Olympiastützpunkte: Spitzensport-Agentur übernimmt, das Geld bleibt eingefroren

KW 44/2026 · AK-Aktuell · Mittwoch, 28.10.2026

Kurz gesagt: In Deutschland gibt es noch 13 Olympiastützpunkte und 193 Bundesstützpunkte.1 Künftig soll die neue Spitzensport-Agentur auch über ihre Förderung entscheiden.2 Im Haushaltsentwurf 2027 steht für das Stützpunktsystem aber exakt derselbe Betrag wie im Vorjahr. Wir fordern 50 Millionen Euro und eine Garantie, dass kein weiterer Stützpunkt wegfällt.3

Olympiastützpunkte: Ohne sie gibt es keine Medaillen

Wenn Du an Olympiasieger denkst, denkst Du an Wettkämpfe. Gewonnen werden sie vorher: in der Halle, beim Physiotherapeuten, beim Trainingswissenschaftler. Genau das leisten die Olympiastützpunkte. Mit dem Sportfördergesetz wird jetzt neu geregelt, wer sie bezahlt und wer über ihre Zukunft entscheidet. Deshalb lohnt der genaue Blick.

Die Faktenlage

Laut Bundesregierung besteht das Stützpunktsystem heute aus 13 Olympiastützpunkten, 193 Bundesstützpunkten, 12 Bundesstützpunkten für den Para-Sport und den Trainingszentren in Kienbaum und Hennef. Die Zahl der Träger der Olympiastützpunkte wurde von 19 auf 13 verringert; in Baden-Württemberg, Sachsen und Nordrhein-Westfalen gibt es jeweils nur noch einen.1

Nach Angaben des Deutschen Olympischen Sportbundes arbeiten die 13 Olympiastützpunkte an 17 Standorten mit 26 Außen- und Nebenstellen. Sie betreuen Bundeskader- und Nachwuchsathleten mit Sportmedizin, Physiotherapie, Trainingswissenschaft, Psychologie, Ernährung und Laufbahnberatung. Bezahlt wird das gemeinsam von Bund, Ländern und Kommunen.4

Bisher entscheidet das Bundeskanzleramt über die Förderung der Stützpunkte. Nach dem Sportfördergesetz soll diese Aufgabe künftig die Spitzensport-Agentur übernehmen.2 Das Gesetz ist seit dem 21. Oktober 2026 in Kraft, die Förderbereiche gehen schrittweise auf die Agentur über.5 Erste Förderentscheidungen im neuen System sind erst für den Zyklus nach den Sommerspielen 2028 vorgesehen.6

Warum das wichtig ist

Im Regierungsentwurf für den Haushalt 2027 stehen für die Kosten des Stützpunktsystems 42,085 Millionen Euro, genau der Vorjahreswert.3 Gleichzeitig erreicht der Sporthaushalt des Bundes mit insgesamt 361,7 Millionen Euro laut DOSB ein neues Rekordniveau.7 Steigende Löhne für Physiotherapeuten, Trainer und Betreuer müssen die Stützpunkte also aus einem eingefrorenen Topf bezahlen. Das heißt im Klartext: weniger Betreuung für Deine Athleten.

Unsicherheit ist für die Stützpunkte nicht neu. Schon im Sommer 2024 konnte die damalige Bundesregierung auf Nachfrage nicht sagen, wie viel Geld die Olympiastützpunkte im laufenden Jahr bekommen, weil das Bewilligungsverfahren noch nicht abgeschlossen war.8 Wer so plant, verliert gute Leute. Wie hart der Wettbewerb um Fachkräfte im Spitzensport ist, haben wir am Beispiel der Bundestrainer gezeigt.9

Wer zuständig ist

Zuständig ist heute das Bundeskanzleramt mit dem Staatsminister für Sport und Ehrenamt. Schrittweise übernimmt die Spitzensport-Agentur in Leipzig, deren Vorstand noch berufen werden muss.5 Über das Geld entscheidet am Ende der Bundestag mit dem Haushalt 2027, der laut DOSB im Dezember verabschiedet werden soll.7

Widersprüche und offene Fragen

  • Rekordniveau beim Sporthaushalt, aber keinen Euro mehr für das Stützpunktsystem: Wie passt das zusammen?
  • Die Agentur soll über Stützpunkte entscheiden. Nach welchen Maßstäben, und ob dabei weitere Standorte wegfallen, ist offen.
  • Bis 2028 läuft alles im alten Verfahren. Wer garantiert den Stützpunkten in der Übergangszeit verlässliche Zusagen?

Was wir fordern

Unser Arbeitskreis hat dazu im Sportausschuss Änderungsanträge zum Haushalt 2027 eingebracht.3 Darüber haben wir bereits berichtet.10

  • Mehr Geld: Die Kosten des Stützpunktsystems von 42,085 auf 50 Millionen Euro anheben.3
  • Kein Kahlschlag: Die Zahl der Olympia- und Bundesstützpunkte darf gegenüber 2026 nicht sinken, auch nicht durch die Arbeit der Agentur.3
  • Kontrolle: Jährlicher Bericht der Bundesregierung an den Sportausschuss über Aufbau und Mittelverwendung der Agentur und über die Potenzialanalyse.3

Fazit

Medaillen entstehen in den Stützpunkten, nicht in Behörden. Wer Deutschland wieder unter die besten Sportnationen bringen will, muss die Menschen bezahlen, die Athleten täglich betreuen. Wir bleiben im Haushaltsverfahren und im Sportausschuss dran. Sport frei!

Häufige Fragen

Wie viele Olympiastützpunkte gibt es? Laut Bundesregierung 13, dazu 193 Bundesstützpunkte und 12 Bundesstützpunkte für den Para-Sport.1

Wer entscheidet künftig über ihre Förderung? Nach dem Sportfördergesetz die Spitzensport-Agentur, bisher das Bundeskanzleramt.2

Wie viel Geld plant der Bund 2027? 42,085 Millionen Euro für die Kosten des Stützpunktsystems, so viel wie im Vorjahr. Wir fordern 50 Millionen Euro.3

Quellen

  1. Die Bundesregierung, Staatsminister für Sport und Ehrenamt: Effiziente Stützpunktstruktur. Link (abgerufen am 26.10.2026) ↩ ↩ ↩
  2. Die Bundesregierung, Staatsminister für Sport und Ehrenamt: Fragen und Antworten zum Entwurf des Sportfördergesetzes der Bundesregierung. Link (abgerufen am 26.10.2026) ↩ ↩ ↩
  3. Deutscher Bundestag, Ausschuss für Sport und Ehrenamt: Änderungsanträge der Fraktion der AfD zu Einzelplan 04, Ausschussdrucksachen 21(5)143–158. PDF (abgerufen am 26.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
  4. Deutscher Olympischer Sportbund: Olympiastützpunkte – das Rückgrat der deutschen Leistungssportförderung, 14.10.2025. Link (abgerufen am 26.10.2026) ↩
  5. Die Bundesregierung, Staatsminister für Sport und Ehrenamt: Über die Ziellinie: Sportfördergesetz in Kraft getreten, 21.10.2026. Link (abgerufen am 26.10.2026) ↩ ↩
  6. sportfrei.de: Sportfördergesetz in Kraft: Jetzt zählt, wer die Spitzensport-Agentur führt, 21.10.2026. Link ↩
  7. Deutscher Olympischer Sportbund: DOSB begrüßt Regierungsentwurf des Bundeshaushalts 2027, 07.07.2026. Link (abgerufen am 26.10.2026) ↩ ↩
  8. Deutscher Bundestag, hib – heute im bundestag 468/2024: Finanzielle Förderung der Olympiastützpunkte, 01.07.2024. Link (abgerufen am 26.10.2026) ↩
  9. sportfrei.de: Bundestrainer am Limit: Gute Trainer brauchen gute Verträge, 21.10.2026. Link ↩
  10. sportfrei.de: 30. Sitzung Sportausschuss am 23.09.2026: Sporthaushalt 2027 – mehr Geld für Athleten. Link ↩

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