Werder Bremen und die Dauerkarte: Das Stadion gehört allen Fans

KW 41/2018 · AK-Aktuell · Dienstag, 09.10.2018

Kurz gesagt: Im Oktober 2018 stellte Werder Bremens Präsident Hubertus Hess-Grunewald einem langjährigen Dauerkarteninhaber, der mit der AfD sympathisierte, in einer E-Mail in Frage, ob er künftig noch eine Dauerkarte bekommt.1 Die AfD-Fraktion nannte das politische Diskriminierung.2 Noch am selben Tag ruderte der Verein zurück: Eine Änderung der Dauerkarten-Regeln stehe nicht auf der Agenda.3

Werder Bremen und die Dauerkarte: Das Stadion gehört allen Fans

Ein Fußballstadion ist einer der wenigen Orte, an denen Menschen aller Schichten und Meinungen nebeneinander stehen. Genau das macht den Sport stark. 2018 stand bei Werder Bremen kurz die Frage im Raum, ob die Wahlentscheidung eines Fans über seinen Platz in der Kurve entscheiden darf. Hier liest Du, was passiert ist und wie es ausging.

Faktenlage

Hess-Grunewald hatte in einem Interview mit dem Weser-Kurier gesagt, es sei ein Widerspruch, „Werder gut zu finden und die AfD zu wählen“. Ein Vereinsmitglied trat daraufhin aus, wollte seine Dauerkarte aber behalten. In seiner Antwort schrieb der Präsident, man werde sich mit diesem Wunsch „noch intensiv beschäftigen“, und stellte in Aussicht, Dauerkarten künftig womöglich nur noch an Vereinsmitglieder auszugeben.1

Sebastian Münzenmaier, AfD-Bundestagsabgeordneter, erklärte dazu in der Pressemitteilung, wer Menschen mit Diskriminierung drohe, „die lediglich von ihrem freien Wahlrecht und ihrem Grundrecht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch machen“, stelle sich außerhalb des demokratischen Spektrums. Solche Methoden der Ausgrenzung dürften in der Bundesrepublik „schlichtweg nicht hingenommen werden“.2

Was wir fordern

  • Kein Fan darf wegen seiner Wahlentscheidung vom Stadionbesuch ausgeschlossen werden.
  • Vereine mit politischer Neutralität in der Satzung müssen diese Neutralität auch leben.
  • Gleiche Maßstäbe für alle: Wer Ausgrenzung beklagt, darf selbst nicht ausgrenzen.

Warum das wichtig ist

Profivereine leben von ihren Fans, und die wählen ganz unterschiedlich. Wenn ein Präsident die Treue zum Verein an eine Parteipräferenz knüpft, spaltet er die eigene Anhängerschaft. Sport soll zusammenführen. Ideologie hat in der Kurve nichts verloren, Sachpolitik und Fairness schon.4

Was daraus wurde

Werder Bremen distanzierte sich noch am 9. Oktober 2018 von der Berichterstattung. Hess-Grunewald erklärte, seine Aussagen seien aus dem Zusammenhang gerissen worden und bezögen sich auf einen konkreten Einzelfall. Der Verein werde „auch künftig offen für alle Menschen sein, gleich welcher politischen oder religiösen Einstellung“. Das Weserstadion bleibe „ein Platz für alle“. Eine Umstellung der Dauerkarten-Regelung stehe nicht auf der Agenda.3

Fazit

Der öffentliche Druck hat gewirkt. Werder hat klargestellt, dass das Stadion allen offensteht. Das ist richtig, und daran messen wir jeden Verein: Wer eine Karte kauft und sich an die Stadionordnung hält, gehört dazu. Seine Stimme am Wahltag geht den Verein nichts an.

Häufige Fragen

Was hatte Werders Präsident geschrieben?
Dass man sich mit dem Wunsch des Fans, die Dauerkarte zu behalten, „noch intensiv beschäftigen“ werde. Dauerkarten könnten künftig womöglich nur an Mitglieder gehen.1

Hat Werder die Dauerkarten-Regeln geändert?
Nein. Laut Verein stand eine Umstellung nicht auf der Agenda.3

Was kritisierte die AfD-Fraktion?
Die Drohung mit Ausgrenzung von Menschen, die ihr Wahlrecht und ihre Meinungsfreiheit nutzen.2

Quellen

  1. taz: Werder Bremen gegen AfD-Fans: Keine Dauerkarte für Rechtsaußen?, 09.10.2018. Link (abgerufen am 08.10.2026) ↩ ↩ ↩
  2. AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag: Münzenmaier: Politische Diskriminierung hat im Sport nichts verloren, Pressemitteilung, 09.10.2018. Link (abgerufen am 08.10.2026) ↩ ↩ ↩
  3. Weser-Kurier: Keine Dauerkarte für AfD-Anhänger? So reagiert Werder, 09.10.2018. Link (abgerufen am 08.10.2026) ↩ ↩ ↩
  4. sportfrei.de: Sachpolitik statt Ideologie, auch im Sport., 11.02.2026. Link (abgerufen am 08.10.2026) ↩

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