KW 43/2026 · AK-Aktuell · Dienstag, 20.10.2026
Kurz gesagt: Die Deutsche Sporthilfe zahlt schwangeren Athletinnen seit Mai bis zu 800 Euro im Monat und bis zu 6.000 Euro für Kinderbetreuung. Der Bund hat dagegen bis heute keinen Mutterschutz für selbständige Spitzensportlerinnen geregelt. Unseren Antrag dazu hat die Koalition abgelehnt. Wir fordern: Förderung 15 Monate weiterzahlen, Sonderfonds auflegen, Mutterschutz gesetzlich regeln.
Mütter im Spitzensport: Die Sporthilfe handelt, der Bund wartet
Wenn Du als Spitzensportlerin ein Kind bekommst, riskierst Du in Deutschland oft Deine Förderung, Deinen Kaderplatz und Deine Sponsoren. Wer angestellt ist, hat Mutterschutz. Wer als Athletin von Fördergeld, Prämien und Sponsorenverträgen lebt, hat ihn nicht. Diese Lücke ist seit Jahren bekannt. Geschlossen hat sie bisher nur eine private Stiftung, nicht der Gesetzgeber.
Faktenlage
- Sporthilfe bessert nach: Seit Mai 2026 richtet sich die monatliche Förderung schwangerer Athletinnen im Programm #comebackstronger nach ihrer bisherigen Einstufung. Im Top-Team ohne Sportförderstelle sind es bis zu 800 Euro im Monat, bisher gab es pauschal 300 Euro. Neu ist ein Zuschuss für Kinderbetreuung von bis zu 6.000 Euro in zwölf Monaten, etwa für Reisekosten von Kindern bis drei Jahre zu Wettkämpfen und Lehrgängen.1
- Kaum Mütter im Olympiateam: Von 211 Athletinnen des deutschen Teams bei den Spielen in Paris 2024 waren nur dreizehn Mütter.2
- Kaum Rückhalt der Verbände: In einer Umfrage unter mehr als 700 Spitzensportlerinnen fühlte sich nur jede zehnte von ihrem Verband unterstützt.2
- Kein Mutterschutz für Selbständige: Die Bundesregierung hat einen Mutterschutz für Selbständige im Koalitionsvertrag angekündigt, ein Gesetzentwurf liegt bis heute nicht vor.3
Was wir beantragt haben
Schon im Oktober 2025 haben Jörn König, Thomas Korell, Lars Schieske und unsere Fraktion den Antrag „Schwangere Athletinnen und Mütter im deutschen Spitzensport besser unterstützen“ eingebracht (Drucksache 21/2040).2, 4 Die Kernpunkte:
- die Sportförderung 15 Monate nach der Geburt unverändert weiterzahlen,
- ein Sonderfonds „Mütter im Leistungssport“ mit 3 Millionen Euro für Betreuungs- und Organisationskosten,
- ein gesetzlich geregelter Mutterschutz für selbständige Athletinnen, so wie für Angestellte,
- Ansprechpartner an den Olympiastützpunkten und geschulte Trainer für Training in und nach der Schwangerschaft,
- eine Schutzklausel in Sponsorenverträgen, damit Leistungen nicht sofort gekürzt werden.2
CDU/CSU, SPD, Grüne und Linke haben den Antrag im Sportausschuss abgelehnt.5 Die Sporthilfe setzt heute einen Teil davon aus eigener Kraft um: mehr Geld in der Schwangerschaft und Hilfe bei der Kinderbetreuung.1
Wer zuständig ist
Der Mutterschutz ist Sache des Bundes und des Familienministeriums. Die Spitzensportförderung des Bundes soll künftig die Spitzensport-Agentur verteilen, die das Sportfördergesetz errichtet. Der Bundestag hat das Gesetz am 10. Juli 2026 beschlossen und am selben Tag den Antrag der Grünen zum Mutterschutz von Athletinnen abgelehnt.6
Widersprüche und offene Fragen
- Ankündigen statt regeln: CDU/CSU nannten den Antrag der Grünen überflüssig, weil die Regierung den Mutterschutz ohnehin verankern wolle. Die SPD verwies auf laufende Vorhaben.7 Am 15. Oktober 2026 hat der Bundestag erneut über Mutterschutz für Selbständige debattiert, diesmal über Anträge von Grünen und Linken. Beschlossen wurde nichts.3
- Athletinnen fehlen: Die neuen Anträge von Grünen und Linken erwähnen Spitzensportlerinnen mit keinem Wort.8, 9 Wenn das Gesetz kommt, droht der Sport erneut vergessen zu werden.
- Mehr Bürokratie statt Hilfe: Wir haben den Antrag der Grünen abgelehnt, weil er staatliche Mindeststandards für Verbände und ein Berichtswesen wollte, aber keine Hilfe, die sofort bei den Athletinnen ankommt.7
Warum das wichtig ist
Spitzensportler müssen vom Sport leben können, auch wenn sie Eltern werden. Wer Athletinnen zwingt, zwischen Medaille und Familie zu wählen, verliert Talente mitten in der Karriere. Die Sporthilfe zeigt, dass gezielte Hilfe möglich ist. Sie ersetzt aber keine gesetzliche Absicherung.
Was wir fordern
- Mutterschutz für Selbständige jetzt gesetzlich regeln und selbständige Athletinnen ausdrücklich einbeziehen, mit Einkommensersatz auch für Fördergeld, Prämien und Sponsoring.
- Die Bundesförderung über die Spitzensport-Agentur 15 Monate nach der Geburt unverändert weiterzahlen.
- Einen Sonderfonds „Mütter im Leistungssport“ mit 3 Millionen Euro einrichten, ergänzend zur Sporthilfe.
- Ansprechpartner an den Olympiastützpunkten und Fortbildung für Trainer, ohne neue Berichtspflichten für die Vereine.2
Fazit
Eine Stiftung hat in wenigen Monaten geliefert, was die Koalition seit einem Jahr ankündigt. Unser Antrag liegt auf dem Tisch. Wenn das Familienministerium sein Gesetz vorlegt, werden wir prüfen, ob die Athletinnen diesmal mitgedacht sind.
Häufige Fragen
Haben Spitzensportlerinnen in Deutschland Mutterschutz?
Nur, wenn sie angestellt sind. Selbständige Athletinnen, die von Förderung, Prämien und Sponsoren leben, fallen bisher nicht unter den gesetzlichen Mutterschutz.2
Was zahlt die Sporthilfe schwangeren Athletinnen?
Je nach Einstufung bis zu 800 Euro im Monat, dazu bis zu 6.000 Euro für Kinderbetreuung in zwölf Monaten.1
Was ist aus unserem Antrag geworden?
Der Sportausschuss hat die Ablehnung empfohlen, mit den Stimmen aller anderen Fraktionen gegen uns.5 Mehr zum Antrag liest Du in unserem Beitrag vom Oktober 2025.4
Quellen
- Stiftung Deutsche Sporthilfe: Sporthilfe baut Förderung für schwangere Athletinnen und Spitzensportlerinnen und -sportler mit Kindern aus, Pressemitteilung, 08.05.2026. https://www.sporthilfe.de/ueber-uns/medien/pressemitteilungen/foerderung-muetter-comebackstronger (abgerufen am 18.10.2026) ↩ ↩ ↩
- Deutscher Bundestag: Antrag der Fraktion der AfD „Schwangere Athletinnen und Mütter im deutschen Spitzensport besser unterstützen“, Drucksache 21/2040, 07.10.2025. https://dserver.bundestag.de/btd/21/020/2102040.pdf (abgerufen am 18.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
- top agrar: Mutterschutz für Selbstständige: Gibt es bald bessere Regeln für Betriebsleiterinnen?, 16.10.2026. https://www.topagrar.com/betriebsleitung/news/stand-der-dinge-mutterschutz-fur-selbststandige-20030252.html (abgerufen am 18.10.2026) ↩ ↩
- sportfrei.de: Antrag Mütter im Spitzensport: Kind und Karriere dürfen sich nicht ausschließen, 09.10.2025. https://sportfrei.de/ak-aktuell/antrag-muetter-schwangere-athletinnen-spitzensport/ (abgerufen am 18.10.2026) ↩ ↩
- Deutscher Bundestag: Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Sport und Ehrenamt zum Antrag 21/2040, Drucksache 21/3366, 18.12.2025. https://dserver.bundestag.de/btd/21/033/2103366.pdf (abgerufen am 18.10.2026) ↩ ↩
- Deutscher Bundestag: Namentliche Abstimmung zum Sportfördergesetz, 10.07.2026. https://www.bundestag.de/parlament/plenum/abstimmung/abstimmung/?id=1020 (abgerufen am 18.10.2026) ↩
- Deutscher Bundestag: Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Sport und Ehrenamt zum Antrag 21/6009 „Mutterschutz von Athletinnen wirksam absichern“, Drucksache 21/7014, 08.07.2026. https://dserver.bundestag.de/btd/21/070/2107014.pdf (abgerufen am 18.10.2026) ↩ ↩
- Deutscher Bundestag: Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen „Mutterschutz für Selbstständige schaffen – Schutzlücken gesetzlich schließen“, Drucksache 21/8401, 06.10.2026. https://dserver.bundestag.de/btd/21/084/2108401.pdf (abgerufen am 18.10.2026) ↩
- Deutscher Bundestag: Antrag der Fraktion Die Linke „Mutterschutz für Selbstständige ermöglichen“, Drucksache 21/8461, 08.10.2026. https://dserver.bundestag.de/btd/21/084/2108461.pdf (abgerufen am 18.10.2026) ↩


