Tour de France 2029: Kosten verdoppelt, Bund ohne Zusage

KW 45/2026 · AK-Aktuell · Donnerstag, 05.11.2026

Kurz gesagt: Im Sportausschuss haben die Bewerber um den Start der Tour de France 2029 erstmals eine Summe genannt: rund 50 Millionen Euro, je etwa 10 Millionen für den Bund und vier Länder. Im März war noch von 25 Millionen Euro die Rede. Auf Nachfrage von Lars Schieske hat das Bundeskanzleramt klargestellt: Es gibt keine Zusage, und im Sporthaushalt ist das Geld nicht da.1 Wir fordern: erst die Rechnung, dann die Zusage.

Aktualisiert am 05.11.2026: Nach Auswertung des Sitzungsvideos neu gefasst. Die erste Fassung vom Vormittag stützte sich nur auf die schriftliche Stellungnahme vor der Sitzung, die noch keine Kosten nannte.

Tour de France 2029: Kosten verdoppelt, Bund ohne Zusage

Am 4. November 2026 hat sich der Ausschuss für Sport und Ehrenamt mit der deutschen Bewerbung um den Grand Départ 2029 befasst, also den Start der Tour de France.2 In ihrer schriftlichen Stellungnahme hatten die Bewerber nur den Nutzen früherer Starts beziffert.3 In der Sitzung kam dann die eigene Zahl auf den Tisch. Lars Schieske hat für uns nach Kosten, Risiken und dem Anteil des Bundes gefragt. Hier bekommst Du die Ergebnisse. Den vollständigen Bericht zur Sitzung findest Du in unserem Beitrag zur 33. Sitzung.4

Faktenlage

  • Gesamtkosten: Der Vorsitzende des Bewerbervereins Grand Départ Allemagne, Dr. Thomas Hofmann, nannte rund 50 Millionen Euro. Geplant ist, dass der Bund und die Länder Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen je ungefähr 10 Millionen Euro tragen.1
  • Sponsoren: Der Verein will drei bis vier nationale Sponsoren gewinnen und rechnet mit 7 bis 10 Millionen Euro. Die Gespräche laufen nach seinen Angaben positiv, feste Zusagen nannte er nicht.1
  • Wechselnde Zahlen: Im März hatte der Verein 25 Millionen Euro genannt, in den Medien war von 30 Millionen die Rede. Die schriftliche Stellungnahme enthält gar keine Summe.1, 3
  • Bund: Das Bundeskanzleramt hat keine Förderzusage gegeben und auch nichts in Aussicht gestellt. Für sonstige Sportgroßveranstaltungen stehen grundsätzlich 125.000 Euro bereit. 10 oder 12 Millionen Euro aus dem regulären Sporthaushalt gingen nach Aussage des Kanzleramts zu Lasten vieler anderer Vorhaben.1
  • Länder: Am weitesten ist Sachsen mit einem Beschluss des Landtags. Der Haushalt ist dort aber noch nicht verabschiedet. In Berlin, Sachsen-Anhalt und Thüringen ist nichts gesichert.1
  • Versprochener Nutzen: Der Verein rechnet mit einem Rückfluss von mindestens 150 Millionen Euro. Als Beleg nennt er Düsseldorf 2017 mit 63,8 Millionen Euro wirtschaftlichem Effekt und das Baskenland 2023 mit 103,9 Millionen Euro.1, 3

Warum das wichtig ist

Es geht um Steuergeld, und die Summe hat sich in acht Monaten verdoppelt. Lars Schieske erinnerte daran, dass der Tour-Start in Düsseldorf 2017 mit einem Defizit von 7,8 Millionen Euro endete. Gleichzeitig hat Thüringen eine Damen-Radtour wegen fehlender 200.000 Euro abgesagt, und Sachsen will die Mittel für Radwege deutlich kürzen.1 Selbst der Bewerber kennt das Problem an der Basis. Seine Vereine sagten ihm: Ihr macht Tour de France, und bei uns fallen die Hallen ein.1

Wer zuständig ist

Für den Bund entscheidet das Bundeskanzleramt, dort ist die Sportpolitik angesiedelt. Die vier Länder müssen ihren Anteil in ihren Haushalten klären. Berlin hatte schon im Februar 2026 erklärt, zuerst Kosten, Verträge, Sicherheit und Verkehr prüfen zu wollen.5 Über den Zuschlag entscheidet der Veranstalter A.S.O., nach Angaben des Vereins spätestens im Februar.1

Widersprüche und offene Fragen

  • Warum stehen die 50 Millionen Euro nicht in der schriftlichen Stellungnahme an den Ausschuss?
  • Wie hoch ist die Gebühr an den Veranstalter A.S.O.? Auf Nachfrage wurde sie nicht beziffert.
  • Wer trägt ein Defizit, wenn Sponsoren ausbleiben oder Kosten steigen?
  • Aus welchem Haushaltstitel soll der Bund zahlen, wenn der Sporthaushalt das Geld nicht hat?

Das gleiche Muster sehen wir bei anderen Großereignissen: Bei den World Games 2029 in Karlsruhe fließen rund 111 Millionen Euro Steuergeld, und auch dort fordern wir eine Erfolgskontrolle.6

Was wir fordern

  • Eine vollständige, schriftliche Kostenaufstellung im Sportausschuss, bevor der Bund irgendetwas zusagt, einschließlich der Gebühr an den Veranstalter.
  • Kein Geld aus dem Sporthaushalt, das den Vereinen, Trainern und Sportstätten fehlt.
  • Eine klare Regel, wer ein Defizit trägt.
  • Die versprochenen Programme für Vereine, Nachwuchs und Ehrenamt mit Geld und messbaren Zielen hinterlegen und nach 2029 öffentlich abrechnen.

Fazit

Die Tour de France in Berlin und Mitteldeutschland kann ein starkes Signal für den Radsport sein. Aber eine Summe, die sich in acht Monaten verdoppelt, und ein Bund ohne Zusage sind keine Grundlage für Steuergeld. Förderung heißt für uns messbare Ergebnisse. Erst die Rechnung, dann die Zusage, und kein Euro zu Lasten der Vereine.

Häufige Fragen

Was kostet der Tour-Start 2029?
Nach Angaben des Bewerbervereins im Sportausschuss rund 50 Millionen Euro.1

Was soll der Bund zahlen?
Geplant sind ungefähr 10 Millionen Euro. Zugesagt hat das Bundeskanzleramt nichts.1

Wo soll die Tour 2029 in Deutschland starten?
Geplant sind vier Etappen in Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.3

Wann fällt die Entscheidung?
Nach Angaben des Bewerbervereins im Ausschuss spätestens im Februar.1

Quellen

  1. Deutscher Bundestag, Mediathek: 33. Sitzung des Ausschusses für Sport und Ehrenamt, 04.11.2026, Video, TOP 1 ab 0:01:25, Fragen von Lars Schieske ab 0:18:15; eigene Mitschrift. Link (abgerufen am 05.11.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
  2. Deutscher Bundestag, Ausschuss für Sport und Ehrenamt: Tagesordnung der 33. Sitzung am 4. November 2026, 29.10.2026, PDF. Link (abgerufen am 04.11.2026) ↩
  3. Grand Départ Allemagne e. V.: Stellungnahme zur Sitzung des Ausschusses für Sport und Ehrenamt am 4. November 2026, Ausschussdrucksache 21(5)165, 29.10.2026, PDF. Link (abgerufen am 04.11.2026) ↩ ↩ ↩ ↩
  4. sportfrei.de: 33. Sitzung Sportausschuss am 04.11.2026: Tour-Start 2029 nur mit offenen Kosten, Nachbericht. Link (abgerufen am 05.11.2026) ↩
  5. Der Tagesspiegel: „Berlin ist der Wunsch“: Tour de France mit klarer Präferenz für einen deutschen Startort 2029, 24.02.2026. Link (abgerufen am 04.11.2026) ↩
  6. sportfrei.de: World Games 2029: 111 Millionen Euro Steuergeld brauchen eine Erfolgskontrolle, 25.10.2026. Link (abgerufen am 04.11.2026) ↩

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