Kleine Anfrage Sexualisierte Gewalt im Sport: Kinderschutz braucht belastbare Zahlen

KW 01/2019 · AK-Aktuell · Donnerstag, 03.01.2019

Kurz gesagt: Anfang 2019 fragte die AfD-Fraktion, wie viele Fälle sexualisierter Gewalt im Sport bekannt sind und was der Bund dagegen tut.1, 2 Die Antwort: Die Polizeiliche Kriminalstatistik erfasst den Bezug zum Sport nicht, eine Schätzung der Dunkelziffer sei nicht möglich.3 Kinderschutz braucht Zahlen, sonst bleibt er Stückwerk.

Sexualisierte Gewalt im Sport: Was der Bund wusste und was er tat

Eltern vertrauen ihre Kinder jeden Tag Trainern und Betreuern an. Die allermeisten verdienen dieses Vertrauen. Umso wichtiger ist, dass Täter keine Chance bekommen und Opfer Hilfe finden. Unsere Fraktion wollte wissen, wie gut der Bund das Problem kennt. Hier liest Du, was wir gefragt haben und was daraus wurde.

Faktenlage

Die Kleine Anfrage 19/6807 vom 3. Januar 2019 stellten die Abgeordneten Ulrich Oehme, Jörn König, Andreas Mrosek, Siegbert Droese, Andreas Bleck und die AfD-Fraktion.2 Die Anfrage verweist auf Medienberichte über Gewalt gegen minderjährige Sportler und auf die Studie „Safe Sport“ der Deutschen Sportjugend. Nach der Anfrage berichtet die Studie von rund 37 Prozent Betroffenen unter den Befragten aus 128 Sportarten und 57 Verbänden. Schon die „Münchner Erklärung“ des DOSB von 2010 sprach die Missstände an.2

Was wir gefragt haben

  • Wie viele Straftaten sexualisierter Gewalt mit Bezug zum Sport wurden in den letzten zehn Jahren registriert, aufgeschlüsselt nach Jahr, Land, Tat, Alter und Geschlecht?
  • Wie hoch wird die Dunkelziffer geschätzt?
  • Welche Gesetze, Initiativen und Projekte hat der Bund auf den Weg gebracht, und was haben sie bewirkt?
  • Welche Meldemöglichkeiten gibt es außer Polizei und Staatsanwaltschaft?
  • Mussten Projekte wegen Mängeln eingestellt oder Fördermittel zurückgefordert werden?
  • Was plant die Bundesregierung nach den Beschlüssen von Europarat und DOSB im Herbst 2018?2

Was die Bundesregierung antwortete

Die Antwort 19/7211 erschien am 21. Januar 2019.3 Die Polizeiliche Kriminalstatistik erfasst sexualisierte Gewalt mit Bezug zum Sport nicht gesondert, Aussagen zur Zahl der Taten seien nicht möglich. Belastbare Dunkelfeldstudien seien nicht bekannt.3

Das Bundesforschungsministerium förderte das Forschungsprojekt „Safe Sport“ der Deutschen Sporthochschule Köln und der Universität Ulm von Oktober 2014 bis September 2017 mit 741.465,60 Euro. Das Bundesfamilienministerium unterstützte das Handlungsfeld Prävention der Deutschen Sportjugend. Mit dem Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs schlossen DOSB und dsj 2016 eine Vereinbarung über Schutzkonzepte an Olympiastützpunkten und Eliteschulen des Sports.3

Entscheidend für die Praxis: Das Bundesinnenministerium verlangt von allen Antragstellern auf Sportfördermittel eine Eigenerklärung über ein Präventionskonzept, Verhaltensregeln, Interventionspläne und Sanktionen. Ohne diese Erklärung gibt es keine Förderung. Eingestellte Projekte oder Rückforderungen gab es nicht.3

Warum das wichtig ist

Ohne Zahlen keine Kontrolle. Wenn die Statistik den Sport nicht ausweist, weiß niemand, ob Prävention wirkt. Vereine brauchen klare Regeln und Ansprechpartner, damit Ehrenamtliche handeln können und Täter keine Lücken finden. Der Schutz von Kindern ist keine Frage der Gesinnung, sondern der Verantwortung.

Was daraus wurde

Mit der Antwort 19/7211 war die Kleine Anfrage beantwortet.3 Inzwischen haben Bund und Länder das Zentrum für Safe Sport gegründet, einen eingetragenen Verein mit Sitz in Kassel. Es führt unabhängige Untersuchungs- und Disziplinarverfahren durch, zunächst für den Spitzensport. Daneben berät die Ansprechstelle Safe Sport Betroffene psychologisch und juristisch.4

Starke Vereine sind der beste Schutzraum für Kinder. Wie wir den Breitensport stärken wollen, liest Du hier.5

Fazit

Die Anfrage hat eine Lücke offengelegt: Der Bund konnte 2019 nicht sagen, wie groß das Problem ist. Mit dem Zentrum für Safe Sport gibt es heute eine unabhängige Stelle für Verfahren. Wir fordern: Fälle mit Sportbezug müssen statistisch erfasst werden, und die Schutzangebote müssen auch beim Breitensport ankommen.

Häufige Fragen

Erfasst die Kriminalstatistik Gewalt im Sport?
Nach der Antwort von 2019 nein. Ein Bezug zum Sport wird in der Polizeilichen Kriminalstatistik nicht explizit erfasst.3

Was verlangt der Bund von geförderten Sportverbänden?
Eine Eigenerklärung über ein Präventionskonzept, Verhaltensregeln, Interventionspläne und Sanktionsregeln als Voraussetzung der Förderung.3

Was macht das Zentrum für Safe Sport?
Es führt unabhängige Untersuchungs-, Disziplinar- und Mediationsverfahren für Sportorganisationen durch, die ihm ihre Disziplinargewalt übertragen haben.4

Quellen

  1. AfD-Fraktion im Bundestag: Sexualisierte Gewalt im Sport, 03.01.2019. Link (abgerufen am 08.10.2026) ↩
  2. Deutscher Bundestag, Drucksache 19/6807: Kleine Anfrage der Fraktion der AfD „Sexualisierte Gewalt im Sport“, 03.01.2019. PDF (abgerufen am 08.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩
  3. Deutscher Bundestag, Drucksache 19/7211: Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage 19/6807 „Sexualisierte Gewalt im Sport“, 21.01.2019. PDF (abgerufen am 08.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
  4. Die Bundesregierung, Staatsminister für Sport und Ehrenamt: FAQ – Das Zentrum für Safe Sport (ZfSS). Link (abgerufen am 08.10.2026) ↩ ↩
  5. sportfrei.de: Breitensport stärken: Ohne starke Vereine kein starker Sportstandort Deutschland, 13.07.2026. Link (abgerufen am 08.10.2026) ↩

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