KW 3/2026 · Ausschuss · Mittwoch, 14.01.2026
Schwimmunterricht im Sportausschuss: 60 Prozent der Kinder schwimmen nicht sicher
Am 14. Januar 2026 hat sich der Ausschuss für Sport und Ehrenamt in seiner 15. Sitzung mit dem Schwimmsport und dem Schwimmunterricht in Deutschland befasst.1 Zu Gast waren der Deutsche Schwimm-Verband und die DLRG.2 Für uns hat Jörn König gefragt, früher selbst Rettungsschwimmer. Hier liest Du, was die Fachleute gesagt haben und was jetzt passieren muss.
Das Wichtigste in Kürze
- Laut DLRG verlassen 20 Prozent der Grundschüler die Schule als Nichtschwimmer, weitere 40 Prozent können nicht sicher schwimmen.3
- DSV und DLRG wollen einen Deutschen Schwimmbadplan: Bis 2035 soll jedes Kind nach der Grundschule sicher schwimmen können.3
- Das Bundesprogramm „Deutschland lernt Schwimmen“ ist mit 20 Millionen Euro für die Wahlperiode ausgestattet.4
- Jörn König fragte nach externen Schwimmlehrern für Schulen im ländlichen Raum und nach den größten Lücken bei Wasserflächen.4
- Die Unterrichtung 21/2995 nahm der Ausschuss ohne Debatte zur Kenntnis.4
Die Sitzung im Überblick
Datum: Mittwoch, 14. Januar 2026. Beginn: 14:30 Uhr, Ende: 15:53 Uhr. Ort: Berlin, Paul-Löbe-Haus, Sitzungssaal 4.300. Die Sitzung war öffentlich und ist in der Mediathek abrufbar.4, 5
- TOP 1: Situation des Schwimmsports und des Schwimmunterrichts in Deutschland (Selbstbefassung SB 21(5)15).
- TOP 2: Unterrichtung durch die Delegation in der Parlamentarischen Versammlung des Europarates, 3. Sitzungswoche 2025, Drucksache 21/2995.6
- TOP 3: Verschiedenes.
Wer geladen war
Für die DLRG: Präsidentin Ute Vogt und Generalsekretärin Tanja Larsson. Für den DSV: Präsident David Profit, Vorstandsvorsitzender Jan Pommer und Uwe Hermann, 1. Vorsitzender der Deutschen Schwimmjugend.2 Für die Bundesregierung kamen Staatsministerin Dr. Christiane Schenderlein aus dem Kanzleramt und ein Referatsleiter aus dem Bauministerium.4
Schwimmen lernen: Die Lage
DSV-Präsident Profit sprach von rund 500.000 Kindern pro Jahr, die die Grundschule nicht als sichere Schwimmer verlassen. Er forderte einen digitalen „Marktplatz“, der Kurse, Wasserzeiten und Ausbildungsangebote für Schwimmlehrer bündelt.4 Die Schwimmjugend verlangte bundesweit einheitliche Lernziele und ein einheitliches Ausbildungsprogramm. Schwimmbäder seien keine freiwillige Zusatzleistung der Kommunen, sondern die Grundlage jeder Schwimmfähigkeit.3, 7
Vogt betonte: Das Seepferdchen ist ein Einstieg, sicher schwimmt erst, wer Bronze hat. Fast alle DLRG-Ortsgruppen haben lange Wartelisten. Etwa die Hälfte der Kinder von Eltern mit unter 2.500 Euro Nettoeinkommen kann nicht schwimmen, bei über 4.000 Euro sind es zwölf Prozent.3
Geld und Zuständigkeit
Schenderlein nannte zwei Schwerpunkte: die Sanierung über das Programm des Bauministeriums und das Schwimmlernprogramm mit 20 Millionen Euro aus ihrem Haus. Pommer begrüßte die 250 Millionen Euro für Sportstätten, nannte sie aber nicht ausreichend. Er forderte einfache, seriell gebaute Bäder statt teurer Prestigebauten.4
Unsere Fragen und Beiträge
Jörn König sprach die DLRG-Präsidentin auf eine Satzungsänderung an, mit der Mitglieder wegen ihrer politischen Haltung ausgeschlossen werden können. Er nannte das diskriminierend und fragte, wie viele Mitglieder bereits ausgeschlossen wurden. Vogt antwortete, die Satzung sei noch nicht in Kraft und nenne keine Partei. Gerettet werde jeder Mensch, unabhängig von Herkunft und Einstellung.4
In der Sache verwies König auf 60 Prozent der Kinder, die nach der Grundschule nicht sicher schwimmen. Er fragte, ob DSV und DLRG im ländlichen Raum Schwimmlehrer für Schulen stellen könnten, wie es Bäderbetriebe in Köln und Hamburg tun. Pommer bejahte: Mit rund zweieinhalbtausend Schwimmvereinen könne der Verband gerade im verpflichtenden Ganztag eine große Rolle spielen.4
In der zweiten Runde fragte König, wo die größten Lücken bei Wasserflächen liegen und ob der Bäderatlas Kriterium für Förderbewilligungen ist. Vogt nannte den ländlichen Raum, wo der Weg zum Bad teils über eine Stunde dauert. Schenderlein nannte den Bäderatlas eine Grundlage, die von aktuellen Daten der Kommunen abhängt.4
Beschlüsse und Ergebnisse
- TOP 1: Bericht und Aussprache, keine Abstimmung.
- TOP 2: Kenntnisnahme der Drucksache 21/2995 ohne Debatte.4
- TOP 3: Das Kanzleramt teilte mit, es halte die Ausrichtung der Deaflympics 2033 durch den Gehörlosensportverband für eine Überforderung. Ein Gespräch zur Weiterentwicklung des Verbands war für den 27. Januar 2026 angesetzt.4
Unsere Einordnung
Ein Land, in dem 60 Prozent der Kinder nicht sicher schwimmen, hat ein Infrastrukturproblem. Bäder werden geschlossen, Wasserzeiten fehlen, Ehrenamtliche arbeiten Wartelisten ab. 20 Millionen Euro für eine ganze Wahlperiode sind ein Anfang, keine Lösung.
Wer Rettungsschwimmer braucht, darf Ehrenamtliche nicht nach Parteibuch sortieren. Die DLRG lebt von Freiwilligen aus der ganzen Gesellschaft.
Was wir fordern
- Bäder sichern: Keine Schließung von Lehrschwimmbecken ohne Ersatz, Sanierung vor Neubau von Prestigebädern.
- Schwimmen als Pflicht: Jedes Kind verlässt die Grundschule mit Bronze, nicht nur mit dem Seepferdchen.
- Ländlicher Raum zuerst: Fördermittel dorthin, wo das nächste Bad über eine Stunde entfernt ist.
- Schwimmlehrer gewinnen: Vereine und Bäderbetriebe als feste Partner im Ganztag, mit bezahlten Stunden.
- Daten als Grundlage: Der Bäderatlas wird bundesweit aktuell gehalten und Kriterium für jede Förderung.
Fazit
Die 15. Sitzung hat gezeigt: Alle kennen das Problem, die Bausteine liegen auf dem Tisch. Es fehlt der verbindliche Rahmen und das Geld für Wasserflächen.
Schwimmen ist keine Kür, Schwimmen rettet Leben. Schau Dir die Sitzung im Video an und frag in Deiner Kommune nach, wie es um Euer Bad steht.8
Quellen
- Deutscher Bundestag: 15. Sitzung des Ausschusses für Sport und Ehrenamt, 14.01.2026. https://www.bundestag.de/ausschuesse/sport_und_ehrenamt/anhoerungen/1132086-1132086 (abgerufen am 13.10.2026) ↩
- Deutscher Bundestag, Ausschuss für Sport und Ehrenamt: Sachverständigenliste zur Sitzung am 14.01.2026. https://www.bundestag.de/resource/blob/1132094/260114_sv_liste.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩
- Deutscher Bundestag, heute im bundestag (hib 36/2026): Schwimm-Verband und DLRG stehen hinter Schwimmbadplan, 15.01.2026. https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1136732 (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩
- Deutscher Bundestag, Ausschuss für Sport und Ehrenamt: Wortprotokoll der 15. Sitzung, Protokoll-Nr. 21/15, 14.01.2026. https://www.bundestag.de/resource/blob/1165706/260115_wortprotokoll_15.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
- Deutscher Bundestag, Ausschuss für Sport und Ehrenamt: Tagesordnung der 15. Sitzung, 14.01.2026. https://www.bundestag.de/resource/blob/1135702/to15.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩
- Deutscher Bundestag: Drucksache 21/2995, Unterrichtung durch die Delegation in der Parlamentarischen Versammlung des Europarates, 3. Sitzungswoche 23. bis 27. Juni 2025, 28.11.2025. https://dserver.bundestag.de/btd/21/029/2102995.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩
- Deutscher Bundestag, Ausschuss für Sport und Ehrenamt: Handreichung des Deutschen Schwimm-Verbandes zur Situation des Schwimmsports und des Schwimmunterrichts in Deutschland. https://www.bundestag.de/resource/blob/1135776/260114_dsv.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩
- Deutscher Bundestag, Mediathek: 15. Sitzung des Ausschusses für Sport und Ehrenamt, 14.01.2026. https://www.bundestag.de/mediathek/video?videoid=7647305 (abgerufen am 13.10.2026) ↩


