KW 26/2025 · Ausschuss · Mittwoch, 25.06.2025
DOSB im Sportausschuss: Bundesmilliarde jährlich, Olympia erst 2026 entschieden
In der 4. Sitzung am 25. Juni 2025 hat der Sportausschuss die Spitzen von DOSB, Deutschem Behindertensportverband und Athleten Deutschland befragt.1, 2 Zweites Thema war der Vorbericht zu den FISU World University Games 2025 in Rhein-Ruhr und Berlin.3 Für uns haben Lars Schieske und Thomas Korell gefragt. Hier liest Du, was der DOSB fordert und wo die Probleme liegen.
Das Wichtigste in Kürze
- Der DOSB fordert eine Bundesmilliarde für den Sport, und zwar jährlich, dazu Rückendeckung für die Olympiabewerbung.4
- Die Entscheidung für einen deutschen Olympia-Kandidaten fällt voraussichtlich erst im September 2026.4
- Athleten Deutschland verlangt klare Ziele in der Spitzensportförderung und eine Mindestförderung von 1.800 Euro für Kaderathleten.5
- Der DBS meldet: 55 Prozent der Menschen mit Behinderung haben keinen Zugang zum Sport.4
- Lars Schieske fragte nach Förderung für Vereine in strukturschwachen Regionen, Winterspielen und den Kosten des Zentrums für Safe Sport; Thomas Korell nach Akzeptanz, Sportstätten und TV-Präsenz der FISU Games.5
Die Sitzung im Überblick
- Datum: Mittwoch, 25. Juni 20251
- Uhrzeit: 14:30 Uhr bis 16:41 Uhr5
- Ort: Berlin, Paul-Löbe-Haus, Sitzungssaal 4.3001
- Öffentlich: ja, Übertragung im Parlamentsfernsehen3
- TOP 1: Gespräch mit DOSB, DBS und Athleten Deutschland (Selbstbefassung SB 21(5)3, keine Drucksache)3
- TOP 2: Vorbericht zu den FISU World University Games 2025 (Selbstbefassung SB 21(5)4, keine Drucksache)3
- TOP 3: Verschiedenes (keine Wortmeldungen)5
Wer geladen war
- DOSB: Thomas Weikert, Präsident; Christian Sachs, Leiter Hauptstadtbüro6
- Deutscher Behindertensportverband: Hans-Jörg Michels, Präsident; Dr. Karl Quade, Vizepräsident6
- Athleten Deutschland: Johannes Herber, Geschäftsführer6
- FISU Games: Dr. Melanie Haag und Benjamin Schenk (adh), Niklas Börger (Organisationskomitee), Bernhard Schwank (Staatskanzlei NRW); für Berlin sprach Alexander Fuchs in Vertretung von Senatorin Iris Spranger6, 5
- Bundesregierung: Staatsministerin Dr. Christiane Schenderlein (Bundeskanzleramt) und Vertreter des BMI5
DOSB: Geld, Olympia, Ehrenamt
Weikert nannte fünf Forderungen: Olympiabewerbung, jährliche Bundesmilliarde, starker Sport im Haushalt, Spitzensportreform und Stärkung des Ehrenamts. Mehr als acht Millionen Menschen engagieren sich nach seinen Angaben ehrenamtlich im Sport.5 Als wichtigste Priorität nannte er das Ehrenamt: Wer die Basis nicht stärke, verliere später die Spitzenleute.4
Zur Olympiabewerbung sagte er, die Kandidaten Berlin, Hamburg, München und Rhein-Ruhr würden sportfachlich geprüft. Ein schnelleres Verfahren verhindere das Bürgervotum in Hamburg.4 Der DOSB will sich für 2036, 2040 und 2044 offen bewerben.5 Die oft genannten 31 Milliarden Euro Sanierungsstau stammen laut DOSB aus einer Kurzexpertise mit dem Städtetag; die Länder lehnten seit 2012 einen Vergleich ihrer Sportstätten ab.5
Athleten und Behindertensport
Herber kritisierte: „Wir wollen aktuell alles, bekommen aber zu wenig.“ (Wortprotokoll 21/4, S. 8)5 Er forderte klare Ziele, eine unabhängige Sportagentur, eine Mindestförderung von 1.800 Euro, einen Trainertarif und ein zügig arbeitendes Zentrum für Safe Sport.5
Michels verlangte gleichrangige Förderung für den paralympischen Sport und Barrierefreiheit bei jeder Sanierung. Dr. Quade nannte rund 30 fehlende Förderplätze für Para-Kader bei der Sporthilfe.5
FISU World University Games 2025
Die Spiele in Rhein-Ruhr und Berlin waren nach Angaben der Organisatoren mit 18 Sportarten und rund 9.200 Athleten geplant, erstmals mit einer Parasportart. Der Bund trägt nach Angaben des BMI rund 67,5 Millionen Euro, Nordrhein-Westfalen den gleichen Anteil.5
Unsere Fragen und Beiträge
Lars Schieske bat die Verbände, sich in ihren Stellungnahmen an die deutsche Rechtschreibung ohne Gendersternchen zu halten. Er fragte Weikert, ob Sportvereine in strukturschwachen Regionen, gerade im Osten, bei der Förderung vorrangig berücksichtigt werden können. Weikert verwies auf die Landessportbünde, nannte eine Angleichung aber das Ziel.5
Schieske schlug vor, auch eine Bewerbung um Winterspiele zu prüfen; Weikert sagte, die Sommerspiele hätten Vorrang, Winterspiele seien nicht ausgeschlossen.5 Beim Zentrum für Safe Sport erinnerte er daran, dass zunächst eine sechsstellige Summe geplant war, inzwischen aber Kosten von bis zu sechs Millionen veranschlagt werden. Er fragte nach dem Grund und nach der Zahl der Fälle; Herber nannte über 300 Ratsuchende bei Athleten Deutschland und über 200 Meldungen bei Safe Sport e.V. im Vorjahr.5 Michels fragte er nach Kindern mit Behinderung, die vom Schulsport befreit werden.5
Thomas Korell fragte, ob die FISU Games eine Generalprobe für Olympische Spiele in Rhein-Ruhr sein können; Schwank verneinte das im klassischen Sinne. Er fragte nach Kritik aus der Bevölkerung, nach dem Zustand der Sportstätten vor und nach der Sanierung und nach der Live-Übertragung im Fernsehen. Börger nannte Live-Übertragungen bei ARD, ZDF, Eurosport und im WDR.5
Beschlüsse und Ergebnisse
Beschlüsse oder Abstimmungen gab es nicht; beide Punkte waren Gespräche in Selbstbefassung.3 Die Vorsitzende kündigte eine digitale Sitzung am 27. August zur Mitberatung des Haushalts an.5
Unsere Einordnung
Der DOSB fordert eine Milliarde pro Jahr, die Koalition bietet eine Milliarde in vier Jahren. Die Lücke ist offensichtlich. Dass die Länder seit 2012 keinen Vergleich ihrer Sportstätten zulassen, ist ein Skandal für sich: Ohne Daten kein Plan.
Beim Zentrum für Safe Sport hat Lars Schieske den richtigen Punkt getroffen. Wer aus einer Ansprechstelle eine Behörde mit Millionenbudget macht, muss sagen, wofür das Geld konkret gebraucht wird.
Was wir fordern
- Sportstätten: Ein bundesweites Kataster aller Sportstätten mit Zustand und Sanierungsbedarf, unter Beteiligung der Länder.
- Geld: Eine Bundesmilliarde pro Jahr statt einer Milliarde je Legislatur.
- Osten: Vorrang für Vereine in strukturschwachen Regionen bei Förderprogrammen.
- Athleten: Mindestförderung und Versicherung für Kaderathleten gesetzlich regeln.
- Safe Sport: Klare Fallzahlen und ein schlanker Aufbau, bevor Millionen fließen.
- Olympia: Winterspiele als realistische Option ernsthaft prüfen.
Fazit
Die Verbände haben ihre Forderungen klar auf den Tisch gelegt. Jetzt ist die Koalition am Zug. Mit Glückwünschen allein wird keine Halle saniert.
Wir bleiben dabei: Förderung braucht Daten, Ziele und Kontrolle. Dafür setzen wir uns im Ausschuss ein. Ohne Ehrenamt läuft nichts, ohne Infrastruktur auch nicht.
Quellen
- Deutscher Bundestag: 4. Sitzung des Ausschusses für Sport und Ehrenamt, Sitzungsseite, 25.06.2025. https://www.bundestag.de/ausschuesse/sport_und_ehrenamt/anhoerungen/1084756-1084756 (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩ ↩
- Deutscher Bundestag, Mediathek: 4. Sitzung des Ausschusses für Sport und Ehrenamt, 25.06.2025. https://www.bundestag.de/mediathek/video?videoid=7632829 (abgerufen am 13.10.2026) ↩
- Deutscher Bundestag, Ausschuss für Sport und Ehrenamt: Tagesordnung der 4. Sitzung, 19.06.2025. https://www.bundestag.de/resource/blob/1093820/to04.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
- Deutscher Bundestag, heute im bundestag (hib 254/2025): DOSB will Bundesmilliarde für den Sport, „und zwar jährlich“, 25.06.2025. https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1096570 (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
- Deutscher Bundestag, Ausschuss für Sport und Ehrenamt: Wortprotokoll der 4. Sitzung, Protokoll-Nr. 21/4, 25.06.2025. https://www.bundestag.de/resource/blob/1110420/250625_wortprotokoll_4.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
- Deutscher Bundestag, Ausschuss für Sport und Ehrenamt: Sachverständigenliste zur Sitzung am 25. Juni 2025. https://www.bundestag.de/resource/blob/1084758/250625_sv_liste.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩

