Bundestrainer am Limit: Gute Trainer brauchen gute Verträge

KW 43/2026 · AK-Aktuell · Mittwoch, 21.10.2026

Kurz gesagt: Bundestrainer arbeiten nach einer Umfrage ihres Berufsverbands 50 bis 60 Stunden pro Woche, mehr als die Hälfte hat befristete Verträge, und nur jeder vierte empfiehlt den Beruf weiter.1 Wir fordern seit Jahren höhere Förderhöchstbeträge, eine jährliche Anpassung und eine feste Gehaltsuntergrenze als Bedingung für Bundesgeld.2, 3

Gute Trainer fallen nicht vom Himmel: Der Bund muss den Trainerberuf attraktiv machen

Hinter jeder Medaille steht ein Trainer. Er plant das Training, führt das Team, reist zu Wettkämpfen und ist oft die wichtigste Bezugsperson eines Athleten. Wenn Du wissen willst, warum Deutschland im Medaillenspiegel zurückfällt, lohnt sich ein Blick auf die Menschen am Beckenrand und an der Laufbahn. Dort sieht es nicht gut aus.

Faktenlage

Zur Anhörung über das Sportfördergesetz am 24. Juni 2026 hat der Berufsverband der Trainer im deutschen Sport (TrD, früher BVTDS) dem Sportausschuss seine jüngste Umfrage vom Mai 2026 vorgelegt. Das Ergebnis: Die durchschnittliche Arbeitszeit liegt zwischen 50 und 60 Stunden pro Woche, Überstunden werden in der Regel weder bezahlt noch ausgeglichen. Mehr als 50 Prozent der Bundestrainer haben befristete Verträge. Das durchschnittliche Gehalt liegt bei 50.000 bis 60.000 Euro im Jahr, die letzte Gehaltserhöhung liegt für die meisten viele Jahre zurück.1

Die Folgen beschreibt der Verband selbst: Qualifizierte Trainer wandern ins Ausland oder in andere Berufe ab, junge Menschen schrecken vor dem Beruf zurück, und nur jeder vierte Bundestrainer empfiehlt den Weg an Jüngere weiter. Hinzu kommt ein absurder Effekt: Landestrainerstellen sind durch tarifähnliche Modelle der Länder oft besser bezahlt als Bundestrainerstellen am selben Standort.1

Gleichzeitig steigen die Anforderungen. Wer an einem Olympiastützpunkt als Bundestrainer arbeiten will, braucht in der Regel ein Studium der Sportwissenschaft oder einen Abschluss als Diplom-Trainer, die A-Lizenz und mehrjährige Erfahrung in seiner Sportart. So steht es in unserem Antrag aus dem Jahr 2022.2 Hohe Ausbildung, hohe Belastung, niedrige Bezahlung: Diese Rechnung geht nicht auf.

Warum das wichtig ist

Ausbildung und Bezahlung gehören zusammen. Es nützt wenig, gute Trainer auszubilden, wenn sie nach wenigen Jahren ins Ausland oder in einen anderen Beruf wechseln. Dann stärken sie die Konkurrenz, und das Wissen fehlt hier. Für Deutschland als Sportnation ist das ein Standortproblem. Wir haben das schon beim Wintersport beschrieben: Das Ziel Top 3 bei den Winterspielen 2030 ist richtig, aber ohne sichere Verträge für Trainer bleibt es ein Wunsch.4

Wer zuständig ist

Arbeitgeber der Bundestrainer sind die Spitzenverbände. Sie bekommen für das Leistungssportpersonal Zuwendungen des Bundes. Die Förderrichtlinien legen fest, bis zu welchem Höchstbetrag ein Trainergehalt gefördert wird. Eine Untergrenze gibt es dort nicht.2 Der Bund hat damit einen direkten Hebel: Er bestimmt die Bedingungen, unter denen Steuergeld in Trainerstellen fließt.

Widersprüche und offene Fragen

Seit Jahren beschließen Verbände Konzepte für bessere Arbeitsbedingungen, doch bei den Trainern kommt wenig an. Der Berufsverband stellt selbst fest, dass es trotz zwei Jahrzehnten Erkenntnis nicht gelungen ist, die Lage zu verbessern.1 Schon 2022 haben wir darauf hingewiesen, dass mehr Förderung nicht automatisch mehr Gehalt bedeutet: Oft wurden mit dem Geld mehr Trainer zum gleich niedrigen Gehalt angestellt.2 In der Anhörung zum Sportfördergesetz haben wir deshalb gefordert, dass Athleten und Trainer mit an den Entscheidungstisch kommen.5

Was wir fordern

  • Höhere Förderhöchstbeträge: bis zu 125.000 Euro für Chef-Bundestrainer, bis zu 110.000 Euro für Bundestrainer im Nachwuchs, bis zu 95.000 Euro für Nachwuchs- und Stützpunkttrainer und bis zu 85.000 Euro für Assistenz-, Spezial- und OSP-Trainer.2
  • Automatische Anpassung: Die Höchstbeträge sollen jährlich steigen, statt alle paar Jahre nach politischer Laune. Das hat Jörn König mit unserer Fraktion schon 2019 beantragt.3
  • Gehaltsuntergrenze als Bedingung: Bundesgeld nur, wenn die Untergrenze eingehalten wird und jede beantragte Trainerstelle namentlich besetzt ist.2
  • Ein klares Vergütungsmodell: Qualifikation, Funktion und Erfahrung bestimmen das Gehalt, so wie es der Sport selbst 2019 beschlossen hat.2

Fazit

Wer Medaillen will, muss in die Menschen investieren, die Athleten dorthin bringen. Jörn König, Andreas Bleck und Edgar Naujok haben dafür im Bundestag konkrete Vorschläge gemacht. Die Bundesregierung muss sie jetzt in die Förderrichtlinien schreiben. Sonst bilden wir weiter Trainer aus, die anderswo Erfolge feiern.

Häufige Fragen

Wie viel verdient ein Bundestrainer?
Nach der Umfrage des Berufsverbands vom Mai 2026 im Durchschnitt 50.000 bis 60.000 Euro im Jahr.1

Wer bezahlt die Bundestrainer?
Angestellt sind sie bei den Spitzenverbänden. Der Bund fördert die Stellen nach seinen Förderrichtlinien bis zu festen Höchstbeträgen.2

Was hat die AfD-Fraktion beantragt?
Höhere und jährlich angepasste Förderhöchstbeträge sowie eine Gehaltsuntergrenze als Fördervoraussetzung, in den Anträgen 19/8989 und 20/2596.3, 2

Quellen

  1. Deutscher Bundestag, Ausschuss für Sport und Ehrenamt, Ausschussdrucksache 21(5)122: Stellungnahme des Berufsverbands der Trainer (TrD) zur öffentlichen Anhörung zum Sportfördergesetz am 24. Juni 2026, PDF. Link (abgerufen am 19.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
  2. Deutscher Bundestag, Drucksache 20/2596: Antrag der Fraktion der AfD „Sportnation Deutschland – Erhöhung der Vergütung für Bundestrainer“, 05.07.2022, PDF. Link (abgerufen am 19.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
  3. Deutscher Bundestag, Drucksache 19/8989: Antrag der Fraktion der AfD „Automatische Anpassung der Vergütung für das Leistungssportpersonal – Anpassung der Förderrichtlinie Verbände“, 03.04.2019, PDF. Link (abgerufen am 19.10.2026) ↩ ↩ ↩
  4. sportfrei.de: Wintersport-Förderung 2027: Top-3-Ziel richtig, jetzt Trainer halten. Link ↩
  5. sportfrei.de: 26. Sitzung Sportausschuss am 24.06.2026: Athleten und Trainer an den Entscheidungstisch. Link ↩

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