KW 19/2026 · Ausschuss · Mittwoch, 06.05.2026
Sportausschuss zu Seniorensport und Sportinfrastruktur: Bewegung ist Vorsorge, Sportstätten sind Grundlage
Die 23. Sitzung des Sportausschusses am 6. Mai 2026 hatte zwei Themen: Seniorensport als Beitrag zu Gesundheit und Teilhabe im Alter und die Infrastruktur für den Spitzensport. Sachverständige aus Turnerbund, Landessportbund, Wissenschaft, DOSB und der Stadt Cottbus waren geladen. Für uns fragten Jörn König, Thomas Korell und Lars Schieske. Hier liest Du, was dabei herauskam.1, 2
Das Wichtigste in Kürze
- Alle Sachverständigen nannten Bewegung einen zentralen Faktor für Gesundheit, Selbstständigkeit und Lebensqualität im Alter.3
- Auf die Frage von Jörn König nach Plänen der Bundesregierung zum Seniorensport verwies das Kanzleramt auf Gesundheits- und Familienministerium.2
- Thomas Korell fragte nach dem Grundrecht auf Gesundheit und nach Aktivplätzen in Berliner Parks.2
- Lars Schieske fragte, ob Sportstättenförderung auf ihre Wirkung geprüft wird. Antwort: Dafür fehlten die Daten.2
- Für Spitzensportstätten über 2 Millionen Euro sind 17 Maßnahmen aus 150 Millionen Euro vorgesehen.2
Die Sitzung im Überblick
- Datum und Uhrzeit: Mittwoch, 6. Mai 2026, 14:30 Uhr, Schluss 16:50 Uhr.4, 2
- Ort: Berlin, Paul-Löbe-Haus, Sitzungssaal 4.300.4
- Öffentlich: ja, live übertragen und in der Mediathek abrufbar.4, 5
- TOP 1: Seniorensport: Bedeutung von Bewegung für Gesundheit und Teilhabe in einer alternden Gesellschaft, Selbstbefassung SB 21(5)31.4
- TOP 2: Perspektiven und Weiterentwicklung der Infrastruktur für den Spitzensport, Selbstbefassung SB 21(5)32.4
- TOP 3: Verschiedenes. Drucksachen lagen nicht vor.4
Wer geladen war
- Zum Seniorensport: Dr. Michaela Werkmann (Vorständin Deutscher Turner-Bund), Univ.-Prof. (em.) Dr. Ingo Froböse (Deutsche Sporthochschule Köln), Katja Sotzmann (Leiterin Breiten-, Freizeit- und Gesundheitssport, Landessportbund Berlin), Sonja Nowossadeck (Deutsches Zentrum für Altersfragen).6
- Zur Infrastruktur: Dr. Olaf Tabor (Vorstand Leistungssport DOSB), Kay Havenstein (1. Werkleiter Sportstättenbetrieb Cottbus), Dr. Stefan Schneider (Deutsches Institut für Urbanistik).6
- Bundesregierung: Dr. Babette Kibele, Abteilungsleiterin im Bundeskanzleramt. Die Staatsministerin war nicht anwesend.2
Seniorensport: Bewegung muss zu den Menschen kommen
Der Turnerbund zählt rund 1,2 Millionen Mitglieder über 60 und forderte, Bewegung im Alter als Teil der Daseinsvorsorge anzuerkennen. Froböse sieht in Bewegung und Training eine der wichtigsten Antworten auf Pflegebedürftigkeit. Muskelabbau beginne ab dem 50. Lebensjahr, die Forschung sei zu sehr am Spitzensport ausgerichtet. Nowossadeck verwies darauf, dass ältere und ärmere Menschen seltener Sport treiben.3, 7
Spitzensportstätten: Viel Geld, wenig Wirkungskontrolle
Das Kanzleramt plant aus 150 Millionen Euro Sondermitteln 17 Maßnahmen über 2 Millionen Euro, bewilligt wird nach Vorliegen der Entwurfsplanung. Der Sportbauhaushalt für kleinere Maßnahmen stieg laut Kibele von 18 auf 48 Millionen Euro.2 Das Difu empfahl, in Förderrichtlinien Ziele festzulegen und Daten zu erheben, um die Wirkung prüfen zu können.8 Havenstein beschrieb die Cottbuser Lausitz-Arena als an der Verschleißgrenze, die Trampolinhalle für rund 12 Millionen Euro sei im Bau.2
Unsere Fragen und Beiträge
Jörn König wollte wissen, wie Seniorensport in der Politik der Bundesregierung vorkommt und welche Planungen es gibt. Das Kanzleramt erklärte sich nur für Spitzensport zuständig und sagte eine Nachlieferung zu. Er fragte nach kommunalen Maßnahmen für mehr Alltagsbewegung und nach besserem Fußverkehr. Zur Infrastruktur sagte er: „Ich möchte noch einmal daran erinnern, dass eigentlich das BISp uns schon seit Ewigkeiten den Sportstättenatlas geben sollte“ (Wortprotokoll 21/23, S. 30). Er forderte die Länder auf, ihren Anteil an der Sportfinanzierung wieder zu erhöhen, damit Kommunen nicht allein tragen.2
Thomas Korell fragte Froböse, warum es ein Grundrecht auf Gesundheit brauche. Den Landessportbund Berlin fragte er, ob die Aktivplätze in Parks noch genutzt werden. Antwort: Es gebe sie noch, oft ohne Überblick, sinnvoll sei Anleitung.2
Lars Schieske fragte das Difu, ob der bundesweite Investitionsstau bei Sportanlagen untersucht wurde und ob geprüft wurde, ob Förderung die Leistung der Sportler beeinflusst. Beides verneinte Schneider, es fehlten Datengrundlagen. Von Cottbus wollte er den größten Ausbaubedarf, die Finanzierung und einen Überblick über den Investitionsstau wissen.2
Beschlüsse und Ergebnisse
Beschlüsse fasste der Ausschuss nicht. Das Kanzleramt sagte zu, Angaben zu Seniorensport-Vorhaben anderer Ressorts nachzureichen. Cottbus stellte eine Übersicht zum Investitionsstau in Aussicht.2
Unsere Einordnung
Seniorensport ist Gesundheitsvorsorge und spart Pflegekosten. Dass sich im Kanzleramt niemand zuständig fühlt, zeigt das Problem. Bei den Sportstätten wird viel Geld verteilt, aber niemand prüft, was es bringt. Und solange es keinen Sportstättenatlas gibt, wird ohne Überblick gebaut.
Was wir fordern
- Eine Zuständigkeit: ein federführendes Ressort für Bewegung im Alter mit klarem Auftrag.
- Sportstättenatlas jetzt: eine bundesweite Bestandsaufnahme aller Sportstätten mit Zustand und Sanierungsbedarf.
- Förderung mit Kontrolle: jede Förderrichtlinie mit Zielen und Datenerhebung, Ergebnisse dem Ausschuss vorlegen.
- Länder in die Pflicht: die Länder müssen ihren Anteil an der Sportfinanzierung wieder erhöhen.
- Vereine vor Ort stärken: Übungsleiter qualifizieren und wohnortnahe Angebote für Ältere sichern.
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Fazit
Die 23. Sitzung hat gezeigt: Bewegung im Alter und gute Sportstätten gehören zusammen. Beides scheitert an verteilter Zuständigkeit und fehlenden Daten.
Wir fordern Zuständigkeit, Daten und Kontrolle statt Ankündigungen. Schau Dir die Sitzung im Video an und bleib selbst in Bewegung.5
Quellen
- Deutscher Bundestag, Ausschuss für Sport und Ehrenamt: 23. Sitzung am 6. Mai 2026, Sitzungsseite. https://www.bundestag.de/ausschuesse/sport_und_ehrenamt/anhoerungen/1158130-1158130 (abgerufen am 13.10.2026) ↩
- Deutscher Bundestag, Ausschuss für Sport und Ehrenamt: Wortprotokoll der 23. Sitzung (Protokoll-Nr. 21/23), 6. Mai 2026. https://www.bundestag.de/resource/blob/1209798/260506_wortprotokoll_23.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
- Deutscher Bundestag, hib 380/2026: Mit Sport und Alltagsbewegung bleiben ältere Menschen mobil, 06.05.2026. https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1174540 (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩
- Deutscher Bundestag, Ausschuss für Sport und Ehrenamt: Tagesordnung der 23. Sitzung am 6. Mai 2026, 14:30 Uhr, Mitteilung vom 30. April 2026. https://www.bundestag.de/resource/blob/1173354/to23.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
- Deutscher Bundestag, Mediathek: 23. Sitzung des Ausschusses für Sport und Ehrenamt, 06.05.2026. https://www.bundestag.de/mediathek/video?videoid=7652667 (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩
- Deutscher Bundestag, Ausschuss für Sport und Ehrenamt: Sachverständigenliste zur Sitzung am 6. Mai 2026. https://www.bundestag.de/resource/blob/1158132/260506_sv_liste.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩
- Deutscher Turner-Bund, Dr. Michaela Werkmann: Schriftliche Stellungnahme zur Sitzung am 6. Mai 2026, Ausschussdrucksache 21(5)98. https://www.bundestag.de/resource/blob/1173498/260506_dtb.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩
- Deutsches Institut für Urbanistik, Dr. Stefan Schneider: Schriftliche Stellungnahme „Von der Förderung zur Wirkung: Spitzensport-Infrastruktur analysiert“, Ausschussdrucksache 21(5)101. https://www.bundestag.de/resource/blob/1173626/260506_schneider.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩
- sportfrei.de: Seniorensport: Für ein Alter in Bewegung statt auf der Couch!, 26.05.2026. https://sportfrei.de/ak-aktuell/seniorensport-fuer-ein-alter-in-bewegung-statt-auf-der-couch/ (abgerufen am 13.10.2026) ↩

