Rauhe nannte er einen verdienten Olympiasieger und bot ihm die Zusammenarbeit für eine Sachpolitik an, die den Sportlern nutzt.1, 7
Als Beispiel für die Lage der Athleten nannte Schieske die Vizeeuropameisterin Julia Ulbricht aus Rostock, die aus dem Bundeskader gestrichen wurde und mit einem Minijob ihre Miete zahlt. Unser Antrag, die Athletenförderung auf 17,8 Millionen Euro anzuheben, sei von allen anderen Fraktionen abgelehnt worden. Schieske kündigte an, ihn zum Haushalt 2027 erneut einzubringen.1
So haben die anderen Fraktionen argumentiert
Bundesregierung: Staatsminister Ronald Rauhe sprach von mehr als 360 Millionen Euro für den Sport und rund 27 Millionen Euro für das Ehrenamt und nannte das ein Rekordniveau. Seine Schwerpunkte: Olympische und Paralympische Spiele nach Deutschland holen, die Spitzensportreform mit Sportfördergesetz und Spitzensport-Agentur umsetzen, weniger Bürokratie im Ehrenamt.1
CDU/CSU: Kerstin Radomski verwies darauf, dass ein Teil der Sportmittel in die Anhebung der Athletenförderung fließt, und kündigte mögliche Änderungen in den Beratungen an. SPD: Die SPD-Redner konzentrierten sich in dieser Debatte auf Grundsatzfragen, Kultur und Bildung und äußerten sich nicht gesondert zum Sportetat.1
Die Linke: Christian Görke nannte den Etat von 360 Millionen Euro bei 555 Milliarden Euro Gesamtvolumen, also 0,06 Prozent, ein Armutszeugnis. Das Sonderprogramm zur Sanierung kommunaler Sportstätten mit 333 Millionen Euro sei bei 7,5 Milliarden Euro Antragsvolumen 22-fach überzeichnet. Grüne: Tina Winklmann kritisierte die Hängepartie bei der Besetzung des Amtes, forderte Planungssicherheit für Kommunen und mehr Geld für die Institute FES und IAT.1
Warum das wichtig ist
Geld im Bundeshaushalt entscheidet, ob Athleten weitermachen oder aufhören. Wer als Spitzenathlet mit Minijob die Miete zahlt, trainiert nicht auf Weltniveau. Wer nach der Schule keine Perspektive im Sport sieht, geht verloren. Das ist kein Einzelfall, das ist ein Systemfehler.
Für Vereine, Trainer und Ehrenamtliche zählt, was unten ankommt. Ein Aufwuchs von 10 Millionen Euro, von dem ein großer Teil in neue Strukturen fließt, verbessert keine Halle und bezahlt keinen Trainer. Ein Sanierungsprogramm, das um ein Vielfaches überzeichnet ist, zeigt: Der Bedarf bei den Sportstätten ist da, die Mittel fehlen.
Fünf Wochen ohne zuständigen Staatsminister in der Haushaltsphase und vor einer Olympiabewerbung sind ein falsches Signal. Der Sport braucht einen Ansprechpartner, der liefert. Deutschland will wieder Sportnation sein. Dann muss der Haushalt das auch abbilden.
Was wir fordern: Sporthaushalt 2027 nachbessern
- Athletenförderung: Anhebung auf 17,8 Millionen Euro im Haushalt 2027, wie von uns beantragt. Wie wir das im Sportausschuss weiterverfolgt haben, liest Du in unserem Bericht zum Sporthaushalt 2027 im Sportausschuss.8
- Übergang sichern: Gezielte Förderung für Athleten beim Wechsel von Schule zu Ausbildung und Beruf, damit Talente nicht verloren gehen.
- Geld in den Sport, nicht in Verwaltung: Jeder Euro für neue Strukturen wie Spitzensport-Agentur und Zentrum für Safe Sport muss sich an messbaren Ergebnissen für Athleten und Trainer messen lassen.
- Sportstätten: Ein Sanierungsprogramm, das dem tatsächlichen Bedarf folgt, mit klaren Fristen und Planungssicherheit für Kommunen und Vereine.
- Stellenwert: Der Sporthaushalt muss mindestens im gleichen Tempo wachsen wie der Kernhaushalt.
- Messbare Ziele: Der neue Staatsminister muss jährlich darlegen, was mit dem Geld bei Athleten, Trainern und Ehrenamt erreicht wurde. Wer Ronald Rauhe ist, liest Du in unserem Beitrag Ronald Rauhe ist neuer Staatsminister für Sport und Ehrenamt.9
Fazit
Der Sporthaushalt 2027 wird als Rekord verkauft. Gemessen am Gesamthaushalt bleibt er Kleingeld. Wir legen in den Haushaltsberatungen konkrete Änderungsanträge vor: mehr Geld für Athleten, weniger für neue Verwaltung.
Wenn Du im Verein trainierst, Kinder betreust oder selbst Leistungssport machst: Sprich Deine Abgeordneten an und frag nach, was vom Sporthaushalt bei Dir ankommt. Leistung muss sich lohnen. Sport frei!
Quellen
- Deutscher Bundestag: Plenarprotokoll 21/92, Stenografischer Bericht der 92. Sitzung, 09.09.2026. https://dserver.bundestag.de/btp/21/21092.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
- Deutscher Bundestag: Drucksache 21/7300, Gesetzentwurf der Bundesregierung, Entwurf eines Gesetzes über die Feststellung des Bundeshaushaltsplans für das Haushaltsjahr 2027 (Haushaltsgesetz 2027 – HG 2027), 14.08.2026. https://dserver.bundestag.de/btd/21/073/2107300.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩ ↩
- Deutscher Bundestag: Plenarprotokoll 21/94, Stenografischer Bericht der 94. Sitzung, 11.09.2026. https://dserver.bundestag.de/btp/21/21094.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩
- Deutscher Bundestag: Drucksache 21/7650, Unterrichtung durch die Bundesregierung, Haushaltsgesetz 2027, Anlage gemäß § 28 Absatz 3 der Bundeshaushaltsordnung, 21.08.2026. https://dserver.bundestag.de/btd/21/076/2107650.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩
- Deutscher Bundestag: Drucksache 21/7301, Unterrichtung durch die Bundesregierung, Finanzplan des Bundes 2026 bis 2030, 14.08.2026. https://dserver.bundestag.de/btd/21/073/2107301.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩
- Deutscher Bundestag, Mediathek: Rede von Jörn König (AfD), 92. Sitzung, 09.09.2026. https://www.bundestag.de/mediathek/video?videoid=7656548 (abgerufen am 13.10.2026) ↩
- Deutscher Bundestag, Mediathek: Rede von Lars Schieske (AfD), 92. Sitzung, 09.09.2026. https://www.bundestag.de/mediathek/video?videoid=7656559 (abgerufen am 13.10.2026) ↩
- sportfrei.de: 30. Sitzung Sportausschuss am 23.09.2026: Sporthaushalt 2027 – mehr Geld für Athleten, 24.09.2026. https://sportfrei.de/ausschuss/sporthaushalt-2027-afd-aenderungsantraege-einzelplan-04/ (abgerufen am 13.10.2026) ↩
- sportfrei.de: Ronald Rauhe ist neuer Staatsminister für Sport und Ehrenamt, 24.09.2026. https://sportfrei.de/ak-aktuell/ronald-rauhe-staatsminister-sport-ehrenamt/ (abgerufen am 13.10.2026) ↩