KW 44/2026 · AK-Aktuell · Dienstag, 27.10.2026
Kurz gesagt: Ab dem 17. Oktober 2031 darf in der EU kein Kunststoffgranulat für Kunstrasenplätze mehr verkauft werden.1 In Deutschland betrifft das rund 5.200 Kunstrasenplätze, der DFB rechnet mit mindestens einer Milliarde Euro für Umbau und Neubau.2 Einen eigenen Plan des Bundes für die Vereine und Kommunen gibt es nicht. Wir fordern, dass die Umrüstung jetzt planbar und bezahlbar wird.
Kunstrasen und Mikroplastik: Die Uhr läuft, der Bund schaut zu
Wenn Du im Winter im Verein Fußball spielst, stehst Du oft auf Kunstrasen. Auf vielen dieser Plätze liegt zwischen den Halmen schwarzes Kunststoffgranulat. Genau dieses Füllmaterial wird in fünf Jahren nicht mehr zu kaufen sein. Was nach ferner Zukunft klingt, ist für Vereine und Kommunen kurz: Ein Kunstrasen wird nicht in einem Sommer geplant, finanziert und gebaut. Wir ordnen ein, was feststeht und wo der Bund in der Pflicht ist.
Faktenlage
Die EU beschränkt mit der Verordnung (EU) 2023/2055 bewusst zugesetztes Mikroplastik. Für Granulat zur Verwendung auf synthetischen Sportflächen gilt das Verkaufsverbot ab dem 17. Oktober 2031.1 Wichtig für Dich und Deinen Verein: Bereits eingebautes Granulat darf bis zum Ende der Lebensdauer des Platzes liegen bleiben, gekauftes und gelagertes Granulat darf noch nachgestreut werden. Ein sofortiger Austausch ist nicht nötig.2
Der Deutsche Fußball-Bund zählt bundesweit rund 5.200 Kunstrasenplätze. Die Umrüstung eines Großspielfelds, bei der das Granulat entfernt und nur noch Sand eingebracht wird, kostet nach seiner Rechnung etwa 60.000 Euro. Für Modernisierung und Neubau insgesamt nennt der DFB mindestens eine Milliarde Euro. Als Alternativen kommen unter anderem Kork, Sand, Olivenkerne, Holzschnitzel und Maispellets infrage. Die meisten neuen Plätze werden schon heute so gebaut.2
Der Deutsche Städte- und Gemeindebund geht von Mehrkosten von mindestens einer Milliarde Euro aus. Er verlangt Finanzhilfen von Bund und Ländern und eine längere Übergangsfrist bis mindestens 2035, weil ein Kunstrasen im Mittel 12 bis 15 Jahre genutzt wird.3
Warum das wichtig ist
Kunstrasen ist für viele Vereine kein Luxus, sondern die einzige Fläche, auf der im Winter überhaupt trainiert werden kann. Fällt ein Platz aus, weil die Umrüstung nicht bezahlt ist, trifft das zuerst die Jugendmannschaften und die Ehrenamtlichen, die Trainingszeiten verteilen müssen. Gleichzeitig ist der Sanierungsstau bei Sportstätten schon ohne Granulat-Frist riesig: Im Sportausschuss haben die Kommunen ihn auf 21,6 Milliarden Euro beziffert.4
Das Thema ist nicht neu. Schon 2019 haben wir mit einer Kleinen Anfrage darauf gedrängt, dass ein Mikroplastikverbot die Plätze von Vereinen und Schulen nicht über Nacht schließt.5 Die lange Übergangsfrist ist gekommen. Ein Finanzierungsplan nicht.
Wer zuständig ist
Bau und Unterhalt der Sportplätze liegen bei Kommunen und Vereinen. Der Bund fördert über das Programm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität. Er trägt dort bis zu 45 Prozent der förderfähigen Ausgaben, bei nachgewiesener Haushaltsnotlage bis zu 75 Prozent. Bei Kunstrasenplätzen prüft der Bund nur, ob zertifizierte und nachhaltige Materialien verwendet werden.6 Ein eigener Baustein für die Umrüstung bestehender Granulatplätze ist dort nicht vorgesehen.
Widersprüche und offene Fragen
- Keine Übersicht: Die Bundesregierung räumt selbst ein, dass es keine verlässliche bundesweite Auswertung über Zustand und Verteilung der rund 220.000 Sportstätten gibt.6 Wie viele Kunstrasenplätze noch Kunststoffgranulat haben, weiß damit niemand genau.
- Vereine außen vor: Antragsberechtigt im Bundesprogramm sind Kommunen. Vereine mit eigenem Platz müssen über Landkreis, Stadt oder Landessportbund gehen. Das ist unübersichtlich und scheitert oft gerade bei den Kleinen.7
- Frist und Lebensdauer passen nicht: Wer heute einen Platz mit Granulat betreibt, darf ihn weiter nutzen, bekommt aber nach Mitte Oktober 2031 kein neues Füllmaterial mehr.2 Für viele Plätze fällt die Umrüstung damit mitten in die Nutzungszeit.
Was wir fordern
- Ein langfristiges Bundesprogramm für Sportstätten, wie es Jörn König, Thomas Korell, Lars Schieske und unser Arbeitskreis mit dem Antrag auf ein 40-Milliarden-Euro-Programm mit 90 Prozent Bundesanteil gefordert haben.7 Die Umrüstung von Kunstrasenplätzen gehört ausdrücklich hinein.
- Eine einfache Antragsstrecke für Vereine mit eigenem Platz, ohne Umweg über drei Behörden. Das passt zu unserem Antrag, Vereine von Bürokratie zu entlasten.8
- Eine bundesweite Bestandsaufnahme der Kunstrasenplätze mit Granulat bis Ende 2027, damit Bund, Länder und Kommunen wissen, wo was ansteht.
- Einsatz der Bundesregierung in Brüssel für eine Übergangsregel, die sich an der tatsächlichen Lebensdauer der Plätze orientiert, statt Vereine zum vorzeitigen Umbau zu zwingen.
Fazit
Das Granulat-Aus kommt nicht überraschend. Überraschend ist, dass fünf Jahre vorher noch niemand sagen kann, wie viele Plätze betroffen sind und wer die Umrüstung bezahlt. Wir wollen nicht, dass am Ende Kinder und Jugendliche ohne Winterplatz dastehen, weil Brüssel eine Frist setzt und Berlin keinen Plan hat. Ohne Infrastruktur kein Sport. Deshalb gehört der Kunstrasen jetzt auf die Tagesordnung, nicht erst 2031.
Häufige Fragen
Muss mein Verein den Kunstrasen jetzt sofort umbauen?
Nein. Eingebautes Granulat darf bis zum Ende der Lebensdauer des Platzes liegen bleiben. Ab Mitte Oktober 2031 darf es aber nicht mehr verkauft werden.2
Was kostet die Umrüstung?
Für ein Großspielfeld nennt der DFB etwa 60.000 Euro, wenn das Granulat durch Sand ersetzt wird.2
Gibt es Geld vom Bund?
Nur über das allgemeine Programm „Sanierung kommunaler Sportstätten“, beantragt durch die Kommune und mit bis zu 45 Prozent Bundesanteil.6 Ein eigenes Programm für die Kunstrasen-Umrüstung gibt es nicht.
Quellen
- Europäische Kommission, Access2Markets: Beschränkung von Mikroplastik in der EU ab dem 17. Oktober 2023 (mit Übergangsfristen, u. a. Granulat für synthetische Sportflächen ab dem 17. Oktober 2031). trade.ec.europa.eu (abgerufen am 25.10.2026) ↩ ↩
- Deutscher Fußball-Bund: Mikroplastik – Alle Infos zu Kunststoffrasenplätzen. dfb.de (abgerufen am 25.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
- Berliner Zeitung (dpa): Mikroplastikverbot – Tausende Sportplätze müssen Kunstrasen entfernen, EU-Granulatverbot auf Kunstrasen: eine Milliarde Mehrkosten, 28.09.2023. berliner-zeitung.de (abgerufen am 25.10.2026) ↩
- sportfrei.de: 30. Sitzung Sportausschuss am 23.09.2026: 21,6 Mrd. Euro Sanierungsstau bei Sportstätten, 23.09.2026. sportfrei.de (abgerufen am 25.10.2026) ↩
- sportfrei.de: Kleine Anfrage Kunstrasen und Mikroplastik: Plätze für Vereine und Schulen sichern, 29.11.2019. sportfrei.de (abgerufen am 25.10.2026) ↩
- Deutscher Bundestag, Drucksache 21/5365: Antwort der Bundesregierung zum Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“, 13.04.2026. dserver.bundestag.de (abgerufen am 25.10.2026) ↩ ↩ ↩
- Deutscher Bundestag, Drucksache 21/2032: Antrag der AfD-Fraktion „Bundesweite Sanierung von Sportstätten muss zeitnah durchgeführt werden“, 07.10.2025. dserver.bundestag.de (abgerufen am 25.10.2026) ↩ ↩
- Deutscher Bundestag, Drucksache 21/6034: Antrag der AfD-Fraktion „Sportvereine, Ehrenamt und Katastrophenschutz stärken – Bürokratie abbauen, Steuern senken, Nachwuchs und Zukunft sichern“, 20.05.2026. dserver.bundestag.de (abgerufen am 25.10.2026) ↩

