Trainer im Verein: Ohne Übungsleiter steht der Breitensport still

KW 45/2026 · AK-Aktuell · Montag, 02.11.2026

Kurz gesagt: Rund 86 Prozent der Trainer und Übungsleiter in deutschen Sportvereinen arbeiten ehrenamtlich, mehr als jeder fünfte hat keine Ausbildung für seine Aufgabe.1 Die Vereine wachsen, das Trainingspersonal stagniert.2 Wir fordern eine Ausbildungsoffensive für Übungsleiter, einen höheren Freibetrag und weniger Papierkram.

Trainer im Verein: Ohne Übungsleiter steht der Sport still

Du bringst Dein Kind zum Training, und vorne steht jemand, der dafür kaum Geld bekommt. Das ist der Normalfall im deutschen Vereinssport. Genau dieser Normalfall gerät unter Druck. Die Zahlen liegen auf dem Tisch, die Antwort der Bundesregierung fehlt.

Die Faktenlage

Der Sportentwicklungsbericht des Bundesinstituts für Sportwissenschaft hat das Trainingspersonal der Vereine zum zweiten Mal nach 2018 befragt. Die Trainer und Übungsleiter leisten zusammen mehr als 3,2 Millionen Trainingsstunden pro Woche. Vor- und Nachbereitung, Fahrten, Wettkampfbetreuung und Verwaltung kosten noch einmal etwa genauso viel Zeit.1

  • 60 Prozent haben eine gültige Lizenz eines Fachverbandes oder Landessportbundes. Das ist mehr als 2018.1
  • 21,7 Prozent haben noch keine Ausbildung für ihre Tätigkeit im Sport.1
  • Die Hälfte der ehrenamtlichen Trainer bekam 2023 höchstens 200 Euro Aufwandsentschädigung im Jahr. Der Durchschnitt lag bei rund 720 Euro, das sind etwa 8,50 Euro pro Trainingsstunde.1
  • Die Zustimmung zur Aussage, die Arbeit aufzugeben, sobald Ersatz gefunden ist, liegt um 16 Prozent höher als 2018. Bindung und Gewinnung von Trainern zählen zu den größten Problemen der Vereine.1

Der Deutsche Olympische Sportbund hat dem Sportausschuss im Dezember 2025 die Lage beschrieben: 17,5 Prozent der Vereine sehen sich in ihrer Existenz bedroht, 2020 waren es 14,6 Prozent. Die Zahl der Trainer und Übungsleiter stagniert, während die Vereine Mitgliederrekorde melden.2

Warum das wichtig ist

Sport und Bewegung ist mit 13 Prozent der größte Bereich des freiwilligen Engagements in Deutschland.3 Ohne Übungsleiter gibt es keine Kinderturngruppe, keine Jugendmannschaft und keinen Seniorensport. Mehr Mitglieder bei gleich viel Personal heißt: längere Wartelisten, größere Gruppen, schlechteres Training. Wer Breitensport will, muss die Leute sichern, die ihn tragen.

Wer zuständig ist

Die Ausbildung organisieren Fachverbände und Landessportbünde. Der Bund setzt den Rahmen: Steuerrecht, Vereinsrecht, Gemeinnützigkeit und Förderung. Seit dem 1. Januar 2026 sind Einnahmen als Übungsleiter bis 3.300 Euro im Jahr steuerfrei, die Ehrenamtspauschale liegt bei 960 Euro.4 Staatsminister Ronald Rauhe hat im Sportausschuss eine Reform des Vereinsrechts, eine Überarbeitung des Gemeinnützigkeitsrechts und Änderungen im Zuwendungsrecht angekündigt.5

Widersprüche und offene Fragen

Die Bundesregierung redet über Wertschätzung und Kampagnen. Ein Zeitplan für die angekündigten Reformen fehlt. Das Bundeskanzleramt hält ein eigenes Engagementfördergesetz für nicht nötig.5 Für die Ausbildung von Übungsleitern gibt es kein eigenes Programm des Bundes. Die Erhöhung des Freibetrags ist richtig, löst aber das Kernproblem nicht: Es fehlen Menschen, die ausgebildet sind und bleiben. Wir haben das schon beim Zukunftspakt Ehrenamt festgestellt: Ankündigungen ersetzen keine Entlastung.6

Was wir fordern

Unsere Vorschläge liegen seit Mai 2026 als Antrag im Bundestag. Eingebracht haben ihn unter anderem Lars Schieske, Jörn König und Thomas Korell.7

  • Ausbildung fördern: bessere Aus- und Weiterbildungsprogramme und finanzielle Zuschüsse für Schulungen, damit jeder neue Übungsleiter schnell eine Lizenz machen kann.7
  • Freibeträge anheben: Übungsleiterfreibetrag auf 4.000 Euro, Ehrenamtspauschale auf 1.200 Euro im Jahr.7
  • Bürokratie abbauen: weniger Nachweispflichten, einheitliche Verfahren, ein zentrales Online-Portal für Förderanträge.7
  • Ehrenamt anrechnen: Trainertätigkeit bei Ausbildung und Bewerbung berücksichtigen.7
  • Messbar machen: Der Bund legt jährlich offen, wie viele Übungsleiter neu ausgebildet wurden und wie viele aufgehört haben.

Fazit

Der Vereinssport hängt an Menschen, die für 200 Euro im Jahr Woche für Woche auf dem Platz stehen. Ohne Ehrenamt läuft nichts. Wir brauchen ausgebildete Trainer und weniger Papierkram, keine weiteren Kampagnen. Förderung heißt messbare Ergebnisse.

Häufige Fragen

Wie viele Übungsleiter arbeiten ehrenamtlich?
Rund 86 Prozent des Trainingspersonals in Sportvereinen sind ehrenamtlich tätig.1

Wie hoch ist der Übungsleiterfreibetrag 2026?
Seit dem 1. Januar 2026 sind bis zu 3.300 Euro im Jahr steuerfrei.4

Was fordert der Arbeitskreis Sport und Ehrenamt?
Zuschüsse für Schulungen, 4.000 Euro Übungsleiterfreibetrag, 1.200 Euro Ehrenamtspauschale und weniger Nachweispflichten für Vereine.7

Quellen

  1. Bundesinstitut für Sportwissenschaft (Hrsg.), Breuer, C. und Feiler, S.: Sportentwicklungsbericht für Deutschland 2023–2025, Teil 2 – Situation und Entwicklung des Trainingspersonals in Sportvereinen, 2026. https://epflicht.ulb.uni-bonn.de/download/pdf/818364 (abgerufen am 31.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
  2. Deutscher Bundestag, Ausschuss für Sport und Ehrenamt: Ausschussdrucksache 21(5)72, Stellungnahme des DOSB zur 13. Sitzung am 03.12.2025. https://www.bundestag.de/resource/blob/1128066/251203_dosb.pdf (abgerufen am 31.10.2026) ↩ ↩
  3. Bundesregierung, Staatsminister für Sport und Ehrenamt: Freiwilliges Engagement bleibt stabil (Freiwilligensurvey 2024), 07.09.2026. https://www.bundesregierung.de/breg-de/bundesregierung/bundeskanzleramt/startseite-staatsminister-fuer-sport-und-ehrenamt/freiwilliges-engagement-bleibt-stabil-2451622 (abgerufen am 31.10.2026) ↩
  4. Bundesministerium der Justiz: Einkommensteuergesetz, § 3 Nr. 26 und Nr. 26a. https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__3.html (abgerufen am 31.10.2026) ↩ ↩
  5. Deutscher Bundestag: Staatsminister Rauhe fordert Bürokratieabbau im Ehrenamt, hib 832/2026, 14.10.2026. https://www.bundestag.de/1224858 (abgerufen am 31.10.2026) ↩ ↩
  6. sportfrei.de: Bürokratieabbau im Ehrenamt: Rauhe kündigt an, unsere Vorschläge liegen vor, 26.10.2026. https://sportfrei.de/ak-aktuell/buerokratieabbau-ehrenamt-zukunftspakt-rauhe/ (abgerufen am 31.10.2026) ↩
  7. Deutscher Bundestag: Antrag der Fraktion der AfD „Sportvereine, Ehrenamt und Katastrophenschutz stärken – Bürokratie abbauen, Steuern senken, Nachwuchs und Zukunft sichern“, Drucksache 21/6034, 20.05.2026. https://dserver.bundestag.de/btd/21/060/2106034.pdf (abgerufen am 31.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩

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