Sportförderung in Uniform: Mehr Geld für Bundeswehr-Athleten, aber unklare Zahlen

KW 42/2026 · AK-Aktuell · Sonntag, 18.10.2026

Kurz gesagt: Bundeswehr, Bundespolizei und Zoll sind für viele Spitzensportler der wichtigste Arbeitgeber. 2027 soll allein die Spitzensportförderung der Bundeswehr von 63,1 auf 82,9 Millionen Euro steigen. Wir begrüßen das, fordern aber saubere Zahlen und messbare Ergebnisse je Förderstelle.

Sport in Uniform: mehr Geld, aber unklare Zahlen

Wenn Du bei Olympischen Spielen deutsche Medaillengewinner siehst, tragen viele von ihnen im Alltag eine Uniform. Sportsoldaten, Polizeisportler und Zöllner trainieren als Beruf und machen nebenher eine Ausbildung beim Dienstherrn. Wie viel Geld der Bund dafür ausgibt, steht in einer Übersicht des Bundeskanzleramts, die dem Sportausschuss vorliegt.1 Wir haben die Zahlen gelesen.

Faktenlage

  • Bundeswehr: Die Spitzensportförderung soll von 63,1 Millionen Euro (2026) auf 82,9 Millionen Euro im Regierungsentwurf 2027 steigen, ein Plus von gut 31 Prozent. Die Personalkosten für die Spitzensportler selbst wachsen von 44,7 auf 61,6 Millionen Euro.1
  • Bundespolizei: In der Übersicht stehen 39,1 Millionen Euro für 2026 und 41,9 Millionen Euro für 2027.1 Davon entfallen 2027 rund 15,0 Millionen Euro auf die beiden Sportschulen Bad Endorf und Kienbaum, also auf den Spitzensport. Rund 10,0 Millionen Euro gehen in Miete und Betrieb von Schießanlagen.2
  • Zoll: Für das Zoll-Ski-Team und Sportförderplätze für Spitzensportler mit Behinderung in Bundesbehörden sind 2,9 Millionen Euro (2026) und 3,1 Millionen Euro (2027) eingeplant.1

Der Sportausschuss hat die Haushaltsberatungen zu den Einzelplänen von Innen-, Finanz- und Verteidigungsministerium in seiner 31. Sitzung am 7. Oktober 2026 abgeschlossen.3 Dort ging es auch um die Olympia-Bewerbung, über die wir berichtet haben.4

Warum das wichtig ist

Die Förderstellen bei Bundeswehr, Bundespolizei und Zoll sind die verlässlichste Absicherung, die ein Spitzensportler in Deutschland bekommen kann: festes Gehalt, Training als Dienst, Ausbildung parallel. Genau darauf weist auch unser Antrag zur dualen Karriere hin, den unter anderem Jörn König, Lars Schieske und Thomas Korell eingebracht haben.5 Wer keine solche Stelle hat, muss Training, Studium oder Beruf meist allein unter einen Hut bringen.

Wer zuständig ist

Das Geld steht in drei verschiedenen Haushalten: Verteidigung (Bundeswehr), Inneres (Bundespolizei) und Finanzen (Zoll). Die Gesamtübersicht über alle Sportmittel des Bundes führt das Bundeskanzleramt, wo der Staatsminister für Sport und Ehrenamt angesiedelt ist.1

Widersprüche und offene Fragen

  • Geschätzte statt gebuchte Zahlen: Die Spitzensportförderung der Bundeswehr wird laut Übersicht nicht gesondert im Haushalt ausgewiesen. Weil die errechneten Kosten nur etwa 90 Prozent abdecken, wird pauschal ein Aufschlag von 10 Prozent angesetzt.1
  • Zwei Zahlen für ein Jahr: Die Bundespolizei nennt für 2026 selbst 42,8 Millionen Euro und bittet darum, den Ansatz von 39,1 Millionen Euro in der Übersicht zu prüfen.2
  • Was zählt als Sportförderung? Unter derselben Überschrift stehen Spitzensportschulen, Dienstsport und Schießanlagen. Für Dich als Leser ist so kaum zu erkennen, wie viel Geld wirklich bei den Athleten ankommt.2

Was wir fordern

  • Die Förderstellen bei Bundeswehr, Bundespolizei und Zoll bleiben das Rückgrat der Athletenabsicherung. Spitzensportler müssen vom Sport leben können.
  • Eine ehrliche Rechnung: Spitzensport, Dienstsport und Liegenschaften getrennt ausweisen, ohne Pauschalaufschläge.
  • Förderung mit Kontrolle: Je Förderstelle offenlegen, welche Platzierungen bei Welt- und Europameisterschaften und Olympischen Spielen erreicht wurden.
  • Wer keine Förderstelle bekommt, braucht eine echte duale Karriere mit Studienplätzen, flexiblen Studienbedingungen und Partnerbetrieben, wie in unserem Antrag 21/6358 gefordert.5, 6

Fazit

Mehr Geld für Sportsoldaten ist richtig. Aber wer Steuergeld für den Spitzensport ausgibt, muss sagen können, wie viel es genau ist und was es bringt. Geschätzte Zahlen und doppelte Ansätze reichen dafür nicht.

Häufige Fragen

Was ist eine Sportförderstelle?
Eine Planstelle bei Bundeswehr, Bundespolizei oder Zoll, auf der ein Spitzensportler angestellt ist, vor allem trainiert und parallel eine Ausbildung beim Dienstherrn macht.5

Wie viel gibt die Bundeswehr 2027 für Spitzensport aus?
Im Regierungsentwurf 2027 sind 82,9 Millionen Euro angesetzt, nach 63,1 Millionen Euro im Jahr 2026.1

Warum sind die Zahlen der Bundespolizei unklar?
Die Übersicht des Kanzleramts nennt für 2026 39,1 Millionen Euro, die Bundespolizei selbst 42,8 Millionen Euro.2

Quellen

  1. Bundeskanzleramt: 8. Übersicht der Bundesmittel der unmittelbaren oder mittelbaren Förderung des Sports in den Haushaltsjahren 2023 bis 2027, Ausschussdrucksache 21(5)129, 27.08.2026. https://www.bundestag.de/resource/blob/1209728/260911_ressortuebersicht_sportfoerderung.pdf (abgerufen am 16.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
  2. Bundespolizeipräsidium: Sportfördermittel der Bundespolizei, Ausschussdrucksache 21(5)164, 05.10.2026. https://www.bundestag.de/resource/blob/1222908/261007_bmi.pdf (abgerufen am 16.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩
  3. Deutscher Bundestag, Ausschuss für Sport und Ehrenamt: Tagesordnung der 31. Sitzung am 7. Oktober 2026. https://www.bundestag.de/resource/blob/1221934/to31.pdf (abgerufen am 16.10.2026) ↩
  4. sportfrei.de: 31. Sitzung Sportausschuss am 07.10.2026: Olympia-Bewerbung ohne Kostenplan, 07.10.2026. https://sportfrei.de/ausschuss/31-sitzung-sportausschuss-olympia-bewerbung-em-bilanz/ (abgerufen am 16.10.2026) ↩
  5. Deutscher Bundestag: Antrag der Fraktion der AfD „Spitzensportförderung – Duale Karriere für Spitzensportler stärken“, Drucksache 21/6358, 09.06.2026. https://dserver.bundestag.de/btd/21/063/2106358.pdf (abgerufen am 16.10.2026) ↩ ↩ ↩
  6. sportfrei.de: Antrag Duale Karriere: Spitzensportler brauchen Studium und Beruf, 09.06.2026. https://sportfrei.de/ak-aktuell/antrag-duale-karriere-spitzensportler/ (abgerufen am 16.10.2026) ↩

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