KW 51/2025 · Ausschuss · Mittwoch, 17.12.2025
Doping und Sporthilfe im Sportausschuss: Kontrolle stärken, Athleten besser fördern
Am 17. Dezember 2025 hat der Ausschuss für Sport und Ehrenamt in seiner 14. Sitzung mit der NADA über Dopingbekämpfung und mit der Stiftung Deutsche Sporthilfe über die Athletenförderung gesprochen.1 Es war die letzte Sitzung des Jahres.2 Für uns haben Thomas Korell, Lars Schieske und Jörn König Fragen gestellt. Hier liest Du, was dabei herauskam.
Das Wichtigste in Kürze
- Von 63 geprüften bundesgeförderten Sportfachverbänden haben 60 die Antidoping-Vorgaben vollständig erfüllt.3
- Namen gesperrter Athleten dürfen in Deutschland derzeit nicht im Internet veröffentlicht werden, obwohl der WADA-Code das vorsieht.3
- Thomas Korell, selbst aktiver Sportler, fragte nach Veröffentlichungspflicht, Kontrollpersonal und Abstimmung zwischen NADA und ITA.4
- Die Sporthilfe will die Grundförderung auf 1.000 Euro und für die Besten auf 1.500 Euro im Monat anheben.5
- Beschlüsse gab es keine, beide Punkte waren Gespräche in Selbstbefassung.2
Die Sitzung im Überblick
Datum: Mittwoch, 17. Dezember 2025. Beginn: 15:30 Uhr, Ende: 17:28 Uhr. Ort: Berlin, Paul-Löbe-Haus, Sitzungssaal 4.300. Die Sitzung war öffentlich und wurde im Parlamentsfernsehen übertragen.4, 2
- TOP 1: Gespräch mit der Nationalen Anti Doping Agentur zu den Antidoping-Berichten der nationalen Sportfachverbände 2024 und 2025 und zu aktuellen Themen der Dopingbekämpfung (Selbstbefassung SB 21(5)13).
- TOP 2: Gespräch mit der Stiftung Deutsche Sporthilfe zu sportpolitischen Themen (Selbstbefassung SB 21(5)14).
- TOP 3: Verschiedenes.
- Drucksachen des Bundestages lagen zu keinem Punkt vor, verteilt wurden Ausschussdrucksachen.2
Wer geladen war
Für die NADA: Dr. Lars Mortsiefer, Vorstandsvorsitzender, und Dr. Eva Bunthoff, Vorstandsmitglied. Für das Bundesverwaltungsamt: Annette Beaumart, Abteilungsleiterin Zuwendungsmanagement, und Albert Steinkrüger, Referatsleiter Sportförderung. Dazu Bettina Gayk, Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit Nordrhein-Westfalen. Für die Sporthilfe: Maximilian Hartung, Vorstand Kommunikation, und Karin Orgeldinger, Vorständin Athletenförderung.6 Aus dem Kanzleramt war Staatsministerin Schenderlein bis 16 Uhr dabei, danach Abteilungsleiterin Dr. Babette Kibele.4
Antidoping-Berichte: Prüfung als Fördervoraussetzung
Das Bundesverwaltungsamt prüft mit der NADA jedes Jahr, ob die geförderten Verbände ihre Antidoping-Pflichten erfüllen. Nur dann gibt es Bundesgeld. Für 2025 erhielten 60 Verbände die Unbedenklichkeitsbescheinigung ohne Vorbehalt, drei mit Vorbehalt.7 Diese Vorbehalte sind laut BVA inzwischen aufgelöst. Den Verband für Modernen Fünfkampf konnte das BVA wegen schwerer Verwerfungen nicht prüfen, die Prüfung wird nachgeholt.3
Zur Veröffentlichung von Dopingsündern erklärte Gayk, die Nennung des vollen Namens sanktionierter Athleten im Internet sei mit deutschem und europäischem Datenschutzrecht nicht vereinbar. Die NADA veröffentlicht deshalb seit 2022 keine Sanktionsentscheidungen mehr online. Mortsiefer begrüßte, dass der Europäische Gerichtshof die Frage klären soll.3, 8
Sporthilfe: 700 Euro seit Jahren
Hartung schilderte, dass er nach Rio 2016 ans Aufhören dachte, weil es 700 Euro Förderung gab. Diese 700 Euro seien heute immer noch die Grundförderung. Im Haushalt 2026 sei die Summe gleich geblieben.4 Die Sporthilfe fordert 1.000 Euro für das Potenzial-Team und 1.500 Euro für das Top-Team.5 Außerdem will sie Mittel für neue olympische und paralympische Sportarten, ein Individualbudget und Unfallversicherungsschutz für Athleten ab 16 Jahren.4
Unsere Fragen und Beiträge
Thomas Korell fragte, warum EU-Recht hier über den international anerkannten WADA-Code gestellt werde, der die Namensnennung vorsieht. Aus eigener Erfahrung als Sportler schilderte er, dass jeder Starter eine Einwilligung unterschreibt. Er schlug vor, Athleten freiwillig ihre negativen Tests veröffentlichen zu lassen, etwa „dreißig Testungen, dreißig Mal negativ“ (Wortprotokoll 21/14, S. 12). Gayk sah bei freiwilliger Einwilligung keine Zwangslage.4
Korell kritisierte zudem, dass er Kontrolleure erlebt habe, die kaum wussten, wie man A- und B-Probe vorbereitet. Die NADA verwies auf Auswahlkriterien und Qualitätsmanagement ihrer zwei Dienstleister. Er fragte auch nach Überschneidungen zwischen NADA und der Internationalen Testagentur ITA.4
Lars Schieske erinnerte daran, dass wir schon in der letzten Wahlperiode höhere Förderung und steuerfreie, verfünffachte Olympiaprämien beantragt hatten. Er fragte, wie die Wirtschaft länger an Spitzensportler gebunden werden kann und ob Sponsoren in der schwachen Konjunktur abspringen. Hartung bestätigte, dass Vertragsverlängerungen härter werden. Zu Ausstiegsklauseln bei Schwangerschaft verwies die Sporthilfe auf ihr Programm „Come Back Stronger“.4
Jörn König unterstützte unter „Verschiedenes“ die Kritik der Linken an der häufigen Abwesenheit der Staatsministerin: Sie habe nur einen Ausschuss und solle in dieser Zeit keinen Plenardienst haben.4
Beschlüsse und Ergebnisse
Abstimmungen fanden nicht statt. Die Antidoping-Berichte 2024 und 2025 und die Unterlagen der Sporthilfe wurden beraten.2 Die nächste Sitzung kündigte die Vorsitzende für den 14. Januar 2026 zum Schwimmunterricht an.4
Unsere Einordnung
Saubere Wettkämpfe brauchen Abschreckung. Wenn der WADA-Code die Namensnennung vorsieht und Deutschland sie nicht erlaubt, fehlt ein Instrument. Hier muss der Gesetzgeber eine klare Rechtsgrundlage schaffen.
Bei der Sporthilfe zeigt sich das alte Problem: Wer zur Weltspitze gehört, lebt mit 700 Euro im Monat am Limit. Steuerfreie Medaillenprämien sind gut, ersetzen aber keine verlässliche Grundförderung.
Was wir fordern
- Rechtsgrundlage schaffen: Ein Gesetz, das die Veröffentlichung rechtskräftiger Dopingsperren im Spitzensport erlaubt.
- Kontrolleure qualifizieren: Verbindliche Ausbildungs- und Prüfstandards für alle Dopingkontrolleure.
- Grundförderung erhöhen: Mindestens 1.000 Euro im Monat, 1.500 Euro für das Top-Team, im Haushalt 2027 abgesichert.
- Absicherung für Mütter: Kein Förderausfall bei Schwangerschaft, gesetzlich statt nur per Programm.
- Präsenz der Regierung: Die Staatsministerin gehört in die Sitzungen ihres einzigen Ausschusses.
Fazit
Die 14. Sitzung hat zwei Baustellen gezeigt: eine Dopingbekämpfung mit gebundenen Händen bei der Transparenz und eine Athletenförderung, die seit Jahren auf der Stelle tritt.
Du willst saubere Sieger und Athleten, die von ihrem Sport leben können? Dann braucht es klare Regeln und mehr Geld an der richtigen Stelle. Schau Dir die Sitzung im Video an.9
Quellen
- Deutscher Bundestag: 14. Sitzung des Ausschusses für Sport und Ehrenamt, 17.12.2025. https://www.bundestag.de/ausschuesse/sport_und_ehrenamt/anhoerungen/1126740-1126740 (abgerufen am 13.10.2026) ↩
- Deutscher Bundestag, Ausschuss für Sport und Ehrenamt: Tagesordnung der 14. Sitzung, 17.12.2025. https://www.bundestag.de/resource/blob/1132140/to14.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
- Deutscher Bundestag, heute im bundestag (hib 719/2025): Antidoping-Berichte der nationalen Sportfachverbände, 18.12.2025. https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1134174 (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩
- Deutscher Bundestag, Ausschuss für Sport und Ehrenamt: Wortprotokoll der 14. Sitzung, Protokoll-Nr. 21/14, 17.12.2025. https://www.bundestag.de/resource/blob/1151334/251217_wortprotokoll_14.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
- Deutscher Bundestag, Ausschuss für Sport und Ehrenamt: Ausschussdrucksache 21(5)80a, Stellungnahme der Stiftung Deutsche Sporthilfe. https://www.bundestag.de/resource/blob/1132062/251217_sporthilfe_stn.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩
- Deutscher Bundestag, Ausschuss für Sport und Ehrenamt: Sachverständigenliste zur Sitzung am 17.12.2025. https://www.bundestag.de/resource/blob/1126788/251217_liste_sv.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩
- Deutscher Bundestag, Ausschuss für Sport und Ehrenamt: Ausschussdrucksache 21(5)76, Antidoping-Berichte der nationalen Sportfachverbände 2025, Bundesverwaltungsamt und NADA. https://www.bundestag.de/resource/blob/1132090/251217_antidoping_bericht_2025.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩
- Deutscher Bundestag, Ausschuss für Sport und Ehrenamt: Ausschussdrucksache 21(5)79, Stellungnahme der Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit Nordrhein-Westfalen, 10.12.2025. https://www.bundestag.de/resource/blob/1132066/251217_ldi_nrw.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩
- Deutscher Bundestag, Mediathek: 14. Sitzung des Ausschusses für Sport und Ehrenamt, 17.12.2025. https://www.bundestag.de/mediathek/video?videoid=7646763 (abgerufen am 13.10.2026) ↩

