KW 21/2024 · AK-Aktuell · Freitag, 24.05.2024
Kurz gesagt: Drei Wochen vor der Heim-EM 2024 rechneten nur 15,5 Prozent der Betriebe im Gastgewerbe mit positiven Impulsen durch das Turnier.1 Die AfD-Fraktion forderte, die EM nicht erneut politisch aufzuladen.2 Nach dem Turnier meldete der DEHOGA: Für 88 Prozent der Betriebe blieben positive Effekte aus.3
Fußball-EM 2024: Fußballfest statt Haltungsunterricht
Eine Europameisterschaft im eigenen Land ist eine Chance für den Sport und für das Reiseland Deutschland. Wirte, Hoteliers und Fans sollten davon etwas haben. Im Frühjahr 2024 war die Stimmung in der Branche aber verhalten. Hier liest Du, was die Zahlen damals zeigten, was wir gefordert haben und wie die Bilanz am Ende aussah.
Faktenlage
An einer Umfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) nahmen vom 29. April bis 14. Mai 2024 insgesamt 1.340 Betriebe teil. Auf die Gesamtbranche bezogen rechneten nur 15,5 Prozent mit positiven Impulsen durch die EM, 67,1 Prozent erwarteten keine Auswirkungen. Drei Viertel gingen nicht von mehr Gästen (75,5 Prozent) oder mehr Umsatz (76,2 Prozent) aus.1
Sebastian Münzenmaier, damals stellvertretender Fraktionsvorsitzender und tourismuspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion, erklärte in der Pressemitteilung: „Die Fans wollen spannende Spiele auf dem Rasen sehen. Sie kommen nicht für politischen Haltungsunterricht.“ Mit Blick auf die WM in Katar hieß es dort auch, die Innenministerin solle ihre „Gesinnungsarmbinde aus Katar im Schrank lassen“.2 Dort hatte die damalige Bundesinnen- und Sportministerin Nancy Faeser beim Spiel gegen Japan am 23. November 2022 die „One Love“-Binde auf der Tribüne neben FIFA-Präsident Gianni Infantino getragen. Laut Bundesregierung war das eine persönliche Entscheidung der Ministerin, eine Abstimmung mit dem Auswärtigen Amt gab es nicht.4
Was wir fordern
- Große Turniere im eigenen Land sind Sportfeste. Politische Botschaften der Regierung gehören nicht auf die Tribüne.
- Gastgewerbe, Fanmeilen und Vereine vor Ort brauchen gute Rahmenbedingungen, keine Symbolpolitik.
- Deutschland soll sich als entspannter Gastgeber zeigen, wie beim Sommermärchen 2006.2
Warum das wichtig ist
Sportliche Großereignisse kosten Geld und binden Polizei, Kommunen und Ehrenamtliche. Sie rechtfertigen sich nur, wenn sie Begeisterung für den Sport wecken und der Wirtschaft vor Ort nutzen. Wer ein Turnier zur Bühne für politische Gesten macht, verschenkt diese Chance. Diese Linie vertreten wir auch heute: Sachpolitik statt Ideologie, auch im Sport.5
Was daraus wurde
Die Befürchtungen haben sich bestätigt. Nach dem Turnier meldete der DEHOGA, das Gastgewerbe habe „erwartungsgemäß keine Umsatzzuwächse“ verbucht. 88 Prozent der Betriebe verzeichneten keine positiven Effekte, nur 8,1 Prozent sahen positive Impulse. Besser lief es bei Kneipen, Bars und Biergärten mit 32,1 Prozent zufriedenen Betrieben. Als Gründe nannte DEHOGA-Präsident Guido Zöllick das wechselhafte Wetter und das Ausscheiden der deutschen Mannschaft im Viertelfinale.3
Fazit
Die EM 2024 war sportlich ein Ereignis, wirtschaftlich für die meisten Wirte ein Nullsummenspiel. Für die nächsten Großereignisse in Deutschland gilt: erst Sport und Gastgeberrolle, dann alles andere. Haltungsgesten von Ministern helfen weder dem Sport noch dem Tourismus.
Häufige Fragen
Was erwartete das Gastgewerbe vor der EM 2024?
Nur 15,5 Prozent der Betriebe rechneten mit positiven Impulsen, 67,1 Prozent mit keinen Auswirkungen.1
Wie fiel die Bilanz nach dem Turnier aus?
88 Prozent der Betriebe sahen keine positiven Effekte, 8,1 Prozent schon.3
Was war die „One Love“-Binde in Katar?
Ein Zeichen für Menschenrechte und Toleranz, das die FIFA den Kapitänen untersagte. Ministerin Faeser trug sie beim Spiel gegen Japan auf der Tribüne.4
Quellen
- Tageskarte: DEHOGA-EM-Umfrage – Gastgewerbe hofft auf positive Impulse für den Deutschlandtourismus, Mai 2024. Link (abgerufen am 08.10.2026) ↩ ↩ ↩
- AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag: Sebastian Münzenmaier: Politisierung der Fußball-EM ist nicht im Interesse der Tourismusbranche, Pressemitteilung, 24.05.2024. Link (abgerufen am 08.10.2026) ↩ ↩ ↩
- Nordkurier (dpa): Gastgewerbe zur Fußball-EM: Positive Effekte ausgeblieben, 13.07.2024. Link (abgerufen am 08.10.2026) ↩ ↩ ↩
- Deutscher Bundestag, Drucksache 20/5796: Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion der CDU/CSU, Reise der Bundesministerin des Innern und für Heimat Nancy Faeser zum Auftaktspiel der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußballweltmeisterschaft in Katar, 24.02.2023. PDF (abgerufen am 08.10.2026) ↩ ↩
- sportfrei.de: Sachpolitik statt Ideologie, auch im Sport., 11.02.2026. Link (abgerufen am 08.10.2026) ↩


