Gewalt im Amateursport: Keine Zahlen, kein Plan, kein Schutz

KW 43/2026 · AK-Aktuell · Samstag, 24.10.2026

Kurz gesagt: Wie oft Spieler, Schiedsrichter und Zuschauer im Amateursport angegriffen werden, weiß die Bundesregierung nicht. Das hat sie auf unsere Kleine Anfrage geantwortet.1 Ein Bericht der Innenminister zur Gewalt im Amateurfußball liegt seit 2023 vor, ist aber bis heute nicht veröffentlicht. Wir fordern: Bericht auf den Tisch, einheitliche Zahlen und einen gemeinsamen Plan, der die Ehrenamtlichen auf dem Platz schützt.2

Gewalt im Amateursport: Wer nicht zählt, kann nicht schützen

Am Wochenende stehen in Deutschland wieder tausende Ehrenamtliche an den Plätzen: als Schiedsrichter, Trainer, Ordner oder Platzwart. Ohne sie gibt es keinen Spieltag. Wenn Du selbst im Verein aktiv bist, kennst Du die Berichte über Beleidigungen, Drohungen und Angriffe nach einem Pfiff. Die Frage ist einfach: Wie groß ist das Problem? Die Antwort der Bundesregierung ist ernüchternd.

Was wir gefragt haben

Lars Schieske, Jörn König, Thomas Korell und weitere Abgeordnete unserer Fraktion haben die Bundesregierung im Februar 2026 mit 19 Fragen zur Gewalt im Amateursport befragt: Fallzahlen von 2014 bis 2024, Verteilung auf die Länder, Tatverdächtige, betroffene Sportarten, Spielabbrüche, Opfergruppen und Präventionsprogramme.3 Anlass war auch die Anhörung des Sportausschusses im Februar 2024, in der Sachverständige auf die schlechte Datenlage im Amateurbereich hingewiesen hatten.3

Was die Bundesregierung antwortet

  • Keine Zahlen: Der Bundesregierung liegen für 2014 bis 2024 keine bundesweit zusammengefassten Daten zu Gewalttaten bei Amateursportveranstaltungen vor. Straftaten unterhalb der Profiligen werden nicht gesondert erfasst, weder nach Fallzahlen noch nach Tatverdächtigen, Opfergruppen oder Sportarten.1
  • Bericht unter Verschluss: Die Innenministerkonferenz hat 2019 Nordrhein-Westfalen beauftragt, Straftaten im Fußball unterhalb der 4. Liga zu sammeln. Der Bericht mit Stand 28. August 2023 wurde im Dezember 2023 beraten. Veröffentlicht wurde nur der Beschluss, nicht der Bericht selbst.1, 4
  • Kein Plan für bessere Daten: Eine bundesweit einheitliche Erfassung plant die Bundesregierung nicht. Sie verweist auf die Länder.1
  • Schutz der Schiedsrichter: Übergriffe nennt die Bundesregierung „in jeder Form inakzeptabel“. Für Maßnahmen zum Schutz von Schiedsrichtern, Trainern, Ordnern und Vereinsfunktionären sieht sie aber allein die Länder zuständig.1
  • Kaum Prävention vom Bund: Für Gewaltprävention im Sport fördert der Bund bei der Deutschen Sportjugend eine einzige Personalstelle. Studien zur Gewaltprävention speziell im Amateursport hat der Bund seit 2015 nicht beauftragt oder gefördert.1

Warum das wichtig ist

Die Bundesregierung schreibt selbst, wie wichtig das Ehrenamt ist: Rund 2 Millionen Menschen engagieren sich dauerhaft ehrenamtlich im Sport, dazu kommen etwa 6,3 Millionen freiwillige Helfer bei Sportveranstaltungen. Die rund 86.000 Vereine mit mehr als 28 Millionen Mitgliedern sind auf dieses Engagement angewiesen.1 Wer am Wochenende auf dem Platz bedroht wird, hört irgendwann auf. Dann fehlt der Schiedsrichter, und das Spiel fällt aus. In unserer Anfrage haben wir auf eine Stellungnahme der Universität Tübingen verwiesen, nach der rund 48 Prozent der gewaltbedingten Spielabbrüche auf Angriffe gegen Schiedsrichter zurückgehen. Dieser Befund liegt der Bundesregierung nach eigener Aussage nicht vor.1

Unsere Einordnung

Die Zuständigkeit für den Breitensport liegt bei den Ländern, das stimmt. Aber ein Problem, das in jedem Land auftritt, braucht eine gemeinsame Grundlage. Ohne Zahlen lässt sich weder sagen, wo es brennt, noch ob Präventionsprogramme wirken. Ein fertiger Bericht, der seit drei Jahren in der Schublade liegt, hilft keinem Verein. Lars Schieske hat die Antwort ausgewertet und kommt zum selben Ergebnis: Die Bundesregierung lässt die Vereine im Dunkeln.2

Was wir fordern

  • Bericht veröffentlichen: Der Bericht der Innenministerkonferenz zur Gewalt im Amateurfußball gehört öffentlich auf den Tisch.2
  • Einheitlich zählen: Bund und Länder sollen Gewalt im Amateursport nach gleichen Regeln erfassen, damit Maßnahmen messbar werden.2
  • Gemeinsam vorbeugen: Bund, Länder und Sportverbände sollen eine gemeinsame Präventionsstrategie entwickeln, die Schiedsrichter und andere Ehrenamtliche schützt.2

Fazit

Vereine und Ehrenamtliche sind das Rückgrat des Sports. Wer sie ernst nimmt, muss wissen, was ihnen auf dem Platz passiert. Die Bundesregierung weiß es nicht und plant auch nicht, es herauszufinden. Wir bleiben dran.

Häufige Fragen

Gibt es bundesweite Zahlen zur Gewalt im Amateursport?
Nein. Nach Antwort der Bundesregierung werden Straftaten bei Sportveranstaltungen unterhalb der Profiligen nicht gesondert erfasst.1

Welcher Bericht ist nicht veröffentlicht?
Der Bericht des Landes Nordrhein-Westfalen zur Gewalt im Amateurfußball mit Stand 28. August 2023, den die Innenministerkonferenz im Dezember 2023 beraten hat.1

Wer hat die Kleine Anfrage gestellt?
Lars Schieske, Jörn König, Thomas Korell, weitere Abgeordnete und die Fraktion der AfD, Drucksache 21/4218. Die Antwort ist Drucksache 21/4544.3, 1

Quellen

  1. Deutscher Bundestag, Drucksache 21/4544: Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion der AfD „Gewalt im deutschen Amateursport“, 04.03.2026, PDF. Link (abgerufen am 22.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
  2. Lars Schieske, MdB: Gewalt im Amateursport: Bundesregierung lässt Vereine im Dunkeln, 11.03.2026. Link (abgerufen am 22.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
  3. Deutscher Bundestag, Drucksache 21/4218: Kleine Anfrage der Abgeordneten Lars Schieske, Jörn König, Thomas Korell, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD „Gewalt im deutschen Amateursport“, 20.02.2026, PDF. Link (abgerufen am 22.10.2026) ↩ ↩ ↩
  4. Deutscher Bundestag, heute im bundestag (hib 184/2026): Gewalt im deutschen Amateursport, 11.03.2026. Link (abgerufen am 22.10.2026) ↩

Teile es mit

Weitere Posts