KW 24/2026 · Ausschuss · Mittwoch, 10.06.2026
Junges Engagement im Ehrenamt: Bereitschaft da, Strukturen hinken hinterher
Die 25. Sitzung des Ausschusses für Sport und Ehrenamt am 10. Juni 2026 hatte drei Themen: junges Engagement im Ehrenamt, die Reit-WM in Aachen und die Basketball-WM der Frauen in Berlin.1 Dazu kam ein Beschluss zu unserem Antrag für die duale Karriere von Spitzensportlern. Für unseren Arbeitskreis haben Lars Schieske, Jörn König und Thomas Korell die Sachverständigen befragt.2 Hier liest Du, was beraten wurde und was wir daraus ableiten.
Das Wichtigste in Kürze
- Vier Sachverständige berichteten zum jungen Engagement im Ehrenamt: Bundesfreiwilligendienst, Bundesjugendring, Deutsche Sportjugend und Katholische junge Gemeinde.3
- Die Deutsche Sportjugend nannte 8,7 Millionen Ehrenamtliche in mehr als 86 000 Sportvereinen.2
- Lars Schieske fragte nach Abbrüchen im Freiwilligendienst und nach belastbaren Zahlen zu Bedrohungen gegen Ehrenamtliche.
- Thomas Korell verlangte Klarheit über den Etat der Reit-WM in Aachen, Jörn König fragte nach der Dekaden-Strategie des Basketballs.
- Der Ausschuss beschloss ohne Gegenstimmen, unseren Antrag zur dualen Karriere in die Anhörung zum Sportfördergesetz einzubeziehen.2, 4
Die Sitzung im Überblick
- Datum und Uhrzeit: Mittwoch, 10. Juni 2026, 14:30 Uhr, Ende 16:28 Uhr5, 2
- Ort: Berlin, Paul-Löbe-Haus, Sitzungssaal 4.300
- Öffentlich: ja, mit Übertragung im Parlamentsfernsehen6
- TOP 1: Junges Engagement und Nachwuchsförderung im Ehrenamt (Selbstbefassung SB 21(5)34)
- TOP 2: a) Vorbericht zu den FEI World Championships in Aachen 2026 (SB 21(5)35), b) Vorbericht zum FIBA Women’s Basketball World Cup in Berlin 2026 (SB 21(5)36)
- TOP 3: Einbeziehung in die Anhörung am 24. Juni 2026 zum Sportfördergesetz, Drucksache 21/5921, und zu unserem Antrag Drucksache 21/63587, 8
- TOP 4: Verschiedenes
Wer geladen war
- Bundesfreiwilligendienst: Peter Zehetleitner, Bundessprecher3
- Deutscher Bundesjugendring: Daniela Broda, Vorsitzende
- Deutsche Sportjugend: Stefan Raid, 1. Vorsitzender
- Katholische junge Gemeinde: Louise Charters, Bundesleiterin
- Deutsche Reiterliche Vereinigung: Dr. Dennis Peiler, Vorstandsvorsitzender, und Birgit Rosenberg, Vorständin im Aachen-Laurensberger Rennverein
- Deutscher Basketball Bund: Peter Radegast, Sportdirektor, und Tim Ebs, WorldCup-Eventdirektor
- Bundesregierung: Staatsministerin Dr. Christiane Schenderlein und Abteilungsleiterin Dr. Babette Kibele (Bundeskanzleramt) sowie Referatsleiterin Ulrike Wiering (Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend)2
Junges Engagement: Wille da, Rahmen fehlt
Peter Zehetleitner sagte, das Interesse am Bundesfreiwilligendienst sei da. Sein Thema war die Arbeitsmarktneutralität: Freiwillige würden oft fest im Dienstplan eingesetzt und ersetzten Personal. Daniela Broda nannte eine Engagement-Quote von 42 Prozent bei den 14- bis 29-Jährigen und Bürokratie als Überforderung, vom Datenschutz bis zur Hygieneverordnung.2
Stefan Raid von der Deutschen Sportjugend sagte, junges Engagement scheitere nicht am Willen, sondern an den Strukturen. Er forderte Bürokratieabbau, weniger Haftungsrisiken, Förderung der Ausbildung im Ehrenamt und mehr Anerkennung. Den Ganztag sieht er als Chance, Kinder für den Verein zu gewinnen. Für die Bundesregierung berichtete Ulrike Wiering, 2025 sei bei über 900 Routine-Prüfungen in einem Fall ein nicht arbeitsmarktneutraler Einsatz festgestellt worden.2
Reit-WM Aachen und Basketball-WM Berlin
Die Reit-WM findet vom 11. bis 23. August 2026 in Aachen statt, mit sechs Disziplinen an einem Ort, erwartet werden rund 500.000 Besucher. Das Veranstaltungsbudget liegt bei 30 Millionen Euro, dazu kommen 6 Millionen Euro Investitionen mit Fördermitteln des Bundes.9
Die Basketball-WM der Frauen läuft vom 4. bis 13. September 2026 in Berlin mit 16 Mannschaften und 36 Spielen. Der Deutsche Basketball Bund sieht sie als Leuchtturm seiner Dekaden-Strategie für Frauen und Mädchen im Basketball.2
Unsere Fragen und Beiträge
Lars Schieske nahm die Klagen über Dienstabbrüche und Qualitätsmängel im Bundesfreiwilligendienst auf. Er fragte: „warum sollte der bloße Ausbau der Platzzahlen das Problem lösen und würde das die Qualitätsmängel beheben?“ (Wortprotokoll 21/25, S. 12). Zudem wollte er konkrete Zahlen zu Fällen, in denen Freiwillige reguläre Stellen ersetzen. Zehetleitner verwies auf fünf dokumentierte Vorfälle in sechs Jahren.2
Von Daniela Broda wollte Lars Schieske wissen, ob das Problem bei den Rahmenbedingungen liegt oder bei den Verbänden selbst. Zu den von ihr genannten Bedrohungen aus dem rechtsextremen Spektrum fragte er nach konkreten Zahlen und ob ihr Verband ebenso Einschüchterungen durch Linksextremisten und Islamisten erfasst. Broda verwies auf eigene Umfragen und sagte, der Fokus der Verbände liege auf dem rechtsextremen Spektrum.2
Jörn König beglückwünschte den Deutschen Basketball Bund zur WM und sprach die schwierige Lage im Frauenbasketball an: Der deutsche Meister spielt in einer Schulhalle mit 300 Plätzen. Er fragte nach der Dekaden-Strategie und bat um die Unterlagen, „weil für uns ist es relativ ungewöhnlich, dass mal ein Verband richtig eine Strategie hat für zehn oder mehr Jahre“ (Wortprotokoll 21/25, S. 25).2
Thomas Korell fragte nach dem Etat der Reit-WM. Die Präsentation nennt 30 Millionen Euro, im WDR seien dagegen rund 40 Millionen Euro genannt worden. Er wollte wissen, „was die wahren Zahlen sind“ (Wortprotokoll 21/25, S. 25). Birgit Rosenberg erklärte, 30 Millionen Euro seien das Durchführungsbudget, Investitionen kämen hinzu, mehr als ein Drittel der Einnahmen stamme aus dem Ticketverkauf.2
Beschlüsse und Ergebnisse
Unter TOP 3 ging es um die Einbeziehung unseres Antrags „Spitzensportförderung – Duale Karriere für Spitzensportler stärken“ in die Anhörung zum Sportfördergesetz am 24. Juni 2026. Dafür stimmten Koalition und AfD, dagegen niemand, Grüne und Linke enthielten sich.2, 4 Was der Antrag fordert, haben wir in unserem Beitrag zur dualen Karriere zusammengefasst.10 Zu TOP 1 und TOP 2 gab es keine Beschlüsse, es waren Berichte und Gespräche.
Unsere Einordnung
Junges Engagement scheitert nicht am Nachwuchs. Es scheitert an Formularen, Haftungsangst und fehlender Anerkennung. Das hat die Anhörung klar gezeigt. Wer nur mehr Plätze im Freiwilligendienst schafft, ohne Qualität und Kontrolle, verschiebt das Problem.
Für die Großereignisse gilt: Die WM in Aachen und Berlin sind Chancen für den Sportstandort Deutschland. Wenn Bundesgeld fließt, gehören die Zahlen offen auf den Tisch. Genau dafür haben wir gefragt.
Was wir fordern
- Bürokratie runter: Datenschutz, Hygieneregeln und Abrechnung von Fördermitteln für Vereine und Jugendgruppen spürbar vereinfachen.
- Haftung klären: Junge Übungsleiter und Betreuer brauchen Rechtssicherheit, statt Haftungsrisiken allein zu tragen.
- Freiwilligendienst mit Qualität: Erst Abbruchgründe erheben und Missbrauch als billige Arbeitskraft abstellen, dann Plätze ausbauen.
- Gleiche Maßstäbe: Bedrohungen gegen Ehrenamtliche aus jeder Richtung erfassen, ob rechts, links oder islamistisch.
- Offene Zahlen: Bei Großereignissen mit Bundesförderung Etat, Investitionen und Finanzierung vollständig offenlegen.
- Duale Karriere: Ausbildung und Studium für Spitzensportler im Sportfördergesetz fest verankern.
Fazit
Die jungen Leute wollen anpacken. Vereine, Sportjugend und Jugendverbände brauchen dafür einfache Regeln, klare Haftung und echte Anerkennung. Das ist Aufgabe der Politik, und das erwarten wir von der Bundesregierung.
Unser Antrag zur dualen Karriere ist jetzt Teil der Anhörung zum Sportfördergesetz. Wir bleiben dran, dass Athleten nicht zwischen Sport und Beruf wählen müssen. Verfolge die Sitzung selbst im Video und mach Dir Dein eigenes Bild.6
Quellen
- Deutscher Bundestag, Ausschuss für Sport und Ehrenamt: 25. Sitzung, 10.06.2026. https://www.bundestag.de/ausschuesse/sport_und_ehrenamt/anhoerungen/1182488-1182488 (abgerufen am 13.10.2026) ↩
- Deutscher Bundestag, Ausschuss für Sport und Ehrenamt: Wortprotokoll der 25. Sitzung, Protokoll-Nr. 21/25, 10.06.2026. https://www.bundestag.de/resource/blob/1210064/260610_wortprotokoll_25.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
- Deutscher Bundestag, Ausschuss für Sport und Ehrenamt: Sachverständigenliste zur Sitzung am Mittwoch, 10. Juni 2026. https://www.bundestag.de/resource/blob/1182490/260610_sv_liste.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩
- Deutscher Bundestag: Drucksache 21/6358, Antrag der Fraktion der AfD, Spitzensportförderung – Duale Karriere für Spitzensportler stärken, 09.06.2026. https://dserver.bundestag.de/btd/21/063/2106358.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩
- Deutscher Bundestag, Ausschuss für Sport und Ehrenamt: Tagesordnung der 25. Sitzung am 10. Juni 2026, Mitteilung vom 4. Juni 2026. https://www.bundestag.de/resource/blob/1183366/to25.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩
- Deutscher Bundestag, Mediathek: 25. Sitzung des Ausschusses für Sport und Ehrenamt, 10.06.2026. https://www.bundestag.de/mediathek/video?videoid=7653820 (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩
- Deutscher Bundestag, Ausschuss für Sport und Ehrenamt: 1. Änderungs-/Ergänzungsmitteilung zur Tagesordnung der 25. Sitzung, 09.06.2026. https://www.bundestag.de/resource/blob/1183920/to25_1_eg.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩
- Deutscher Bundestag: Drucksache 21/5921, Gesetzentwurf der Bundesregierung, Entwurf eines Gesetzes zur Regelung der Förderung des Spitzensports und weiterer Maßnahmen gesamtstaatlicher Bedeutung im Sport sowie zur Errichtung der Spitzensport-Agentur (Sportfördergesetz – SpoFöG), 13.05.2026. https://dserver.bundestag.de/btd/21/059/2105921.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩
- Deutsche Reiterliche Vereinigung: Vorbericht FEI World Championships Aachen 2026, Präsentation im Ausschuss für Sport und Ehrenamt, 10.06.2026. https://www.bundestag.de/resource/blob/1184188/260610_praesentation_fei.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩
- sportfrei.de: Antrag Duale Karriere: Spitzensportler brauchen Studium und Beruf, 09.06.2026. https://sportfrei.de/ak-aktuell/antrag-duale-karriere-spitzensportler/ (abgerufen am 13.10.2026) ↩


