KW 21/2026 · Parlament · Donnerstag, 21.05.2026
Ehrenamt entlasten statt nur loben: Unsere Bilanz der Ehrenamtsdebatte im Bundestag
Du engagierst Dich im Verein, bei der Feuerwehr oder im THW? Dann ging es am 21. Mai 2026 im Bundestag um Dich. In der 80. Sitzung debattierte das Plenum unter dem Titel „Zusammenhalt durch Engagement – Das Ehrenamt als Rückgrat unserer Gesellschaft“. Für unseren Arbeitskreis sprachen Jörn König und Thomas Korell. Ihre Botschaft: Wer das Ehrenamt entlasten will, muss handeln statt nur danken.1
Beide Reden kannst Du Dir oben im Video ansehen.2, 3
Das Wichtigste in Kürze
- Der Bundestag führte am 21. Mai 2026 als Tagesordnungspunkt 8 eine Vereinbarte Debatte zum Ehrenamt ohne Abstimmung.
- Jörn König stellte unseren Antrag „Sportvereine, Ehrenamt und Katastrophenschutz stärken“ auf Drucksache 21/6034 vor.4
- Unsere Kernforderungen: keine Steuererklärungspflicht für kleine Vereine, höhere Freigrenzen, höhere Ehrenamtspauschale, Steuervorteile für Arbeitgeber von Einsatzkräften.
- Thomas Korell forderte Entlastung statt Belastung und Investitionen in Feuerwehr, THW und Katastrophenschutz.
- Der Antrag wurde am selben Tag ohne Aussprache federführend an den Ausschuss für Sport und Ehrenamt überwiesen.
Was ist passiert
Die Debatte war für 60 Minuten angesetzt. Den Auftakt machte für die Bundesregierung Staatsministerin Dr. Christiane Schenderlein. Anlass war der neue Ehrentag am 23. Mai, dem Geburtstag des Grundgesetzes.
Es folgten Redner aller Fraktionen, für die AfD zuerst Arne Raue, später Jörn König und Thomas Korell. Eine Vereinbarte Debatte endet ohne Beschluss. Die Sitzungsleitung schloss den Tagesordnungspunkt mit einem Dank an das Ehrenamt.1
Worum es in der Debatte ging
Zur Debatte selbst lag keine Drucksache vor. Eine Beistellung von Anträgen ist bei einer Vereinbarten Debatte nicht möglich. Darauf wies Jörn König in seiner Rede hin und verwies auf unseren Antrag, der am selben Tag unter Zusatzpunkt 3a im vereinfachten Verfahren aufgerufen wurde.
- Drucksache 21/6034 – Sportvereine, Ehrenamt und Katastrophenschutz stärken – Bürokratie abbauen, Steuern senken, Nachwuchs und Zukunft sichern – Antrag der Fraktion der AfD, federführend erarbeitet von Lars Schieske.4
Was genau im Antrag steht, haben wir in unserem Beitrag zum Antrag zusammengefasst.5 Überwiesen wurde er an den Ausschuss für Sport und Ehrenamt (federführend) sowie an den Innenausschuss, den Finanzausschuss, den Ausschuss für Arbeit und Soziales und den Ausschuss für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend.1
Was unsere Redner gesagt haben
Jörn König kritisierte, dass die Debatte vor allem für salbungsvolle Worte genutzt werde: „Reden, reden und nochmals reden statt handeln“ (Plenarprotokoll 21/80, S. 9547 A). Er stellte die Ziele aus Drucksache 21/6034 vor. Für Sportvereine: keine generelle Steuererklärungspflicht unterhalb der Freigrenzen, Freigrenze für den wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb auf 100.000 Euro, Umsatzsteuerbefreiung für den Zweckbetrieb.
Für das Ehrenamt verlangte König eine Ehrenamtspauschale von 1.200 Euro im Jahr. Arbeitgeber, die Feuerwehrleute oder THW-Helfer beschäftigen, sollen ihren steuerpflichtigen Gewinn um bis zu 1.500 Euro je Einsatzkraft mindern können. Dazu kommen Investitionen in Gerätehäuser, Fahrzeuge und Schutzkleidung.4 Dem Hinweis auf steigende THW-Mitgliederzahlen hielt er entgegen, dass rund 500 THW-Standorte Neubau, Umbau oder Erweiterung brauchen.1, 2
Thomas Korell stellte die Einsatzkräfte in den Mittelpunkt: Feuerwehren und Hilfsorganisationen kämpften mit maroden Gerätehäusern, veralteter Ausrüstung und Nachwuchssorgen. Seine Forderung: „Das Ehrenamt braucht endlich Entlastung statt Belastung, weniger Bürokratie, weniger Steuern, mehr Anerkennung“ (Plenarprotokoll 21/80, S. 9551 D). Er verlangte höhere steuerliche Freibeträge, einfachere Verfahren, Investitionen in Fahrzeuge und Ausbildung sowie die Entlastung von Arbeitgebern, die Einsatzkräfte freistellen. Zudem kündigte er an, die Förderung von Programmen wie „Demokratie leben!“ bei Regierungsverantwortung zu beenden.3
So haben die anderen Fraktionen argumentiert
Bundesregierung: Staatsministerin Schenderlein verwies auf das Steueränderungsgesetz 2025 mit höheren Pauschalen, besseren Haftungsregeln und mehr Spielraum im Gemeinnützigkeitsrecht. Als nächste Schritte nannte sie Datenschutz, Vereins- und Zuwendungsrecht sowie Musikrechte bei Vereinsfesten.
CDU/CSU: Stephan Mayer widersprach der These vom Rückzug des Ehrenamts und nannte die Helferzahl im THW. Zugleich räumte er bei den bisherigen Entlastungen ein: „Das reicht noch nicht“ (Plenarprotokoll 21/80, S. 9546 C). Dieter Stier nannte Datenschutz, Dokumentationspflichten und die E-Rechnungspflicht für kleine Vereine als Belastung. Artur Auernhammer schilderte die Auflagen bei Feuerwehrfesten und kritisierte Korells Ankündigung zu Förderprogrammen.
SPD: Bettina Lugk verwies auf die erhöhten Pauschalen und den Zukunftspakt Ehrenamt und verteidigte „Demokratie leben!“. Jürgen Coße schlug eine Ehrenamtskonferenz von Bund, Ländern und Kommunen vor und warf der AfD vor, eine Gefahr für das Ehrenamt zu sein. Jörn König wies das per Zwischenruf als Unterstellung zurück.
Grüne und Linke: Tina Winklmann forderte verständlichere Förderprogramme, Leon Eckert eine Kernförderung über die Kommunen. Mandy Eißing (Linke) verlangte freien Nahverkehr für Ehrenamtliche und eine bundesweite Ehrenamtskarte, Jan Köstering eine Ehrenamtsrente und die Gleichstellung der Helfer im Bevölkerungsschutz.1
Warum das wichtig ist
Die Debatte hat eines gezeigt: Über den Befund sind sich fast alle einig. Vereinsvorstände ersticken in Formularen, Steuerpflichten und Nachweisen. Trainer gehören auf den Platz, nicht an den Schreibtisch. Wer selbst einräumt, dass die bisherigen Schritte nicht reichen, regiert und kann es ändern.
Für Dich als Ehrenamtlichen zählt nicht der Ehrentag, sondern das, was im Vereinsalltag ankommt. Für Feuerwehr und THW geht es um Ausrüstung und Gerätehäuser, also um Deine Sicherheit. Und für Arbeitgeber muss es sich lohnen, Einsatzkräfte freizustellen.
Ob die Bundesregierung liefert, prüfen wir im Ausschuss für Sport und Ehrenamt, als Nächstes beim Sachstand Ehrenamt in der 32. Sitzung.6
Was wir fordern: Ehrenamt entlasten, Vereine befreien
- Steuererklärung: Keine generelle Steuererklärungspflicht für gemeinnützige Vereine unterhalb der Freigrenzen.
- Freigrenze: Wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb steuerfrei bis 100.000 Euro jährlich.
- Pauschalen: Übungsleiterfreibetrag auf 4.000 Euro, Ehrenamtspauschale auf 1.200 Euro jährlich.
- Umsatzsteuer: Befreiung für den Zweckbetrieb der Sportvereine.
- Arbeitgeber: Gewinnminderung um bis zu 1.500 Euro je beschäftigter ehrenamtlicher Einsatzkraft.
- Ausstattung: Investitionen in Gerätehäuser, Fahrzeuge, Drohnen und Schutzkleidung für Feuerwehr und THW.4
- Kontrolle: Für jeden Schritt des Zukunftspakts Ehrenamt ein Termin und eine messbare Zahl an Formularen und Pflichten, die wegfallen.
Fazit
Lob kostet nichts, Entlastung schon. Die Koalition hat Pauschalen erhöht, gibt aber selbst zu, dass das nicht reicht. Unser Antrag wurde federführend an den Ausschuss für Sport und Ehrenamt überwiesen. Dort muss die Koalition Farbe bekennen.
Du kannst etwas tun: Sag Deinem Abgeordneten, welche Formulare in Deinem Verein überflüssig sind. Konkret, mit Beispiel. Wir bringen es in den Ausschuss. Ohne Ehrenamt läuft nichts. Sport frei!
Quellen
- Deutscher Bundestag: Plenarprotokoll 21/80, Stenografischer Bericht der 80. Sitzung, 21.05.2026. https://dserver.bundestag.de/btp/21/21080.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
- Deutscher Bundestag, Mediathek: Rede von Jörn König (AfD), 80. Sitzung, 21.05.2026. https://www.bundestag.de/mediathek/video?videoid=7653399 (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩
- Deutscher Bundestag, Mediathek: Rede von Thomas Korell (AfD), 80. Sitzung, 21.05.2026. https://www.bundestag.de/mediathek/video?videoid=7653406 (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩
- Deutscher Bundestag: Drucksache 21/6034, Antrag der Fraktion der AfD „Sportvereine, Ehrenamt und Katastrophenschutz stärken – Bürokratie abbauen, Steuern senken, Nachwuchs und Zukunft sichern“, 20.05.2026. https://dserver.bundestag.de/btd/21/060/2106034.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩
- sportfrei.de: Antrag Sportvereine, Ehrenamt und Katastrophenschutz: Entlasten statt Sonntagsreden, 20.05.2026. https://sportfrei.de/ak-aktuell/antrag-sportvereine-ehrenamt-katastrophenschutz/ (abgerufen am 13.10.2026) ↩
- sportfrei.de: 32. Sitzung Sportausschuss am 14.10.2026: Rauhe muss beim Ehrenamt liefern, 13.10.2026. https://sportfrei.de/ausschuss/32-sitzung-sportausschuss-ehrenamt-rauhe/ (abgerufen am 13.10.2026) ↩