KW 49/2025 · Ausschuss · Mittwoch, 03.12.2025
Ehrenamt im Sportausschuss: Weniger Engagierte, mehr Last auf wenigen Schultern
Am 3. Dezember 2025 hat sich der Ausschuss für Sport und Ehrenamt in seiner 13. Sitzung mit dem Ehrenamt befasst: dem Vierten Engagementbericht und dem Sechsten Freiwilligensurvey.1 Zum Schluss stimmte der Ausschuss über das Steueränderungsgesetz 2025 ab, das auch Vereine und Olympioniken betrifft.2 Für uns waren Jörn König und Lars Schieske am Mikrofon. Hier liest Du, was gesagt und beschlossen wurde.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Engagementquote ist von 39,7 Prozent im Jahr 2019 auf 36,7 Prozent im Jahr 2024 gesunken.3
- Der Sport bleibt das größte Feld des Ehrenamts: 13 Prozent aller Personen ab 14 Jahren engagieren sich dort.3
- Lars Schieske fragte nach Entbürokratisierung, Zeitmangel und einer kleinen, überlasteten Kerngruppe von Ehrenamtlichen.4
- Die Olympia- und Paralympics-Prämien werden steuerfrei, die Freigrenze für sportliche Veranstaltungen steigt auf 50.000 Euro.4
- Der Ausschuss empfahl die Annahme des geänderten Steueränderungsgesetzes mit den Stimmen von CDU/CSU, AfD und SPD.4
Die Sitzung im Überblick
Datum: Mittwoch, 3. Dezember 2025. Beginn: 15:30 Uhr, Ende: 17:45 Uhr. Ort: Berlin, Paul-Löbe-Haus, Sitzungssaal 4.300. Die Sitzung war öffentlich und wurde live im Parlamentsfernsehen übertragen.4, 2
- TOP 1: Vierter Engagementbericht „Zugangschancen zum freiwilligen Engagement“ und Stellungnahme der Bundesregierung, Drucksache 20/14120.5
- TOP 2: Sechster Freiwilligensurvey (Selbstbefassung SB 21(5)12).
- TOP 3 a: Gesetzentwurf der Bundesregierung, Entwurf eines Steueränderungsgesetzes 2025, Drucksache 21/1974.6
- TOP 3 b: Stellungnahme des Bundesrates und Gegenäußerung der Bundesregierung, Drucksache 21/2470.7
- TOP 4: Verschiedenes.
Wer geladen war
Zum Engagementbericht: Katarina Peranić und Jan Holze, Vorstand der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE); Prof. Dr. Chantal Munsch, Universität Siegen, Vorsitzende der Sachverständigenkommission; Prof. Dr. Wibke Riekmann, Hochschule Hannover; Prof. Dr. Sabrina Zajak, Deutsches Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung. Zum Freiwilligensurvey: Dr. Lilian Schwalb, Geschäftsführerin des Bundesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement, die DSEE und Ingo Leven vom Institut Verian.8 Für die Bundesregierung war Abteilungsleiterin Dr. Babette Kibele aus dem Bundeskanzleramt da, Staatsministerin Schenderlein war entschuldigt.4
Engagementbericht: 13 Schwellen zum Ehrenamt
Der Bericht beschreibt 13 Schwellen, die den Zugang zum Engagement erschweren, vom Geld für die Fahrt bis zu fehlender Zeit. Laut Munsch sind Menschen mit niedrigem Einkommen nur halb so oft engagiert wie Menschen mit hohem Einkommen. Die DSEE forderte eine nachhaltige Finanzierung und niederschwellige Förderinstrumente.9
Freiwilligensurvey: Sport bleibt Nummer eins
Für den Survey wurden über 27.000 Menschen befragt. Rund 27 Millionen Menschen ab 14 Jahren engagieren sich freiwillig.4 Der Sport liegt mit 13 Prozent der Bevölkerung klar vorn, an zweiter Stelle folgt der soziale Bereich mit 8 Prozent.3 Der DOSB rechnet das auf rund 9 Millionen Engagierte im Sport hoch. Zugleich meldet er mehr als 29 Millionen Mitgliedschaften und Vereine, die wegen fehlender Helfer Wartelisten führen.10
Steueränderungsgesetz 2025: Was der Sport bekommt
Die Koalition legte zwölf Änderungsanträge vor. Für den Sport zählen drei: Steuerfreiheit für Prämien bei Olympischen und Paralympischen Spielen, Freigrenze für sportliche Veranstaltungen von 45.000 auf 50.000 Euro und die Gemeinnützigkeit des E-Sports.4
Unsere Fragen und Beiträge
Jörn König dankte allen Ehrenamtlichen: Ohne sie hätten wir ein anderes Land. Den Fokus des Berichts auf Gleichheit sah er kritisch, Ungleichheit sei auch Antrieb. Er fragte die Sachverständigen, ob sie gerade für Gering- und Mittelverdiener eine niedrigere Steuer- und Abgabenlast befürworten, damit mehr Menschen Zeit fürs Ehrenamt haben.4
Lars Schieske nannte den Bericht eine realistische Bestandsaufnahme bei Bürokratie, Räumen und Kosten. Er fragte, warum der Bericht geringe Engagementquoten so oft mit Diskriminierung erklärt, obwohl Zeit, Geld und Infrastruktur stärker wirken. Von der Bundesregierung verlangte er konkrete Schritte zur Entbürokratisierung. Die Antwort verwies vor allem auf bekanntere digitale Angebote der DSEE.4
Zum Survey wollte Schieske wissen, ob mehr Stunden pro Kopf bei weniger Engagierten zu einer überlasteten Kerngruppe führen. Leven bestätigte: „Diese Gefahr müssen wir definitiv im Auge behalten“ (Wortprotokoll 21/13, S. 28). Schieske fragte zudem nach dem Rückgang bei Frauen zwischen 30 und 49 Jahren und nach Hilfe für das Engagement in den neuen Bundesländern.4
Beim Steuergesetz begrüßte König die steuerfreie Olympiaprämie, nannte 20.000 Euro aber „lächerlich gering“ (Wortprotokoll 21/13, S. 32). Wir hatten 100.000 Euro gefordert. Beim E-Sport warnte er vor einer zu weiten Definition, die Ballerspiele gemeinnützig machen könnte. Die neue Freigrenze reiche nicht, unser Sportvereinsentlastungsgesetz sah 100.000 Euro vor. Weil alles für den Sport in die richtige Richtung gehe, stimmten wir dem Gesetz zu.4
Beschlüsse und Ergebnisse
- TOP 1 und 2: Berichte und Aussprache, keine Abstimmung.
- Änderungsantrag zur Steuerfreiheit der Olympia- und Paralympics-Prämien: einstimmig angenommen. Freigrenze für sportliche Veranstaltungen: angenommen mit CDU/CSU, AfD, SPD und Grünen bei Enthaltung der Linken. E-Sport: angenommen bei Enthaltung der AfD.4
- Gesetzentwurf 21/1974 in geänderter Fassung: Annahme empfohlen mit CDU/CSU, AfD und SPD, gegen die Grünen, bei Enthaltung der Linken. Die Unterrichtung 21/2470 wurde zur Kenntnis genommen.4
Unsere Einordnung
Das Ehrenamt trägt den Sport, und es wird dünner. Weniger Engagierte tragen mehr Last, während die Vereine Rekordmitglieder melden. Das ist die eigentliche Warnung dieser Sitzung, nicht die Debatte über Diversität.
Die Antworten der Bundesregierung auf Schieskes Frage nach konkreten Entlastungen blieben dünn. Digitale Werkzeuge helfen, ersetzen aber keinen Bürokratieabbau. Die steuerfreie Olympiaprämie ist richtig und überfällig, bei 20.000 Euro aber keine echte Anerkennung.
Was wir fordern
- Bürokratie runter: Konkrete Liste mit Fristen, welche Melde- und Nachweispflichten für Vereine 2026 wegfallen.
- Freigrenze rauf: 100.000 Euro für sportliche Veranstaltungen statt 50.000 Euro.
- Olympiaprämie anheben: Steuerfrei und deutlich höher als 20.000 Euro, wie in unserem Antrag mit 100.000 Euro.
- Netto statt Programme: Geringe und mittlere Einkommen entlasten, damit Zeit fürs Ehrenamt bleibt.
- E-Sport klar fassen: Gemeinnützig nur Spiele mit Sportbezug, keine Ego-Shooter.
Fazit
Die 13. Sitzung hat das Problem klar gezeigt: Das Ehrenamt im Sport ist stark, aber die Quote sinkt und die Last verteilt sich auf weniger Schultern. Die Steueränderungen gehen in die richtige Richtung, reichen aber nicht.
Du bist Übungsleiter, Kassenwart oder Schiedsrichter? Dann weißt Du, wo die Last liegt. Schau Dir die Sitzung im Video an und sag uns, was Dich im Verein am meisten bremst.11
Quellen
- Deutscher Bundestag: 13. Sitzung des Ausschusses für Sport und Ehrenamt, 03.12.2025. https://www.bundestag.de/ausschuesse/sport_und_ehrenamt/anhoerungen/1126726-1126726 (abgerufen am 13.10.2026) ↩
- Deutscher Bundestag, Ausschuss für Sport und Ehrenamt: Tagesordnung der 13. Sitzung, 03.12.2025. https://www.bundestag.de/resource/blob/1128032/to13.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩
- Deutscher Bundestag, Ausschuss für Sport und Ehrenamt: Ausschussdrucksache 21(5)69, Freiwilliges Engagement in Deutschland – Zentrale Ergebnisse des Sechsten Deutschen Freiwilligensurveys (FWS 2024). https://www.bundestag.de/resource/blob/1127166/251213_sechster_freiwilligensurvey.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩ ↩
- Deutscher Bundestag, Ausschuss für Sport und Ehrenamt: Wortprotokoll der 13. Sitzung, Protokoll-Nr. 21/13, 03.12.2025. https://www.bundestag.de/resource/blob/1140278/251203_wortprotokoll_13.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
- Deutscher Bundestag: Drucksache 20/14120, Unterrichtung durch die Bundesregierung „Vierter Engagementbericht – Zugangschancen zum freiwilligen Engagement und Stellungnahme der Bundesregierung“, 05.12.2024. https://dserver.bundestag.de/btd/20/141/2014120.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩
- Deutscher Bundestag: Drucksache 21/1974, Gesetzentwurf der Bundesregierung „Entwurf eines Steueränderungsgesetzes 2025“. https://dserver.bundestag.de/btd/21/019/2101974.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩
- Deutscher Bundestag: Drucksache 21/2470, Unterrichtung durch die Bundesregierung, Stellungnahme des Bundesrates und Gegenäußerung der Bundesregierung zum Steueränderungsgesetz 2025, 29.10.2025. https://dserver.bundestag.de/btd/21/024/2102470.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩
- Deutscher Bundestag, Ausschuss für Sport und Ehrenamt: Sachverständigenliste zur Sitzung am 03.12.2025. https://www.bundestag.de/resource/blob/1126728/251203_sv_liste.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩
- Deutscher Bundestag, heute im bundestag (hib 677/2025): Ungleiche Zugangschancen zum freiwilligen Engagement, 03.12.2025. https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1128994 (abgerufen am 13.10.2026) ↩
- Deutscher Bundestag, Ausschuss für Sport und Ehrenamt: Ausschussdrucksache 21(5)72, Stellungnahme des DOSB zur 13. Sitzung am 03.12.2025. https://www.bundestag.de/resource/blob/1128066/251203_dosb.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩
- Deutscher Bundestag, Mediathek: 13. Sitzung des Ausschusses für Sport und Ehrenamt, 03.12.2025. https://www.bundestag.de/mediathek/video?videoid=7645546 (abgerufen am 13.10.2026) ↩


