KW 23/2025 · Ausschuss · Mittwoch, 04.06.2025
Staatsministerin Schenderlein im Sportausschuss: viele Ziele, kein Zeitplan
Am 4. Juni 2025 hat sich die neue Staatsministerin Schenderlein in der 2. Sitzung des Ausschusses für Sport und Ehrenamt vorgestellt.1, 2 Einziges Sachthema war das Gespräch mit ihr: Olympiabewerbung, Spitzensportreform, Sportstätten und Ehrenamt.3 Für uns hat Jörn König die Fragen gestellt. Hier liest Du, was die Staatsministerin angekündigt hat und wo die Antworten offen blieben.
Das Wichtigste in Kürze
- Sport und Ehrenamt sind jetzt im Bundeskanzleramt angesiedelt; die Sportabteilung wechselt aus dem Bundesinnenministerium.4
- Die Staatsministerin nannte die Olympiabewerbung eines der großen Ziele, ließ aber offen, für welches Jahr.4
- Die Spitzensportreform soll die Förderung unbürokratischer und flexibler machen; einen festen Termin für eine Spitzensportstrategie nannte sie nicht.5
- Die Fraktionen hielten die im Koalitionsvertrag angekündigte Sportmilliarde für die Sportstätten weitgehend für zu gering.4
- Jörn König fragte nach Schwerpunkten, nach dem Zeitplan der Spitzensportstrategie und nach der Zustimmung der Bürger zu Olympia.5
Die Sitzung im Überblick
- Datum: Mittwoch, 4. Juni 20251
- Uhrzeit: 14:00 Uhr bis 14:56 Uhr5
- Ort: Berlin, Paul-Löbe-Haus, Sitzungssaal 4.3001
- Öffentlich: ja, Übertragung im Parlamentsfernsehen3
- TOP 1: Gespräch mit der Staatsministerin für Sport und Ehrenamt, Dr. Christiane Schenderlein (Selbstbefassung SB 21(5)2, keine Drucksache)3
- TOP 2: Verschiedenes (keine Wortmeldungen)5
Wer geladen war
Gast war Staatsministerin Dr. Christiane Schenderlein (CDU), Staatsministerin für Sport und Ehrenamt im Bundeskanzleramt. Sie brachte Dr. Babette Kibele mit, Abteilungsleiterin für Sport und Ehrenamt im Kanzleramt.5 Sachverständige waren nicht geladen.
Neue Zuständigkeit im Kanzleramt
Die Staatsministerin erklärte, die gesamte Sportabteilung des Innenministeriums ziehe ins Kanzleramt. Welche Ehrenamtsbereiche aus dem Familienministerium folgen, sei noch in Verhandlung.5 Dr. Kibele ergänzte, der Wechsel laufe über eine Verwaltungsvereinbarung mit dem BMI; Zieltermin laut Koalitionsvertrag sei der 1. August.5
Olympia, Spitzensport und Trainer
Schenderlein nannte die Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele eine Zukunftsaufgabe. Deutschland solle beim IOC in die beste Ausgangsposition kommen.4 Federführend sei zunächst der DOSB; vier Städte oder Regionen hätten Bewerbungen abgegeben.5
Zur Spitzensportreform sagte sie: „Die Sportförderung muss deutlich unbürokratischer und flexibler werden.“ (Wortprotokoll 21/2, S. 4)5 Trainer müssten in Deutschland gehalten werden, Athleten sollten ohne Existenzängste trainieren können. Die Arbeit am Zentrum für Safe Sport will sie fortsetzen.4
Sportstätten und Sportmilliarde
Mit Blick auf die mehr als 86.000 Sportvereine sagte die Staatsministerin, der Breitensport lege den Grundstein für den Spitzensport.4 Zur Sportmilliarde verwies sie auf laufende Haushaltsverhandlungen. Breitensport und Sportinfrastruktur seien Aufgabe der Länder, es müsse gemeinsam gehen.5
Stephan Mayer (CDU/CSU) bezifferte den Sanierungsstau nach eigener Einschätzung auf 40 Milliarden Euro und hätte sich eine Milliarde pro Jahr gewünscht.5 Christian Görke (Die Linke) fragte nach Mitteln aus dem Sondervermögen für Sportstätten; die Staatsministerin verwies erneut auf die Verhandlungen.5
Ehrenamt
Für das Ehrenamt kündigte Schenderlein an, die Übungsleiter- und die Ehrenamtspauschale anzuheben. Dazu soll ein Bürokratierückbaugesetz für Vereine kommen, etwa beim Datenschutz und im Vereinsrecht. Außerdem will sie prüfen, wie Ehrenamtliche besser vor Angriffen geschützt werden.5
Unsere Fragen und Beiträge
Jörn König stellte klar, dass wir die Regierung als Opposition kritisch begleiten. Zur Sportmilliarde sagte er: „Wir sind eindeutig der Meinung, dass diese Milliarde in der Legislatur viel zu wenig ist.“ (Wortprotokoll 21/2, S. 7)5 Nach seinen Worten bleibt sie sogar hinter dem bestehenden Bundesprogramm für kommunale Sport-, Jugend- und Kultureinrichtungen zurück.5
Er fragte, wie die Staatsministerin ihre Schwerpunkte zwischen Sport und Ehrenamt setzt, und nannte Forderungen von Athleten Deutschland: Spitzensportstrategie, Absicherung von Kaderathleten, faire Arbeitsbedingungen für Trainer. Seine Frage nach einem Termin für die Spitzensportstrategie beantwortete sie ohne Datum: Man wolle dafür nicht die ganze Legislatur brauchen.5
Zu Olympia erinnerte König daran, dass frühere Bewerbungen an Bürgerentscheiden gescheitert sind, und fragte: „Was würden Sie, Ihrer Meinung nach, anders machen, um die Zustimmung der Bürger zu erreichen?“ (Wortprotokoll 21/2, S. 8)5 In der Schlussrunde bat er darum, die Redezeit zum Sporthaushalt im Plenum von 90 auf 120 Minuten zu verlängern.5 Von Thomas Korell, Lars Schieske und den Stellvertretern ist in dieser Sitzung kein Wortbeitrag protokolliert.
Beschlüsse und Ergebnisse
Beschlüsse oder Abstimmungen gab es nicht. Der Ausschuss hat die Staatsministerin angehört; unter „Verschiedenes“ gab es keine Wortmeldungen.5 Die Staatsministerin sagte zu, dass Spitzensportreform und Safe Sport noch in diesem Jahr erneut im Ausschuss beraten werden.5
Unsere Einordnung
Die Bündelung von Sport und Ehrenamt im Kanzleramt ist ein richtiges Signal. Ein Signal ersetzt aber keinen Plan. Auf die zentralen Fragen nach Geld und Zeitplan gab es in dieser Sitzung keine Antwort. Eine Milliarde in vier Jahren reicht nicht, wenn selbst die Koalition den Sanierungsstau auf ein Vielfaches schätzt.
Auch bei Olympia gilt: Begeisterung allein gewinnt keinen Bürgerentscheid. Wer die Zustimmung der Bürger will, muss Kosten, Nutzen und Nachnutzung offen auf den Tisch legen.
Was wir fordern
- Sportstätten: Eine Sanierungsoffensive, die sich am tatsächlichen Bedarf orientiert, nicht an einer politischen Zahl.
- Zeitplan: Ein verbindlicher Termin für Spitzensportreform und Spitzensportstrategie.
- Trainer und Athleten: Bessere Verträge für Trainer und eine verlässliche Absicherung von Kaderathleten.
- Olympia: Transparente Kosten und Nachnutzung, bevor die Bürger abstimmen.
- Ehrenamt: Die angekündigte Anhebung der Pauschalen und den Bürokratieabbau zügig umsetzen.
Fazit
Die Staatsministerin hat viele richtige Überschriften genannt. Konkrete Zahlen, Termine und Zuständigkeiten fehlen noch. Daran werden wir sie messen.
Wir bleiben dran: bei der Sportmilliarde, bei der Spitzensportreform und bei der Olympiabewerbung. Sport ist keine Nebensache. Sport ist Grundlage.
Quellen
- Deutscher Bundestag: 2. Sitzung des Ausschusses für Sport und Ehrenamt, Sitzungsseite, 04.06.2025. https://www.bundestag.de/ausschuesse/sport_und_ehrenamt/anhoerungen/anhoerungen-1083892 (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩ ↩
- Deutscher Bundestag, Mediathek: 2. Sitzung des Ausschusses für Sport und Ehrenamt, 04.06.2025. https://www.bundestag.de/mediathek/video?videoid=7632070 (abgerufen am 13.10.2026) ↩
- Deutscher Bundestag, Ausschuss für Sport und Ehrenamt: Tagesordnung der 2. Sitzung, 1. Änderungsmitteilung, 03.06.2025. https://www.bundestag.de/resource/blob/1083874/to02_1_eg.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩ ↩
- Deutscher Bundestag, heute im bundestag (hib 201/2025): Staatsministerin Schenderlein: Olympiabewerbung großes Ziel, 04.06.2025. https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1084496 (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
- Deutscher Bundestag, Ausschuss für Sport und Ehrenamt: Wortprotokoll der 2. Sitzung, Protokoll-Nr. 21/2, 04.06.2025. https://www.bundestag.de/resource/blob/1098680/250604_wortprotokoll_2.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩


