München wird deutscher Olympia-Bewerber: richtige Wahl, teurer Umweg

KW 40/2026 · AK-Aktuell · Dienstag, 29.09.2026

München geht für Deutschland ins Olympia-Rennen

Die Entscheidung ist gefallen: Deutschland bewirbt sich mit München um die Olympischen und Paralympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044. Wir begrüßen das ausdrücklich. Aber Du solltest auch wissen, warum der Weg dorthin länger und teurer war als nötig und warum wir München schon vor fast einem Jahr als einzig sinnvollen deutschen Kandidaten benannt haben.

Faktenlage

  • Am Samstag, 26.09.2026, hat die außerordentliche Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) in Baden-Baden München zum deutschen Bewerber gewählt. Das Ergebnis lautete 91 zu 50 Stimmen gegen Köln-Rhein-Ruhr, entschieden im ersten Wahlgang.2
  • Stimmberechtigt waren die 42 olympischen Spitzenverbände mit je drei Stimmen, die zehn Präsidiumsmitglieder und acht persönliche DOSB-Mitglieder mit je einer Stimme.2
  • Die Evaluierung des DOSB hatte beide Konzepte fast gleichauf gesehen: München 87,03 Punkte, Köln-Rhein-Ruhr 85,02 Punkte. Die Eckpunkte wurden erst wenige Tage vor der Abstimmung bekannt gegeben.2
  • Kiel ist im Münchner Konzept als Segelstandort vorgesehen. Die Vergabe der Spiele 2036 durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) wird für 2029 erwartet.2
  • Über Austragungsort und Jahr entscheidet erst das internationale Verfahren beim IOC.3 Wie der DOSB den nationalen Prozess angelegt hat, erklärt er auf seiner Themenseite.4

Was Jörn König dazu erklärt hat

Jörn König, sportpolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, hat die Entscheidung am 28.09.2026 begrüßt: Deutschland wolle über 50 Jahre nach den letzten Spielen „endlich wieder Gastgeber werden“.1 Zugleich kritisierte er den Auswahlprozess scharf. Eine fachliche Vorauswahl hätte nach seiner Einschätzung schneller und günstiger zum selben Ergebnis geführt. Der lange Wettbewerb habe in den Bewerberstädten und beim DOSB unnötig viele Millionen Euro gekostet.1

Außerdem bemängelte er, dass die Evaluierungskommission ihren Bericht zunächst gar nicht veröffentlichen wollte und erst auf öffentlichen Druck Eckpunkte vorlegte. Inhaltlich habe sie sich zu sehr an „weichen Kriterien“ orientiert. Die für das IOC entscheidende Frage, welche Wettkampfstätten bereits vorhanden sind, sei kaum berücksichtigt worden.1

Warum das wichtig ist

Deutschland hat seit München 1972 keine Olympischen Spiele mehr ausgerichtet. Mehrere Bewerbungen sind seitdem gescheitert, einige schon an Bürgerentscheiden. Genau deshalb haben wir mit unserem Antrag „Deutsche Bewerbung für die Ausrichtung der Olympischen Winterspiele 2038 auf den Weg bringen“ (Drucksache 21/2041) München als Standort benannt. Unser Argument: Im Großraum München sind fast alle notwendigen Olympiaanlagen bereits vorhanden.5, 6

Der Bundestag hat den Antrag in seiner 31. Sitzung am 09.10.2025 in erster Lesung beraten. Der Ausschuss für Sport und Ehrenamt hat am 15.10.2025 die Ablehnung empfohlen, mit den Stimmen von CDU/CSU, SPD, Grünen und Linken gegen unsere Stimmen (Drucksache 21/3026).6 Ein knappes Jahr später landet der organisierte Sport genau bei dem Standort, den wir vorgeschlagen haben.

Wer zuständig ist

Träger der Bewerbung ist der DOSB, gemeinsam mit der Landeshauptstadt München und dem Freistaat Bayern. Der Bund ist über das Staatsministerium für Sport und Ehrenamt im Bundeskanzleramt beteiligt, etwa bei Garantien, Sicherheit und Finanzierung. Der Bundestag entscheidet über die Haushaltsmittel.

Widersprüche und offene Fragen

  • Was hat der nationale Auswahlprozess insgesamt gekostet, beim DOSB und in den Bewerberregionen?
  • Warum wurde der Evaluierungsbericht nicht vollständig vor der Abstimmung veröffentlicht?
  • Welchen Anteil an den Bewerbungskosten und an späteren Garantien soll der Bund tragen?
  • Wie verhindert die Bundesregierung, dass eine Olympiabewerbung Mittel aus dem Breitensport und der Sportstättensanierung abzieht?

Was wir fordern

  • Volle Unterstützung des Bundes für die Münchner Bewerbung, mit klarer und begrenzter Kostenzusage.
  • Vollständige Veröffentlichung des Evaluierungsberichts und aller Kosten des Auswahlverfahrens.
  • Vorrang für vorhandene Wettkampfstätten statt teurer Neubauten, so wie es auch das IOC verlangt.
  • Parallel eine ernsthafte Prüfung einer Winterbewerbung, wie in Drucksache 21/2041 gefordert.
  • Olympia als Leistungsziel: Eine Heimbewerbung muss mit einer Spitzensportreform verbunden werden, die Deutschland wieder in die Top 5 im Sommer bringt.

Fazit

München ist die richtige Wahl. Sie kam spät, teuer und über einen Umweg. Jetzt kommt es darauf an, dass die Bewerbung international überzeugt und dass der deutsche Spitzensport bis dahin wieder an die Weltspitze anschließt. Wie weit wir davon entfernt sind, haben wir nach den Winterspielen 2026 beschrieben.7 Wir bleiben dran und werden die Kosten und die Rolle des Bundes im Ausschuss für Sport und Ehrenamt nachfragen.

Quellen

  1. AfD-Bundestagsfraktion: AfD-Fraktion begrüßt Olympia-Bewerbung von München, 28.09.2026. https://afdbundestag.de/afd-fraktion-begruesst-olympia-bewerbung-von-muenchen/ (abgerufen am 29.09.2026) ↩
  2. Sportschau: Entscheidung gefallen – Deutschland geht mit München ins Olympia-Rennen, 26.09.2026. https://www.sportschau.de/olympia/deutschland-geht-mit-muenchen-ins-olympia-rennen,olympia-bewerbung-entscheidung-100.html (abgerufen am 29.09.2026) ↩
  3. Landeshauptstadt München: DOSB sagt Ja zu München – Nominierung für Olympische Spiele 2036, 2040 und 2044, 28.09.2026. https://www.muenchen.de/aktuell/olympia-bewerbung-muenchen-gewinnt-dosb-abstimmung (abgerufen am 29.09.2026) ↩
  4. Deutscher Olympischer Sportbund: Wissen – Olympiabewerbung. https://www.dosb.de/wissen/detail/olympiabewerbung (abgerufen am 29.09.2026) ↩
  5. Deutscher Bundestag: Drucksache 21/2041, Antrag der Fraktion der AfD „Deutsche Bewerbung für die Ausrichtung der Olympischen Winterspiele 2038 auf den Weg bringen“. https://dserver.bundestag.de/btd/21/020/2102041.pdf (abgerufen am 29.09.2026) ↩
  6. Deutscher Bundestag: Drucksache 21/3026, Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Sport und Ehrenamt zu Drucksache 21/2041, 02.12.2025. https://dserver.bundestag.de/btd/21/030/2103026.pdf (abgerufen am 29.09.2026) ↩
  7. sportfrei.de: Platz 5 ist kein Ausrutscher, sondern das Ergebnis falscher Sportpolitik, 09.03.2026. https://sportfrei.de/ak-aktuell/olympia-2026-deutschland-enttaeuscht-vom-dritten-auf-den-fuenften-platz/ (abgerufen am 29.09.2026) ↩

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