KW 46/2025 · Ausschuss · Mittwoch, 12.11.2025
Sportfördergesetz im Sportausschuss: Viel Agentur, wenig Klarheit für Athleten
Am 12. November 2025 hat der Ausschuss für Sport und Ehrenamt in seiner 12. Sitzung öffentlich über den Referentenentwurf zum Sportfördergesetz beraten.1 Dazu kamen unser Antrag für schwangere Athletinnen und Mütter im Spitzensport und die Bewerbung um die Deaflympics 2033.2 Für uns hat Jörn König die Fragen gestellt und den Antrag vertreten. Hier liest Du, was gesagt und was beschlossen wurde.
Das Wichtigste in Kürze
- Staatsministerin Christiane Schenderlein stellte das Sportfördergesetz als „Paradigmenwechsel“ mit einer unabhängigen Spitzensport-Agentur vor.3
- Der DOSB hält den Referentenentwurf in der jetzigen Fassung für nicht zustimmungsfähig und kritisiert die Machtverschiebung zum Stiftungsrat.3
- Jörn König fragte nach der Vorabinformation ausgewählter Medien und nach einer Tendenz zur Verstaatlichung des Sports.4
- Unser Antrag auf Drucksache 21/2040 wurde mit den Stimmen aller anderen Fraktionen abgelehnt.5
- Für die Deaflympics 2033 schätzt der Gehörlosensportverband Kosten von 130 bis 170 Millionen Euro.6
Die Sitzung im Überblick
Datum: Mittwoch, 12. November 2025. Beginn: 15:30 Uhr, Ende: 17:00 Uhr. Ort: Berlin, Paul-Löbe-Haus, Sitzungssaal 4.300. Die Sitzung war öffentlich und wurde vom Parlamentsfernsehen übertragen.4, 2
- TOP 1: Sachstand Spitzensportreform (Selbstbefassung SB 21(5)7).
- TOP 2: Antrag der AfD-Fraktion „Schwangere Athletinnen und Mütter im deutschen Spitzensport besser unterstützen“, Drucksache 21/2040.5
- TOP 3: Sachstand Deaflympics 2033 (Selbstbefassung SB 21(5)11).
- TOP 4: Verschiedenes.
Wer geladen war
Als Sachverständige waren geladen: Johannes Herber, Geschäftsführer von Athleten Deutschland; Otto Fricke, Vorstandsvorsitzender, und Dr. Olaf Tabor, Vorstand Leistungssport, beide Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB); Prof. Dr. Urs Granacher, Vorsitzender der PotAS-Kommission.7 Für die Bundesregierung berichteten Staatsministerin Dr. Christiane Schenderlein und Abteilungsleiterin Dr. Babette Kibele aus dem Bundeskanzleramt.4
Sportfördergesetz: Agentur, Stiftungsrat, Vorstand
Schenderlein begründete die Reform mit nüchternen Zahlen: Seit 2017 seien die Sportfördermittel fast verdoppelt worden, ohne den Zielen spürbar näherzukommen. Kern ist eine unabhängige Spitzensport-Agentur mit starkem Vorstand, der allein über Förderungen entscheiden soll. Der Stiftungsrat soll auf das Nötige begrenzt bleiben, der Sportfachbeirat berät.3
Granacher nannte die Bilanz: 42 Medaillen in Rio 2016, 33 Medaillen und Platz zehn in Paris 2024. Von elf Handlungsfeldern der Reform von 2016 seien heute alle noch offen. Er forderte einen starken Vorstand und keine Zuwendungsnehmer im Stiftungsrat.4
Tabor kritisierte das geplante Stimmenverhältnis von 4:1 für die Politik im Stiftungsrat und den Wegfall der Verbandsautonomie im Gesetzestext. Herber forderte einen stimmberechtigten Sitz für Athleten im Stiftungsrat und eine gesetzliche Mindestförderung, die nicht bei 800 Euro im Monat liegen dürfe.3
Deaflympics 2033: Kosten und offene Fragen
Der Deutsche Gehörlosensportverband will sich um die Sommer-Deaflympics 2033 bewerben. Bund, Bayern, München und DOSB haben die Machbarkeit in vier Runden geprüft. Offen ist neben den Kosten, ob der Verband den Unterbau für eine Veranstaltung dieser Größe hat.6 Die Bundesregierung kündigte ein weiteres Gespräch mit dem Verband vor Weihnachten 2025 an.4
Unsere Fragen und Beiträge
Jörn König kritisierte, dass ausgewählte Medien den Entwurf vor dem Ausschuss im Bundeskanzleramt vorgestellt bekamen. Er nannte das Vorgehen respektlos gegenüber dem Ausschuss und dem DOSB. Zur Gremienstruktur fragte er, ob mehr Einfluss der Politik und weniger Einfluss des DOSB nicht als Tendenz zur Verstaatlichung des Sports zu lesen sei. Schenderlein widersprach und verwies auf Bundestagsvertreter im Stiftungsrat und auf die Autonomie des Sports aus dem Grundgesetz.4
Mit Blick auf neun Jahre Spitzensportreform stellte König fest, dass alle Handlungsfelder noch offen seien. Die Ziele Top 3 im Winter und Top 5 im Sommer hätten schon 2018 in unseren sportpolitischen Thesen gestanden. Gegenüber Granacher fragte er, ob PotAS mit früher 151 Merkmalen nicht deutlich einfacher werden müsse. Zugleich stellte er klar, dass unsere Fraktion voll hinter der systematischen Analyse steht.4
Zu den Deaflympics fragte König nach dem Unterschied zwischen 150.000 Euro im Bericht und 130 bis 170 Millionen Euro Gesamtkosten. Die 150.000 Euro sind nach Auskunft des Kanzleramts für die Bewerbung bzw. Machbarkeitsstudie gedacht. Sein Kommentar: „Es ist aber ein kräftiger Schluck aus der Pulle“ (Wortprotokoll 21/12, S. 25).4
Unser Antrag für Mütter im Spitzensport
König stellte den Antrag vor: Infrastruktur und Wissen für die Betreuung während und nach der Schwangerschaft, ein gesetzlich geregelter Mutterschutz und keine Unterbrechung der Sportförderung, die bis zu 15 Monate nach der Geburt weiterlaufen soll.5, 4 CDU/CSU nannte das Anliegen grundsätzlich wichtig, lehnte aber Eingriffe in Sport und Privatwirtschaft ab. SPD, Grüne und Linke lehnten den Antrag ebenfalls ab, Grüne und Linke mit Verweis auf eine breitere gesetzliche Lösung.4
König hielt dagegen: Wer dem Anliegen im Grundsatz zustimme, solle eigene Initiativen vorlegen. „Machen Sie es doch einfach besser!“ (Wortprotokoll 21/12, S. 24).4
Beschlüsse und Ergebnisse
- TOP 1 und TOP 3: Berichte und Aussprache, keine Abstimmung.
- TOP 2: Der Ausschuss empfahl die Ablehnung der Drucksache 21/2040. Dafür stimmte die AfD, dagegen CDU/CSU, SPD, Grüne und Linke, Enthaltungen gab es keine.4
Unsere Einordnung
Die Diagnose liegt seit Jahren auf dem Tisch: mehr Geld, weniger Medaillen. Eine Agentur allein ändert daran nichts, wenn Athleten im entscheidenden Gremium keine Stimme haben und die Politik dort klar die Mehrheit stellt. Förderung braucht Kontrolle, aber Kontrolle durch Leistungskennzahlen, nicht durch Ministerien.
Beim Thema Mütter im Spitzensport haben alle Fraktionen das Problem anerkannt und trotzdem abgelehnt. Das ist Symbolpolitik in Reinform. Wer Medaillen will, darf Athletinnen nicht vor die Wahl zwischen Kind und Karriere stellen.
Was wir fordern
- Athleten in den Stiftungsrat: Ein stimmberechtigter Sitz für die Athletenvertretung im Sportfördergesetz.
- Mindestförderung: Eine gesetzlich gesicherte Grundförderung deutlich über 800 Euro im Monat.
- Mutterschutz im Kader: Sportförderung läuft in der Schwangerschaft weiter und bis zu 15 Monate nach der Geburt.
- PotAS schlank halten: Wenige, harte Leistungskriterien statt Formularflut für die Verbände.
- Parlament zuerst: Gesetzentwürfe gehen zuerst an den Ausschuss, nicht an ausgewählte Medien.
- Deaflympics prüfen: Klare Kostenrechnung und Machbarkeitsstudie vor jeder Förderzusage.
Fazit
Die 12. Sitzung hat gezeigt: Beim Sportfördergesetz ist vieles noch offen, vor allem die Rolle von Athleten und Sport in der neuen Agentur. Wir bleiben dran und bringen unsere Punkte im parlamentarischen Verfahren ein.
Du willst, dass Deutschland wieder vorne mitspielt? Dann braucht es klare Ziele, abgesicherte Athleten und Entscheidungen nach Leistung. Schau Dir die Sitzung im Video an und bilde Dir Dein eigenes Urteil.8
Quellen
- Deutscher Bundestag: 12. Sitzung des Ausschusses für Sport und Ehrenamt, 12.11.2025. https://www.bundestag.de/ausschuesse/sport_und_ehrenamt/anhoerungen/1117310-1117310 (abgerufen am 13.10.2026) ↩
- Deutscher Bundestag, Ausschuss für Sport und Ehrenamt: Tagesordnung der 12. Sitzung, 12.11.2025. https://www.bundestag.de/resource/blob/1122020/to12.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩
- Deutscher Bundestag, heute im bundestag (hib 619/2025): DOSB kritisiert Referentenentwurf für Sportfördergesetz, 13.11.2025. https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1126778 (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩
- Deutscher Bundestag, Ausschuss für Sport und Ehrenamt: Wortprotokoll der 12. Sitzung, Protokoll-Nr. 21/12, 12.11.2025. https://www.bundestag.de/resource/blob/1136404/251112_wortprotokoll_12.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
- Deutscher Bundestag: Drucksache 21/2040, Antrag der Fraktion der AfD „Schwangere Athletinnen und Mütter im deutschen Spitzensport besser unterstützen“, 07.10.2025. https://dserver.bundestag.de/btd/21/020/2102040.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩ ↩
- Deutscher Bundestag, Ausschuss für Sport und Ehrenamt: Ausschussdrucksache 21(5)66, Sachstandsbericht zum Stand der Entscheidung – Deaflympics 2033, 06.11.2025. https://www.bundestag.de/resource/blob/1126732/251112_bk_deaflympics.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩
- Deutscher Bundestag, Ausschuss für Sport und Ehrenamt: Sachverständigenliste zur Sitzung am 12.11.2025. https://www.bundestag.de/resource/blob/1117312/251112_sv_liste.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩
- Deutscher Bundestag, Mediathek: 12. Sitzung des Ausschusses für Sport und Ehrenamt, 12.11.2025. https://www.bundestag.de/mediathek/video?videoid=7643809 (abgerufen am 13.10.2026) ↩

