20. Sitzung Sportausschuss am 25.03.2026: Fangewalt und Sportfördergesetz

20. Sitzung des Ausschusses für Sport und Ehrenamt, 25.03.2026

KW 13/2026 · Ausschuss · Mittwoch, 25.03.2026

Sportausschuss zu Fangewalt und Sportfördergesetz: Strukturen allein bringen keine Medaillen

In seiner 20. Sitzung am 25. März 2026 hat der Sportausschuss zwei große Baustellen auf einmal behandelt: die Gewalt beim Zweitligaspiel 1. FC Magdeburg gegen Dynamo Dresden und das Sportfördergesetz, das das Bundeskabinett am selben Vormittag beschlossen hatte. Dazu kam ein Bericht zur Sicherheit deutscher Fans bei der Fußball-WM 2026. Für uns waren Jörn König und Thomas Korell am Mikrofon. Hier liest Du, was im Ausschuss gesagt wurde und was daraus folgt.1, 2

Das Wichtigste in Kürze

  • Staatsministerin Christiane Schenderlein stellte das Sportfördergesetz vor, Kernstück ist eine Spitzensportagentur mit Sitz in Leipzig.2
  • CDU/CSU, SPD, Grüne und Linke sahen Änderungsbedarf beim neunköpfigen Stiftungsrat, Athleten haben dort keinen eigenen Sitz.3
  • Jörn König stellte klar: Das Gesetz allein löst weder die Trainermisere noch die Lage der Athleten am Existenzminimum.3, 2
  • Beim Spiel in Magdeburg am 24. Januar 2026 wurden laut Polizei 77 Beamte verletzt, zwei Tatverdächtige sitzen wegen versuchten Mordes in Untersuchungshaft.2
  • Thomas Korell fragte nach gezielten Maßnahmen gegen Täter statt Kollektivstrafen für friedliche Fans.2
  • Beschlüsse fasste der Ausschuss nicht, alle Punkte waren Berichte in Selbstbefassung.4

Die Sitzung im Überblick

  • Datum und Uhrzeit: Mittwoch, 25. März 2026, 15:30 Uhr (abweichende Sitzungszeit), Ende 18:14 Uhr.4, 2
  • Ort: Berlin, Paul-Löbe-Haus, Sitzungssaal 4.300, hybrid.1, 4
  • Öffentlich: ja, live übertragen und in der Mediathek abrufbar.4, 5
  1. TOP 1: Reaktionen auf die jüngsten Ausschreitungen in deutschen Fußballstadien, Selbstbefassung SB 21(5)23.4
  2. TOP 2: Bericht der Bundesregierung zur Sicherheitssituation für die DFB-Delegation und die Fans bei der WM 2026 in den USA und Mexiko, Selbstbefassung SB 21(5)24.4
  3. TOP 3: Bericht der Bundesregierung zum Stand der Planungen für die Spitzensportreform, Selbstbefassung SB 21(5)25. Der Punkt wurde vorgezogen und zuerst beraten.4, 2
  4. TOP 4: Verschiedenes. Drucksachen lagen zu keinem Punkt vor.4

Wer geladen war

  • Bundesregierung: Staatsministerin für Sport und Ehrenamt Dr. Christiane Schenderlein (Bundeskanzleramt), Annette Walter und Michael Hagenburger (Auswärtiges Amt).2
  • Vereine und Verbände: Martin Geisthardt und Matthias Kahl (1. FC Magdeburg), Stephan Zimmermann und David May (SG Dynamo Dresden), Christina Gassner (DFB), Ansgar Schwenken (DFL).6
  • Fanarbeit und Polizei: Michael Gabriel (Koordinationsstelle Fanprojekte), Volker Körenzig (Fanprojekt Karlsruhe), Andreas Schmenkel-Backhoff (Inspekteur der Bereitschaftspolizeien der Länder).6

Spitzensportreform: Agentur in Leipzig, Streit um den Stiftungsrat

Schenderlein nannte das Gesetz einen Meilenstein, Ziel seien mehr deutsche Medaillen bei internationalen Wettbewerben. Die Spitzensportagentur soll als Stiftung mit Vorstand, Stiftungsrat und Sportfachbeirat Förderentscheidungen bündeln, erstmals ist eine unmittelbare individuelle Athletenförderung gesetzlich verankert.2

Der Stiftungsrat soll neun Mitglieder haben: drei für die Bundesregierung, zwei für den Bundestag, eins für die Sportministerkonferenz, drei für den DOSB. CDU/CSU wollte dem DOSB einen Regierungssitz geben, SPD, Grüne und Linke bemängelten das Gewicht der Exekutive und den fehlenden Athletensitz. Die Staatsministerin verwies darauf, dass der DOSB Athleten entsenden könne, wenn er das wolle. Für Trainer kündigte sie einen runden Tisch im Mai und eine Traineroffensive an.3, 2

Fangewalt: Was in Magdeburg passiert ist

Am 24. Januar 2026 wurden Polizisten beim Spiel Magdeburg gegen Dresden unter anderem mit Gullydeckeln und Gehwegplatten angegriffen.2 Polizeiinspekteur Schmenkel-Backhoff forderte mehr Konsequenz von Vereinen und Verbänden und eine bundesweit einheitliche Linie bei Stadionverboten. DFB und DFL verwiesen auf eine neue Stadionverbotsrichtlinie mit zentraler Fachaufsicht, die Verbote sollen aber weiter lokal ausgesprochen werden. Die DFL bezifferte ihre Ausgaben für Prävention und Sicherheit in der letzten Saison auf 110 Millionen Euro.2

Die Fanprojekte warnten vor Kollektivmaßnahmen und Polizeikosten für Vereine. Die KOS meldet, seit 2013 keine Ressourcensteigerung erhalten zu haben, und fordert Vertrauensschutz für Sozialarbeiter in Fanprojekten.7, 2

WM 2026: Keine Reisewarnung, aber Vorsicht in Mexiko

Das Auswärtige Amt sah zum Sitzungszeitpunkt keine Reisewarnung für USA, Kanada oder Mexiko, die mexikanischen Spielorte seien von den Abratungen für einzelne Regionen nicht betroffen. Fans sollen sich in die Krisenvorsorgeliste ELEFAND eintragen. Das DFB-Kontingent von rund 2 500 Karten pro Spiel sei vergriffen.2

Unsere Fragen und Beiträge

Jörn König hielt der Staatsministerin vor, nach rund zehn Jahren Spitzensportreform bleibe der Kern ungelöst: schlecht bezahlte Trainer mit Vierjahresverträgen, Athleten am Existenzminimum, Talente, die beim Übergang in Ausbildung und Beruf verloren gehen. Wörtlich: „Und das allein wird den Sport in Deutschland nicht erfolgreich machen“ (Wortprotokoll 21/20, S. 7). Er verwies auf Norwegen, Großbritannien und Japan, die mit weniger Geld mehr Medaillen holen, und fragte, ob die Leistungssportabteilung des DOSB in die Agentur wechselt.2

Thomas Korell wollte vom Polizeiinspekteur wissen, welche Erkenntnisse zur geplanten Ausschaltung von Sicherheitskameras vorliegen und wie Maßnahmen gezielt Störer treffen statt Unbeteiligte. Die DFL fragte er nach personalisierten Tickets im Stehplatzbereich und KI-gestützter Gesichtserkennung. Die Vereine fragte er nach eigenen Versäumnissen bei Fantrennung und Einlass und nach der Erstattung für gesperrte Blöcke.2

Beschlüsse und Ergebnisse

Abstimmungen gab es nicht. Die Bundesregierung sagte schriftliche Nachlieferungen zu offenen Fragen zu, etwa zur Einreise von Fans in die USA. Die nächste öffentliche Sitzung kündigte die Vorsitzende für den 15. April 2026 zum Ehrenamt im ländlichen Raum an.2

Unsere Einordnung

Eine neue Behörde ersetzt keinen guten Trainer. Solange Trainer befristet und schlecht bezahlt sind und Athleten neben dem Training ihren Lebensunterhalt sichern müssen, verschiebt das Sportfördergesetz die Probleme nur. Beim Fußball gilt: Gewalt gegen Polizisten ist kriminell und gehört bestraft, Täter für Täter. Friedliche Fans und ganze Kurven dürfen nicht für eine kleine gewaltbereite Szene haften.

Was wir fordern

  • Trainer zuerst: unbefristete, ordentlich bezahlte Stellen für Bundes- und Stützpunkttrainer.
  • Athleten absichern: eine direkte Förderung, von der Spitzensportler leben können, und eine funktionierende duale Karriere.
  • Stiftungsrat korrigieren: eine feste Stimme für Athleten, weniger Gewicht der Bundesregierung.
  • Erfolg messen: Förderung an klare Leistungsziele binden und jährlich offenlegen, was erreicht wurde.
  • Täter statt Kollektiv: Stadionverbote und Strafen gegen identifizierte Gewalttäter, schnell und bundesweit einheitlich.

Fazit

Die 20. Sitzung hat gezeigt: Die Bundesregierung setzt auf neue Strukturen, die Praxis braucht Trainer, Geld für Athleten und klare Konsequenzen gegen Gewalttäter.

Wir bleiben im Gesetzgebungsverfahren am Sportfördergesetz dran und messen es an Medaillen, nicht an Organigrammen. Schau Dir die Sitzung im Video an und mach Dir selbst ein Bild.5

Quellen

  1. Deutscher Bundestag, Ausschuss für Sport und Ehrenamt: 20. Sitzung am 25. März 2026, Sitzungsseite. https://www.bundestag.de/ausschuesse/sport_und_ehrenamt/anhoerungen/1151074-1151074 (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩
  2. Deutscher Bundestag, Ausschuss für Sport und Ehrenamt: Wortprotokoll der 20. Sitzung (Protokoll-Nr. 21/20), 25. März 2026. https://www.bundestag.de/resource/blob/1173882/260325_wortprotokoll_20.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
  3. Deutscher Bundestag, hib 248/2026: Spitzensportagentur: Kritik an Besetzung des Stiftungsrates, 25.03.2026. https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1158022 (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩ ↩
  4. Deutscher Bundestag, Ausschuss für Sport und Ehrenamt: Tagesordnung der 20. Sitzung am 25. März 2026, 15:30 Uhr, Mitteilung vom 19. März 2026. https://www.bundestag.de/resource/blob/1156590/to20.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
  5. Deutscher Bundestag, Mediathek: 20. Sitzung des Ausschusses für Sport und Ehrenamt, 25.03.2026. https://www.bundestag.de/mediathek/video?videoid=7650526 (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩
  6. Deutscher Bundestag, Ausschuss für Sport und Ehrenamt: Sachverständigenliste zur Sitzung am 25. März 2026. https://www.bundestag.de/resource/blob/1155438/260325_sv_liste.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩
  7. Koordinationsstelle Fanprojekte bei der dsj: Stellungnahme zur Sitzung des Ausschusses für Sport und Ehrenamt am 25. März 2026, Ausschussdrucksache 21(5)91. https://www.bundestag.de/resource/blob/1156998/260325_kos.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩

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