Nordische Kombination nach dem Olympia-Aus: Trainer und Schanzen jetzt sichern

KW 43/2026 · AK-Aktuell · Dienstag, 20.10.2026

Kurz gesagt: Drei Monate nach dem Olympia-Aus der Nordischen Kombination schlägt der Deutsche Skiverband Alarm: Zwei Internate sollen ihre Unterstützung zum 1. Januar 2027 praktisch verlieren, und ein Wegfall von Bundesmitteln hätte laut DSV-Sportdirektor Horst Hüttel „verheerende Auswirkungen“ bis ins Skispringen.1, 2 Wir fordern: erst Klarheit über Trainer, Schanzen und Athleten, dann Förderentscheidungen.

Nordische Kombination nach dem Olympia-Aus: Ein Sportzweig darf nicht ohne Plan wegbrechen

Du kennst die Kombinierer aus vielen Wintern vor dem Fernseher: erst die Schanze, dann die Loipe. Seit Juli steht fest, dass diese Disziplin bei den Winterspielen 2030 nicht mehr dabei ist. Jetzt zeigen sich die Folgen in Deutschland. Wir schauen uns an, was bekannt ist, wer zuständig ist und was wir als Arbeitskreis Sport und Ehrenamt erwarten.

Faktenlage

Die Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees hat am 7. Juli 2026 entschieden, die Nordische Kombination nicht ins Programm der Winterspiele 2030 in den französischen Alpen aufzunehmen. Begründet wurde das mit geringem Publikumsinteresse und damit, dass bei den letzten vier Winterspielen nur fünf Nationen Medaillen gewonnen haben. Eine Rückkehr 2034 hält das IOC für möglich.3

Am 19. Oktober 2026 hat DSV-Sportdirektor Horst Hüttel die Lage als „dramatisch und enorm herausfordernd“ beschrieben. Im Nachwuchsbereich gibt es etwa sieben Internate. Bei zwei davon soll die Unterstützung zum 1. Januar 2027 praktisch wegfallen. Zwei überwiegend von den Ländern finanzierte Eliteschulen haben signalisiert, dort künftig keine Nordische Kombination mehr anzubieten. Nach Hüttels Worten hängt die Länderfinanzierung mit der Bundesfinanzierung zusammen.1

Kombination und Skispringen hängen stark an öffentlichem Geld: für Sportstätten, Bau und Unterhalt der Schanzen und für Trainerstellen. Hüttel warnt, dass schon die Streichung einer bundesfinanzierten Trainerstelle schwere Folgen hätte. Jüngere Athleten denken bereits über einen Wechsel ins Skispringen nach.1, 2

Warum das wichtig ist

Der Bund fördert 40 Spitzenverbände mit olympischen und vorübergehend olympischen Sportarten, sieben davon im Wintersport.4 Für 2027 stehen für den olympischen Wintersport rund 30,6 Millionen Euro bereit. Staatsminister Ronald Rauhe will bei den Winterspielen 2030 wieder unter die Top 3 im Medaillenspiegel.5 Dieses Ziel teilen wir.6

Gerade deshalb darf der Wegfall einer Disziplin nicht dazu führen, dass gemeinsame Grundlagen verschwinden. Schanzen, Trainer und Internate tragen auch das Skispringen. Wer dort ohne Plan kürzt, schwächt eine Sportart, die 2030 sehr wohl um Medaillen kämpft. Und es trifft junge Sportler, die ihren Alltag ganz auf den Leistungssport ausgerichtet haben.

Wer zuständig ist

Die Spitzensportförderung des Bundes liegt beim Staatsminister für Sport und Ehrenamt im Bundeskanzleramt. Über die Verteilung entscheiden Bundeskanzleramt und DOSB gemeinsam.5 Die Internate und Eliteschulen werden überwiegend von den Ländern getragen.1 Das Parlament kontrolliert über den Haushalt und im Sportausschuss.

Widersprüche und offene Fragen

  • Welche Bundesmittel sind betroffen? Öffentlich ist nicht bekannt, welche Trainerstellen und Schanzenmittel der Bund nach dem Olympia-Aus noch tragen will.
  • Wer redet mit wem? Länder ziehen sich zurück, weil sie auf den Bund schauen. Eine gemeinsame Linie von Bund, Ländern und DSV ist nicht erkennbar.
  • Was wird aus den Athleten? Wer heute im Internat lebt, braucht jetzt eine Perspektive, nicht erst nach der nächsten IOC-Sitzung.

Was wir fordern

  • Der Staatsminister legt offen, welche Bundesmittel für Trainer und Schanzen in Kombination und Skispringen 2027 fließen und welche wegfallen sollen.
  • Keine Kürzung bei Trainern und Schanzen ohne Plan, solange diese auch das Skispringen tragen.
  • Athleten, die wechseln müssen, bekommen Unterstützung für Schule, Ausbildung und Beruf, wie wir es in unserem Antrag zur dualen Karriere verlangen.7
  • Ein Bericht im Sportausschuss, wie das Top-3-Ziel 2030 im nordischen Skisport erreicht werden soll.

Fazit

Die Entscheidung des IOC kann der Bundestag nicht ändern. Was in Deutschland daraus folgt, aber schon. Wir erwarten von der Bundesregierung, dass sie mit Ländern und DSV einen klaren Plan vorlegt, bevor Internate schließen und Trainer gehen. Wir werden im Sportausschuss nachfragen.

Häufige Fragen

Ist die Nordische Kombination 2030 olympisch?
Nein. Das IOC hat sie am 7. Juli 2026 aus dem Programm der Winterspiele 2030 genommen. Eine Rückkehr 2034 ist möglich.3

Was passiert mit den Internaten?
Bei zwei von etwa sieben Internaten soll die Unterstützung zum 1. Januar 2027 praktisch wegfallen.1

Warum betrifft das auch das Skispringen?
Kombinierer und Skispringer nutzen dieselben Schanzen und oft dieselben Trainer. Fällt Bundesgeld weg, trifft das beide.1

Quellen

  1. Volksstimme (dpa): Sportdirektor über Lage für Kombinierer: „Dramatisch“, 19.10.2026. Link (abgerufen am 20.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
  2. SPORT1 (SID): Hüttel sieht Lage der Kombination „dramatisch“, 19.10.2026. Link (abgerufen am 20.10.2026) ↩ ↩
  3. ZDFheute: Nach über 100 Jahren: Olympia-Aus für die Nordische Kombination, 07.07.2026. Link (abgerufen am 20.10.2026) ↩ ↩
  4. Die Bundesregierung, Staatsminister für Sport und Ehrenamt: Neue Übersichten veröffentlicht: Förderzahlen Spitzensportverbände 2025/2026, 18.05.2026. Link (abgerufen am 20.10.2026) ↩
  5. Die Bundesregierung, Staatsminister für Sport und Ehrenamt: 30,6 Millionen Euro für Spitzensportverbände, Leistungssportpersonal, IAT, FES und OSPs für den Wintersport, 02.10.2026. Link (abgerufen am 20.10.2026) ↩ ↩
  6. sportfrei.de: Wintersport-Förderung 2027: Top-3-Ziel richtig, jetzt Trainer halten, 16.10.2026. Link (abgerufen am 20.10.2026) ↩
  7. Deutscher Bundestag, Drucksache 21/6358: Antrag der AfD-Fraktion „Spitzensportförderung – Duale Karriere für Spitzensportler stärken“. Link (abgerufen am 20.10.2026) ↩

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