Seniorensport und Sportinfrastruktur: Bewegung darf keine Frage des Zufalls sein
Wie bleiben ältere Menschen gesund, mobil und gesellschaftlich eingebunden? Und welche Infrastruktur braucht Deutschland, damit Breiten-, Senioren- und Spitzensport dauerhaft funktionieren?
Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Sitzung des Ausschusses für Sport und Ehrenamt am 6. Mai 2026. Gegenstand der Anhörung waren zwei zentrale Themen: „Seniorensport: Bedeutung von Bewegung für Gesundheit und Teilhabe in einer alternden Gesellschaft“ sowie „Perspektiven und Weiterentwicklung der Infrastruktur für den Spitzensport“. Als Sachverständige waren unter anderem Prof. Dr. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln, Vertreter des Deutschen Turner-Bundes, des Landessportbundes Berlin, des Deutschen Zentrums für Altersfragen, des DOSB, des Sportstättenbetriebs der Stadt Cottbus und des Deutschen Instituts für Urbanistik geladen.
Für uns als Arbeitskreis Sport und Ehrenamt der AfD-Bundestagsfraktion ist klar: Sportpolitik darf nicht bei wohlklingenden Bekenntnissen stehen bleiben. Wer Gesundheit, Teilhabe und Leistungsfähigkeit erhalten will, muss Bewegung im Alltag ermöglichen, Vereine stärken und Sportstätten verlässlich finanzieren.
Seniorensport ist Gesundheitsvorsorge
In der Anhörung wurde deutlich: Bewegung im Alter ist kein Freizeitluxus. Sie ist ein entscheidender Baustein für Gesundheit, Selbstständigkeit, Mobilität und soziale Teilhabe. Der Deutsche Turner-Bund verweist in seiner Stellungnahme darauf, dass regelmäßige körperliche Aktivität Erkrankungen vorbeugen, Mobilität erhalten und Einsamkeit im Alter entgegenwirken kann.
Genau deshalb haben wir nachgefragt, welchen konkreten Stellenwert Seniorensport und Alltagsbewegung bereits in der Politik der Bundesregierung haben. Die Antwort zeigte vor allem eines: Zuständigkeiten sind verteilt, aber eine klare politische Gesamtstrategie ist nicht erkennbar genug.
Das ist zu wenig. Eine alternde Gesellschaft braucht keine Ressort-Ausreden, sondern verbindliche Konzepte. Bewegung im Alter betrifft Gesundheitspolitik, Sportpolitik, Kommunalpolitik, Pflege, Verkehr und Stadtentwicklung zugleich. Wer das künstlich trennt, verliert die Menschen aus dem Blick.
Von der Krankheitspolitik zur echten Prävention
Prof. Dr. Ingo Froböse machte in der Anhörung deutlich, dass Deutschland zu stark auf Krankheit reagiert, statt Gesundheit aktiv zu erhalten. Diese Einschätzung ist ein wichtiger Punkt.
Unser Gesundheitssystem greift häufig erst dann, wenn Probleme bereits entstanden sind. Dabei ist längst bekannt, dass Bewegung, Ernährung und Prävention entscheidend dazu beitragen können, Erkrankungen zu vermeiden oder hinauszuzögern. Gerade im Alter entscheidet regelmäßige Bewegung darüber, ob Menschen selbstständig bleiben, soziale Kontakte halten und ihren Alltag eigenständig bewältigen können.
Seniorensport ist deshalb nicht nur Sportpolitik. Er ist Vorsorgepolitik.
Alltagsbewegung beginnt vor der Haustür
Ein weiterer Schwerpunkt unserer Fragen war die kommunale Infrastruktur. Denn Bewegung im Alter findet nicht nur in der Turnhalle statt. Sie beginnt auf dem Weg zum Bäcker, im Park, auf sicheren Gehwegen, an Treppen, auf Aktivplätzen und in wohnortnahen Vereinsangeboten.
Thomas Korell griff in der Anhörung gezielt die Frage nach Aktivplätzen in Berliner Parkanlagen auf. Die Antwort aus der Praxis zeigte: Solche Angebote können funktionieren, wenn sie erreichbar, niedrigschwellig und sinnvoll begleitet sind. Geräte allein reichen nicht. Es braucht Anleitung, Betreuung und die Einbindung von Vereinen oder qualifizierten Übungsleitern.
Auch der DTB benennt in seiner Stellungnahme konkrete Bedarfe: wohnortnahe Bewegungsangebote, besonders auch im ländlichen Raum, zielgruppengerechte Formate, bessere Ansprache inaktiver älterer Menschen und Investitionen in barrierefreie sowie altersgerechte Sportstätten.
Das ist der entscheidende Punkt: Gute Absichten bringen niemanden in Bewegung. Es braucht erreichbare Angebote vor Ort.
Fußverkehr ist Teil von Gesundheitspolitik
Thomas Korell stellte außerdem die praktische Frage, wie Fußgängerverkehr wieder stärker berücksichtigt werden kann. Die Antwort von Prof. Froböse war klar: Fußverkehr muss politisch wieder ernster genommen werden.
Das klingt zunächst einfach, ist aber von großer Bedeutung. Wer ältere Menschen mobil halten will, braucht sichere Gehwege, erreichbare Ziele, gute Beleuchtung, Sitzmöglichkeiten, barrierearme Wege und eine Stadtplanung, die Menschen nicht aus dem öffentlichen Raum verdrängt. Es kann nicht sein, dass Radverkehr, Autoverkehr und ÖPNV ausführlich geplant werden, während der einfachste und natürlichste Bewegungsraum, nämlich der Fußweg, politisch vernachlässigt wird.
Alltagsbewegung ist keine Nebensache. Sie ist die niedrigste Schwelle zur Gesundheit.
Vereine brauchen Verlässlichkeit statt Projektlogik
Der organisierte Sport leistet bereits heute enorme Arbeit. Der DTB beschreibt Turn- und Sportvereine als Bewegungsanbieter, soziale Begegnungsorte, Akteure der Prävention und wichtige Strukturen für Teilhabe und Lebensqualität im Alter.
Doch diese Arbeit steht unter Druck. Es fehlen Übungsleiter, Ehrenamtliche, Räume, Geld und langfristige Planungssicherheit. Kurzfristige Projekte helfen manchmal, ersetzen aber keine verlässliche Struktur. Wer Seniorensport ernst nimmt, muss Vereine dauerhaft stärken.
Das heißt: weniger Bürokratie, bessere Unterstützung des Ehrenamts, mehr Qualifizierung und eine planbare Förderung. Vereine dürfen nicht ständig neue Förderanträge schreiben müssen, während ihnen vor Ort die Leute, Hallenzeiten und Mittel fehlen. Dieses System produziert Papier, aber keine Bewegung.
Sportstättenförderung braucht Daten und Wirkungskontrolle
Im zweiten Teil der Anhörung ging es um die Infrastruktur für den Spitzensport. Auch hier haben wir deutlich nachgefragt: Welche Studien liegen vor? Wo ist der Investitionsstau konkret erfasst? Und wird eigentlich geprüft, ob Fördermittel die gewünschten Wirkungen erzielen?
Gerade bei Sportstätten reicht es nicht, Geld zu verteilen und danach die politische Akte zu schließen. Förderprogramme müssen klare Ziele haben. Es muss überprüfbar sein, ob diese Ziele erreicht werden. Und es braucht belastbare Daten darüber, wo der Bedarf am größten ist.
Sportstätten sind nicht nur Gebäude. Sie sind Trainingsgrundlage, Vereinsheimat, Nachwuchsförderung, Gesundheitsraum und Standortfaktor. Wenn sie verfallen, trifft das nicht nur den Spitzensport, sondern auch Kinder, Jugendliche, Senioren, Vereine und Ehrenamtliche.
Cottbus zeigt den konkreten Bedarf
Am Beispiel des Sportstandorts Cottbus wurde deutlich, wie konkret Infrastrukturfragen sind. Es geht um Barrierefreiheit, moderne Trainingsbedingungen, Hallenkapazitäten, technische Anlagen und die Zukunftsfähigkeit von Wettkampf- und Trainingsstätten.
Gerade die Verbindung von Spitzensport, Nachwuchssport, Vereinssport und kommunaler Nutzung zeigt: Man kann diese Bereiche nicht künstlich voneinander trennen. Eine Halle wird nicht nur von Bundeskadern genutzt. Ein Sportzentrum dient nicht nur einem einzelnen Zweck. Gute Sportinfrastruktur wirkt in die Breite.
Deshalb müssen Förderregeln praxistauglicher werden. Wenn Förderprogramme zu starr sind, fallen genau die Standorte durchs Raster, an denen Sport tatsächlich gelebt wird.
Kommunen dürfen nicht alleingelassen werden
Ein weiterer zentraler Punkt ist die Finanzierung. Sportförderung wird oft auf kommunaler Ebene getragen, obwohl sie dort häufig als freiwillige Leistung gilt. Gleichzeitig erwarten Bund und Länder, dass Vereine, Sportstätten und Bewegungsangebote vor Ort funktionieren.
Das passt nicht zusammen.
Wenn Sport gesellschaftlich gewollt ist, dann müssen Bund, Länder und Kommunen Verantwortung fair teilen. Es darf nicht sein, dass Kommunen am Ende allein vor maroden Hallen, fehlenden Bewegungsräumen und steigenden Anforderungen stehen. Besonders ländliche Räume brauchen verlässliche Unterstützung, damit Seniorensport und Vereinsarbeit nicht vom Wohnort abhängen.
Unser Fazit
Die Anhörung hat klar gezeigt: Seniorensport ist Gesundheitsvorsorge, Teilhabe und Lebensqualität. Alltagsbewegung braucht sichere Wege, erreichbare Angebote und kommunale Verantwortung. Vereine brauchen Entlastung und langfristige Unterstützung. Sportstätten brauchen Investitionen, Daten und Wirkungskontrolle.
Für uns als Arbeitskreis Sport und Ehrenamt der AfD-Bundestagsfraktion steht fest:
Bewegung im Alter muss als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge anerkannt werden. Sportvereine, Ehrenamt und kommunale Sportstätten müssen dauerhaft gestärkt werden. Fördermittel müssen dort ankommen, wo sie messbar wirken: bei den Menschen, in den Vereinen und auf den Sportanlagen vor Ort.
Unsere Forderung ist klar: Deutschland braucht eine verbindliche Strategie für Seniorensport, Alltagsbewegung und Sportstätteninfrastruktur mit klaren Zuständigkeiten, weniger Bürokratie, verlässlicher Finanzierung und transparenter Wirkungskontrolle.


