KW 3/2024 · AK-Aktuell · Dienstag, 16.01.2024
Kurz gesagt: Mit dem Antrag 20/10066 forderte die AfD-Fraktion im Januar 2024 eine höhere Grundförderung für Kaderathleten ohne Stelle bei Bundeswehr, Polizei oder Zoll: 1.000 statt 700 Euro im Top-Team Future, 1.400 statt 800 Euro im Top-Team.1, 2 Alle anderen Fraktionen lehnten im Sportausschuss ab.3 Für uns gilt weiter: Wer Medaillen erwartet, muss die Athleten so stellen, dass sie trainieren können.
Antrag Grundförderung: Kadersportler brauchen ein Auskommen
Wer in Deutschland Spitzensport treibt und keine Sportförderstelle hat, lebt von der Stiftung Deutsche Sporthilfe, von Sponsoren oder von der Familie. Oft reicht das nicht. Hier liest Du, was die Fraktion 2024 beantragt hat, wie die anderen Fraktionen reagiert haben und was daraus wurde.
Faktenlage
- Schwaches Tokio: Das deutsche Olympiateam war in Tokio gemessen an den Medaillen so schlecht wie seit Barcelona 1992 nicht mehr.1
- Geldsorgen als Ursache: Rund 35 Prozent der Athleten aus Olympia- und Paralympicskader nannten ihre finanzielle Lage als einen Grund für das schwache Abschneiden.1
- Grundförderung damals: Top-Team 800 Euro im Monat, Top-Team Future 700 Euro. Dazu kommen bis zu 300 Euro zur Berufsvorbereitung, für WM-Medaillengewinner 400 Euro Elite-Förderung und unter Umständen 1.000 Euro aus ElitePlus für 18 Monate. Sicher ist nur die Grundförderung.2
- Unter Mindestlohn: Laut Begründung arbeiten Athleten im Schnitt 56 Stunden pro Woche, davon 32 Stunden für den Sport. Das Jahreseinkommen lag zwischen 14.000 und 18.000 Euro, umgerechnet 9,12 bis 11,71 Euro pro Stunde und damit unter dem damaligen Mindestlohn von 12 Euro.2
- Letzte Erhöhung 2019: Die Grundförderung war zuletzt 2019 angehoben worden.2
Was die Fraktion mit dem Antrag forderte
- Haushaltsmittel, damit die Grundförderung im Top-Team Future von 700 auf 1.000 Euro im Monat steigt,
- Einsatz der Bundesregierung bei der Stiftung Deutsche Sporthilfe, die Grundförderung im Top-Team von 800 auf 1.400 Euro zu erhöhen.2
Warum das wichtig ist
Leistungssport heißt mehrmals täglich trainieren, am Wochenende Wettkampf, dazu Fahrtkosten, Material, Lehrgänge und Startgelder. Wer daneben arbeiten muss, verliert den Anschluss an die Weltspitze. Besonders hart trifft es den Nachwuchs, der die Basis für das Top-Team bildet.2 Unsere Haltung ist klar: Förderung heißt messbare Ergebnisse, aber ohne Grundsicherung gibt es keine Ergebnisse.
Wie es damals weiterging
Der Bundestag überwies den Antrag am 18. Januar 2024 ohne Aussprache federführend an den Sportausschuss und mitberatend an den Haushaltsausschuss.4
Was daraus wurde
Der Sportausschuss beriet den Antrag am 12. Juni 2024 und empfahl mit der Beschlussempfehlung 20/11824 die Ablehnung. Dafür stimmten SPD, CDU/CSU, Grüne, FDP und die Gruppe Die Linke, dagegen die AfD.3 Die SPD vermisste einen Finanzierungsvorschlag. Die Union wollte erst die Spiele in Paris abwarten. Die Grünen verwiesen darauf, dass die Grundförderung privat über die Sporthilfe finanziert werde.3 Zur Schlussabstimmung im Plenum kam es nicht mehr. Im DIP ist der Vorgang als „Erledigt durch Ablauf der Wahlperiode“ geführt.5
Wie es Spitzensportlern heute finanziell geht, haben wir in einem eigenen Beitrag beschrieben.6
Fazit
Abwarten, verweisen, ablehnen: So sah die Antwort auf ein klares Problem aus. Wir bleiben dabei. Athleten, die Deutschland vertreten, dürfen nicht unter dem Mindestlohn trainieren. Grundförderung rauf, Nachwuchs halten, Medaillen holen.
Häufige Fragen
Wer bekommt die Grundförderung?
Kaderathleten im Top-Team und im Top-Team Future der Stiftung Deutsche Sporthilfe, die keine Stelle bei Polizei, Zoll oder Bundeswehr haben.1, 2
Wie hoch sollte sie nach dem Antrag sein?
1.000 Euro im Monat im Top-Team Future und 1.400 Euro im Top-Team.2
Warum wurde der Antrag abgelehnt?
Die anderen Fraktionen verwiesen auf fehlende Gegenfinanzierung, die anstehende Spitzensportreform und die private Finanzierung der Sporthilfe.3
Quellen
- AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag: Die Grundförderung für Kadersportler ohne Sportförderstelle muss angehoben werden, 16.01.2024. Link (abgerufen am 08.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩
- Deutscher Bundestag, Drucksache 20/10066: Antrag der Fraktion der AfD „Die Grundförderung für Kadersportler ohne Sportförderstelle muss angehoben werden“, 16.01.2024. PDF (abgerufen am 08.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
- Deutscher Bundestag, Drucksache 20/11824: Beschlussempfehlung und Bericht des Sportausschusses zu dem Antrag auf Drucksache 20/10066, 12.06.2024. PDF (abgerufen am 08.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩
- Deutscher Bundestag, Plenarprotokoll 20/147 vom 18.01.2024, S. 18679 (Überweisung der Drucksache 20/10066). PDF (abgerufen am 08.10.2026) ↩
- Deutscher Bundestag, DIP: Vorgang „Die Grundförderung für Kadersportler ohne Sportförderstelle muss angehoben werden“, Vorgangsnummer 307981, Stand: Erledigt durch Ablauf der Wahlperiode. Link (abgerufen am 08.10.2026) ↩
- sportfrei.de: Top-Leistung, aber kaum Einkommen – warum deutsche Spitzensportler oft am Limit leben, 13.05.2026. Link (abgerufen am 08.10.2026) ↩


