Schwimmunterricht: Badetote verhindern heißt Nichtschwimmer verhindern

KW 32/2018 · AK-Aktuell · Freitag, 10.08.2018

Kurz gesagt: Im Sommer 2018 meldete die DLRG mehr als 300 Badetote seit Jahresbeginn. Andreas Bleck, damals stellvertretendes Mitglied im Sportausschuss, forderte flächendeckenden Schwimmunterricht in allen Bundesländern.1 Am Ende des Jahres zählte die DLRG mindestens 504 Ertrunkene.2

Schwimmunterricht: Wer Badetote verhindern will, muss Nichtschwimmer verhindern

Schwimmen kann Leben retten. Trotzdem verlassen viele Kinder die Grundschule, ohne sicher schwimmen zu können. Hier liest Du, was wir 2018 gefordert haben und was seitdem passiert ist.

Faktenlage

  • Ursachen laut DLRG: Selbstüberschätzung, vernachlässigte Aufsicht von Eltern über ihre Kinder und eine steigende Nichtschwimmerquote.1
  • Bilanz 2018: Mindestens 504 Menschen ertranken in Deutschland, 435 davon in Flüssen, Bächen, Seen und Kanälen. 203 Opfer waren 55 Jahre oder älter, 33 waren Asylsuchende.2
  • Kinder: Fast 60 Prozent der Kinder sind am Ende der Grundschulzeit keine sicheren Schwimmer. 20 bis 25 Prozent der Grundschulen bieten keinen Schwimmunterricht mehr an, weil kein Bad zur Verfügung steht.2

Was wir forderten

Bleck nannte die hohe Zahl der Badetoten in der Pressemitteilung „alarmierend“. Besonders betroffen seien sehr junge und alte Menschen sowie Migranten. Afrikanische und arabische Migranten hätten in ihren Herkunftsländern oft keinen Schwimmunterricht gehabt. Eine religiös begründete Nichtteilnahme muslimischer Schüler am Schwimmunterricht lehnte er klar ab.1 Seine Forderungen:

  • die Nichtschwimmerquote in Deutschland senken,
  • in allen Bundesländern flächendeckenden Schwimmunterricht einführen,
  • die Hindernisse beseitigen: eng getaktete Sportstunden, schlechte Anbindung im Nahverkehr, weit entfernte und überlastete Bäder, fehlende qualifizierte Lehrer.1

Wörtlich heißt es in der Pressemitteilung: „Wir müssen die Nichtschwimmerquote in Deutschland senken, um die hohe Anzahl von Badetoten zu mindern.“1

Warum das wichtig ist

Schwimmen ist keine Kür, sondern Grundfertigkeit. Wer es in der Grundschule nicht lernt, lernt es oft nie. Ohne Bäder gibt es keinen Schwimmunterricht, ohne Schwimmunterricht keine sicheren Schwimmer, ohne Nachwuchs keine Schwimmvereine. Zuständig für den Unterricht sind die Länder, für die Bäder meist die Kommunen. Gerade deshalb muss das Thema bundesweit auf den Tisch.

Was daraus wurde

Wir haben die Forderung in einen Antrag gegossen. Mit dem Antrag 20/5366 „Wertschätzung und Förderung des Unterrichtsfaches Sport“ forderten wir 2023 unter anderem durchgängigen Schwimmunterricht in den Klassenstufen 1 bis 4. Ziel war, dass Schüler sicher schwimmen lernen, also das Deutsche Schwimmabzeichen in Bronze erreichen.3 Der Bildungsausschuss empfahl mit der Beschlussempfehlung 20/6997 die Ablehnung, mit den Stimmen aller anderen Fraktionen gegen unsere.4 Eine Abstimmung im Plenum gab es nicht mehr, der Antrag erledigte sich mit dem Ende der 20. Wahlperiode. Unsere Forderungen für Schwimmen und Schulsport halten wir aufrecht.5

Fazit

Jedes Kind muss am Ende der Grundschule sicher schwimmen können. Dafür braucht es Bäder, Wasserzeiten, qualifizierte Lehrer und eine klare Pflicht im Lehrplan. Ausnahmen aus religiösen Gründen darf es dabei nicht geben.

Häufige Fragen

Wie viele Menschen ertranken 2018 in Deutschland?
Nach DLRG-Angaben mindestens 504.2

Wie viele Kinder können am Ende der Grundschule nicht sicher schwimmen?
Fast 60 Prozent, so die DLRG.2

Was wurde aus unserem Schulsport-Antrag?
Der Antrag 20/5366 wurde im Ausschuss abgelehnt und erledigte sich mit dem Ende der Wahlperiode.4

Quellen

  1. AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag: Bleck: Flächendeckender Schwimmunterricht dringend notwendig, um hohe Anzahl von Badetoten zu mindern, 10.08.2018. Link (abgerufen am 08.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
  2. DLRG Landesverband Württemberg: Fakten Bädersituation, Schwimmfähigkeit, Ertrinkungsfälle 2018. PDF (abgerufen am 08.10.2026) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
  3. Deutscher Bundestag, Drucksache 20/5366: Antrag der Fraktion der AfD „Wertschätzung und Förderung des Unterrichtsfaches Sport“, 24.01.2023. PDF (abgerufen am 08.10.2026) ↩
  4. Deutscher Bundestag, Drucksache 20/6997: Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung zum Antrag 20/5366, 25.05.2023. PDF (abgerufen am 08.10.2026) ↩ ↩
  5. sportfrei.de: Unterrichtsfach Sport stärken: Vier Stunden Pflicht, Schwimmen sichern, Wettkämpfe zurück in die Schule, 06.08.2026. Link (abgerufen am 08.10.2026) ↩

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