Plenum am 07.05.2026: Kaderathleten ohne Absicherung – Koalition vertröstet aufs Gesetz

Jörn König, AfD
Lars Schieske, AfD

KW 19/2026 · Parlament · Donnerstag, 07.05.2026

Bundeskaderathleten absichern: 1.200 Euro im Monat reichen nicht für Weltspitze

Du erwartest Medaillen von Deutschlands Spitzensportlern? Dann musst Du wissen, wovon viele Bundeskaderathleten leben. Am 7. Mai 2026 hat der Bundestag in seiner 77. Sitzung über die finanzielle und soziale Absicherung der Bundeskaderathleten abgestimmt. Für unseren Arbeitskreis sprachen Jörn König und Lars Schieske.1

Beide Reden kannst Du Dir oben im Video ansehen.2, 3

Das Wichtigste in Kürze

  • Beraten wurde die Beschlussempfehlung des Haushaltsausschusses zum Antrag der Fraktion Die Linke, der eine Mindestsicherung von 1.800 Euro brutto im Monat für alle Bundeskaderathleten nach dem Schulabschluss fordert.
  • Jörn König nannte die heutige Förderung von etwa 1.200 Euro monatlich für Athleten ohne Sportförderstelle zu niedrig und hielt 1.800 Euro für angemessen.
  • Lars Schieske bezifferte die Mehrkosten auf bis zu 30 Millionen Euro im Jahr und will sie durch Umschichtung statt durch neue Ausgaben finanzieren.
  • CDU/CSU und SPD verweisen auf das geplante Sportfördergesetz und lehnen eine pauschale Mindestsicherung ab.
  • Die Beschlussempfehlung wurde mit den Stimmen von CDU/CSU und SPD angenommen, Die Linke stimmte dagegen, Grüne und AfD enthielten sich. Der Antrag ist damit abgelehnt.

Was ist passiert

Die Fraktion Die Linke hat ihren Antrag am 13. Januar 2026 eingebracht. Der Bundestag überwies ihn am 15. Januar 2026 federführend an den Haushaltsausschuss, mitberatend an den Ausschuss für Sport und Ehrenamt und den Ausschuss für Arbeit und Soziales.4, 5

Der Haushaltsausschuss empfahl am 28. Januar 2026 die Ablehnung. Im Sportausschuss stimmten CDU/CSU und SPD für die Ablehnung, AfD und Linke dagegen, die Grünen enthielten sich.5

Am 7. Mai 2026 stand die Vorlage als Tagesordnungspunkt 21 im Plenum, mit 20 Minuten Aussprache. In der Abstimmung stimmten CDU/CSU und SPD für die Beschlussempfehlung, Die Linke dagegen, Grüne und AfD enthielten sich. Die Beschlussempfehlung ist damit angenommen.1

Die Drucksachen zu den Bundeskaderathleten

  • Drucksache 21/3616 – „Bundeskaderathletinnen und -athleten finanziell und sozial absichern sowie anschließende Berufsperspektiven ermöglichen“ – Antrag der Fraktion Die Linke4
  • Drucksache 21/3956 – Beschlussempfehlung und Bericht zu diesem Antrag – Haushaltsausschuss (8. Ausschuss)5

Was unsere Redner gesagt haben

Jörn König begrüßte, dass die Absicherung der Spitzensportler ins Plenum kommt. Er stellte den Antrag in eine Reihe mit AfD-Anträgen, unter anderem zur Dualen Karriere im Spitzensport und zur Anhebung der Grundförderung für Kadersportler ohne Sportförderstelle.6, 7 Wie wir diese Forderung schon 2024 begründet haben, liest Du in unserem Beitrag zum Antrag Grundförderung Kadersportler.8

Alle Bundeskaderathleten sollen nach dem Schulabschluss sozial abgesichert sein und parallel studieren oder eine Ausbildung machen können. Heute gibt es diese Absicherung faktisch nur über die knappen Sportförderstellen. König stellte klar: „Ein deutscher Spitzensportler ohne Förderstelle erhält zurzeit etwa 1 200 Euro monatlich. Das ist zu wenig.“ (Plenarprotokoll 21/77, S. 9304 A) Die 1.800 Euro aus dem Antrag hält er für angemessen.1, 4

Als Vergleich führte König an, dass im Land Hessen für einen unbegleiteten minderjährigen Flüchtling nach seinen Angaben 8.500 Euro im Monat aufgewendet werden, das Siebenfache der Athletenförderung. Er warf den Regierungsparteien vor, diese Schieflage in über acht Jahren nicht beseitigt zu haben.1

Lars Schieske sah im Antrag einen Widerspruch der Linken: Sie lehne die Leistungsgesellschaft ab und fordere nun gezielte Förderung einer kleinen Leistungselite. Damit habe die AfD kein Problem, denn „Spitzensport funktioniert nicht nach dem Prinzip ‚alle gleich‘, sondern nach dem Prinzip ‚Leistung, Disziplin und Wettkampf‘“ (Plenarprotokoll 21/77, S. 9307 A).1

Zur Finanzierung sagte Schieske, der Vorschlag koste bis zu 30 Millionen Euro mehr im Jahr. Die AfD sei bereit, das mitzutragen, aber über Prioritäten: Mittel sollen von Projekten und Strukturen ohne messbaren Mehrwert zu den Athleten umgeschichtet werden.1

So haben die anderen Fraktionen argumentiert

SPD: Dr. Thorsten Rudolph erkannte das Problem an, lehnte aber die Begründung eines „staatsdienstähnlichen Verhältnisses“ ab. Er verwies auf bestehende Programme zu Lebensunterhalt, Altersversorgung und Dualer Karriere und kündigte über das Sportfördergesetz nach und nach mehr Geld an, je nach Haushaltslage.1

CDU/CSU: Dr. Oliver Vogt nannte den Antrag gut gemeint, aber nicht gut gemacht. Eine pauschale Mindestsicherung sei nicht zielgenau und nicht steuerbar. Florian Oßner verwies auf über 300 Millionen Euro Bundesmittel pro Jahr, auf das Sportfördergesetz und auf die Sportmilliarde für Sportstätten.1

Grüne: Tina Winklmann teilte das Ziel, begründete die Enthaltung aber damit, dass der Antrag unterschiedliche Lebenslagen zu einheitlich behandle. Die Linke: Christian Görke nannte rund 4.000 Bundeskaderathleten, von denen nur die Hälfte eine existenzsichernde Stelle bei Bundeswehr, Polizei oder Zoll habe, und kritisierte den Sporthilfe-Zuschuss von 900 Euro ohne soziale Absicherung.1

Warum das wichtig ist

Spitzensport motiviert den Breitensport. Jeder Athlet, der mit Anfang 20 aus Geldnot aufhört, fehlt später als Vorbild im Verein, als Trainer und als Medaillenkandidat. Das trifft Vereine, die Talente jahrelang mit Ehrenamt aufgebaut haben, zuerst.

Die Summen sind überschaubar. Für den Sport waren im Haushaltsentwurf 2026 insgesamt 357,5 Millionen Euro eingeplant.9 Bis zu 30 Millionen Euro für eine echte Absicherung der Bundeskaderathleten sind daran gemessen keine Systemfrage, sondern eine Frage der Priorität. Wie knapp viele Athleten heute kalkulieren, zeigt unser Beitrag Top-Leistung, aber kaum Einkommen.10

Alle Fraktionen haben im Plenum anerkannt, dass das Problem real ist. Die Koalition vertröstet auf das Sportfördergesetz und die Haushaltslage. Für Athleten, die jetzt vor der Wahl zwischen Training und Job stehen, ist das zu spät.

Was wir fordern

  • Grundförderung anheben: Bundeskaderathleten ohne Sportförderstelle erhalten mindestens 1.800 Euro brutto im Monat statt etwa 1.200 Euro.
  • Soziale Absicherung: Kranken- und Rentenversicherung sowie Schutz für schwangere Athletinnen und Mütter gehören zur Förderung, nicht ins Privatrisiko.
  • Duale Karriere ausbauen: Studium und Ausbildung parallel zum Training müssen planbar sein, mit mehr Plätzen und verbindlichen Partnern.6
  • Finanzierung durch Umschichtung: Die bis zu 30 Millionen Euro im Jahr kommen aus Ausgaben ohne messbaren Nutzen, nicht aus neuen Schulden.
  • Förderung mit Kontrolle: Die Bundesregierung legt jährlich offen, wie viele Kaderathleten ohne Förderstelle es gibt, was sie erhalten und wie viele vorzeitig aufhören.
  • Übergang nach der Karriere: Wer aus dem Kader ausscheidet, braucht eine Berufsperspektive statt eines Absturzes.

Fazit

Der Bundestag hat die Mindestsicherung für Bundeskaderathleten abgelehnt. Das Problem bleibt. Wer Medaillen will, muss Athleten absichern, und zwar jetzt, nicht irgendwann nach dem nächsten Gesetz.

Wir bleiben dran: Grundförderung rauf, Duale Karriere verlässlich, Geld umschichten statt neue Löcher reißen. Du kannst helfen, indem Du die Sportler in Deinem Verein unterstützt und Deine Abgeordneten fragst, wann das Sportfördergesetz konkrete Beträge liefert. Deutschland muss wieder sportlich konkurrenzfähig werden.

Quellen

  1. Deutscher Bundestag: Plenarprotokoll 21/77, Stenografischer Bericht der 77. Sitzung, 07.05.2026. https://dserver.bundestag.de/btp/21/21077.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
  2. Deutscher Bundestag, Mediathek: Rede von Jörn König (AfD), 77. Sitzung, 07.05.2026. https://www.bundestag.de/mediathek/video?videoid=7653109 (abgerufen am 13.10.2026) ↩
  3. Deutscher Bundestag, Mediathek: Rede von Lars Schieske (AfD), 77. Sitzung, 07.05.2026. https://www.bundestag.de/mediathek/video?videoid=7653115 (abgerufen am 13.10.2026) ↩
  4. Deutscher Bundestag: Antrag der Fraktion Die Linke „Bundeskaderathletinnen und -athleten finanziell und sozial absichern sowie anschließende Berufsperspektiven ermöglichen“, Drucksache 21/3616, 13.01.2026. https://dserver.bundestag.de/btd/21/036/2103616.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩ ↩
  5. Deutscher Bundestag: Beschlussempfehlung und Bericht des Haushaltsausschusses (8. Ausschuss) zu dem Antrag auf Drucksache 21/3616 „Bundeskaderathletinnen und -athleten finanziell und sozial absichern sowie anschließende Berufsperspektiven ermöglichen“, Drucksache 21/3956, 30.01.2026. https://dserver.bundestag.de/btd/21/039/2103956.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩ ↩
  6. Deutscher Bundestag: Antrag der Fraktion der AfD „Duale Karriere im Spitzensport weiterentwickeln“, Drucksache 20/11394, 14.05.2024. https://dserver.bundestag.de/btd/20/113/2011394.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩
  7. Deutscher Bundestag: Antrag der Fraktion der AfD „Die Grundförderung für Kadersportler ohne Sportförderstelle muss angehoben werden“, Drucksache 20/10066, 16.01.2024. https://dserver.bundestag.de/btd/20/100/2010066.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩
  8. sportfrei.de: Antrag Grundförderung Kadersportler: Wer Medaillen will, muss Athleten absichern, 16.01.2024. https://sportfrei.de/ak-aktuell/antrag-grundfoerderung-kadersportler/ (abgerufen am 13.10.2026) ↩
  9. Deutscher Bundestag, hib 447/2025: 357,5 Millionen Euro sind 2026 für den Sport eingeplant, 25.09.2025. https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1111704 (abgerufen am 13.10.2026) ↩
  10. sportfrei.de: Top-Leistung, aber kaum Einkommen – warum deutsche Spitzensportler oft am Limit leben, 13.05.2026. https://sportfrei.de/ak-aktuell/top-leistung-aber-kaum-einkommen-warum-deutsche-spitzensportler-oft-am-limit-leben/ (abgerufen am 13.10.2026) ↩

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