Antrag Sportnation Deutschland: Sport braucht Stellenwert statt Sonntagsreden

KW 25/2022 · AK-Aktuell · Dienstag, 21.06.2022

Kurz gesagt: Mit dem Antrag 20/2363 „Sportnation Deutschland – Stärkung des gesellschaftlichen Stellenwerts des Sports“ forderten wir im Juni 2022 bessere Bedingungen für Athleten und Trainer, einfachere Förderung für Verbände, Rückendeckung für Sportgroßveranstaltungen, den Erhalt der Sportinfrastruktur und mehr Sport in den dritten Programmen.1, 2 Der Bundestag lehnte ab. Die Probleme sind geblieben.

Antrag 20/2363: Sportnation Deutschland braucht mehr als Sonntagsreden

Sport ist keine Nebensache. Sport ist Grundlage für Gesundheit, Gemeinschaft und Leistung. Genau das war der Kern unseres Antrags aus der 20. Wahlperiode. Hier liest Du, was wir damals festgestellt und gefordert haben und was der Bundestag daraus gemacht hat.

Faktenlage

  • Breite Basis: Knapp 90.000 Vereine mit rund 27 Millionen Mitgliedern machen den Sport zum größten Pfeiler unserer Gemeinschaft.1
  • Wirtschaftsfaktor: 2018 trug der Sport 76 Milliarden Euro zum Bruttoinlandsprodukt bei, 1,2 Millionen Beschäftigte waren im Sport tätig.2
  • Sportstätten: Der Sanierungsbedarf lag bei rund 31 Milliarden Euro. 20 bis 50 Prozent aller Sportstätten galten als sanierungsbedürftig.2
  • Spitzensport: Tokio 2021 brachte mit Rang neun im Medaillenspiegel die schwächste Bilanz seit der Wiedervereinigung.2
  • Kein Staatsziel: In 15 von 16 Landesverfassungen ist Sport Staatsziel, im Grundgesetz nicht.2

Was wir mit dem Antrag forderten

Der Bundestag sollte die Bundesregierung auffordern,2

  • die Rahmen- und Förderbedingungen für Leistungssportler und Trainer weiterzuentwickeln und zu verbessern,
  • die Förderbedingungen für Sportverbände weiterzuentwickeln und zu vereinfachen,
  • Bewerbungen für Sportgroßveranstaltungen politisch und logistisch voranzutreiben und zu unterstützen,
  • die Sportinfrastruktur zu erhalten und auszubauen,
  • sich in den Ländern dafür einzusetzen, dass die gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Medien, besonders die dritten Programme, über den Sport in seiner Breite und nach regionalen Besonderheiten berichten.

Warum das wichtig war

Der Antrag benannte, was jeder Vereinsvorstand kennt. Trainer arbeiten 80 bis 100 Stunden pro Woche, Bundestrainer haben befristete Verträge, die an einen Olympiazyklus gebunden sind. Viele gute Trainer wandern ins Ausland ab.2 Athleten brechen ihre Karriere oft vor dem Höhepunkt ab, weil Förderung und Altersvorsorge nicht für die Zeit danach reichen.2 Wer Medaillen will, muss die Menschen absichern, die sie holen und die sie möglich machen.

Wer zuständig war

Der Bundestag überwies den Antrag am 7. Juli 2022 ohne Aussprache federführend an den Sportausschuss, mitberatend an Rechtsausschuss, Haushaltsausschuss und Kulturausschuss.3, 4 Der Sportausschuss beriet am 21. September 2022. SPD, CDU/CSU, Grüne und FDP stimmten für Ablehnung, die Linke war abwesend.4 Die SPD warf uns eine „Aneinanderreihung verschiedener Einzelforderungen“ vor und verwies auf eigene Programme der Koalition.4

Was daraus wurde

Am 23. September 2022 debattierte der Bundestag den Antrag zusammen mit einem Antrag der Union zum Bewegungsgipfel. Für unsere Fraktion sprach Jörn König, einer der Antragsteller. Die Beschlussempfehlung 20/3587 wurde mit den Stimmen der Koalition, der Union und der Linken gegen unsere Stimmen angenommen. Der Antrag 20/2363 war damit abgelehnt.5

Die Forderungen haben wir seitdem einzeln weiterverfolgt, zuletzt etwa mit dem Antrag zur dualen Karriere für Spitzensportler6 und mit unserer Position zur Olympia-Bewerbung Münchens.7 Der Sanierungsstau bei den Sportstätten ist bis heute nicht gelöst.8

Fazit

Der Antrag war ein Gesamtpaket: Athleten, Trainer, Verbände, Sportstätten, Großveranstaltungen, Sichtbarkeit. Die anderen Fraktionen lehnten ihn ab, die Probleme blieben. Wir bleiben dabei: Deutschland muss wieder Sportnation werden. Das heißt Hallen, Plätze und Trainer statt Konzepte in Schubladen.

Häufige Fragen

Wann wurde der Antrag 20/2363 eingebracht?
Die Drucksache trägt das Datum 21. Juni 2022.2

Welcher Ausschuss war federführend?
Der Sportausschuss. Mitberatend waren Rechtsausschuss, Haushaltsausschuss und der Ausschuss für Kultur und Medien.4

Wie ging die Abstimmung aus?
Der Bundestag folgte am 23. September 2022 der Beschlussempfehlung 20/3587 und lehnte den Antrag gegen die Stimmen der AfD-Fraktion ab.5

Quellen

  1. AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag: Sportnation Deutschland – Stärkung des gesellschaftlichen Stellenwerts des Sports, 21.06.2022. Link (abgerufen am 08.10.2026) ↩ ↩
  2. Deutscher Bundestag, Drucksache 20/2363: Antrag der Fraktion der AfD „Sportnation Deutschland – Stärkung des gesellschaftlichen Stellenwerts des Sports“, 21.06.2022. PDF (abgerufen am 08.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
  3. Deutscher Bundestag, Plenarprotokoll 20/47, 47. Sitzung vom 7. Juli 2022, Überweisung des Antrags 20/2363, S. 4904 ff. PDF (abgerufen am 08.10.2026) ↩
  4. Deutscher Bundestag, Drucksache 20/3587: Beschlussempfehlung und Bericht des Sportausschusses zum Antrag 20/2363, 21.09.2022. PDF (abgerufen am 08.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩
  5. Deutscher Bundestag, Plenarprotokoll 20/55, 55. Sitzung vom 23. September 2022, Tagesordnungspunkt 33 b, S. 6082 ff. PDF (abgerufen am 08.10.2026) ↩ ↩
  6. sportfrei.de: Antrag Duale Karriere: Spitzensportler brauchen Studium und Beruf, 09.06.2026. Link (abgerufen am 08.10.2026) ↩
  7. sportfrei.de: München wird deutscher Olympia-Bewerber: richtige Wahl, teurer Umweg, 29.09.2026. Link (abgerufen am 08.10.2026) ↩
  8. sportfrei.de: Sanierungsstau bei Sportstätten: Kommunen schlagen im Sportausschuss Alarm, 26.09.2026. Link (abgerufen am 08.10.2026) ↩

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