KW 42/2026 · AK-Aktuell · Freitag, 16.10.2026
Kurz gesagt: Das Bundeskanzleramt gibt den sieben olympischen Wintersportverbänden, ihrem Leistungssportpersonal sowie IAT, FES und den Olympiastützpunkten für 2027 rund 30,6 Millionen Euro. Staatsminister Ronald Rauhe will bei den Winterspielen 2030 wieder unter die Top 3 im Medaillenspiegel.1 Das Ziel ist richtig. Entscheidend ist, ob das Geld bei den Trainern ankommt.
Wintersport-Förderung 2027: das richtige Ziel, jetzt muss die Umsetzung folgen
Du hast die Bilder aus Mailand und Cortina noch im Kopf: viele knappe Rennen, viele vierte Plätze, zu wenig Edelmetall. Jetzt hat die Bundesregierung festgelegt, wie viel Geld der olympische Wintersport im nächsten Jahr bekommt. Wir schauen uns an, was in der Förderentscheidung steht, was fehlt und was wir als Arbeitskreis Sport und Ehrenamt erwarten.
Faktenlage
Die Förderentscheidung vom 2. Oktober 2026 beruht auf einer gemeinsamen Empfehlung von Bundeskanzleramt und DOSB. Von den rund 30,6 Millionen Euro gehen etwa 9,4 Millionen Euro an die Maßnahmen der Spitzenverbände und rund 14 Millionen Euro an das Leistungssportpersonal. Das Institut für Angewandte Trainingswissenschaft (IAT) erhält 1,9 Millionen Euro, das Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) 3,1 Millionen Euro und die Olympiastützpunkte 2,2 Millionen Euro.1
Im Rahmen der Traineroffensive steigen die Mittel um rund 1,8 Millionen Euro jährlich auf insgesamt 14 Millionen Euro. Damit sollen die Gehälter von Trainern und weiterem Leistungssportpersonal angehoben werden. Grundlage der Verteilung sind die Bewertungen der Potenzialanalysekommission (PotAS) und Strukturgespräche des DOSB mit den Verbänden im Sommer 2026. Den Berechnungsschlüssel will das Bundeskanzleramt erst noch veröffentlichen.1
Zum Vergleich: Insgesamt fördert das Bundeskanzleramt 40 Verbände mit olympischen und vorübergehend olympischen Sportarten, davon sieben im Wintersport.2
Warum das wichtig ist
Die Bilanz der Winterspiele 2026 war ernüchternd. Das deutsche Olympiateam verpasste Platz drei im Nationenranking und landete 14-mal auf dem vierten Platz. 73 Prozent der Medaillen kamen aus der Eisbahn.3 Im Sportausschuss räumte der DOSB selbst ein, dass Trainer abwandern, weil sie nicht genug bezahlt werden.3
Wenn die Bundesregierung jetzt ausdrücklich die Top 3 im Medaillenspiegel anpeilt, übernimmt sie den Maßstab, an dem sich Spitzensportförderung messen lassen muss: Leistung. Das begrüßen wir. Eine Sportnation von Weltrang braucht klare Ziele und ehrliche Auswertung statt Schönfärberei.
Wer zuständig ist
Zuständig ist der Staatsminister für Sport und Ehrenamt im Bundeskanzleramt, Ronald Rauhe. Die Förderkommission besteht aus Vertretern des Bundeskanzleramts und des DOSB.1 Das Parlament kontrolliert über den Haushalt. Im Sportausschuss haben wir mit 16 Änderungsanträgen zum Sporthaushalt 2027 mehr Geld für Athleten, Stützpunkte und Sportstätten des Hochleistungssports und weniger für Verwaltung gefordert.4
Widersprüche und offene Fragen
- Transparenz: Wie viel bekommt welcher Verband? Solange der Berechnungsschlüssel nicht veröffentlicht ist, kann niemand prüfen, ob das Geld den Disziplinen mit den größten Chancen folgt.
- Trainer: Mehr Geld für Gehälter ist gut. Offen bleibt, ob die Verträge länger laufen. Aus unserer Sicht sind kurze, befristete Verträge ein Hauptgrund, warum gute Trainer ins Ausland gehen.
- Breite und Spitze: Wenn fast drei Viertel der Medaillen aus der Eisbahn kommen, reicht es nicht, Stärken fortzuschreiben. Biathlon und Ski brauchen einen Neustart mit klaren Zielen.
- Paralympischer Wintersport: Die Entscheidung betrifft die olympischen Verbände. Für den Para-Wintersport muss die Förderung genauso klar und rechtzeitig feststehen.
Was wir fordern
- Den Berechnungsschlüssel und die Fördersummen je Verband sofort veröffentlichen.
- Trainer halten: unbefristete Verträge und konkurrenzfähige Gehälter, damit deutsche Trainer nicht für die Konkurrenz arbeiten.
- Ein messbares Leistungsziel je Sportart bis 2030, mit jährlicher Zwischenbilanz im Sportausschuss.
- Eisbahn und FES weiter absichern, Biathlon, Langlauf und Ski alpin gezielt neu aufstellen.
- Gleiche Planungssicherheit für den paralympischen Wintersport.
Fazit
Die Bundesregierung setzt im Wintersport das richtige Ziel und gibt früh Planungssicherheit. Das erkennen wir an. Ob Deutschland 2030 wieder unter die besten drei Nationen kommt, entscheidet sich aber nicht in einer Pressemitteilung, sondern in den Trainingshallen und an den Schanzen. Wir werden im Sportausschuss nachfragen, wie das Geld verteilt wird und was bei den Trainern ankommt.
Häufige Fragen
Wie viel Geld bekommt der olympische Wintersport 2027 vom Bund?
Rund 30,6 Millionen Euro für die Spitzenverbände, ihr Leistungssportpersonal, IAT, FES und die Olympiastützpunkte.1
Welches Ziel nennt die Bundesregierung?
Bei den Olympischen Winterspielen 2030 in den französischen Alpen soll Deutschland wieder unter die Top 3 im Medaillenspiegel kommen.1
Wie lief es bei den letzten Winterspielen?
Das Olympiateam verpasste Platz drei im Nationenranking und wurde 14-mal Vierter.3
Quellen
- Die Bundesregierung, Staatsminister für Sport und Ehrenamt: 30,6 Millionen Euro für Spitzensportverbände, Leistungssportpersonal, IAT, FES und OSPs für den Wintersport, Pressemitteilung, 02.10.2026. Link (abgerufen am 14.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
- Die Bundesregierung, Staatsminister für Sport und Ehrenamt: Neue Übersichten veröffentlicht: Förderzahlen Spitzensportverbände 2025/2026, 18.05.2026. Link (abgerufen am 14.10.2026) ↩
- sportfrei.de: 22. Sitzung Sportausschuss am 22.04.2026: Bilanz Mailand-Cortina und Trainer, 22.04.2026. Link (abgerufen am 14.10.2026) ↩ ↩ ↩
- sportfrei.de: 30. Sitzung Sportausschuss am 23.09.2026: Sporthaushalt 2027 – mehr Geld für Athleten, 23.09.2026. Link (abgerufen am 14.10.2026) ↩
