KW 40/2026 · AK-Aktuell · Freitag, 02.10.2026
Anerkennung für die Freiwillige Feuerwehr darf kein Lippenbekenntnis bleiben
Du kennst das Bild: Beim Feuerwehrfest stehen alle gern in der ersten Reihe. Wenn es aber darum geht, den Ehrenamtlichen etwas Konkretes zurückzugeben, wird es still. Genau das ist jetzt in Cottbus passiert. Ein bloßer Prüfauftrag für Vergünstigungen für Feuerwehrleute und Helfer im Katastrophenschutz scheiterte im Stadtparlament bei Stimmengleichheit. Für uns zeigt der Fall im Kleinen, was im Großen fehlt: verlässliche Anerkennung für Menschen, die freiwillig eine staatliche Pflichtaufgabe mittragen.
Faktenlage
Am 23.09.2026 stimmte die Cottbuser Stadtverordnetenversammlung über den Antrag AT-18/26 ab. Er sah vor, dass die Stadt prüft, welche bezahlbaren Vergünstigungen sie ihren ehrenamtlichen Einsatzkräften gewähren kann, etwa bei Tierpark, Bad, Bibliothek oder im städtischen Nahverkehr. Begünstigt werden sollten aktive Feuerwehrleute, Helfer im Katastrophenschutz, die Jugendfeuerwehr sowie die Alters- und Ehrenabteilung. Vorgeschlagen waren begrenzte Kontingente, Ermäßigungen und ein befristeter Modellversuch mit Kostenbetrachtung.1
Das Ergebnis der namentlichen Abstimmung: 16 Ja-Stimmen, 16 Nein-Stimmen, 5 Enthaltungen. Damit war der Antrag abgelehnt. Zugestimmt haben die AfD-Fraktion (12), MIB/ZSC (3) und ein Mitglied der Fraktion CDU/Freie Wähler. Dagegen stimmten SPD (8), UC!/FDP (3), Die Linke (2), zwei Mitglieder von CDU/Freie Wähler und Bündnis 90/Die Grünen/SUB (1). Vier Mitglieder von CDU/Freie Wähler und der Oberbürgermeister enthielten sich.1 Lars Schieske, Mitglied unseres Arbeitskreises und Berufsfeuerwehrmann, hatte die namentliche Abstimmung beantragt.
Bemerkenswert: Der Wunsch nach einer breiten Anerkennung, die auch Jugendfeuerwehr und Katastrophenschutz einschließt, kam nach Darstellung der Antragsteller aus der Abstimmung unter den Wehrleitern selbst.1
Warum das wichtig ist
Brandschutz und Hilfeleistung sind gesetzliche Pflichtaufgaben der Kommunen. Fehlen Freiwillige, sehen die Landesgesetze als letztes Mittel sogar eine Pflichtfeuerwehr vor.1 Wer freiwillig hilft, entlastet also unmittelbar den Staat. Gleichzeitig sind Freiwillige Feuerwehren und das THW vielerorts personell unterbesetzt und materiell schlecht ausgestattet. Das haben wir im Bundestag bereits im Mai mit unserem Antrag 21/6034 festgestellt.2
Das Muster kennen wir aus dem Sport: Vereine, Trainer und Vorstände tragen das Gemeinwesen, bekommen aber vor allem Bürokratie und warme Worte.4 Wer Ehrenamt öffentlich lobt und es zugleich relativiert, verliert die Menschen, auf die es ankommt.5
Wer zuständig ist
Vergünstigungen vor Ort sind Sache der Kommunen. Die steuerlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen setzt aber der Bund. Mit Drucksache 21/6034 fordern wir ein Entlastungs- und Förderkonzept für Sportvereine, ehrenamtliche Organisationen, Freiwillige Feuerwehren und das THW. Der Antrag wurde ohne Aussprache an die Ausschüsse überwiesen.2, 3
Widersprüche und offene Fragen
- Warum reicht es für Fotos mit der Feuerwehr, aber nicht einmal für einen Prüfauftrag mit Kostenrechnung?
- Wie wollen Städte Nachwuchs gewinnen, wenn sie schon kleinste Anerkennungsmodelle blockieren?
- Wann legt die Bundesregierung ein Konzept vor, das Arbeitgeber entlastet, die Einsatzkräfte freistellen?
Was wir fordern
- Steuerentlastung für Arbeitgeber, die Mitglieder von Freiwilliger Feuerwehr, THW und anerkannten Rettungsorganisationen für Einsätze und Übungen freistellen, etwa durch eine Gewinnminderung um bis zu 1.500 Euro je Einsatzkraft und Jahr.2
- Anhebung von Übungsleiterfreibetrag auf 4.000 Euro und Ehrenamtspauschale auf 1.200 Euro jährlich.2
- Bessere Anrechnung von Ehrenamt bei Ausbildung und Bewerbung sowie Förderung der Nachwuchsgewinnung durch Schulungszuschüsse.2
- Vor Ort: Anerkennungsmodelle wie Ermäßigungen oder Ehrenamtskarten prüfen statt blockieren.
Fazit
Ein Gleichstand von 16 zu 16 zeigt: Eine einzige Stimme hätte gereicht. Anerkennung für die Feuerwehr scheitert nicht am Geld, sondern am Willen. Wir bleiben dran, im Bundestag mit 21/6034 und überall dort, wo unsere Abgeordneten Verantwortung tragen. Du kannst helfen: Frag in Deiner Gemeinde nach, was sie für ihre Einsatzkräfte tut.
Quellen
- Lars Schieske: Feuerwehr loben, Anerkennung ausbremsen, 28.09.2026. https://lars-schieske.de/fokusbeitrag/feuerwehr-loben-anerkennung-ausbremsen/ (abgerufen am 02.10.2026) ↩
- Deutscher Bundestag: Drucksache 21/6034, Antrag der Fraktion der AfD „Sportvereine, Ehrenamt und Katastrophenschutz stärken – Bürokratie abbauen, Steuern senken, Nachwuchs und Zukunft sichern“, 20.05.2026. https://dserver.bundestag.de/btd/21/060/2106034.pdf (abgerufen am 02.10.2026) ↩
- Deutscher Bundestag, hib: AfD will Sportvereine, Feuerwehren und THW stärken, 21.05.2026. https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1179294 (abgerufen am 02.10.2026) ↩
- sportfrei.de: Sportvereine am Limit – warum das Ehrenamt in Deutschland immer stärker unter Druck gerät, 03.05.2026. https://sportfrei.de/ak-aktuell/sportvereine-am-limit-warum-das-ehrenamt-in-deutschland-immer-staerker-unter-druck-geraet/ (abgerufen am 02.10.2026) ↩
- sportfrei.de: Merz relativiert Ehrenamt – Millionen Engagierte fühlen sich abgewertet, 20.05.2026. https://sportfrei.de/ak-aktuell/merz-relativiert-ehrenamt-millionen-engagierte-fuehlen-sich-abgewertet/ (abgerufen am 02.10.2026) ↩
