KW 43/2026 · AK-Aktuell · Montag, 19.10.2026
Kurz gesagt: Rund 3.000 junge Menschen haben am 1. September einen Freiwilligendienst im organisierten Sport begonnen.1 Im Haushaltsentwurf 2027 bleiben die Mittel für die Freiwilligendienste auf dem Stand von 2026.2 Die zusätzlichen 80 Millionen Euro, die der Bundestag im Dezember 2025 begrüßt hatte, stehen nicht mehr im Kabinettsentwurf.3 Wir sagen: Wer Nachwuchs fürs Ehrenamt will, muss den Freiwilligen im Verein verlässliche Bedingungen geben.
Freiwilligendienst im Sport: Nachwuchs für den Verein, Planung ohne Sicherheit
Du hast nach der Schule ein Jahr im Sportverein gearbeitet, Kindergruppen trainiert, Turniere organisiert oder die Geschäftsstelle unterstützt? Dann weißt Du, was ein Freiwilligendienst im Sport leistet. Für viele Vereine sind diese jungen Leute die Brücke zwischen Ehrenamt und Hauptamt. Wir schauen uns an, wie es um FSJ und Bundesfreiwilligendienst im Sport steht und was der Bund tun muss.
Faktenlage
Die Deutsche Sportjugend meldet zum Jahrgang 2026/27 rund 3.000 Freiwillige im organisierten Sport. Eingesetzt werden sie in Sportvereinen, Verbänden und Schulen.1 Allein in Baden-Württemberg haben 632 Freiwillige im Sport angefangen, ein neuer Höchststand: 215 im FSJ Sport und Schule, 324 im FSJ im Sport und 89 im Bundesfreiwilligendienst Sport.4
Im Bundeshaushalt 2027 sind für die Jugendfreiwilligendienste 153,7 Millionen Euro und für den Bundesfreiwilligendienst 211,2 Millionen Euro eingeplant, so viel wie 2026.2 Ab 2028 sinken laut Bundesarbeitskreis FSJ die Verpflichtungsermächtigungen.3 Die Obergrenze für das Taschengeld im Bundesfreiwilligendienst liegt seit dem 1. Januar 2026 bei 676 Euro im Monat.5
Warum das wichtig ist
Wer ein Jahr im Verein mitgearbeitet hat, bleibt dem Sport oft verbunden. Ob daraus dauerhaftes Ehrenamt wird, hängt nach Einschätzung aus dem Landessportverband Baden-Württemberg von den Strukturen vor Ort ab: Finanzierung, Einsatzstellen und Begleitung.4 Genau dort sitzt das Problem. Die Vereine finden ohnehin kaum Nachwuchs für Vorstand, Kasse und Übungsleitung. Unser Antrag hält fest, dass die Nachwuchsgewinnung im Ehrenamt stockt.6
Wer zuständig ist
Die Freiwilligendienste finanziert der Bund. Der Bundestag hat am 5. Dezember 2025 die Bundesregierung aufgefordert, ein Konzept vorzulegen, zusätzliche Plätze aufzubauen und die Rahmenbedingungen zu verbessern, etwa beim Taschengeld und bei Mobilitätsleistungen.7 Für Sport und Ehrenamt ist im Kanzleramt Staatsminister Ronald Rauhe zuständig. Er hat am 14. Oktober im Sportausschuss zum Ehrenamt berichtet; für uns saßen Jörn König, Thomas Korell und Lars Schieske im Ausschuss.8
Widersprüche und offene Fragen
Der Bundestag will mehr Plätze, der Haushaltsentwurf friert die Mittel ein.2, 3 Steigt die Zahl der Freiwilligen im Sport weiter, reicht dasselbe Geld für mehr Köpfe. Offen ist, wie viele Plätze im Sport 2027 tatsächlich finanziert werden und ob die Vereine als Einsatzstellen ihren Eigenanteil noch tragen können. Darauf erwarten wir vom Staatsminister klare Zahlen statt Ankündigungen.
Was wir fordern
- Nachwuchsgewinnung im Ehrenamt gezielt fördern, mit besseren Aus- und Weiterbildungsprogrammen und Zuschüssen für Schulungen.6
- Ehrenamtliche Tätigkeit im Berufsleben anrechnen, zum Beispiel bei Ausbildungs- und Bewerbungsverfahren. Das gilt gerade für ein Jahr im Sportverein.6
- Förderzugänge vereinfachen und Nachweispflichten reduzieren, damit kleine Vereine Einsatzstelle werden können.6
- Transparenz: Die Bundesregierung soll offenlegen, wie viele Plätze im Sport mit dem Geld für 2027 finanziert werden. Förderung heißt messbare Ergebnisse.
Fazit
Ein Freiwilligendienst im Sport ist der beste Weg vom Mitglied zum Ehrenamtlichen. Rund 3.000 junge Menschen gehen diesen Weg in diesem Jahr. Der Bund muss dafür sorgen, dass sie ihn auch nächstes Jahr gehen können, und das Ehrenamt danach im Beruf anerkennen. Anerkennung zeigt sich nicht nur in der Ehrenamtskarte, sondern in Lebenslauf und Rahmenbedingungen.9
Häufige Fragen
Wie viele Freiwillige gibt es im Sport?
Zum Jahrgang 2026/27 sind es laut Deutscher Sportjugend rund 3.000 junge Menschen im organisierten Sport.1
Wie viel Taschengeld gibt es im Bundesfreiwilligendienst?
Höchstens 676 Euro im Monat seit dem 1. Januar 2026.5
Wird beim Freiwilligendienst 2027 gekürzt?
Nein, die Ansätze bleiben auf dem Stand von 2026. Zusätzliches Geld für mehr Plätze ist aber nicht eingeplant.2, 3
Quellen
- Deutsche Sportjugend: Jahrgangsstart 2026/27 der Freiwilligendienste, 27.08.2026. Link (abgerufen am 17.10.2026) ↩ ↩ ↩
- Deutscher Bundestag, heute im bundestag 654/2026: Haushalt 2027: Weniger Ausgaben für Bildung und Familie, 19.08.2026. Link (abgerufen am 17.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩
- Bundesarbeitskreis FSJ: Kabinettsentwurf zum Bundeshaushalt 2027, 09.07.2026. Link (abgerufen am 17.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩
- Verbandsbüro: 632 Freiwillige im baden-württembergischen Sport – was der Rekord für Vereine bedeutet, 03.09.2026. Link (abgerufen am 17.10.2026) ↩ ↩
- Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben: Vereinbarungskonditionen 2026, 19.12.2025. Link (abgerufen am 17.10.2026) ↩ ↩
- Deutscher Bundestag: Drucksache 21/6034, Antrag der Fraktion der AfD „Sportvereine, Ehrenamt und Katastrophenschutz stärken – Bürokratie abbauen, Steuern senken, Nachwuchs und Zukunft sichern“, 19.05.2026, PDF. PDF (abgerufen am 17.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩
- Jugendhilfeportal: Weiterentwicklung von Wehr- und Freiwilligendiensten 2026. Link (abgerufen am 17.10.2026) ↩
- sportfrei.de: 32. Sitzung Sportausschuss am 14.10.2026: Rauhe muss beim Ehrenamt liefern, 13.10.2026, Nachbericht vom 15.10.2026. Link (abgerufen am 17.10.2026) ↩
- sportfrei.de: Ehrenamtskarte und Anerkennung: Mehr als ein Rabatt fürs Freibad, 17.10.2026. Link (abgerufen am 17.10.2026) ↩


