Sportausschuss 2020: Fakten statt ideologischer Schwerpunkte

KW 10/2020 · AK-Aktuell · Freitag, 06.03.2020

Kurz gesagt: Am 4. März 2020 hielt der Sportausschuss eine öffentliche Anhörung zum Thema „Rechtsextremismus im Fußball“ ab.1 Die Polizei-Fachstelle ZIS ordnete etwa 2,5 Prozent der bundesweit erfassten „Gewalttäter Sport“ dem rechtsmotivierten Bereich zu.2 Die AfD-Fraktion kritisierte, dass der Ausschuss seine Zeit mit ideologischen Themen statt mit den Problemen der Vereine verbringt.3

Sportausschuss 2020: Fakten statt ideologischer Schwerpunkte

Der Sportausschuss des Bundestages hat begrenzte Sitzungszeit. Jede Stunde, die er einem Thema widmet, fehlt anderswo, etwa bei Sportstätten, Ehrenamt oder Spitzensportförderung. Im März 2020 setzte die SPD-Fraktion eine Anhörung zu Rechtsextremismus im Fußball an. Hier liest Du, was die Fachleute der Polizei dazu gesagt haben und wie wir das bewertet haben.

Faktenlage

Die 44. Sitzung des Sportausschusses fand am 4. März 2020 als öffentliche Anhörung statt, als Selbstbefassung SB 19(5)64. Geladen waren unter anderem der DFB, die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS), das Bundesamt für Verfassungsschutz, die Koordinationsstelle Fanprojekte sowie Vertreter von Union Berlin, Dynamo Dresden und dem Fan-Projekt Dortmund.1

Die ZIS bei der Polizei Nordrhein-Westfalen schrieb in ihrer Stellungnahme: Etwa 240 Personen, also rund 2,5 Prozent der bundesweit erfassten „Gewalttäter Sport“, seien dem rechtsmotivierten Bereich zuzurechnen, etwa 130 Personen oder 1,4 Prozent dem linksmotivierten. Aus den Daten der Polizei sei „nicht abzuleiten, dass rechtsextremistische Tendenzen bundesweit ein großes Problem in Fußballstadien darstellen“.2 Andere Sachverständige sahen das anders. Der Vertreter des Verfassungsschutzes etwa erklärte, eine nicht unerhebliche Zahl von Fans aus der Hooligan- und Ultraszene weise Bezüge zum Rechtsextremismus auf.4

Jörn König, damals Obmann der AfD-Fraktion im Sportausschuss, erklärte in der Pressemitteilung, „Rechtsextremismus im Fußball“ sei „von der SPD-Fraktion als Schwerpunkt aus dem rot gefärbten Hut gezaubert“ worden. Andreas Mrosek, damals Mitglied im Sportausschuss, fragte, welche Fakten es rechtfertigten, dass sich ein Bundestagsausschuss fast drei Stunden damit beschäftigt. Er verwies zudem auf eine frühere Sitzung zu Homophobie und Sexismus im Fußball, nach deren Auswertung es laut Pressemitteilung nur in 0,21 Prozent der Spiele zu entsprechenden Vorfällen gekommen sei.3

Was wir fordern

  • Der Sportausschuss setzt Schwerpunkte nach Bedarf der Vereine und Athleten: Sportstätten, Ehrenamt, Trainer, Spitzensport.
  • Anhörungen stützen sich auf Daten der Fachbehörden, nicht auf Stimmungen.
  • Extremismus jeder Art wird mit Polizei und Stadionordnung bekämpft, nicht mit Symbolpolitik.

Warum das wichtig ist

Vereine kämpfen mit maroden Hallen, fehlenden Übungsleitern und Bürokratie. Das sind die Themen, bei denen der Bundestag helfen kann. Wie dringend sie sind, zeigt die Anhörung zum Sanierungsstau bei Sportstätten im Herbst 2026.5 Wer die knappe Ausschusszeit mit Themen füllt, die nach den Daten der Polizei kein großes Problem darstellen, setzt die falschen Prioritäten.

Was daraus wurde

Die Anhörung war eine Selbstbefassung des Ausschusses. Sie diente der Information der Abgeordneten, eine Beschlussvorlage stand nicht auf der Tagesordnung.1 Die Stellungnahmen und der Bericht über die Anhörung sind beim Bundestag weiter abrufbar.2, 4 Mit Ende der 19. Wahlperiode ist der Sportausschuss im 21. Bundestag als Ausschuss für Sport und Ehrenamt neu aufgestellt. Unsere Forderung nach Schwerpunkten bei Sportstätten und Ehrenamt bleibt.

Fazit

Die Zahlen der Polizei waren eindeutig: Rechtsextremismus ist in deutschen Stadien kein Massenphänomen. Jeder Fall ist einer zu viel und gehört verfolgt. Aber die Arbeitszeit des Sportausschusses gehört den echten Problemen des Sports.

Häufige Fragen

Wann fand die Anhörung statt?
Am 4. März 2020 in der 44. Sitzung des Sportausschusses.1

Was sagte die Polizei zur Lage in den Stadien?
Rund 2,5 Prozent der erfassten „Gewalttäter Sport“ waren dem rechtsmotivierten Bereich zuzurechnen. Ein großes bundesweites Problem lasse sich aus den Daten nicht ableiten.2

Was kritisierte die AfD-Fraktion?
Dass die Ausschusszeit mit ideologisch motivierten Themen statt mit Substanz gefüllt wird.3

Quellen

  1. Deutscher Bundestag, Sportausschuss (19. Wahlperiode): Tagesordnung der 44. Sitzung am 4. März 2020, Öffentliche Anhörung „Rechtsextremismus im Fußball“, Selbstbefassung SB 19(5)64, mit Liste der Sachverständigen. PDF (abgerufen am 08.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩
  2. Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste NRW, Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze: Stellungnahme zur öffentlichen Anhörung des Sportausschusses am 04.03.2020 „Rechtsextremismus im Fußball“, 24.02.2020. PDF (abgerufen am 08.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩
  3. AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag: König/Mrosek: Sportausschuss – Links-Grüne Blockade durch Nonsens-Themen, Pressemitteilung, 06.03.2020. Link (abgerufen am 08.10.2026) ↩ ↩ ↩
  4. Deutscher Bundestag, Textarchiv 2020: Fanprojektarbeit gegen rechtsextremistische Tendenzen im Fußball, Bericht zur Anhörung des Sportausschusses am 04.03.2020. Link (abgerufen am 08.10.2026) ↩ ↩
  5. sportfrei.de: Sanierungsstau bei Sportstätten: Kommunen schlagen im Sportausschuss Alarm, 26.09.2026. Link (abgerufen am 08.10.2026) ↩

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