World Games 2029: 111 Millionen Euro Steuergeld brauchen eine Erfolgskontrolle

KW 43/2026 · AK-Aktuell · Sonntag, 25.10.2026

Kurz gesagt: Für die World Games 2029 in Karlsruhe stellen Bund, Land und Stadt rund 111 Millionen Euro Steuergeld bereit, davon 55 Millionen Euro aus dem Sportetat des Kanzleramts. Der Bund der Steuerzahler führt das Ereignis deshalb im neuen Schwarzbuch. Wir sagen: Sportgroßveranstaltungen ja, aber mit messbaren Zielen, offener Abrechnung und echtem Nutzen für Vereine.

World Games 2029: 111 Millionen Euro Steuergeld brauchen eine Erfolgskontrolle

Du hast vielleicht noch nie von den World Games gehört. Es sind Weltspiele der nicht-olympischen Sportarten, vom Orientierungslauf über Billard bis zum Tauziehen. Im Juli 2029 sollen sie in Karlsruhe stattfinden. Bezahlt werden sie fast vollständig aus öffentlichen Kassen. Genau das hat der Bund der Steuerzahler in seinem Schwarzbuch 2026/27 aufgegriffen.1

Die Faktenlage

  • Die World Games finden vom 19. bis 29. Juli 2029 in Karlsruhe statt, mit rund 35 nicht-olympischen Sportarten und 3.500 bis 5.000 Athleten. Das Land Baden-Württemberg rechnet mit einem Gesamtbudget von rund 120,2 Millionen Euro.2
  • Der Gemeinderat Karlsruhe hat am 25. März 2025 beschlossen, 22,62 Millionen Euro bereitzustellen. Bedingung: Der Bund gibt 55 Millionen Euro, das Land 33 Millionen Euro.3
  • Im zweiten Regierungsentwurf zum Bundeshaushalt ist der Bundesanteil von 55 Millionen Euro nach Angaben der Stadt in voller Höhe hinterlegt.4
  • Nach Rechnung des Bundes der Steuerzahler fließen die 55 Millionen Euro bis einschließlich 2030 aus dem Sportetat des Kanzleramts. Zusammen mit Land und Stadt sind das knapp 111 Millionen Euro, das Ereignis wird zu 92 Prozent vom Staat finanziert. Darin enthalten sind 21,3 Millionen Euro Ausrichtergebühr an den internationalen Veranstalterverband.1

Warum das wichtig ist

Der Bund begründet die hohe Beteiligung mit dem „besonderen Bundesinteresse“.1 In der Vorlage der Stadt heißt es, Deutschland solle sich als zuverlässiger Ausrichter von Sportgroßveranstaltungen zeigen, auch mit Blick auf eine Olympia-Bewerbung.3 Das Ziel teilen wir: Deutschland soll wieder Sportnation von Weltrang werden. Aber Ansehen ist keine Messgröße. Wer 55 Millionen Euro aus dem Sportetat gibt, muss sagen, was am Ende für den Sport in Deutschland bleibt.

Zum Vergleich: Beim Bundesprogramm für Schwimmbäder wurden 942 Bäder angemeldet, gefördert werden nur 195.5 Jeder Euro kann nur einmal ausgegeben werden. Darum zählt die Frage, ob ein Ereignis von elf Tagen dauerhaft mehr Vereinssport, bessere Hallen oder mehr Trainer bringt.

Wer zuständig ist

Seit dem Regierungswechsel liegen zentrale Ausgaben für den Sport nicht mehr beim Innenressort, sondern beim Kanzleramt.1 Dort sitzt Staatsminister für Sport und Ehrenamt Ronald Rauhe, der im Sportausschuss zuletzt am 14. Oktober berichtet hat.6 Er verantwortet damit auch, wie die Mittel für Karlsruhe gesteuert und geprüft werden.

Widersprüche und offene Fragen

Lars Schieske, Mitglied unseres Arbeitskreises, hat das neue Schwarzbuch am 22. Oktober ausgewertet. Sein Befund: Förderprogramme setzen oft Fehlanreize, weil Geld ausgegeben wird, solange der Fördertopf voll ist, und eine Wirkungskontrolle fehlt.7 Bei den World Games ist offen:

  • Welche messbaren Ziele hat der Bund mit seiner Zusage verbunden?
  • Was passiert, wenn die Kosten über 120 Millionen Euro steigen? Wer trägt dann das Defizit?
  • Welche Anlagen, Geräte und Strukturen bleiben nach 2029 den Vereinen und Schulen?
  • Wird die Wirkung nach dem Ereignis öffentlich bilanziert?

Was wir fordern

  • Messbare Ziele vor der Auszahlung: Der Bund legt fest, woran er den Erfolg misst, zum Beispiel Nachnutzung der Anlagen, neue Vereinsmitglieder in den beteiligten Sportarten und Kosten je Athlet.
  • Offene Abrechnung: Der Staatsminister berichtet dem Sportausschuss jährlich über Kosten, Mittelabfluss und Risiken, einschließlich der Ausrichtergebühr.
  • Nutzen für die Basis: Was mit Steuergeld angeschafft wird, geht nach 2029 an Vereine und Schulen in der Region.
  • Breite vor Symbolen: Die Sanierung von Hallen, Plätzen und Bädern darf nicht hinter Großereignissen zurückstehen.

Unsere Linie bleibt dieselbe wie bei der Münchner Olympia-Bewerbung: erst die Zahlen, dann die Zusagen.8

Fazit

Wir sind nicht gegen Sportgroßveranstaltungen in Deutschland. Aber Förderung heißt Ergebnisse, nicht Schlagworte. Wenn der Bund 55 Millionen Euro aus dem Sportetat gibt, muss er vorher sagen, was er damit erreichen will, und hinterher offenlegen, ob es gelungen ist.

Häufige Fragen

Was sind die World Games?
Weltspiele für nicht-olympische Sportarten. 2029 finden sie in Karlsruhe statt, mit rund 35 Sportarten.2

Wie viel zahlt der Bund?
55 Millionen Euro. Das Land gibt 33 Millionen Euro, die Stadt 22,62 Millionen Euro.3

Sind wir gegen die World Games?
Nein. Wir fordern messbare Ziele, eine offene Abrechnung und einen bleibenden Nutzen für Vereine und Schulen.

Quellen

  1. Bund der Steuerzahler: Das Schwarzbuch – Die öffentliche Verschwendung 2026/27, „111 Mio. Euro für ein Trendsport-Event“ (World Games Karlsruhe), S. 156 f., 01.10.2026. https://steuerzahler.de/fileadmin/user_upload/Schwarzb%C3%BCcher/Das_Schwarzbuch_2026.pdf#page=158 (abgerufen am 23.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩
  2. Landesregierung Baden-Württemberg: Bericht aus dem Kabinett vom 18. November 2025 (Land gibt Mittel für World Games 2029 in Karlsruhe frei), 18.11.2025. https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/alle-meldungen/meldung/pid/bericht-aus-dem-kabinett-vom-18-november-2025 (abgerufen am 23.10.2026) ↩ ↩
  3. Stadt Karlsruhe: Beschlussvorlage 2025/0189/2 „Ausrichtung von The World Games 2029 durch die Stadt Karlsruhe“, Gemeinderat 25.03.2025. https://web1.karlsruhe.de/ris/oparl/bodies/0001/downloadfiles/a/00665839.pdf (abgerufen am 23.10.2026) ↩ ↩ ↩
  4. Stadt Karlsruhe: Beschlussvorlage 2025/0557/1 „Ausrichtung von The World Games 2029 durch die Stadt Karlsruhe“, Gemeinderat 29.07.2025. https://web1.karlsruhe.de/ris/oparl/bodies/0001/downloadfiles/a/00669035.pdf (abgerufen am 23.10.2026) ↩
  5. sportfrei.de: Schwimmbad-Sanierung: 942 Bäder angemeldet, nur 195 gefördert, 22.10.2026. https://sportfrei.de/ak-aktuell/schwimmbad-sanierung-bundesprogramm-195-baeder/ (abgerufen am 23.10.2026) ↩
  6. sportfrei.de: 32. Sitzung Sportausschuss am 14.10.2026: Rauhe muss beim Ehrenamt liefern, 13.10.2026. https://sportfrei.de/ausschuss/32-sitzung-sportausschuss-ehrenamt-rauhe/ (abgerufen am 23.10.2026) ↩
  7. Lars Schieske: Neues Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler, 22.10.2026. https://lars-schieske.de/fokusbeitrag/neues-schwarzbuch-des-bundes-der-steuerzahler/ (abgerufen am 23.10.2026) ↩
  8. sportfrei.de: Olympia München: Feste Worte, aber keine festen Zahlen, 15.10.2026. https://sportfrei.de/ak-aktuell/olympia-muenchen-schieske-kosten-garantien/ (abgerufen am 23.10.2026) ↩

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