KW 10/2018 · AK-Aktuell · Dienstag, 06.03.2018
Kurz gesagt: Im März 2018 lehnte DFB-Präsident Reinhard Grindel E-Sport ab. Die AfD-Bundestagsfraktion hielt dagegen: E-Sport sollte als eigenständige Sportart anerkannt und gefördert werden, damit junge Spieler einen betreuten Rahmen bekommen.1 Seit Dezember 2025 gilt E-Sport im Gemeinnützigkeitsrecht als Sport.2
E-Sport 2018: Anerkennung statt Abwehr
Wir blicken zurück auf eine Debatte, die den Sport jahrelang beschäftigt hat. Der Deutsche Fußball-Bund stellte sich 2018 gegen E-Sport. Die AfD-Fraktion setzte auf Anerkennung und Förderung. Du liest hier, was wir damals gefordert haben, worauf wir uns stützten und was bis heute daraus geworden ist.
Faktenlage
Am 6. März 2018 reagierte Joana Cotar, damals stellvertretende Obfrau der AfD-Bundestagsfraktion im Ausschuss Digitale Agenda, auf die Ablehnung von E-Sport durch den DFB-Präsidenten.1 Die Pressemitteilung nannte die Größenordnung: Weltweit wurden mit E-Sport rund 1,5 Milliarden Dollar umgesetzt. In über 60 Nationen war E-Sport von etablierten Verbänden des organisierten Sports anerkannt und wurde teilweise vom Staat gefördert.1
Auch die körperliche Seite wurde benannt: Profis schaffen laut Pressemitteilung bis zu 400 asymmetrische Bewegungen pro Minute an Tastatur und Maus, ihre Herzfrequenz liegt oft bei 160 bis 180 Schlägen. Professionelle Teams ergänzen das Training deshalb mit klassischem Sport.1
Die damalige Bundesregierung hatte sich selbst festgelegt. Im Koalitionsvertrag von Union und SPD stand die Absicht, E-Sport künftig vollständig als eigenständige Sportart mit Vereins- und Verbandsrecht anzuerkennen. So gab es im Plenum am 8. November 2018 auch der SPD-Abgeordnete Detlev Pilger wieder.3
Was wir forderten
- Anerkennung des E-Sports als eigenständige Sportart in Deutschland.1
- Förderung, um Jugendlichen einen betreuten Rahmen zu geben, statt sie der Industrie zu überlassen.1
- Kinder und Jugendliche im verantwortlichen Umgang mit digitalen Medien schulen, statt E-Sport zu verteufeln.1
- Keine künstliche Konkurrenz zwischen Konsole und Verein.1
Joana Cotar fasste das in der Pressemitteilung so zusammen: „Das Spielen am PC muss das Kicken auf dem Rasen nicht ersetzen, beides kann sich ergänzen.“1
Warum das wichtig ist
Junge Leute spielen, ob Verbände das gut finden oder nicht. Die Frage ist nur, wo sie spielen: allein oder im Verein, mit Trainer, Regeln und Ehrenamt. Die Pressemitteilung nannte Teamgeist, Kommunikation und taktisches Handeln als Inhalte des Trainings.1 Genau das leisten Vereine seit Jahrzehnten. Wer Jugendliche halten will, muss ihnen dort ein Angebot machen, wo sie sind. Das gilt auch für den Fußball.
Was daraus wurde
Die Anerkennung als Sportart im Sinne des organisierten Sports kam nicht. Über Sportarten entscheidet in Deutschland der organisierte Sport selbst, so hält es auch der Sportausschuss 2021 fest.4 Der Gesetzgeber hat aber das Steuerrecht geändert. Mit dem Steueränderungsgesetz 2025 wurde § 52 der Abgabenordnung neu gefasst: Schach und E-Sport gelten nun als Sport im Sinne der Gemeinnützigkeit.5, 6 Das Gesetz wurde am 23. Dezember 2025 verkündet.2
Die AfD-Fraktion hat diesen Schritt im Finanzausschuss nicht mitgetragen und sich enthalten. Ihr Einwand: Solange E-Sport nicht klar definiert ist, könnten auch sogenannte Egoshooter als gemeinnützig gelten. Das lehnt sie aus Gründen des Jugendschutzes ab.6 Unsere Linie ist damit klar: Vereine mit E-Sport-Angebot ja, Gemeinnützigkeit für Gewaltspiele nein. Wie wir das Gemeinnützigkeitsrecht der Vereine insgesamt verteidigen, liest Du in unserem Beitrag zur Vereinssteuer.7
Weitere Rückblicke zum E-Sport auf sportfrei.de: E-Sport im Bundestag: Gemeinnützigkeit ja, Ideologie nein8; E-Sport fördern: betreuter Rahmen statt Vorurteile gegen Gamer9; E-Sport als Chance: Junge Leute über den Bildschirm in den Verein holen10; E-Sport und Politik: Wettkämpfe ohne Ausschluss ganzer Nationen11.
Fazit
Die Debatte von 2018 hat sich gelohnt. E-Sport ist heute im Steuerrecht angekommen. Jetzt kommt es auf saubere Regeln an: klare Definition, Jugendschutz und Angebote im Verein. Für die Vereine heißt das: Chancen nutzen, Grenzen ziehen.
Häufige Fragen
Ist E-Sport in Deutschland als Sportart anerkannt?
Nicht durch den organisierten Sport. Seit dem Steueränderungsgesetz 2025 gilt E-Sport aber im Gemeinnützigkeitsrecht als Sport.6
Was forderte die AfD-Fraktion 2018?
Die Anerkennung als eigenständige Sportart und eine Förderung, die Jugendlichen einen betreuten Rahmen gibt.1
Gilt die Gemeinnützigkeit für alle Spiele?
Nach Angaben der Koalitionsfraktionen im Finanzausschuss fallen gewaltverherrlichende Spiele nicht darunter.6
Quellen
- AfD-Bundestagsfraktion: Joana Cotar: eSport ist Sport, Pressemitteilung vom 06.03.2018. Link (abgerufen am 08.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
- Bundesgesetzblatt Teil I 2025 Nr. 363: Steueränderungsgesetz 2025 vom 22. Dezember 2025, verkündet am 23.12.2025. Link (abgerufen am 08.10.2026) ↩ ↩
- Deutscher Bundestag: Plenarprotokoll 19/61, 61. Sitzung am 8. November 2018, Tagesordnungspunkt 14, Rede Joana Cotar (AfD), S. 6997–6998. PDF (abgerufen am 08.10.2026) ↩
- Deutscher Bundestag: Drucksache 19/30924, Beschlussempfehlung und Bericht des Sportausschusses zum Antrag 19/5545 „Die Entwicklung des eSports fördern und gestalten“, 22.06.2021. PDF (abgerufen am 08.10.2026) ↩
- Deutscher Bundestag: Drucksache 21/1974, Gesetzentwurf der Bundesregierung, Entwurf eines Steueränderungsgesetzes 2025, 06.10.2025. PDF (abgerufen am 08.10.2026) ↩
- Deutscher Bundestag: Drucksache 21/3104, Beschlussempfehlung und Bericht des Finanzausschusses zum Entwurf eines Steueränderungsgesetzes 2025, 03.12.2025. PDF (abgerufen am 08.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩
- sportfrei.de: Vereinssteuer: Klingbeil darf den Leistungssport nicht zur Melkkuh machen, 12.08.2026. Link (abgerufen am 08.10.2026) ↩
- sportfrei.de: E-Sport im Bundestag: Gemeinnützigkeit ja, Ideologie nein, 09.11.2018. Link (abgerufen am 08.10.2026) ↩
- sportfrei.de: E-Sport fördern: betreuter Rahmen statt Vorurteile gegen Gamer, 26.09.2019. Link (abgerufen am 08.10.2026) ↩
- sportfrei.de: E-Sport als Chance: Junge Leute über den Bildschirm in den Verein holen, 09.09.2022. Link (abgerufen am 08.10.2026) ↩
- sportfrei.de: E-Sport und Politik: Wettkämpfe ohne Ausschluss ganzer Nationen, 05.09.2023. Link (abgerufen am 08.10.2026) ↩
