Schwimmbad-Sanierung: 942 Bäder angemeldet, nur 195 gefördert

KW 43/2026 · AK-Aktuell · Donnerstag, 22.10.2026

Kurz gesagt: Für das Bundesprogramm zur Sanierung kommunaler Schwimmbäder haben Kommunen 942 Projekte mit rund 3,2 Milliarden Euro Förderbedarf angemeldet. Gefördert werden 195 Bäder mit 250 Millionen Euro.1, 2 Rund vier von fünf angemeldeten Projekten gehen leer aus. Wir fordern ein Sanierungsprogramm, das dem Bedarf entspricht, nicht dem Haushaltsrest.

Schwimmbad-Sanierung: 942 Bäder angemeldet, 195 gefördert

Ohne Bad kein Schwimmunterricht, kein Schwimmverein, keine Wassergewöhnung für Kinder. Das weißt Du, wenn in Deiner Stadt das Hallenbad wegen Sanierung schließt und nicht wieder aufmacht. Der Bund hat in diesem Jahr ein eigenes Programm für kommunale Bäder aufgelegt. Die Zahlen zeigen vor allem eines: wie groß die Lücke ist. Ende Oktober soll ein neuer Projektaufruf kommen.1 Wir ordnen ein, was bekannt ist und was jetzt passieren muss.

Faktenlage

Im Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ stehen 2026 aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität 250 Millionen Euro allein für Schwimmbäder bereit. Bis zum Stichtag am 19. Juni 2026 gingen 942 Projektskizzen mit einem beantragten Volumen von rund 3,2 Milliarden Euro ein.2 Das Programm ist damit fast 13-fach überzeichnet.3

Am 24. September 2026 hat der Haushaltsausschuss des Bundestages 195 Projekte beschlossen. Für diese Bäder beginnt jetzt erst das eigentliche Antragsverfahren. Ende Oktober soll ein weiterer Projektaufruf veröffentlicht werden.1 Rechnerisch bekommt damit nur gut jedes fünfte angemeldete Bad einen Zuschlag. Rund 750 Projekte bleiben ohne Förderung.

Die Regeln sind streng: Der Bund trägt höchstens 45 Prozent der förderfähigen Kosten, bei nachgewiesener Haushaltsnotlage bis zu 75 Prozent. Der Bundesanteil muss mindestens 250.000 Euro betragen und darf 8 Millionen Euro nicht überschreiten. Antragsberechtigt sind nur Städte, Gemeinden und Landkreise, Vereine nicht.4

Warum das wichtig ist

Nach einer Auswertung der KfW haben rund 62 Prozent der Hallenbäder und 48 Prozent der Freibäder einen gravierenden oder nennenswerten Investitionsrückstand.3 Im Sportausschuss haben die Kommunen den Sanierungsstau bei Sportstätten insgesamt auf 21,6 Milliarden Euro beziffert.5 Schon im Januar haben DLRG und Schwimm-Verband im Ausschuss deutlich gemacht, dass viele Kinder nicht sicher schwimmen können.6

Jedes geschlossene Bad verlängert die Wege für Schulen und Vereine. Kurse fallen aus, Wartelisten wachsen, Ehrenamtliche in den Schwimmvereinen verlieren ihre Trainingszeiten. Ein Programm, das nur jedes fünfte Projekt bedient, verwaltet den Verfall, statt ihn zu stoppen.

Wer zuständig ist

Bau und Betrieb der Bäder liegen bei den Kommunen. Das Bundesprogramm verantwortet das Bundesbauministerium, die Projekte wählt der Haushaltsausschuss aus.1 Über die Höhe der Mittel entscheidet der Bundestag mit dem Haushalt. Genau dort setzen wir an.

Widersprüche und offene Fragen

  • Keine Daten, aber Auswahl: Die Bundesregierung räumt ein, dass weder Bund noch Länder eine aktuelle Datenbasis zum Zustand der Sportstätten und Bäder haben. Eine belastbare Aussage, was das Programm beim Abbau des Sanierungsstaus leistet, sei deshalb nicht möglich.4
  • Wer arm ist, fällt raus: Ohne nachgewiesene Haushaltsnotlage muss eine Kommune mindestens 55 Prozent selbst tragen. Wer das nicht aufbringt, kommt gar nicht erst zum Zug. Gerade klamme Kommunen mit maroden Bädern trifft das am härtesten.4
  • Vereine außen vor: Vereinseigene Bäder und gemeinnützige Betreiber können nicht direkt beantragen. Das fragt inzwischen auch eine andere Fraktion im Bundestag nach.3

Was wir fordern

Unsere Linie steht seit einem Jahr im Antrag von Jörn König, Thomas Korell, Lars Schieske und weiteren Abgeordneten unseres Arbeitskreises: ein Sanierungsprogramm von 40 Milliarden Euro über fünf bis acht Jahre, mit 90 Prozent Bund und 10 Prozent Ländern, weniger Bürokratie und Öffnung für strukturschwache Regionen.7 Für die Bäder heißt das konkret:

  • Der neue Projektaufruf Ende Oktober muss deutlich mehr Geld bekommen. 250 Millionen Euro gegen 3,2 Milliarden Euro Bedarf sind kein Programm, sondern eine Lotterie.
  • Höherer Bundesanteil, damit auch Kommunen mit leeren Kassen ihr Bad retten können.
  • Einfachere Verfahren und eine niedrigere Einstiegshürde für kleine Bäder und Lehrschwimmbecken.
  • Eine bundesweite Bestandsaufnahme aller Bäder, damit gefördert wird, wo die Not am größten ist. Förderung heißt messbare Ergebnisse.

Fazit

Der Bedarf ist beziffert, die Kommunen haben ihre Projekte auf den Tisch gelegt. Jetzt muss der Bund liefern. Wir brauchen Bäder, Hallen und Plätze, keine Konzepte in Schubladen. Wir bleiben im Sportausschuss und in den Haushaltsberatungen dran.

Häufige Fragen

Wie viele Schwimmbäder fördert der Bund 2026?
195 kommunale Bäder mit zusammen 250 Millionen Euro. Beschlossen hat das der Haushaltsausschuss im September 2026.1

Wie viele Kommunen hatten sich beworben?
Eingegangen sind 942 Projektskizzen mit rund 3,2 Milliarden Euro beantragter Förderung.2

Wie viel zahlt der Bund pro Bad?
In der Regel bis zu 45 Prozent der förderfähigen Kosten, bei Haushaltsnotlage bis zu 75 Prozent, mindestens 250.000 und höchstens 8 Millionen Euro.4

Quellen

  1. Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen: Bund fördert 195 kommunale Schwimmbäder, 24.09.2026. Link (abgerufen am 20.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
  2. Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen: Projektaufruf für die Förderung für die Sanierung von Schwimmbädern mit überragender Resonanz, 23.06.2026. Link (abgerufen am 20.10.2026) ↩ ↩ ↩
  3. Deutscher Bundestag, Drucksache 21/8319: Kleine Anfrage „Bundesprogramm ‚Sanierung kommunaler Sportstätten – Schwimmbäder‘ – Abbau des Sanierungsstaus, Sicherung der Schwimmfähigkeit und Weiterentwicklung des Förderprogramms“, 02.10.2026. Link (abgerufen am 20.10.2026) ↩ ↩ ↩
  4. Deutscher Bundestag, Drucksache 21/5365: Antwort der Bundesregierung „Bundesprogramm ‚Sanierung kommunaler Sportstätten‘ – Abbau des bestehenden Investitionsstaus, Auswahlverfahren und Weiterentwicklung des Förderaufrufs 2025/2026“, 13.04.2026. Link (abgerufen am 20.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩
  5. sportfrei.de: 30. Sitzung Sportausschuss am 23.09.2026: 21,6 Mrd. Euro Sanierungsstau bei Sportstätten, 23.09.2026. Link (abgerufen am 20.10.2026) ↩
  6. sportfrei.de: 15. Sitzung Sportausschuss am 14.01.2026: Schwimmunterricht – 60 Prozent nicht sicher, 14.01.2026. Link (abgerufen am 20.10.2026) ↩
  7. Deutscher Bundestag, Drucksache 21/2032: Antrag der AfD-Fraktion „Bundesweite Sanierung von Sportstätten muss zeitnah durchgeführt werden“, 07.10.2025. Link (abgerufen am 20.10.2026) ↩

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