Ehrenamtskarte und Anerkennung: Mehr als ein Rabatt fürs Freibad

KW 42/2026 · AK-Aktuell · Samstag, 17.10.2026

Kurz gesagt: Fast jedes Land hat inzwischen eine Ehrenamtskarte, aber jedes mit eigenen Regeln, und eine bundesweite Karte gibt es nicht.1 Anerkennung ist für die Bundesregierung ein Teil ihres neuen „Vierklangs“.2 Wir sagen: Echte Anerkennung zeigt sich im Steuerbescheid und im Lebenslauf, nicht nur im Rabatt fürs Freibad.3

Ehrenamtskarte und Anerkennung: Mehr als ein Rabatt

Du trainierst jeden Dienstag die E-Jugend, führst die Vereinskasse oder stehst am Wochenende beim Turnier hinter dem Grill? Dann gehörst Du zu den Leuten, ohne die der Sport in Deutschland stillsteht. Viele Länder sagen danke mit einer Ehrenamtskarte. Das ist gut gemeint. Wir schauen uns an, was die Karte bringt und wo die Anerkennung aufhört.

Faktenlage

Eine einheitliche Ehrenamtskarte für ganz Deutschland gibt es bisher nicht. Die Länder entscheiden selbst über Programm, Kriterien und Partner. Eine landesweite Karte fehlt laut einer aktuellen Übersicht nur in Sachsen-Anhalt.1

Die Hürden sind sehr unterschiedlich. In Hamburg reichen mindestens zwei Stunden pro Woche oder 100 Stunden im Jahr, in Sachsen drei Stunden pro Woche oder 150 Stunden im Jahr. Thüringen verlangt mindestens fünf Stunden pro Woche und fünf Jahre ununterbrochenes Engagement. Die Karten gelten meist zwei bis drei Jahre; Bayern und das Saarland vergeben zusätzlich unbefristete Goldkarten.1

Warum das wichtig ist

Staatsminister Ronald Rauhe hat am Mittwoch im Sportausschuss Anerkennung als ersten Teil seines „Vierklangs aus Anerkennung, Vereinfachung, Unterstützung und Forschung“ genannt und auf die Kampagne „Ehrenamt in Deutschland“ verwiesen.2 Für uns saßen Jörn König, Thomas Korell und Lars Schieske im Ausschuss. Eine Kampagne ist sichtbar, aber sie bezahlt keine Fahrtkosten und ersetzt keinen Übungsleiter. Unseren ausführlichen Bericht zu der Sitzung findest Du hier.4

Wer zuständig ist

Die Ehrenamtskarten sind Sache der Länder und Kommunen.1 Die wirksamsten Hebel liegen aber beim Bund: der Übungsleiterfreibetrag, die Ehrenamtspauschale und das Vereinsrecht. Genau hier setzt unser Antrag „Sportvereine, Ehrenamt und Katastrophenschutz stärken“ an.3

Widersprüche und offene Fragen

Die Bundesregierung lobt das Ehrenamt, aber ein eigenes Engagementfördergesetz hält das Kanzleramt nicht für nötig.2 Dann muss die Entlastung über Steuer- und Vereinsrecht kommen, und zwar bald. Offen ist auch, warum ein Engagement, das in einem Land für eine Karte reicht, im Nachbarland nicht zählt. Ob eine gegenseitige Anerkennung der Länderkarten hilft, sollten Bund und Länder ehrlich prüfen.

Was wir fordern

  • Den Übungsleiterfreibetrag auf 4.000 Euro und die Ehrenamtspauschale auf 1.200 Euro im Jahr anheben.3
  • Ehrenamtliche Tätigkeit im Berufsleben besser berücksichtigen, zum Beispiel bei Ausbildung und Bewerbung.3
  • Nachweispflichten reduzieren, Verwaltungsverfahren standardisieren und Förderzugänge über ein zentrales Online-Portal vereinfachen.3
  • Den gesellschaftlichen Stellenwert des Ehrenamts mit Imagekampagnen stärken, die bei den Vereinen ankommen.3

Fazit

Die Ehrenamtskarte ist ein freundliches Danke. Sie ersetzt aber nicht, was nur der Bund leisten kann: weniger Papierkram, mehr steuerfreies Geld für Übungsleiter und echte Wertschätzung im Berufsleben. Daran messen wir den Staatsminister.

Häufige Fragen

Gibt es eine bundesweite Ehrenamtskarte?
Nein. Jedes Land regelt seine Karte selbst, in Sachsen-Anhalt gibt es laut Übersicht keine landesweite Karte.1

Wie viel Engagement brauche ich für die Karte?
Das hängt vom Land ab, häufig um die fünf Stunden pro Woche, in Hamburg schon zwei Stunden.1

Was fordern wir vom Bund?
Höhere Freibeträge, weniger Nachweispflichten und eine bessere Anrechnung des Ehrenamts im Berufsleben.3

Quellen

  1. Verbandsbüro: Ehrenamtskarte in Deutschland – Übersicht der Länder, Voraussetzungen und Vergünstigungen, 04.02.2026. Link (abgerufen am 15.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
  2. Deutscher Bundestag, heute im bundestag 832/2026: Staatsminister Rauhe fordert Bürokratieabbau im Ehrenamt, 14.10.2026. Link (abgerufen am 15.10.2026) ↩ ↩ ↩
  3. Deutscher Bundestag: Drucksache 21/6034, Antrag der Fraktion der AfD „Sportvereine, Ehrenamt und Katastrophenschutz stärken – Bürokratie abbauen, Steuern senken, Nachwuchs und Zukunft sichern“, 19.05.2026, PDF. PDF (abgerufen am 15.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
  4. sportfrei.de: 32. Sitzung Sportausschuss am 14.10.2026: Rauhe muss beim Ehrenamt liefern, 13.10.2026, Nachbericht vom 15.10.2026. Link (abgerufen am 15.10.2026) ↩

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