KW 48/2025 · Parlament · Mittwoch, 26.11.2025
Sporthaushalt 2026: Mehr Geld auf dem Papier, keine Lösung für Trainer und Athleten
Der Bundestag hat in seiner 43. Sitzung am 26. November 2025 in zweiter Beratung über den Einzelplan 04 abgestimmt. Darin steckt der Sporthaushalt 2026 – Spitzensport, Sportstätten und Ehrenamt.1 Für unseren Arbeitskreis haben Jörn König und Lars Schieske gesprochen.2, 3 Hier liest Du, was beschlossen wurde, was die Fraktionen gesagt haben und wo wir nachlegen.
Das Wichtigste zum Sporthaushalt 2026 in Kürze
- Der Bundestag hat den Einzelplan 04 (Bundeskanzler und Bundeskanzleramt) samt Sporthaushalt in namentlicher Abstimmung angenommen.1
- Laut endgültigem Ergebnis stimmten 324 Abgeordnete mit Ja und 274 mit Nein, Enthaltungen gab es keine.
- Jörn König kritisierte, dass der Spitzensport nur um 3,6 Prozent auf 346 Millionen Euro wächst, und verwies auf zwölf abgelehnte AfD-Änderungsanträge.
- Lars Schieske forderte, die 10,9 Millionen Euro für „Integration durch Sport“ in die Sanierung von Sportstätten umzulenken.
- Koalition und Bundesregierung verwiesen auf die Sportmilliarde, das Schwimmbadprogramm und neue Mittel für Spitzensportstätten.
Was ist passiert
Tagesordnungspunkt I.9 war die zweite Beratung des Haushaltsgesetzes 2026, hier Einzelplan 04, gemeinsam mit dem Einzelplan 22. Grundlage waren die Beschlussempfehlung des Haushaltsausschusses auf Drucksache 21/2062 und deren Ergänzung auf Drucksache 21/2061.4, 5 Seit dem Organisationserlass des Bundeskanzlers liegen Sport und Ehrenamt im Kanzleramt, im Kapitel 0416 „Staatsministerin für Sport und Ehrenamt“.5
Für die Aussprache waren 210 Minuten vereinbart; sie begann als Generaldebatte. Der Sportteil folgte am Ende mit Reden von Tina Winklmann (Grüne), Staatsministerin Dr. Christiane Schenderlein, Jörn König, Lars Schieske und Bettina Lugk (SPD). Danach stimmte der Bundestag namentlich über den Einzelplan 04 in der Ausschussfassung ab.1
Ergebnis laut Protokoll: 598 abgegebene Stimmen, 324 Ja, 274 Nein, keine Enthaltung. Die Ja-Stimmen kamen aus CDU/CSU, SPD und von zwei fraktionslosen Abgeordneten, die Nein-Stimmen aus AfD, Grünen und Linken. Der Einzelplan 04 ist damit angenommen.1 Eine gesonderte Abstimmung über AfD-Änderungsanträge zum Sport ist für diesen Tagesordnungspunkt im Protokoll nicht verzeichnet.
Die Drucksachen
- Drucksache 21/2062 – Beschlussempfehlung zum Entwurf eines Gesetzes über die Feststellung des Bundeshaushaltsplans für das Haushaltsjahr 2026 (Haushaltsgesetz 2026) – Haushaltsausschuss (8. Ausschuss), 20.11.20254
- Drucksache 21/2061 – Ergänzung zu den Beschlussempfehlungen des Haushaltsausschusses zum Haushaltsgesetz 2026, unter anderem Einzelplan 04 – Haushaltsausschuss (8. Ausschuss), 21.11.20255
Was der Haushaltsausschuss im Sportkapitel geändert hat: Die Zentralen Maßnahmen auf dem Gebiet des Sports steigen von 222,559 auf 223,209 Millionen Euro, Athleten Deutschland e.V. erhält 920.000 statt 770.000 Euro. Neu ist das Modellvorhaben „Deutschland lernt Schwimmen“ mit 5 Millionen Euro, gesperrt bis zur Vorlage eines Umsetzungskonzepts. Der Zuschuss an die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt verdoppelt sich auf 20 Millionen Euro.5
Was unsere Redner gesagt haben
Jörn König stellte fest, dass das Budget für den Spitzensport um 3,6 Prozent auf 346 Millionen Euro steigt: „Das ist wenig, aber mehr als nichts.“ (Plenarprotokoll 21/43, S. 4997 B)1 Die AfD habe schon 2018 340 Millionen Euro für den Spitzensport gefordert; diese Summe entspreche heute einer Kaufkraft von 420 Millionen Euro. Die zwölf AfD-Änderungsanträge hätten zu einem Spitzensporthaushalt von 424 Millionen Euro geführt. Die Koalition habe sie abgelehnt.2
König benannte die offenen Baustellen: Die Lage der Trainer wird nicht verbessert, die Duale Karriere mangelhaft umgesetzt, Sportler gehen beim Übergang in den Beruf verloren. „Die Spitzensportreform ist schon fast zehn Jahre alt und immer noch nicht vollendet.“ (Plenarprotokoll 21/43, S. 4997 C)1 Bei den Olympiaprämien zahlt Deutschland für einen Sieg 20.000 Euro, Italien 150.000 Euro – mehr als das Siebenfache. König nannte das beschämend.2
Lars Schieske nahm sich den Titel „Integration durch Sport“ mit 10,9 Millionen Euro vor. „Integration ist und bleibt Bringschuld.“ (Plenarprotokoll 21/43, S. 4998 D)1 Sie gelinge durch klare Erwartungen und Verantwortung, nicht durch Fördergelder. Nach seiner Darstellung fließen Mittel aus dem Titel in Seminare und Stellen ohne nachgewiesenen Nutzen. Im alternativen AfD-Haushalt sei dieses Geld für die Sanierung von Sportstätten vorgesehen.3
So haben die anderen Fraktionen argumentiert
CDU/CSU: Berichterstatterin Kerstin Radomski verwies auf die zweite Tranche von 333 Millionen Euro für das Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“, 20 Millionen Euro für „Deutschland lernt Schwimmen“ und 150 Millionen Euro aus dem Sondervermögen für Sportstätten des Spitzensports.1
Bundesregierung: Staatsministerin Dr. Christiane Schenderlein sagte, die Sportmilliarde komme. Für 2025 und 2026 stünden rund 700 Millionen Euro für kommunale Sportstätten bereit, dazu 250 Millionen Euro für Schwimmbäder. Das Sportfördergesetz sei in der Ressortabstimmung, die Förderung solle an eine Spitzensport-Agentur gehen. Ziel der Legislatur sei die Olympia-Bewerbung, für das Ehrenamt kündigte sie den „Zukunftspakt Ehrenamt“ an.1
SPD: Bettina Lugk nannte den Sportkernhaushalt von 366 Millionen Euro einen Rekord. Sie hob die Spitzensportstätten und den Aufwuchs für Athleten Deutschland hervor. Rechne man Bundeswehr, Bundespolizei, Zoll und Bauministerium hinzu, investiere der Bund mehr als 1 Milliarde Euro in den Sport.1
Grüne: Tina Winklmann vermisste den Aufwuchs beim Leistungssportpersonal und forderte Förderprogramme, bei denen Vereine auch kleinere Summen für die Sanierung beantragen können. Die Linke hat im Sportteil keinen eigenen Redebeitrag gehalten.1
Warum das wichtig ist
Rekordzahlen ändern nichts daran, dass Trainer schlecht abgesichert sind und Athleten nach der Karriere ohne Perspektive dastehen. Wer Medaillen will, muss die Menschen bezahlen, die sie möglich machen. Eine Reform, die nach fast zehn Jahren nicht fertig ist, ist keine Reform, sondern Verwaltung.
Für Vereine zählt die Halle vor Ort. Die Sanierungsmittel sind ein Anfang, aber sie erreichen den kleinen Verein nur, wenn die Antragswege einfach sind. Wir haben dazu bereits einen eigenen Antrag vorgelegt: Antrag Sanierung Sportstätten: 40 Milliarden Euro statt Flickwerk.6 Und jeder Euro, der in Programme ohne messbaren Nutzen fließt, fehlt bei Dächern, Duschen und Plätzen.
Was wir fordern
- Spitzensport: Etat auf das Kaufkraftniveau der AfD-Forderung von 2018 anheben, also rund 420 Millionen Euro.
- Trainer: Leistungssportpersonal fest finanzieren und Trainerstellen langfristig absichern.
- Prämien: Olympia- und Paralympiaprämien deutlich anheben und an internationale Spitzenwerte wie Italien heranführen.
- Duale Karriere: Übergang von Athleten in Ausbildung und Beruf verbindlich regeln.
- Umschichtung: Die 10,9 Millionen Euro aus „Integration durch Sport“ in die Sanierung von Sportstätten geben.
- Kontrolle: Jeder Fördertitel bekommt messbare Ziele und eine jährliche Erfolgskontrolle.
Fazit
Der Sporthaushalt 2026 wächst, aber er löst die Grundprobleme nicht. Trainer, Prämien, Duale Karriere und die Spitzensportreform bleiben offen. Mehr dazu, warum der Bund am falschen Ende spart, findest Du in Sport bleibt Nebensache: Der Bund spart am falschen Ende!7
Wir bleiben dran: Wir legen unsere Anträge wieder vor und messen die Regierung an Ergebnissen, nicht an Ankündigungen. Wenn Du im Verein Verantwortung trägst, sag uns, wo es bei Dir klemmt. Sport frei!
Quellen
- Deutscher Bundestag: Plenarprotokoll 21/43, Stenografischer Bericht der 43. Sitzung, 26.11.2025. https://dserver.bundestag.de/btp/21/21043.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
- Deutscher Bundestag, Mediathek: Rede von Jörn König (AfD), 43. Sitzung, 26.11.2025. https://www.bundestag.de/mediathek/video?videoid=7645332 (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩ ↩
- Deutscher Bundestag, Mediathek: Rede von Lars Schieske (AfD), 43. Sitzung, 26.11.2025. https://www.bundestag.de/mediathek/video?videoid=7645335 (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩
- Deutscher Bundestag: Drucksache 21/2062, Beschlussempfehlung des Haushaltsausschusses zum Haushaltsgesetz 2026, 20.11.2025. https://dserver.bundestag.de/btd/21/020/2102062.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩
- Deutscher Bundestag: Drucksache 21/2061, Ergänzung zu den Beschlussempfehlungen des Haushaltsausschusses zum Haushaltsgesetz 2026 (u. a. Einzelplan 04), 21.11.2025. https://dserver.bundestag.de/btd/21/020/2102061.pdf (abgerufen am 13.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩
- sportfrei.de: Antrag Sanierung Sportstätten: 40 Milliarden Euro statt Flickwerk, 07.10.2025. https://sportfrei.de/ak-aktuell/antrag-sanierung-sportstaetten-40-milliarden/ (abgerufen am 13.10.2026) ↩
- sportfrei.de: Sport bleibt Nebensache: Der Bund spart am falschen Ende!, 06.05.2026. https://sportfrei.de/parlament/sport-bleibt-nebensache-der-bund-spart-am-falschen-ende/ (abgerufen am 13.10.2026) ↩