KW 39/2026 · Ausschuss · Mittwoch, 23.09.2026
Kurz gesagt: In der 30. Sitzung des Sportausschusses am 23. September 2026 haben Landkreistag, Städtetag und Städte- und Gemeindebund über die Lage des Sports in den Kommunen berichtet.1, 2 Ihre Botschaft: Die Kommunalhaushalte stehen tief im Minus, der Sanierungsstau bei Sportstätten und Bädern wächst, und die wohnortnahe Sportförderung gerät unter Druck. Dies ist unser Schwerpunktbeitrag zu Tagesordnungspunkt 1. Den zweiten Tagesordnungspunkt, den Sporthaushalt 2027, behandeln wir in einem eigenen Beitrag.3
Sanierungsstau bei Sportstätten: Die Kommunen schlagen Alarm
Die Turnhalle, in der Dein Kind trainiert, der Sportplatz Deines Vereins, das Hallenbad, in dem Grundschüler schwimmen lernen sollen: Fast alles davon gehört den Kommunen. Genau dort wird das Geld knapp. Was die kommunalen Spitzenverbände im Ausschuss vorgetragen haben, betrifft deshalb jeden Verein und jede Familie. Hier findest Du die Zahlen, die Forderungen und unsere Einordnung als Arbeitskreis Sport und Ehrenamt der AfD-Bundestagsfraktion.
Worum es ging
Die Sitzung fand am Mittwoch, 23. September 2026, ab 14:30 Uhr im Paul-Löbe-Haus statt und war öffentlich. Tagesordnungspunkt 1 war ein Bericht zu den „Herausforderungen für den Sport auf kommunaler Ebene“, eine Selbstbefassung des Ausschusses (SB 21(5)38). Unter Tagesordnungspunkt 2 gab der Ausschuss seine gutachtliche Stellungnahme zum Haushaltsgesetz 2027 ab.1
Wer geladen war
- Deutscher Landkreistag: Phillip Käs, Referatsleiter für Gesundheit
- Deutscher Städtetag: Beigeordneter Burkhard Hintzsche, Vorsitzender des Fachausschusses Sport, und Dr. Alex Mommert, Referent für Sportpolitik
- Deutscher Städte- und Gemeindebund: Alexander Averhoff, Referatsleiter Bildung, Sport, Grundsicherung4
- Für die Bundesregierung: Vertreter des Bundeskanzleramts und des Bundesbauministeriums1
Was die Gäste vorgetragen haben
- 21,6 Milliarden Euro Investitionsrückstand bei Sportstätten und Bädern: Laut KfW-Kommunalpanel 2026 stieg der Wert binnen eines Jahres um rund 6 Milliarden Euro, also um knapp 39 Prozent. Das ist der stärkste relative Anstieg aller erhobenen Infrastrukturbereiche.5
- Jede fünfte Kommune hatte laut Landkreistag und Städte- und Gemeindebund einzelne Sportstätten bereits vollständig aus dem Betrieb genommen.5
- Bäder in Gefahr: Ohne zeitnahe Sanierung drohen bei Frei- und Hallenbädern sowie Eissporthallen Schließungen von 14 bis 16 Prozent des Bestands innerhalb von drei Jahren.5
- Kommunen tragen den Sport: Etwa zwei Drittel der Sportstätten sind in kommunaler Trägerschaft, und die Kommunen bringen rund 80 Prozent der öffentlichen Ausgaben für den Sport auf. Betrieb und Unterhalt gelten als freiwillige Leistungen.6
Phillip Käs vom Landkreistag bezifferte das Defizit der Kommunen für 2026 auf 29,7 Milliarden Euro. Ohne grundlegende Änderungen könnten die Kommunen bald nur noch ihre Pflichtaufgaben erfüllen. „Freiwillige Aufgaben fallen dem Rotstift zum Opfer“, sagte er, und dazu gehört in weiten Teilen der Sport. Wie groß der Bedarf ist, zeige die 21-fache Überzeichnung der Sportmilliarde.2
Alexander Averhoff vom Städte- und Gemeindebund verwies auf die Schwimmbäder: Gerade auf dem Land gingen mit der Schließung eines Bades oder einer Halle wohnortnahe Angebote oft dauerhaft verloren. Fehlende Wasserflächen und geschlossene Bäder würden als wesentlicher Grund genannt, warum Kinder nicht schwimmen lernen. Burkhard Hintzsche vom Städtetag warb dafür, die Förderung des Bundes dauerhaft zu verstetigen, und mahnte, die Olympia-Bewerbung dürfe den Breitensport nicht verdrängen.2
Unsere Fragen und Beiträge
Für die AfD-Fraktion sitzen Jörn König, Thomas Korell und Lars Schieske im Ausschuss. Die Parlamentsnachrichten geben die Fragen der Abgeordneten aus der Aussprache nicht wieder. Die vollständige Sitzung mit allen Wortbeiträgen kannst Du im Video oben und in der Mediathek des Bundestages ansehen.7 Unsere Linie ist bekannt: Bereits im Oktober 2025 haben wir mit dem Antrag „Bundesweite Sanierung von Sportstätten muss zeitnah durchgeführt werden“ (Drucksache 21/2032) eine schnelle, bundesweite Sanierung verlangt.8 In derselben Sitzung haben wir zum Haushalt 2027 beantragt, die Mittel für Sportstätten des Hochleistungssports auf 55 Millionen Euro aufzustocken, statt sie zu kürzen.9
Beschlüsse und Ergebnisse
Zu Tagesordnungspunkt 1 gab es keinen Beschluss. Es handelte sich um einen Bericht im Rahmen einer Selbstbefassung des Ausschusses.1 Die schriftlichen Stellungnahmen der Verbände liegen dem Ausschuss vor und sind öffentlich abrufbar.5, 6
Unsere Einordnung
Was die Kommunen im Ausschuss vorgetragen haben, bestätigt, wovor wir seit Beginn der Wahlperiode warnen. Befristete Förderprogramme, die 21-fach überzeichnet sind, lösen das Problem nicht. Sie verwalten den Mangel. Solange Sport eine freiwillige Leistung ist, wird er in jeder Haushaltskrise zuerst gestrichen. Das trifft die Vereine, die Ehrenamtlichen und die Kinder, die ohne Bad nicht schwimmen lernen.
Wir brauchen eine verlässliche, mehrjährige Sanierungsoffensive, die auch kleine Gemeinden ohne großen Antragsapparat erreicht. Ohne Hallen, Plätze und Bäder gibt es keinen Breitensport, und ohne Breitensport keinen Nachwuchs für den Spitzensport.
Was wir fordern
- Eine bundesweite, mehrjährige Sanierungsoffensive für Sportstätten und Bäder statt befristeter Einzelprogramme.
- Einfache Förderverfahren, die auch kleine Gemeinden ohne eigene Förderabteilung nutzen können.
- Vorrang für Schwimmbäder, damit jedes Kind in der Grundschule schwimmen lernt.
- Keine Kürzungen bei Sportstätten des Hochleistungssports im Haushalt 2027.
Fazit
Die Kommunen tragen den Sport, und ihnen geht das Geld aus. 21,6 Milliarden Euro Sanierungsstau sind kein Randthema, sondern die Frage, ob Vereine in fünf Jahren noch eine Halle haben. Wir bleiben dran, im Ausschuss und im Haushalt.
Quellen
- Deutscher Bundestag, Ausschuss für Sport und Ehrenamt: Tagesordnung der 30. Sitzung am 23. September 2026, 14:30 Uhr, Mitteilung vom 17.09.2026. PDF (abgerufen am 08.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩
- Deutscher Bundestag, heute im bundestag 740/2026: Defizitäre Kommunalhaushalte gefährden Breitensportförderung, 23.09.2026. Link (abgerufen am 08.10.2026) ↩ ↩ ↩
- sportfrei.de: 30. Sitzung Sportausschuss am 23.09.2026: Sporthaushalt 2027 – mehr Geld für Athleten, 24.09.2026. Link (abgerufen am 08.10.2026) ↩
- Deutscher Bundestag, Ausschuss für Sport und Ehrenamt: Sachverständigenliste zur Sitzung am 23. September 2026. PDF (abgerufen am 08.10.2026) ↩
- Deutscher Landkreistag und Deutscher Städte- und Gemeindebund: Stellungnahme zur 30. Sitzung des Ausschusses für Sport und Ehrenamt. PDF (abgerufen am 08.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩
- Deutscher Städtetag: Stellungnahme zur 30. Sitzung des Ausschusses für Sport und Ehrenamt. PDF (abgerufen am 08.10.2026) ↩ ↩
- Deutscher Bundestag, Mediathek: 30. Sitzung des Ausschusses für Sport und Ehrenamt, 23.09.2026, Video-ID 7657027. Video (abgerufen am 08.10.2026) ↩
- Deutscher Bundestag: Drucksache 21/2032, Antrag der Fraktion der AfD „Bundesweite Sanierung von Sportstätten muss zeitnah durchgeführt werden“, 07.10.2025. PDF (abgerufen am 08.10.2026) ↩
- Deutscher Bundestag, Ausschuss für Sport und Ehrenamt: Änderungsanträge der Fraktion der AfD zu Einzelplan 04, Haushalt 2027. PDF (abgerufen am 08.10.2026) ↩


