Olympia München: Feste Worte, aber keine festen Zahlen

KW 42/2026 · AK-Aktuell · Donnerstag, 15.10.2026

Kurz gesagt: Lars Schieske hat im Sportausschuss Bundesregierung, Stadt München und DOSB nach Geld, Garantien und Sportstätten für die Olympiabewerbung gefragt. Die Antworten: viele Bekenntnisse, kaum verbindliche Zusagen.1, 2 Wir fordern: Erst eine ehrliche Kostenaufstellung, dann Garantien an das IOC, und zwar nur mit Beschluss des Bundestages.

Olympia München: Feste Worte, aber keine festen Zahlen

Am 7. Oktober 2026 ging es im Ausschuss für Sport und Ehrenamt um die Münchner Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044. Über die Sitzung haben wir Dir bereits berichtet.3 Lars Schieske, Mitglied unseres Arbeitskreises, hat die Antworten jetzt Punkt für Punkt ausgewertet. Hier liest Du, was offen geblieben ist und warum das für Dich als Steuerzahler zählt.

Faktenlage

Das IOC lädt im Frühjahr 2027 ausgewählte Bewerber in den „Strategic Dialogue“ ein, 2029 entscheidet die IOC-Session über die Spiele 2036.4 Staatsminister Ronald Rauhe sagte im Ausschuss, Bundesregierung und Kanzler stünden „fest hinter dem DOSB und der Münchner Bewerbung“.4

Auf die Frage nach den Finanzgarantien des Bundes nannte der Staatsminister keine Garantie, sondern eine Haushaltszahl: 6 Millionen Euro für die Bewerbung bis zur Vergabe 2029. Eine Verpflichtungsermächtigung, also die Erlaubnis im Haushalt, Zahlungen für künftige Jahre zuzusagen, gebe es noch nicht.1, 2 Die Übersicht der Sportförderung des Bundes weist dagegen 6,0 Millionen Euro allein im Regierungsentwurf 2027 aus, dazu 2,45 Millionen Euro für 2026.5

Widersprüche und offene Fragen

  • Regattaanlage Oberschleißheim: Die Stadt beziffert Sanierung und Modernisierung auf 100 bis 110 Millionen Euro. Wer zahlt, muss nach Angaben der Stadt erst mit Freistaat und Bund abgestimmt werden. Eine rechtliche Zusage des Freistaats gibt es nicht.1, 2
  • Neue Tischtennis-Halle: Die Halle mit 8.000 Plätzen soll nicht als Olympia-Neubau zählen, weil sie schon vorher geplant war. Ausfinanziert ist sie nach Auskunft der Stadt nicht.1, 2
  • Bewertung des DOSB: Die Arbeitsgruppe Kosten und Finanzierung schreibt, das Münchner Konzept komme ohne Neubau von Sportstätten nur für die Spiele aus. Im selben Bericht kritisiert sie die „Unverbindlichkeit“ der spät nachgereichten Angaben Münchens zur Finanzierung.6
  • Temporäre Hallen: Die Bewerbungsseite spricht von „derzeit fünf temporären Sporthallen“.7 Im Ausschuss wollte sich die Stadt auf keine Zahl festlegen; die Kosten steckten in den Eventkosten von rund 4,9 Milliarden Euro.1, 2

Wer zuständig ist

Über Bundesgeld entscheidet nicht das Kanzleramt, sondern der Bundestag. Das hat DOSB-Vorstandschef Otto Fricke im Ausschuss selbst betont: Für den Bund stehe nicht nur die Regierung, sondern auch der Haushaltsgesetzgeber.4 Lars Schieske wird die offenen Punkte deshalb mit einer Kleinen Anfrage an die Bundesregierung nachfassen: Garantien für 2027, tatsächlicher Haushaltsansatz, Finanzierung von Regattaanlage und Halle, Zahl und Kosten der temporären Hallen.1

Warum das wichtig ist

Wir wollen Olympische Spiele in Deutschland. Eine Sportnation braucht große Bühnen, und Heimspiele ziehen Kinder in die Vereine. Aber eine Bewerbung, deren Kosten niemand verbindlich nennt, ist ein Risiko für den Steuerzahler und am Ende auch für die Bewerbung selbst. Wer dem IOC Garantien gibt, bevor die Zahlen auf dem Tisch liegen, unterschreibt einen Blankoscheck.

Was wir fordern

  • Eine vollständige Kosten- und Finanzierungsaufstellung für die Münchner Spiele, aufgeteilt auf Bund, Freistaat und Stadt.
  • Keine Garantie an das IOC, über die der Bundestag nicht vorher entschieden hat.
  • Klare Antworten zu Regattaanlage, neuer Halle und temporären Hallen, bevor weiteres Bundesgeld fließt.
  • Förderung mit Kontrolle: Jeder Euro für die Bewerbung muss sich am Ergebnis messen lassen.

Fazit

Feste Worte gab es im Ausschuss genug. Jetzt braucht es feste Zahlen. Wir bleiben an der Olympiabewerbung dran und berichten Dir, sobald die Bundesregierung auf die Kleine Anfrage antwortet.

Häufige Fragen

Wie viel Geld hat der Bund für die Olympiabewerbung eingeplant?
Laut Übersicht der Sportförderung 2,45 Millionen Euro für 2026 und 6,0 Millionen Euro im Regierungsentwurf 2027.5

Wann entscheidet das IOC?
Die IOC-Session soll 2029 über die Spiele 2036 entscheiden. Vorher laufen ab 2027 Gespräche mit ausgewählten Bewerbern.4

Sind wir gegen Olympia in Deutschland?
Nein. Wir wollen die Spiele, aber mit offenen Zahlen und mit Entscheidung des Bundestages.

Quellen

  1. Lars Schieske: Feste Worte für Olympia, offene Rechnungen in München, 15.10.2026. Link (abgerufen am 15.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
  2. Deutscher Bundestag, Mediathek: 31. Sitzung des Ausschusses für Sport und Ehrenamt, 07.10.2026, Video 7665189. Video (abgerufen am 15.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
  3. sportfrei.de: 31. Sitzung Sportausschuss am 07.10.2026: Olympia-Bewerbung ohne Kostenplan, 07.10.2026. Link (abgerufen am 15.10.2026) ↩
  4. Deutscher Bundestag, heute im bundestag 794/2026: Olympiabewerbung: Zusammenarbeit auf Augenhöhe gefordert, 07.10.2026. Link (abgerufen am 15.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩
  5. Deutscher Bundestag, Ausschuss für Sport und Ehrenamt: 8. Übersicht der Bundesmittel zur Förderung des Sports 2023 bis 2027, Ziffer 1.2.1 Olympiabewerbung (Kapitel 0416 Titel 531 21), PDF. PDF (abgerufen am 15.10.2026) ↩ ↩
  6. Deutscher Olympischer Sportbund: Ergebnisbericht der Arbeitsgruppe Kosten & Finanzierung, Abschnitt 6.2 Konzept München, 22.09.2026, PDF. PDF (abgerufen am 15.10.2026) ↩
  7. Olympiabewerbung München: Häufige Fragen, Abschnitt Wettkampfstätten. Link (abgerufen am 15.10.2026) ↩

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