Wer nicht ehrlich auswertet, kann auch nichts verbessern: Warum der deutsche Spitzensport seit Jahren im Blindflug unterwegs ist
Wenn sportliche Ergebnisse schlechter werden, Medaillen ausbleiben und die internationale Konkurrenz davonzuziehen droht, dann müsste eigentlich eines selbstverständlich sein: eine schonungslose, systematische Analyse.
Genau das fehlt im deutschen Sport seit Jahren.
Im Sportausschuss am 18. März wurde dieses Problem erneut deutlich. Jörn König verweist in seinem Kommentar auf eine Aussage aus der Sitzung, die den Kern des Problems trifft: Deutschland gewinnt weniger Medaillen, und die Effizienz hat sich innerhalb der letzten 20 bis 30 Jahre etwa halbiert. Seine Schlussfolgerung ist eindeutig: Es braucht endlich eine konsequente und ehrliche Analyse des deutschen Sports.
Wir vom Arbeitskreis Sport und Ehrenamt sagen deshalb klar: Ohne Analyse können keine Verbesserungen stattfinden.
Rückgang der Ergebnisse ist längst sichtbar
Die Entwicklung ist nicht mehr wegzudiskutieren. In seinem Kommentar beschreibt Jörn König, dass Deutschland in den Sommersportarten inzwischen nur noch auf Platz zehn liege, realistisch betrachtet sogar eher auf Platz elf, weil Russland nicht dabei gewesen sei. Auch im Wintersport sei der Abwärtstrend inzwischen deutlich sichtbar: vom dritten auf den fünften Platz. Sein Fazit ist klar: Der deutsche Spitzensport befindet sich im Niedergang.
Das ist keine Randnotiz, sondern ein Alarmsignal.
Trotzdem wird seit Jahren viel über Förderung, Reformen und Strukturen gesprochen, ohne dass die grundlegende Frage sauber beantwortet wird: Warum sinkt die sportliche Leistung tatsächlich, und welche Maßnahmen wirken überhaupt?
Ohne Ursachenanalyse bleibt jede Reform Stückwerk
Genau hier liegt das eigentliche Problem. Wer nur an einzelnen Stellschrauben dreht, ohne vorher systematisch zu untersuchen, warum Deutschland sportlich zurückfällt, betreibt keine echte Reform, sondern politische Beschäftigungstherapie.
Auch in den sportpolitischen Leitlinien wird deutlich, dass Teile der Leistungssportreform in der Praxis untauglich waren und zu Fehlentwicklungen geführt haben. Dort wird ausdrücklich kritisiert, dass die Ergebnisse des Potenzialanalysesystems PotAS mitunter schwer nachzuvollziehen sind.
Das ist ein bemerkenswerter Punkt. Denn wenn selbst das zentrale Instrument zur Bewertung und Förderung des Spitzensports in der Praxis nicht überzeugend funktioniert, dann fehlt es nicht nur an Geld oder Organisation, sondern an belastbarer Steuerung.
Noch deutlicher wird das an einem Beispiel aus den sportpolitischen Thesen: Der Deutsche Basketball-Bund wurde 2023 in der PotAS-Analyse auf dem letzten Platz geführt und wurde trotzdem Weltmeister. Der Deutsche Leichtathletik-Verband dagegen belegte in der Analyse Platz eins, gewann bei der Weltmeisterschaft 2023 aber keine einzige Medaille.
Wenn Analyse und sportliche Realität so weit auseinanderliegen, dann läuft etwas grundlegend schief.
Erfolgreiche Verbände zeigen, wie wichtig Klarheit ist
Jörn König verweist in seinem Kommentar auf den Besuch erfolgreicher Wintersportverbände im Sportausschuss. Bob-, Schlitten- und Skeletonverband hätten bei den Wettkämpfen in Cortina 19 von 26 Medaillen geholt. Gerade aus diesem Umfeld kam laut seinem Kommentar die wichtige Forderung nach einer schonungslosen und konsequenten Analyse des deutschen Sports.
Das ist bemerkenswert. Denn dieser Impuls kam nicht von jenen, die Erklärungen suchen, warum es nicht läuft, sondern von jenen, die zeigen, dass Erfolg unter den richtigen Bedingungen möglich ist.
Gerade deshalb müsste man ihre Hinweise ernst nehmen.
Seit Jahren wird der Niedergang nur verwaltet
Jörn König formuliert es in seinem Kommentar sehr deutlich: Die Sportfunktionäre und die politisch verantwortlichen Kräfte hätten über 30 Jahre hinweg im Grunde nur den Niedergang des deutschen Sports verwaltet.
Das ist hart, aber der Befund trifft einen wunden Punkt. Denn was nützt ein immer neues Reformvokabular, wenn die Ergebnisse am Ende schlechter werden? Was nützt ein Sportfördergesetz, wenn die grundlegenden Ursachen für den Leistungsabfall nicht ehrlich benannt werden?
Auch Jörn König macht klar, dass ein Sportfördergesetz allein nicht ausreichen wird. Solange nicht systematisch untersucht wird, welche Strukturen funktionieren, welche Fördermechanismen versagen und warum der Abstand zur internationalen Spitze wächst, bleibt jede politische Maßnahme unvollständig.
Unser Fazit
Der deutsche Spitzensport braucht keine weitere Schönfärberei, keine weichgespülten Erfolgserzählungen und keine Ausreden.
Er braucht endlich eine systematische, schonungslose und ehrliche Analyse.
Wo verlieren wir international den Anschluss? Welche Reformen haben versagt? Welche Förderinstrumente sind untauglich? Welche Verbände arbeiten erfolgreich und warum? Und wo werden seit Jahren Fehlentwicklungen kaschiert, statt korrigiert?
Solange diese Fragen nicht ernsthaft beantwortet werden, kann es keine wirksamen Verbesserungen geben. Ohne Analyse bleibt der deutsche Sport im Blindflug und ohne ehrliche Bestandsaufnahme wird sich der Niedergang fortsetzen.
Wir vom Arbeitskreis Sport und Ehrenamt halten deshalb fest: Ohne Analyse können keine Verbesserungen stattfinden. Wer den deutschen Spitzensport wirklich wieder nach vorn bringen will, muss endlich bereit sein, die Realität zur Kenntnis zu nehmen und aus ihr die richtigen Konsequenzen zu ziehen.

