Ohne gute Trainer gibt es keinen Spitzensport: Warum Deutschlands Spitzensport an der Bezahlung scheitert
Über Medaillen, Nachwuchs und internationale Wettbewerbsfähigkeit wird in Deutschland gern gesprochen. Wesentlich seltener geht es um diejenigen, die all das überhaupt erst möglich machen: die Trainer.
Dabei ist das Problem seit Jahren bekannt. Im Sportausschuss am 18. März wurde erneut deutlich, dass gerade Bundestrainer, Nachwuchstrainer und weitere Trainer im absoluten Spitzenbereich seit 2019 keine Erhöhung mehr erhalten haben. Genau das spricht auch Jörn König in seinem Kommentar klar an: Die Debatte kommt Jahre zu spät, während Deutschland seine qualifiziertesten Trainer längst an andere Länder verliert.
Wir vom Arbeitskreis Sport und Ehrenamt sagen deshalb deutlich: Schlechte Bezahlung der Trainer ist kein Randproblem. Sie ist ein strukturelles Kernproblem des deutschen Sports.
Hohe Anforderungen, niedrige Vergütung
Wer Bundestrainer auf Weltklasseniveau sein will, braucht heute weit mehr als sportliche Erfahrung. In der Bundestagsdrucksache 20/2596 wird das Anforderungsprofil klar beschrieben: verlangt werden unter anderem ein sportwissenschaftliches Studium, hohe fachliche Kompetenz, Trainerqualifikationen, mehrjährige Erfahrung, sportwissenschaftliches Know-how, Kommunikationsstärke und soziale Kompetenz. Gleichzeitig seien Arbeitsaufkommen, Reisebelastung, Wochenendarbeit und fachfremde Aufgaben hoch, während die Vergütung zu gering ausfalle.
Die Drucksache benennt auch konkrete Obergrenzen in den Förderrichtlinien: bis zu 104.000 Euro für Leistungssportdirektoren und Cheftrainer, bis zu 94.000 Euro für Disziplin- und Funktionstrainer, bis zu 85.000 Euro für Leistungssportreferenten- und Nachwuchstrainer sowie bis zu 74.000 Euro für Stützpunkttrainer. Mischfinanzierte Trainer sind sogar auf einen jährlichen Höchstbetrag von 30.000 Euro begrenzt. Zugleich ist keine Vergütungsuntergrenze geregelt.
Auf dem Papier sehen manche Zahlen noch ordentlich aus. In der Praxis aber beschreibt der Antrag erhebliche Defizite bei den Arbeitsverträgen: schlechte Bezahlung, überdurchschnittlich lange Arbeitszeiten, meist keine vergüteten Überstunden und maximaler Leistungsdruck. Laut Drucksache lag die durchschnittliche Jahresvergütung von Bundestrainern bei rund 47.000 Euro brutto.
Für Spitzenpersonal, das internationale Erfolge vorbereiten, Athleten entwickeln und Deutschland sportlich repräsentieren soll, ist das schlicht zu wenig. Man erwartet Weltklasse, bezahlt aber oft in einer Weise, als handle es sich um austauschbares Personal. Diese Logik ist ungefähr so erfolgversprechend wie Medaillenziele ohne Trainingshalle.
Seit 2019 ist das Problem bekannt und trotzdem wurde nicht gehandelt
Besonders unerquicklich ist, dass diese Missstände seit Jahren bekannt sind. Die Bundestagsdrucksache 20/2596 verweist darauf, dass der DOSB bereits im Dezember 2019 ein Konzept zur Verbesserung der arbeitsvertraglichen Rahmenbedingungen für Trainer beschlossen hatte. Wesentliche Punkte waren eine flexiblere Vergütung, die Anhebung der Fördergrenzen und eine Lohnuntergrenze. Doch selbst ein Jahr später zeigte eine Umfrage unter Bundestrainern laut Antrag kaum positive Entwicklungen.
Genau hier setzt auch der AfD-Antrag an. In der Beschlussempfehlung des Sportausschusses zu Drucksache 20/2596 wird zusammengefasst, was gefordert wurde: Die Höchstbeträge für Trainergruppen sollten angehoben und jährlich an die Inflationsrate angepasst werden. Zudem sollte das Vergütungsmodell des DOSB-Konzepts von 2019 in die Förderrichtlinien übernommen werden.
Mit anderen Worten: Das Problem lag auf dem Tisch. Der Reformbedarf war benannt. Nur gehandelt wurde nicht konsequent.
Jörn König: Sechs Jahre zu spät
Jörn König bringt die Lage in seinem Kommentar auf den Punkt. Er erinnert daran, dass bereits 2019 ein Antrag gestellt wurde, um die Vergütung von Weltklassetrainern auf möglichst 115.000 Euro jährlich anzuheben, eine Indexierung vorzusehen und die Vertragslaufzeiten von Ein- bis Zweijahresverträgen auf vier Jahre umzustellen. Sein Fazit ist eindeutig: Jetzt werde sich zwar wieder darum gekümmert, aber sechs Jahre zu spät.
Noch deutlicher wird er bei den Folgen:
„Fakt ist die Trainer laufen uns weg.“
Und genau das ist der entscheidende Punkt. Wer gute Trainer nicht hält, verliert nicht nur Personal. Er verliert Know-how, Kontinuität, Nachwuchsentwicklung und am Ende sportlichen Erfolg.
Deutschland verliert Trainer an andere Länder
Dass gute Trainer ins Ausland abwandern, ist kein bloßes Gefühl, sondern seit längerem ein bekanntes Problem. Auch im sportpolitischen Konzept der AfD-Bundestagsfraktion wird festgehalten, dass viele Trainer aufgrund ungenügender Arbeitsbedingungen und unzureichender Bezahlung ins Ausland abwandern oder sich gar nicht erst für den Trainerberuf entscheiden. Dort wird ebenso betont, dass es längere Verträge, soziale Absicherung und eine angemessene Bezahlung braucht.
Jörn König nennt in seinem O-Ton mit „Hackl Schorsch“, der nach Österreich gegangen ist, ein prägnantes Beispiel für genau diese Entwicklung. Seine Aussage ist eindeutig: Andere Länder zahlen besser, und Deutschland schaut zu, bis das Personal weg ist.
So kann kein Land dauerhaft Spitzensportnation bleiben.
Das Problem ist nicht nur das Gehalt
Wer die Debatte auf ein paar tausend Euro mehr oder weniger reduziert, greift zu kurz. Auch das kommt in den Unterlagen klar heraus. Es geht ebenso um Planungssicherheit, soziale Absicherung und verlässliche Vertragsstrukturen.
Im sportpolitischen Konzept der AfD-Bundestagsfraktion heißt es ausdrücklich, dass viele Trainer mit Jahres- oder Honorarverträgen und unzureichender Absicherung arbeiten. Zudem seien automatische Dynamisierungen der Höchstbeträge sinnvoll, weil bislang nicht ersichtlich sei, in welchen Abständen oder unter welchen Voraussetzungen überhaupt Anpassungen erfolgen.
Jörn König fordert in seinem Kommentar deshalb nicht nur eine höhere Vergütung, sondern auch eine Indexierung bei steigender Inflation sowie längere Vertragslaufzeiten. Genau diese Kombination ist entscheidend: bessere Bezahlung, planbare Entwicklung und mehr Sicherheit für die Trainer und ihre Familien.
Unser Fazit
Deutschland kann nicht ernsthaft internationale Spitzenleistungen verlangen und gleichzeitig seine Trainer finanziell und vertraglich im Unklaren lassen.
Die Lage ist seit Jahren bekannt. Der Reformbedarf wurde benannt. Der Antrag der AfD-Bundestagsfraktion lag mit klaren Forderungen auf dem Tisch: höhere Vergütung, Inflationsanpassung und bessere Rahmenbedingungen für Trainer. Trotzdem wurde zu lange nicht gehandelt. Der Sportausschuss empfahl 2022 die Ablehnung des Antrags.
Wir vom Arbeitskreis Sport und Ehrenamt halten fest: Wer Trainer schlecht bezahlt, befristet und im Stich lässt, gefährdet die Zukunft des deutschen Spitzensports. Gute Trainer sind kein Kostenfaktor, den man kleinrechnen darf. Sie sind die Grundlage für Leistung, Nachwuchs und internationale Wettbewerbsfähigkeit.
Wer will, dass Deutschland sportlich wieder an die Spitze kommt, muss endlich dort investieren, wo sportlicher Erfolg entsteht: bei den Menschen, die ihn Tag für Tag möglich machen.
Kommentar von Jörn König
Quellen:
- Deutscher Bundestag, Drucksache 20/2596: Sportnation Deutschland – Erhöhung der Vergütung für Bundestrainer
- Deutscher Bundestag, Drucksache 20/3975: Beschlussempfehlung und Bericht des Sportausschusses zu Drucksache 20/2596

