KW 12/2026 · Ausschuss · Mittwoch, 18.03.2026
Bob, Rodel und Skeleton: Weltspitze im Eiskanal, Rückstand im System
Du hast in Cortina mitgefiebert? Deutsche Athleten gewannen in Bob, Rodel und Skeleton 19 von 26 Medaillen und sechs von acht Goldmedaillen.1 Die 19. Sitzung des Sportausschusses am 18. März 2026 befasste sich mit der Zukunft dieser Sportarten und mit der Hilfe für Opfer des DDR-Zwangsdopings.2, 3 Für uns haben Lars Schieske und Jörn König gefragt.
Das Wichtigste in Kürze
- IBSF, BSD und DOSB erwarten, dass Bob, Rodel und Skeleton olympisch bleiben; Meldungen über ein Aus seien falsch gewesen.1
- Das FES erklärte, Deutschland habe seine Medailleneffektivität seit 2002 halbiert; eine nationale Spitzensportstrategie fehle.3
- Der BSD sagte, Trainer hätten die letzte Lohnerhöhung 2019 erhalten und wanderten ins Ausland ab.
- Zur Drucksache 21/3500 prüft das Kanzleramt ein drittes Dopingopfer-Hilfegesetz oder eine regelmäßige, rentenähnliche Zahlung.4
- Jörn König forderte eine schonungslose Analyse des deutschen Spitzensports und eine pragmatische Lösung für Dopingopfer.
Die Sitzung im Überblick
Datum: Mittwoch, 18. März 2026, 15:30 Uhr bis 17:32 Uhr (abweichende Sitzungszeit). Ort: Berlin, Paul-Löbe-Haus, Sitzungssaal 4.300. Öffentlich: ja, live übertragen und in der Mediathek abrufbar.5, 3, 6
- TOP 1: Aktuelle Situation und Zukunft des Bob-, Rodel- und Skeletonsports (Selbstbefassung SB 21(5)22).5
- TOP 2: Unterrichtung durch die Bundesbeauftragte für die Opfer der SED-Diktatur zum DDR-Zwangsdoping, Drucksache 21/3500.
- TOP 3: Verschiedenes.
Wer geladen war
- Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD): Hans Wolf von Schleinitz, Präsident; Thomas Schwab, Generalsekretär.7
- DOSB: Stefan Lachenmayr, Hauptstadtbüro.
- Internationaler Bob & Skeleton Verband (IBSF): Heike Größwang, Generalsekretärin.
- Institut für Angewandte Trainingswissenschaft (IAT): Dr. Marc-Oliver Löw, Direktor. Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES): Michael Nitsch, Direktor.
- Zu TOP 2: Evelyn Zupke, Bundesbeauftragte für die Opfer der SED-Diktatur. Bundesregierung: Dr. Babette Kibele und Dr. Patrick Spitzer (Bundeskanzleramt).3
Bob, Rodel und Skeleton: olympisch gesichert, aber teuer
Laut IBSF gibt es beim IOC keine Absicht, die Kufensportarten zu streichen; die Spiele 2030 und 2034 nutzen vorhandene Bahnen. Deutschland hat vier Eiskanäle, aktuell sind drei wettkampffähig. Die Bahn am Königssee soll im November 2026 ab Bob- und Damenstart wieder nutzbar sein. Bei Kosten und Material wird über Standardisierung gesprochen; das FES will sich konstruktiv beteiligen.1, 3
DDR-Zwangsdoping: Hilfe, bevor die Zeit abläuft
Evelyn Zupke berichtete, dass vor allem Minderjährige gedopt wurden, im Durchschnitt 13 Jahre alt. Sie hält ein eigenständiges Gesetz für die sauberste Lösung, ist aber auch für eine Aufnahme ins verwaltungsrechtliche Rehabilitierungsgesetz offen. Das Kanzleramt will die Federführung übernehmen und die Finanzierung mit dem Finanzministerium klären.3, 4
Unsere Fragen und Beiträge
Lars Schieske fragte, wie die Berichte über ein olympisches Aus der Kufensportarten entstanden sind und wie groß der internationale Druck ist, deutsche Technikvorteile durch Einheitsgeräte zu begrenzen. Das FES antwortete, das Wissen sei mit Steuergeldern erarbeitet; bei Standardisierung müsse Geld an den Steuerzahler zurückfließen.3
Jörn König forderte eine schonungslose Analyse des Spitzensports: „Wir haben inzwischen 30 Jahre Niedergang des deutschen Sports“ (Wortprotokoll 21/19, S. 18). Ein Sportfördergesetz allein richte das nicht. Er fragte nach Trainingskooperationen mit anderen Nationen; der BSD nannte Kooperationen etwa mit Dänemark, Rumänien, der Schweiz und Polen.3, 8
Beim Zwangsdoping berichtete König, dass er als junger Sportler selbst betroffen war und sich gewehrt hat. Er nannte beide Dopingopfer-Hilfegesetze zu spät und unzureichend, warnte vor einer dauerhaften neuen Struktur und schlug eine pragmatische Änderung des Rehabilitierungsgesetzes vor.3, 9
Beschlüsse und Ergebnisse
Der Ausschuss hat die Unterrichtung auf Drucksache 21/3500 ohne Widerspruch zur Kenntnis genommen. Zu den Trainern kündigte das Kanzleramt an, die Förderhöchstgrenzen kurzfristig anzuheben; für den Haushalt 2027 habe es beim Finanzministerium eine deutliche Erhöhung angemeldet.3, 10
Unsere Einordnung
Der Kufensport zeigt, wie Erfolg entsteht: Bahnen, Material, Wissenschaft und gute Trainer. Dieses Modell muss Maßstab für andere Sportarten werden. Dass Trainer seit 2019 keine Erhöhung bekommen haben, ist ein Versäumnis der Politik. Bei den Dopingopfern gilt: Die Betroffenen sind alt und krank, Hilfe muss jetzt kommen.
Was wir fordern
- Olympiaanalyse: Nach jedem Zyklus eine unabhängige, veröffentlichte Analyse des deutschen Abschneidens.
- Trainer: Förderhöchstgrenzen sofort anheben und Trainergehälter im Haushalt 2027 spürbar erhöhen.
- Bahnen erhalten: Königssee wie zugesagt fertigstellen und alle vier Eiskanäle dauerhaft betriebsfähig halten.
- Know-how schützen: Steuerfinanziertes Wissen des FES bei Standardisierung nur gegen Ausgleich abgeben.
- Dopingopfer: Eine schnelle, einfache gesetzliche Lösung noch in dieser Wahlperiode.
Mehr zu dieser Sitzung
- DDR-Zwangsdoping: Opfer endlich entschädigen statt weiter vertrösten9
- Trainerfinanzierung: Ohne gute Trainer kein Spitzensport10
- Spitzensport-Analyse: Ohne ehrliche Auswertung kein Erfolg8
Fazit
Die 19. Sitzung hat gezeigt, dass Deutschland Spitzensport kann, wenn Strukturen stimmen. Sie hat auch gezeigt, wie lange Probleme liegen bleiben: bei Trainern, bei der Analyse und bei den Dopingopfern.
Wir messen die Regierung an ihren Zusagen zu Trainern und Dopingopfern. Bleib dran: Wir berichten, ob 2027 geliefert wird.
Quellen
- Deutscher Bundestag, heute im bundestag 211/2026: Olympische Zukunft des Bob-, Rennrodel- und Skeletonsports, 18.03.2026. https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1156444 (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩ ↩
- Deutscher Bundestag: Ausschuss für Sport und Ehrenamt, 19. Sitzung am 18. März 2026 (Sitzungsseite). https://www.bundestag.de/ausschuesse/sport_und_ehrenamt/anhoerungen/1150258-1150258 (abgerufen am 13.10.2026) ↩
- Deutscher Bundestag: Wortprotokoll der 19. Sitzung des Ausschusses für Sport und Ehrenamt, Protokoll-Nr. 21/19, 18.03.2026. https://www.bundestag.de/resource/blob/1173878/260318_wortprotokoll_19.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
- Deutscher Bundestag: Drucksache 21/3500, Unterrichtung durch die Bundesbeauftragte für die Opfer der SED-Diktatur: Gesetzgeberischer Handlungsbedarf zur besseren Unterstützung der Opfer des systematischen Zwangsdopings in der ehemaligen DDR, 14.01.2026. https://dserver.bundestag.de/btd/21/035/2103500.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩
- Deutscher Bundestag: Tagesordnung der 19. Sitzung des Ausschusses für Sport und Ehrenamt am 18. März 2026, Mitteilung vom 12.03.2026. https://www.bundestag.de/resource/blob/1155514/to19.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩
- Deutscher Bundestag, Mediathek: 19. Sitzung des Sportausschusses, 18.03.2026. https://www.bundestag.de/mediathek/video?videoid=7650118 (abgerufen am 13.10.2026) ↩
- Deutscher Bundestag: Sachverständigenliste zur Sitzung des Ausschusses für Sport und Ehrenamt am 18. März 2026, 09.03.2026. https://www.bundestag.de/resource/blob/1150264/260318_sv_liste.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩
- sportfrei.de: Spitzensport-Analyse: Ohne ehrliche Auswertung kein Erfolg, 18.03.2026. https://sportfrei.de/ak-aktuell/spitzensport-analyse-ehrlich-auswerten/ (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩
- sportfrei.de: DDR-Zwangsdoping: Opfer endlich entschädigen statt weiter vertrösten, 18.03.2026. https://sportfrei.de/ak-aktuell/ddr-zwangsdoping-dopingopfer-entschaedigen/ (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩
- sportfrei.de: Trainerfinanzierung: Ohne gute Trainer kein Spitzensport, 18.03.2026. https://sportfrei.de/ak-aktuell/trainerfinanzierung-trainer-besser-bezahlen/ (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩


